Preisbildung im Oligopol


Hausarbeit, 2002

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Marktformen und Produktpreisbildung
1.1 Produktpreisbildung
1.2 Die Marktformen und das Marktverhalten
1.2.1 Beschaffenheit des Marktes
1.2.2 Verhaltensweisen der Marktteilnehmer

2. Das Oligopol
2.1 Entstehung und Marktsituation
2.1.1 Entstehung und Vorkommen
2.1.2 Marktsituation
2.2 Gewinnmaximierung im Oligopol – Der Reaktionskoeffizient
2.3 Verhaltensweisen im Oligopol
2.3.1 Kooperatives Verhalten
2.3.2 Behinderungs- und Verdrängungsstrategien

3. Möglichkeiten der Preisbildung im Oligopol
3.1 Preisbildung durch Mengenwettbewerb im Cournot Modell
3.1.1 Modellannahmen
3.1.2 Bildung des Gleichgewichtpreis im Cournot Modell
3.1.2.1 Cournotsche Zweidrittel-Lösung (Dyopol)
3.1.2.1 Lösung für i=1,2 ... n Anbieter
3.1.3 Beispiel einer Preisbildung durch Mengenwettbewerb
3.2 Preisbildung durch Preiswettbewerb im Bertrand Modell
3.2.1 Modellannahmen
3.2.2 Bildung des Gleichgewichtpreis im Bertrand Modell
3.2.1 Beispiel einer Preisbildung durch Preiswettbewerb
3.3 Vergleich und Wohlfahrtstheoretisch Betrachtung
3.3.1 Vergleich der beiden Modelle
3.3.2 Wohlfahrtstheoretische Betrachtung
3.3.3 Modell von Keps und Scheinkman

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Einleitung

Zum Auftakt der Luftfahrtschau in Paris lieferten sich die großen Konkurrenten Boeing und Airbus einen heftigen Schlagabtausch. Es ging dabei um Milliardenaufträge, die sich beide Anbieter auf der größten Fachmesse der Welt sichern wollten. Ein Grund für den harten Wettbewerb sind wohl die Auswirkungen der Anschlägen des 11.September, die sich in dieser Branche immer noch negativ in den Geschäftszahlen bemerkbar machen. Es wurden sogar Vorwürfe gegen Airbus seitens Boing erhoben, mit unfairen Mitteln um die Vormachtstellung auf dem Weltmarkt zu kämpfen. Airbus Chef Noël Forgeard wies diese jedoch empört zurück.[1]

Es weht ein rauer Wind zwischen den beiden Flugzeugbauern. Die Financial Times Deutschland schreibt sogar von einem drohenden Preiskrieg. Sollte die Krise und somit die tiefen Einschnitte der Airlines weiter andauern, wird das Risiko eines ruinösen Preiskampfes seitens der Flugzeughersteller immer größer. Boing Chef Mulally hat bereits Airbus unmissverständlich dazu aufgefordert, die Kapazitäten der aktuellen Marktlage anzupassen.[2]

Was sich hier abzeichnet, ist ein harter Wettbewerbskampf zweier Duopolisten. Diese Sonderform des Oligopols war im Dezember 1996 nach der Fusion von Boeing und McDonnell Douglas entstanden, nachdem nur noch Airbus als einziger ernstzunehmender Konkurrent auf diesem Markt zurück geblieben war.[3]

Wie es nun unter solchen Bedingungen zu einer Preisbildung auf diesem oligopolistischen Markt kommt, ist Gegenstand diese Hausarbeit. Der erste Teil der Arbeit wird dazu das nötige Verständnis für den Marktmechanismus, die Marktbeschaffenheit und die Differenzierung der Marktformen schaffen, ein zweiter Teil geht auf die Eigenheiten des Oligopols ein. Im dritten Teil wird die Preisbildung anhand der den Konkurrenten zur Verfügung stehenden Preis- oder Mengenstrategie dargestellt. Um dabei den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, werden nur die beiden bekanntesten Modelle von Cournot und Bertrand behandelt. Ein Vergleich der beiden sowie die Vorstellung eines weiteren Modells, das die Preis- und die Mengestrategie kombiniert, stellen den Abschluss der Arbeit dar.

