Johann Amos Comenius: Pampaedia-Allerziehung


Hausarbeit, 2000

9 Seiten, Note: 1-2


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GLIEDERUNG

1 EINLEITUNG

2 ALLGEMEINE ÜBERSICHT
2.1 KAPITEL VIII
2.2 KAPITEL IX
2.3 KAPITEL X
2.4 KAPITEL XI

3 BESONDERHEITEN DER DENKWEISE DES J. A. COMENIUS

4 RESÜMEE

5 LITERATURVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

Auf Grund der aktuellen Diskussion über die Reform der pädagogischen Ausbildung von Lehrern an Hochschule n und die Frage, wie ein Mensch überhaupt erzogen werden soll, habe ich mich im Seminar „Leben, Werk und Wirkung des J. A. Comenius“ näher mit den pädagogischen Ansätzen des lange Zeit in Vergessenheit geratenen tschechischen Theologen, Politiker und Pädagogen befasst.

Zunächst möchte ich kurz die von mir bearbeiteten Kapitel VIII-XI aus der Pampaedia von J.

A. Comenius zusammenfassend wiedergeben, um anschließend auf die für die damalige Zeit fortschrittliche Denkweise des Comenius einzugehen. Als erstes aber ein Überblick über die Kapitel aus dem Werk „Pampaedia“, beginnend mit Kapitel VIII.

2 ALLGEMEINE ÜBERSICHT

Die Kapitel VIII- XI beschäftigen sich mit dem vorgeburtlichen Werden des Menschen (Kapitel VIII: „Die Schule des vorgeburtlichen Werdens“), über die Entwicklung während der Kindheit (Kapitel IX: „Die Schule der frühen Kindheit“ bzw. Kapitel X: „ Die Schule des Knabenalters“) und umfasst auch die Zeit des Erwachsenwerdens (Kapitel XI: „Die Schule der Reifezeit“). Comenius (1592-1670) geht speziell auf die Aufgaben der Eltern und die der Lehrer ein und versucht eine ganzheitliche Entwicklung des Kindes bzw. eines jungen Menschen darzustellen. So spielen nicht nur Erziehungsfragen und Bildung eine wichtige Rolle, sondern auch Glaube, Religion und gesundheitliche bzw. körperliche Aspekte treten in den Vordergrund.

2.1 KAPITEL VIII: DIE SCHULE DES VORGEBURTLICHEN WERDENS (SCHOLA GENITURAE)

In diesem Kapitel der Pampaedia erläutert Comenius, dass die Aufgabe des Menschen die Fortpflanzung ist und Kinder für Gott zu zeugen und somit wertvolle Schätze Gottes sind. Für einen Menschen ist es nicht nur von Vorteil, „gut geboren zu werden“, sondern auch „gut zu leben“, „gut zu sterben“ ist wichtig. Comenius bezeichnet dies als „Menschliche Wohlfahrt“(„benedictio humana“).

Es gilt: Keine Geschlechtlichen Beziehungen außerhalb der Ehe zu pflegen, Ehre und Frömmigkeit hochzuhalten und einen ehrenhaften Tod („gutes Sterben“) zu sterben. Ganz wichtig im Leben sind Leitbilder, womit Comenius aufzeigen möchte, dass man Beispiel für andere sein sollte. Kinder müssen von Schlechtem fern gehalten werden und ihnen durch die Eltern eine fromme und heilige Lebensweise vorgelebt werden.

Des weiteren teilt Comenius diese Schule des vorgeburtlichen Werdens in drei Klassen ein und vermittelt somit Regeln für die werdenden Eltern:

Keine all zu jungen Frauen und Männer sollen den Bund der Ehe schließen, die Ehe dient zum Zweck Kinder zu gebären; von werdenden Eltern wird eine enthaltsame Lebensweise erwartet. Ein heiliger Lebenswandel wird empfohlen und es soll nichts getan werden, was dem werdenden Kind schaden zufügen könnte. Nach einer glücklichen Geburt sollen Vater und Mutter Gott danken und ihn bitten, traurige Vorfälle (z.B. Krankheit oder Tod) abzuwenden.

