Architektur etruskischer Grabmäler


Facharbeit (Schule), 2001
26 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Geographische Bestimmung

3 Historische Bestimmung
3.1 Das Herkunftsproblem
3.2 Geschichte
3.2.1 Bronzezeit
3.2.2 Villanova-Kultur
3.2.3 Blütezeit
3.2.4 Romanisierung und Niedergang

4 Religion
4.1 Griechische Einflüsse.
4.2 Die ‚disciplina’
4.3 Der Raum
4.4 Das Grab

5 Grabarchitektur
5.1 Einflüsse
5.1.1 Kulturelle Einflüsse
5.1.2 Regionale Einflüsse
5.1.3 Geographische Einflüsse
5.1.4 Soziale Einflüsse.
5.2 Grabtypen
5.2.1 Äussere Form: Der Tumulus
5.2.2 Der Norden: Die Populonia-Vetulonia-Gruppe
5.2.3 Der Süden: Vom Fossagrab zum Kammergrab
5.2.4 Systematik der Kammergräber

6 Schlusswort

7 Literaturverzeichnis

8 Persönliche Erklärung

9 Abbildungsverzeichnis.

10 Anhang

1 Einleitung

Ferien in einem kleinen toskanischen Dorf in der Nähe von Populonia haben mich zwangsläufig über vergangene etruskische Existenz stolpern lassen, mich auf dieses Volk aufmerksam gemacht und Interesse geweckt, das bis heute nicht abgeklungen ist. Die Abgeschiedenheit und bisweilen (buchstäblich) zauberhafte Lage der Grabstätten vermittelt einem das seltsame Gefühl, ein Stück Vergangenheit schaue direkt zu uns herein, wie wenn keine 2000 Jahre dazwischenlägen und die Zeit nur in Seifenblasen existieren würde, jederzeit zu zerplatzen drohend.

Gräber bedeuten ja immer, dass irdisches Leben einen Abschluss gefunden hat. Einerseits kann zurückgeschaut werden auf ein Leben und seine Taten, andererseits wird auch ein dahinterliegender Bereich angedeutet, ein Bereich jenseits der realen Welt, eng verknüpft mit dem Glauben. Gräber markieren Grenzbereiche, die zu überschreiten zwar den Toten vorbehalten sind, trotzdem aber das Leben widerspiegeln. (Man schaue sich nur einmal unsere eigenen Friedhöfe an.) Frühe etruskische Gräber haben, obwohl oft nur in geduckter Haltung begehbar und düster in ihrem Innern, kaum etwas Bedrückendes an sich. Zu sehr scheinen diese Menschen der Antike sich im Einklang befunden zu haben mit der Natur und dem natürlichen Wechsel zwischen Leben und Tod. Die persönlichen Eindrücke, die die verschiedenen Grabstätten bei mir hinterlassen haben, lassen sich am besten als Gegensatz formulieren: Anstatt, wie beim Betreten einer gotischen Kathedrale, gefühlsmässig emporgehoben zu werden in schwindelnde Höhen, fühlt man sich vielmehr der fruchtbaren Erde zugewandt, die uns Heimat und Boden ist.