1. Marktformen und Produktpreisbildung

In diesem Kapitel werden auf die Grundlagen der Produktpreisbildung, der verschiedenen Marktformen sowie auf das Marktverhalten eingegangen, um das Verständnis der Preisbildung im Oligopol unter den unterschiedlichen Wettbewerbssituationen zu erleichtern.

1.1 Produktpreisbildung

Der Preis für ein Gut bildet sich durch die auf dem Markt angebotene und nachgefragte Menge. Abbildung 1 soll dieses Prinzip veranschaulichen. Die dort abgebildete Angebotskurve AK verhält sich positiv zum Preis. Je höher der Preis, desto mehr Anbieter werden auf dem Markt anbieten, um zusätzliche Gewinne zu realisieren. Die Nachfragekurve NK ist dagegen negativ mit dem Preis korreliert. Je höher der Preis desto geringer fällt die Nachfrage aus, da der Grenznutzen mit steigenden Preisen für die Nachfrager sinkt. Der Schnittpunkt der beiden Geraden spiegelt den Gleichgewichtspreis P0 wieder. Die Preise, die sich auf dem Markt bilden, tendieren in der Regel zu diesem Gleichgewichtspunkt hin. Liegt der Preis über diesem Gleichgewichtsniveau - wie bei dem Preis P1 - so führt dieser Angebotsüberschuss zu einem Absinken des Preises, da nun mehr angeboten wird als die Konsumenten bereit sind nachzufragen. Ein Nachfrageüberschuss liegt hingegen vor, wenn der Preis (z.B. bei P2) unterhalb des Gleichgewichtsniveaus liegt. Dies wird wiederum zu einem Preisanstieg führen, da in diesem Fall weniger angeboten wird, als die Nachfrager bereit sind zu konsumieren. Der Preis steigt an, bis der Gleichgewichtspreis in P0 wieder erreicht wird.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Preismechanismus. Quelle: Cezanne, Wolfgang (1999), Seite 151 .

1.2 Die Marktformen und das Marktverhalten

Nachfrage und Angebot für ein angebotenes Produkt führen auf einem Markt zu einem Preis. Dieser fällt aber nicht auf jedem Markt gleich aus. Die Marktform, in der Angebot und Nachfrage aufeinander treffen, hat einen großen Einfluss auf diesen Marktpreis, da die Anzahl der Anbieter und Nachfrager stark variieren kann und somit auch deren Möglichkeit, den Preis zu ihrem Gunsten zu beeinflussen. Auf einem Markt mit nur einem einzigen Anbieter wird dieser einen höheren Preis verlangen können, als einer der sich auf einem anderen Markt die Marktnachfrage mit Konkurrenten teilen muss. In untenstehendem Marktformenschema nach Stackelberg wird eine Klassifizierung der Marktformen nach Anzahl der Anbieter und Nachfrager vorgenommen. Die Unterschiede liegen in der Anzahl der Nachfrager bzw. Anbieter, welche wiederum auf bestimmte Mengen von Anbietern bzw. Nachfragern treffen.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Marktformenschema nach Stackelberg. Quelle: Cezanne, Wolfgang (1999) Seite 152.

Allerdings beziehen sich in der Tabelle die Bezeichnungen „groß“, „mittel“ und „klein“ nicht auf einen Größenvergleich der Anbietern und Nachfragern auf anderen Märkten, sondern auf die jeweiligen Marktanteile.[6]

In einer groben Einteilung der Anbieter bzw. Nachfrager in „ein großer“, „wenige mittlere“ und „viele Kleine“ erhalten wir 9 verschiedenen Marktformen. Die wohl bekanntesten finden sich in der letzten Zeile der Tabelle: Das Monopol, das Oligopol und das Polypol, wobei die Marktform des Oligopols im Gliederungspunkt 3 näher betrachtet wird.[7]