2.2 KAPITEL IX: DIE SCHULE DER FRÜHEN KINDHEIT (SCHOLA INFANTIAE)DER MUTTERSCHOSS (GREMIUM MATERNUM)

(BIS ZUM 6. LEBENSJAHR)

Comenius definiert ein Kleinkind folgendermaßen: „Ein Kleinkind ist ein noch nicht ausgewachsener, eben erst auf die Welt gekommener Mensch, ungeformt in allen Stücken und im Bezug auf das Ganze der Formung bedürftig.1 “ Da für Comenius ein wirklich geformter Mensch das lebende Abbild Gottes ist, gibt er drei grundlegende Regeln an, um die Bestimmung des Menschen zu erlangen:

Erstens, die Heilige Schrift, zweitens der Wille nach einer Verbesserung der Lebensgrundlagen und drittens der Grundsatz, dass wir für unsere Kinder so sorgen sollen, wie für uns, ist wichtig und danach soll gelebt werden.

Auch „Die Schule der frühen Kindheit“ wird von J. A. Comenius in Klassen eingeteilt:

Zunächst soll man das Kind taufen und somit Gott zu Dienste weihen. Kinder sollen von ihren Müttern selbst gestillt werden, Ausnahmen nur bei Krankheit oder Tod der Mutter!

Das Kind soll mit Gegenständen aus dem alltäglichen Leben konfrontiert werden, damit es durch Fühlen und Tasten, mit allen Sinnen, diese erkennt. Zuerst einfache Worte, dann Sprache und Aussprache sollen durch die Eltern beigebracht werden. Für Comenius sind die Erfahrungen und Eindrücke in den ersten Lebensjahren eines Kindes besonders wichtig („In den Gewohnheiten seiner Jugend wird er alt!“2 ). Daher hebt Comenius sittliches Verhalten, Unterweisung und Zucht hervor. Ausdrücklich spricht sich Comenius aber gegen die Prügelstrafe aus, worauf in Teil drei dieser Ausarbeitung näher eingegangen werden soll. In der Klasse des Mutterschosses sollen die Kinder soziales Verhalten lernen und gemeinsam singen, spielen, rechnen und abschliessend lesen und schreiben lernen.

2.3 KAPITEL X: DIE SCHULE DES KNABENALTERS (SCHOLA PUERITIAE) (6. -12. LEBENSJAHR)

Comenius hebt zunächst noch einmal hervor, welche Bedeutung die Erziehung im Kindesalter hat, denn diese frühe Erziehung ist die Grundlage, alles weitere im Leben beruht darauf. Auch hier wieder eine Definition des Knabenalters: „Kinder sind junge Menschen, die künftigen Nachfahren derer, die heute die Welt- Staat, Kirche und Schule - darstellen“3. In Kapitel zehn der Pampaedia beschreibt Comenius, dass man Kinder hin zu Menschlichkeit führen soll. Lesen, Schreiben und Sprache sollen in diesem Lebensalter erlernt werden, ausserdem leichte Fertigkeiten. Besonders hervorgehoben werden die mathematischen Künste.

Johann Amos Comenius teilt das Knabenalter in Stufen ein und verwendet hierfür recht bildhafte Ausdrücke für diese Zeit der menschlichen Entwicklung, vergleichbar mit einem Garten („wachsen lassen“):

Erstens: „Plantarium“ (das „Beet“). In dieser Phase der Entwicklung eines jungen Menschen stehen das Erlernen von Alphabet, Silben- und Wörterverzeichnis sowie Ziffern und Gebete im Vordergrund. Zweitens: „Seminarium“ (die „Pflanzschule“). Der Hauptgedanke, nämlich die Übersicht über die ganze Pansophia, wird beleuchtet. Als nächstes folgen: „Violarium“ (das „Veilchenbeet“), hier soll ein umfassender, vollkommener Überblick vermittelt werden und „Rosarium“ (der „Rosengarten“), es geht um die Zergliederung der Welt und der Wissenschaft.

Als fünftes folgt „Viridarium“ (der „Ziergarten“), in dem es um die Zergliederung des Geistes, also in Kulturwelt, menschliche Arbeit und sittliche Welt geht. Zum Abschluss noch „Paradisus“ („Paradies“). In dieser Phase geht es in erster Linie um die Lektüre der Heiligen Schrift.

Comenius weist zum Schluss dieses Kapitels noch darauf hin, dass die verwendeten Lehrbücher lediglich als Stütze zur Wissensvermittlung verwendet werden sollen und diese nach und nach aus dem Unterricht verbannt werden können.