Das Studium der Bücher ist eine gänzlich andere Seite, wie es eine rechte Weile gedauert hatte, an die ‚richtigen’ zu gelangen. Dass nicht nur antike Quellen zu hinterfragen sind, sondern auch die Geschichtsforschung des letzten Jahrhunderts selbst sich in ihren Aussagen erheblich gewandelt hat, war zwar eine kleine Erkenntnis, trotzdem aber keine Erleichterung im Herangehen an dieses Thema. Dennoch bleiben die Etrusker mit ihrer verschwundenen Sprache bis heute ein Rätsel, was vielleicht auch einen Grossteil ihrer Faszination ausmacht: Die rund 1000-jährige Geschichte eines Volkes, das durch Anstösse von Aussen wie erweckt zu werden schien und dessen Sein immer in der Spannung zwischen dem Eigenen und dem von Aussen kommenden Verändernden bestand, dem es endlich auch erlag. Ihre Geschichte scheint eine Abfolge von gegenseitigen kulturellen Einflüssen und deren Verarbeitung zu sein, wie wir sie ja selbst heute kaum zu meistern wissen. Einerseits strahlte die etruskische Kultur weit über ihre eigenen Grenzen hinaus, andererseits nahm sie Fremdes (Orient, Griechenland) fruchtbar in sich auf. Ein Wesentliches ist, dass das Aufnehmen äusserer Einflüsse (zummindest in der Blütezeit) nicht willenlos, sondern da, wo es den eigenen Kern traf, modellierend und aufbauend geschah. Sind beispielsweise viele künstlerische Motive griechischer Natur, so geht in ihrem Ausdruck keineswegs die etruskische Erdund Naturverbundenheit verloren, sondern findet vielmehr einen eigenen, charakteristischen Ausdruck. Dieses Aufnehmen von äusseren Einflüssen, ohne jedoch den eigenen Kern zu verlieren, erinnert mich an Kinder, die passende Gegenstände unbekümmert zweckentfremden und in ihr eigenes Spiel einbinden. In dem Sinne wird die Beschäftigung mit dem Etruskischen immer wieder in der Bemühung bestehen müssen, diesen eigenen Kern aufzuspüren, der das Gefäss bildet, in welches die so vielfältigen Inhalte gefüllt wurden.

In der Architektur etruskischer Grabmäler finden wir einen Bereich vor, der sich griechischen oder orientalischen Einflüssen im Wesentlichen fern gehalten hat und in dem sich ein ‚Eigenes’ über lange Zeit bewahrte.

Im Folgenden wird es erst darum gehen, dem Leser einen Eindruck zu verschaffen über das Umfeld, in den sich das Etruskische einbettete und aus dem es sich entwickelte. In einem zweiten Teil komme ich auf die eigentliche Grabarchitektur zu sprechen, wobei es mir in erster Linie um deren Entwicklung geht. Ich werde mich dabei an das eigentlich Etruskische halten, beispielsweise die späteren römischen Einflüsse nicht mehr berücksichtigen, wie auch das spannende Thema der Grabmalereien oder –beigaben nicht im Rahmen dieser Arbeit vertieft werden kann.

2 Geographische Bestimmung

Etrurien lag im Bereich der heutigen Toskana, im Norden begrenzt vom Arno, im Westen vom Tyrrhenischen Meer, im Osten und Süden von Tiber und Apenningebirge. Auch heute noch handelt es sich um eine fruchtbare Gegend im Einfluss des Mittelmeerklimas, das sich durch trockene, warme Sommer und nicht zu kalte, feuchte Winter auszeichnet.

Etrurien lässt sich in drei geographische Zonen einteilen. Den Süden dominieren fruchtbare, ehemals vulkanische Gebiete, die sich längs des Tibers entlangziehen und bis zum Tolfagebirge die Küstenlinie säumen. Nördlich davon weichen sie in das Landesinnere zurück. Den Boden bildet das charakteristische Tuffgestein in verschiedenen Qualitäten und Farbschattierungen. In diesem Gebiet schufen durch Flüsse steil eingekerbte Täler natürliche Plateaus (Felseninseln), die bevorzugte Lagen für Dörfer und spätere Städte bildeten, leicht zu verteidigen und landwirtschaftlich nutzbar waren. Veii, Caere, und Anhöhen. Zudem ist der Tuff leicht zu bearbeiten und eignet sich für Höhlungen und grössere Bauten. Ebenso wichtig war die unmittelbare Nähe zu Flüssen oder Süsswasserseen, die ihr Entstehen zumeist den zahlreichen Kratern verdanken. Einerseits waren die Etrusker auf Trinkwasser angewiesen, andererseits auf Verkehrswege, die es ihnen ermöglichten, Erze und andere Güter in den Handel zu bringen. Viele Flüsse, die heute mühelos zu durchwaten sind, trugen in der Antike genügend Wasser, um Schiffsoder Flossverkehr zu ermöglichen. Ausser der Hafenstadt Populonia befanden sich alle grösseren etruskischen Siedlungen im geschützten Hinterland. Die meisten unterhielten jedoch einen eigenen Hafen am Meer.