1.2.1 Beschaffenheit des Marktes

Nicht nur die Anzahl der Anbieter und Nachfrager, die auf diesen Märkten agieren, sind bedeutend für die Preisbildung, sondern auch die Beschaffenheit des Marktes selbst. Hierbei wird in vollkommene und unvollkommene Märkte unterteilt. Ein vollkommener Markt zeichnet sich durch homogene Güter aus, d.h. dass die angebotenen Güter vollständig gegeneinander substituierbar sind, so dass es für die Marktteilnehmer keinen Grund gibt, Preisunterschiede der Anbieter hinzunehmen. Darüber hinaus gibt es keine sachlichen, zeitlichen, persönlichen oder räumlichen Präferenzen, die eine Duldung eines Preisunterschiedes rechfertigen könnten. Die vollständige Markttransparenz ist ein weiteres Merkmal für einen vollkommenen Markt. Alle Marktteilnehmer verfügen über vollständige und gleichartigen Informationen über das Marktgeschehen, so dass kein Marktteilnehmer niedrigere bzw. höhere Preise durchsetzen kann. Sobald eines dieser Merkmale nicht oder nur Teilweise zutrifft, sprechen wir von einem unvollkommen Markt.[8]

Vollkommene Märkte sind in der Realität nur sehr selten anzufinden. Wertpapierbörsen können noch am besten diese Anforderungen erfüllen. Allerdings dient die Annahme eines vollkommenen Marktes vielen Modellen zur Vereinfachung und Veranschaulichung der darzustellenden Sachverhalte. Auch in den später behandelten Modellen wird von einem vollkommenen Markt ausgegangen.

1.2.2 Verhaltensweisen der Marktteilnehmer

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Preisbildung ist neben dem Vollkommenheitsgrad des Marktes und der Marktform auch die Verhaltensweisen der Marktteilnehmer. Ein aggressiver Marktteilnehmer wird u.U. eine Strategie entwickeln, um nach Verdrängung sämtlicher Konkurrenz Monopolpreise durchsetzen zu können, die um einiges höher liegen werden, als auf einem dem Wettbewerb unterliegendem Markt. Generell können die an den Tag gelegten Verhaltensweisen in die Kategorien Anpassung, Kooperation und Strategie eingeteilt werden. Ein Anpassungsverhalten findet sich häufig im Polypol. Der einzelne Marktteilnehmer hat keine Möglichkeit, durch eigene Aktionen Einfluss auf das Marktgeschehen zu nehmen, da sein Marktanteil schlichtweg zu gering ist.[9]

Um nicht vom Markt zu verschwinden ist die passive Anpassung an die herrschenden Marktverhältnisse unabdingbar. Der Marktpreis wird somit von allen Anbietern als Datum akzeptiert.[10]

Ein häufig beobachtetes Verhalten auf Märkten mit wenigen Anbietern ist das der Kooperation. Hier steht das gemeinsame Handeln im Vordergrund. Ziel ist es, einen ruinösen Wettbewerb zu vermeiden und durch wettbewerbsbeschränkende Verträge eine Machtposition aufzubauen, die es erlaubt, relativ hohe Preise durchzusetzen.[11]

Diese Art von Absprachen ist allerdings in Deutschland durch das Kartellgesetz verboten. Dennoch kommt es immer wieder zu „Frühstückskartellen“, wie das synchrone Preisverhalten der Ölkonzerne an den Tankstellen vermuten lässt. Allerdings muss eine Preisabsprache erst nachgewiesen werden, schließlich könnte es sich ja auch „nur“ um die Strategie handeln, sich dem Verhalten seiner Konkurrenten anzupassen.

Kennzeichnend für eine Strategie sind zwei Elemente. Zum einen die Möglichkeit, durch eigene Aktionen Marktgrößen (z.B. den Preis) beeinflussen zu können und zum anderen das Bewusstsein, dass jede eigene Aktion eine Reaktion der übrigen Marktteilnehmern nach sich zieht. Im Monopol kann der Anbieter durch die produzierte Menge den Preis beeinflussen, er muss allerdings in die Berechnung der gewinnoptimalen Produktionsmenge die Reaktionen der Nachfrager mit einkalkulieren, da diese bei einer Änderung des Preises auch ihr Nachfrageverhalten ändern werden. Besonders deutlich werden diese Reaktionen im Oligopol. Hier muss der Anbieter bei jeder eigenen Aktion die möglichen Reaktionen seiner Konkurrenten mit einberechnen. Im Oligopol können so kurzfristig die Konsumenten in den Genuss von relativ niedrigen Preisen kommen, da die Konkurrenten in der Regel versuchen sich zu unterbieten. Langfristig wird aber die Tendenz zu etwas höheren Kartellpreisen führen nachdem die Konkurrenten sich auf eine gemeinsame Strategie geeinigt haben.[12]

Der Preis, der sich auf den Märkten bildet, wird also nicht unerheblich durch die Verhaltensweisen der Marktteilnehmer beeinflusst. Diese Tatsache wird später in den Modellbetrachtungen der Preisbildung noch eine bedeutende Rolle spielen.