2.4 KAPITEL XI: DIE SCHULE DER REIFEZEIT (SCHOLA ADOLESCENTIAE)

In Kapitel elf der Pampaedia von Johann Amos Comenius stehen Richtlinien, wie ein heranwachsender Mensch geformt werden soll im Vordergrund. Comenius definiert: „Heranreifende sind junge Menschen, die zwar der Kindheit entwachsen, aber an Statur, Urteilsvermögen und Kräften noch nicht voll ausgestattet sind.4 “ In groben Zügen gibt J. A. Comenius wichtige Bestimmungen des noch nicht voll entwickelten Menschen an: Das Vermögen des Menschen ist es, mit Geist, Hand und Sprache zum Ebenbild Gottes erzogen zu werden; der menschliche Geist ist ein Spiegel der Sachenwelt. Die Hand des Menschen ist ein Werkzeug, welches unermessliche Werke vollbringen kann, ähnlich der Rechten Gottes. Die Sprache dient als Dolmetsch zur Verständigung von Mensch zu Mensch. Ziel des Menschen ist es, weise zu werden; d. h. er muß über Sachen bescheid wissen und die Einsicht gewinnen, wie er dieses Wissen gebraucht. Die Sachen, Dinge des alltäglichen Lebens müssen mit den Sinnen (durch Sehen, Riechen, Hören, Schmecken und Berühren) erkannt werden. Um handeln zu können, muß der Mensch in der Lage sein, Wissen, Einsicht und Sachen sinnvoll einzusetzen und nach seinem Ermessen zu verwenden. Wichtig ist, dass der Mensch lernt, mit den Mitmenschen in Friede und Freundschaft zu leben und sein Wissen durch Reden und Lehren anderen mitzuteilen.

An dieser Stelle hebt Comenius wiederum die religiöse Wichtigkeit hervor und fordert, dass man Gott ehren und in Liebe, Furcht, Lob und Glück Gott vertrauen soll. Johann Amos Comenius hebt die Bedeutung des Menschen hervor und unterscheidet zwischen Mensch und Tier: Die Würde des Menschen beruht auf seinem Verstand. Damit der Mensch Einsicht in alle Dinge gewinnt, dienen Philosophie, Theologie und Politik, zur Durchführung dienen Dialoge, Disputationen, szenische Darstellungen und Briefe.

Die Schule der Reifezeit ist eine Lateinschule und folgendermaßen eingeteilt:

Erstens: Es soll dasselbe wie in der Schule des Knabenalters gelernt werden, lediglich in verschiedenen Sprachen. Von großer Bedeutung sind Sprache, Wissenschaft, Künste (artes) und gute Sitten. Wichtige Sprachen sind: Erstens, die Sprachen der Nachbarvölker, zweitens Latein, drittens Griechisch und viertens Hebräisch. Die Wissenschaft der Künste, nämlich Göttliche, Menschliche und aus der Heiligen Schrift sind von Bedeutung. Übungen, welche die Sinne, Verstand, Wille , Fähigkeit und Stil betreffen sind wichtig: Sie sollen zum Teil schriftlich, mündlich und unvorbereitet durchgeführt werden. Probleme sollen lakonisch dargestellt werden, zum Schmuck der Rede und des Stils dienen Synonyme. Diarien (Tagebücher), in denen Gedanken und Erlebnisse notiert werden empfiehlt Comenius ebenso. Zum Schluss dieses Kapitels vergleicht Comenius die Schule mit einem kleinen Staat. Er unterteilt die Lateinschule zunächst in eine demokratische, folgend in eine aristokratische und monarchische Schule.

Abschliessend geht Comenius noch auf die Bedeutung der Gesundheit der Schüler ein; richtige Lebensweise und vor allem keine Überforderung der Schüler sind hier Grundsätze.

