Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Jugendliche rassistische Diskriminierungen im Alltag erleben und wie sie mit dieser umgehen.
Zunächst wird der Begriff Diskriminierung definiert. Diskriminierung bedeutet, dass ein Mensch durch unterschiedliche Behandlung benachteiligt wird. Sie stellt Hierarchien zwischen Gruppen her und grenzt beziehungsweise benachteiligt bestimmte Personengruppen. Vielmehr spricht man in Deutschland von den Begriffen Ungleichbehandlung, Ausgrenzung
und Benachteiligung, da die Begriffe Diskriminierung und Rassismus abwertend konnotiert sind.
In dieser Arbeit wird zuerst die Normalität des Rassismus dargestellt. Hierfür wird die Jugendphase mit den Merkmalen der Ethnizität und dem Geschlecht in Verbindung gebracht, das bedrohlich behaftet ist (jung, fremd, männlich). Hiernach werden alltägliche Mikroaggressionen beschrieben. Danach wird auf die Machtlosigkeit und Selbstnormalisierung
der Jugendlichen eingegangen. Zuletzt wird aufgezeigt, dass Empowerment ein wichtiger Bestandteil ist, um Jugendliche in diesem Kontext zu aktivieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Normalität von Rassismus
3 Jung, männlich, fremd – eine „bedrohliche“ Kombination
4 Mikroaggressionen im Alltag
5 Selbstnormalisierung und Machtlosigkeit der Jugendlichen
6 Empowerment
7 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie Jugendliche rassistische Diskriminierungen in ihrem Alltag erleben und welche Strategien oder Barrieren ihren Umgang damit prägen. Das zentrale Ziel ist es, die Machtlosigkeit dieser Jugendlichen zu beleuchten und aufzuzeigen, wie durch Empowerment-Prozesse und pädagogische Begleitung aktiv gegen gesellschaftliche Diskriminierungsstrukturen vorgegangen werden kann.
- Die Normalisierung von Rassismus in Lebenswelten von Jugendlichen
- Die soziale Konstruktion von Identität: Jung, männlich und fremd
- Die psychologische und soziale Wirkung alltäglicher Mikroaggressionen
- Die Mechanismen der Selbstnormalisierung und des Schweigens
- Empowerment als pädagogisches Instrument gegen Rassismuserfahrungen
Auszug aus dem Buch
3 Jung, männlich, fremd – eine „bedrohliche“ Kombination
Junge Männer mit einem Migrationshintergrund werden von der Gesellschaft mit Gewalt und delinquentem bzw. deviantem Verhalten in Verbindung gebracht. Seit den 1990er Jahren wird dieser Zusammenhang in wissenschaftlichen Diskursen im angloamerikanischen Raum stark diskutiert. Im Laufe der Zeit wird dieses Thema auch in der deutschen Wissenschaft präsenter. Besonders in Berichterstattungen in den Medien wird dieser Zusammenhang betont und in sozialwissenschaftlichen Studien wird bestätigt, dass junge Männer mit Migrationshintergrund besonders oft mit Gewalt und Kriminalität in Verbindung gebracht werden (Huxel, 2014).
Die soziologische Jugendforschung hebt die Verschränkung von Geschlecht, Jugend und Ethnizität bei dem Verständnis von Jugend als soziale Konstruktion hervor. In der Jugendphase befinden sich vor allem „Prozesse sozialer Konstruktion und (Selbst)Positionierungen“ (Huxel 2014, S. 78), womit sie sich als Jugendlicher inszenieren und ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe darstellen. Die Abgrenzung des Jugendalters von der Kindheit und dem Erwachsenenalter wird uneinheitlich vollzogen. Die Adoleszenz stellt mit ihrem Beginn und Ende die zeitliche Rahmung der Jugendphase, wobei der Zeitpunkt, wann eine Person jugendlich ist, weiterhin bestritten ist. Daher ist die Jugend „nicht Ergebnis eindeutiger biologischer (Reife-)Prozesse, sondern vor allem sozialer Eignungen“ (Huxel 2014, S. 79). Jugend ist also auch abhängig von sozialen Bedingungen und ist das Resultat gesellschaftlicher Konstruktionsprozesse. Sie entwickelt sich aus gesellschaftlichen und individuellen Erfordernissen und Entwicklungen heraus (Huxel, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Diskriminierung und erläutert die Relevanz der Arbeit bezüglich der Erfahrungen von Jugendlichen mit Rassismus im Alltag.
2 Normalität von Rassismus: Dieses Kapitel beschreibt, wie Rassismus in Schulen und anderen Lebenswelten als dominante, teils unhinterfragte soziale Ordnung normalisiert wird.
3 Jung, männlich, fremd – eine „bedrohliche“ Kombination: Der Abschnitt thematisiert die gesellschaftliche Stigmatisierung junger Männer mit Migrationshintergrund und die soziologische Konstruktion von Jugend und Geschlecht.
4 Mikroaggressionen im Alltag: Hier werden die Auswirkungen kleiner, alltäglicher Diskriminierungen analysiert, die das Wohlbefinden und die Zugehörigkeitsgefühle von Jugendlichen nachhaltig beeinträchtigen.
5 Selbstnormalisierung und Machtlosigkeit der Jugendlichen: Das Kapitel untersucht, warum betroffene Jugendliche oft schweigen und wie dies zur Aufrechterhaltung rassistischer Strukturen beiträgt.
6 Empowerment: Es wird erörtert, wie Empowerment-Prozesse Jugendlichen helfen können, eigene Handlungsspielräume zu erweitern und sich gegen Diskriminierung zu solidarisieren.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit pädagogischer Begleitung zur Überwindung der Machtlosigkeit durch Rassismuserfahrungen.
Schlüsselwörter
Rassismus, Diskriminierung, Jugendliche, Machtlosigkeit, Empowerment, Mikroaggressionen, Soziale Konstruktion, Identität, Adoleszenz, Migrationshintergrund, Pädagogische Begleitung, Selbstnormalisierung, Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Gesellschaftliche Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der rassistischen Diskriminierung, die Jugendliche im täglichen Leben erfahren, und analysiert die Mechanismen, die zu Machtlosigkeit führen sowie Wege, diese zu überwinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Normalität von Rassismus in Institutionen, die stigmatisierende Wahrnehmung junger Männer mit Migrationshintergrund und die Bedeutung von Empowerment.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Lebensrealität betroffener Jugendlicher aufzuzeigen und die Notwendigkeit von pädagogischen Schutzräumen zu unterstreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller sozialwissenschaftlicher Diskurse und Studien zum Thema Rassismus und Jugendforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Stigmatisierung von Jugendlichen, das Auftreten von Mikroaggressionen und die psychosozialen Folgen des Schweigens bei Diskriminierungserfahrungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Rassismus, Empowerment, Mikroaggressionen und die soziale Konstruktion von Jugend.
Wie wirkt sich die „Biologisierung“ laut Autor auf Jugendliche aus?
Die Reduzierung auf vermeintliche biologische Merkmale wie „Triebsteuerung“ führt dazu, dass Jugendliche als potenziell bedrohlich wahrgenommen und in ihrer Identität eingeschränkt werden.
Warum wird das „Schweigen“ der Jugendlichen als problematisch angesehen?
Das Schweigen verhindert, dass Diskriminierung als solche thematisiert wird, was zur Festigung der bestehenden, diskriminierenden sozialen Ordnung beiträgt.
- Quote paper
- Nazile Karagöz (Author), 2021, Rassistische Diskriminierung im Alltag Jugendlicher. Machtlosigkeit und Empowerment im Kontext von Rassismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1043525