2. Das Oligopol

2.1 Entstehung und Marktsituation

Wie bereits im vorrangegegangen Kapitel im Stackelberg - Schema dargestellt, liegt ein Oligopol vor sobald „... auf der Seite des Angebots und/oder der Nachfrage nur wenige relativ große Verkäufer bzw. Käufer auftreten ...“.[13]

Da der Focus dieser Arbeit auf der Preisbildung von Anbieterseite her liegt (Angebotsoligopol), soll das Nachfrageoligopol an dieser Stelle der Vollständigkeit halber nur erwähnt werden. Im Folgenden wird auf die Entstehung eines Angebotsoligopols, der dortigen Marktsituation und den möglichen Verhaltensweisen näher eingegangen.

2.1.1 Entstehung und Vorkommen

Die wohl am häufigsten anzutreffende Marktform in hochentwickelten Volkswirtschaften ist das Oligopol. Als Beispiele seien hier die Mineralöl-, Automobil- oder Elektroindustrie genannt.[14]

Entstehungszehnarien könnten hierbei z.B. das Auslaufen eines Patentes sein, dass Konkurrenten nun erlaubt in dem selben lukrativen Markt anzubieten, indem zuvor der Patentinhaber alleiniger Anbieter war. Auch eine kartellrechtliche Aufhebung einer Monopolstellung, die eine zwangsweise Öffnung des Marktes beinhaltet ist denkbar. Möglich ist zudem die Bildung durch einen harten Verdrängungswettbewerb, in dessen Verlauf kleinere Anbieter mit schlechteren Kostenstrukturen den Markt verlassen müssen oder von anderen aufgekauft werden, bis schließlich nur noch einige wenige größere Anbieter übrig sind, wie es z.B. im Oligopol von Boing und Airbus der Fall war.

2.1.2 Marktsituation

Bei der Abgrenzung zu anderen Marktformen ist allerdings nicht so sehr die Anzahl der Anbieter entscheidend wie die Tatsache, dass ein Anbieter im Oligopol bei jeder seiner eigenen Aktionen die Gegenreaktionen seiner Konkurrenten mit einbeziehen muss. Begründet liegt dies in der Verteilung der Marktanteile auf die wenigen Anbieter, die somit jedem einzelnen die Möglichkeit gibt wichtige Marktgrößen zu beeinflussen. Um nicht durch die absatzpolitischen Maßnahmen eines Anbieters in Mitleidenschaft gezogen zu werden, wird es zu einer Reaktion der restlichen Anbieter kommen, um den eigenen Marktanteil zu schützen.[15]

[...]


[1] Vgl. Internetquelle 1.

[2] Vgl. Internetquelle 2.

[3] Vgl. Internetquelle 3.

[4] Vgl. Cezanne, Wolfgang (1999), Seite 151.

[5] Vgl. Cezanne, Wolfgang (1999), Seite 152.

[6] Vgl. Wied-Nebbling, Susanne (1997), Seite 6.

[7] Vgl. Cezanne, Wolfgang (1999), Seite 152.

[8] Vgl. Cezanne, Wolfgang (1999), Seite 153.

[9] Vgl. Ebenda, Seite 154.

[10] Vgl. Cezanne, Wolfgang (1999), Seite 154.

[11] Vgl. Ebenda, Seite 155.

[12] Vgl. Ebenda, Seite 154f.

[13] Gabler Wirtschaftslexikon (1997), Seite 2849.

[14] Vgl. Woll, Artur (1996), Seite 223.

[15] Vgl. Ebenda , Seite 223.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Preisbildung im Oligopol
Hochschule
Berufsakademie Berlin  (FB Industrie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V10531
ISBN (eBook)
9783638169264
ISBN (Buch)
9783640667789
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Note: Inhaltlich 1,3, wegen Formfehlern auf 1,7.
Schlagworte
Preisbildung, Oligopol, Mengenwettbewerb, Preiswettbewerb
Arbeit zitieren
Andreas Wück (Autor), 2002, Preisbildung im Oligopol, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10531

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