3 BESONDERHEITEN DER DENKWEISE DES J. A. COMENIUS

Betrachtet man die Denkweise und die pädagogischen Ansätze von Jan Amos Comenius, bemerkt man speziell in den Kapiteln VIII- XI die für die damalige Zeit modernen Ansätzen. So setzt sich Comenius zwar für die Zucht Heranwachsender ein, unterstreicht aber dabei die Forderung, dass dies ohne Prügelstrafe geschehen soll. „Die Zucht ist in diesem zarten Alter von größter Bedeutung. Sie soll nicht auf der Prügelstrafe beruhen. Weg mit Schlägen, ausser wenn die äusserste Verstocktheit gebrochen werden muß! Sie besteht vielmehr in einer (...) behutsamen Lenkung. (...) Hier gilt der bekannte Grundsatz der Ärzte: Principiis obsta! Bekämpfe die Ursache!5

Auch seine beschriebene Art und Weise, wie man Kindern das Lesen und Schreiben interessant und spielend näher bringen kann, erscheint recht modernen Erziehungsgrundsätzen nahe zu liegen: „Es würde sich also lohnen, diese ersten bitteren Wurzeln der Formung (eruditio) durch irgendeinen Kunstgriff zu versüssen, damit die Kinder nicht ihre Herbheit spüren. Das läßt sich nur dadurch erreichen, dass man diese recht harte Arbeit in ein Spiel verwandelt.6 “ Sein Gedanke, Lesen und Schreiben durch ein Würfelspiel beizubringen, läßt die alternative Denkweise und den behutsamen Umgang mit Kindern wiederum zur Geltung bringen.

Sehr wichtig erscheint Comenius die Mädchenbildung, auf die er in Kapitel IX der Pampaedia eingeht: „Comenius tritt ausdrücklich auch für eine gleichwertige Mädchenbildung ein. Wenn er hier von pueritia und pueri spricht, so meint er die Schulkinder überhaupt. Dass die Mädchen vom Bildungsgang nicht auszuschliessen sind“, beschreibt Comenius auch schon in Kapitel V. „ Seine Forderung omnes homines excolere betrifft auch die Mädchen, insofern sie eben Menschen sind.7

4 RESÜMEE

Durch die Lektüre der „Pampaedia“ von Johann Amos Comenius wird sehr gut deutlich erkennbar, dass bereits im 17. Jahrhundert Ansätze heutiger Erziehungsgrundlagen geschaffen wurden. Nicht zuletzt Comenius, der für seine modernen Gedanken zu Lebzeiten als Vertriebener und besitzloser Flüchtling durch Europa wandern mußte, haben wir zu verdanken, dass die Bildung von jungen Menschen heute sehr viel umfassender Gesehen wird, als in vorangegangen Jahrhunderten. Ist für Comenius zwar das Göttliche und Religiöse äusserst wichtig, so hat er allerdings auf keinen Fall vergessen, dass menschliche, „weltliche“ Bedürfnisse zunächst im Vordergrund des Lebens stehen.

Um Menschen nicht nur in Erziehungs- und Bildungsfragen Hilfe, Orientierung und Sinn zu geben, sehe ich das Werk „Pampaedia“ als eine sinnvolle Ergänzung zur geschichtlichen Betrachtungsweise und Erforschung der heutigen Bildungs- und Erziehungsaufgabe der Menschheit an. Die ganzheitliche Betrachtungsweise von Johann Amos Comenius ist umfassend und berücksichtigt somit nicht nur die Bildung, sondern eine allgemeine Entwicklung des Kindes bzw. Jugendlichen zu einem erwachsenen, reifen und mündigen Menschen.

5 LITERATURVERZEICHNIS

Schaller, Klaus: Johann Amos Comenius Pampaedia Allerziehung, Sankt Augustin 1991.

Schaller, Klaus: Die Pampaedia des Johann Amos Comenius. Eine Einführung in sein pädagogisches Hauptwerk, Heidelberg 1957.

[...]


1 Schaller, K. (Hrsg.): Comenius, J. A.: Pampaedia -Allerziehung, Sankt Augustin, 1991, S. 157

2 ebd.: S. 166

3 ebd.: S. 193

5 ebd.: S. 184

6 ebd.: S. 192

7 ebd.: S. 188

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Johann Amos Comenius: Pampaedia-Allerziehung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
J. A. Comenius- Leben, Werk und Wirken
Note
1-2
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V105284
Dateigröße
340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann, Amos, Comenius, Pampaedia-Allerziehung, Comenius-, Leben, Werk, Wirken
Arbeit zitieren
Nicolas Zoll (Autor), 2000, Johann Amos Comenius: Pampaedia-Allerziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105284

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