Westlich dieses Gebietes treffen wir auf die Landschaft der Maremmen. Sie besteht aus grösseren oder kleineren Ebenen, die häufig durch Erhebungen unklaren Ursprungs unterbrochen werden. In Küstennähe besteht sie zum grössten Teil aus durch Flüsse hervorgerufene Schwemmebenen. Der Versumpfung lässt sich nur mit künstlich angelegten Entwässerungssystemen trotzen, worin die Etrusker einen guten Ruf genossen. (Es heisst, Etrusker seien es auch gewesen, die die ‚cloaca maxima’ in Rom entwässert hätten.) Bereits in vorchristlicher Zeit galten die Maremmen als Malariagebiet. Dies kann mit ein Grund gewesen sein (nebst Schutz vor Piraterei), dass sich die grossen etruskischen Städte in Entfernungen von acht bis zehn Kilometer vom Meer befanden. Dennoch scheint die Küste bis zum 9. und dem 8. Jahrhundert v. Chr., der Zeit der ‚Zusammensiedlungen’ und beginnenden Stadtbildungen, gut besiedelt gewesen zu sein.[1] Grössere Städte dieses Gebietes waren Vulci, Caere (Cerveteri) und Tarquinii. Letztere war lange Zeit die mächtigste Stadt Etruriens.

Die dritte Region umfasst das nördliche Hinterland und reicht beim heutigen Piombino ans Meer. Das Gebiet wird begrenzt durch die Flusstäler von Arno und Tiber, im Rücken erheben sich die unbegehbaren Berge des Apennin, wo wir Cortona und Clusium, das heutige Chiusi, finden. Vetulonia und Rusellae (Roselle) liegen in der hügeligen Landschaft, die sich an die Küstenebene anschliesst. Grosse klimatische Unterschiede und eine zuweilen wilde und zerklüftete Landschaft machen weite Teile landwirtschaftlich unnutzbar.

Etrurien ist reich an Erzen, die man vorwiegend in den niedrigeren Hügelketten nahe der Küste des Tyrrhenischen Meeres findet. Diese verlaufen hinter der Küstenebene über die ganze Länge des einstigen etrurischen Gebiets und bilden den grössten Teil des Antiapennin. Die Kupferund Eisenvorkommen im Gebiet der Monti Metalliferi südlich von Volterra, ebenso wie diejenigen auf der vorgelagerten Insel Elba, gehören zu den reichsten des Mittelmeergebietes. Ihr bis in die Anfänge der frühen Eisenzeit zurückgehender Abbau bildete einen wesentlichen Faktor für den späteren Reichtum und das kulturelle Aufblühen Etruriens.

Das klassische Etrurien unterschied sich nicht sonderlich von den heutigen topographischen Gegebenheiten. Nur dort, wo die Flüsse ins Meer mündeten besass die Küste eine von der heutigen Form abweichende Gestalt.[2] Durch Aufschwemmung aus Meeresbusen entstandene Lagunen dienten als Anlegestellen und Häfen, die aber im Laufe der Zeit vollends mit Schwemmgut aufgefüllt wurden.

3 Historische Bestimmung

Als Hauptproblem der Etruskerforschung stellen sich die Quellen dar, derer man sich zu bedienen hat. Anders als bei den Griechen oder Römern, die gewissenhaft schriftliches Zeugnis von sich ablegten, kennt man bis anhin keine entsprechende etruskische Quellen. Selbst die bekannteste etruskische Schrift, die ‚disciplina’, ist nur durch römischen Kopien bekannt. So ist man sowohl auf die Interpretation archäologischer Funde angewiesen, als auch auf das Studium fremder (griechisch-römischer) Quellen, was aber durchaus eine Verzerrung der Optik zur Folge haben kann. So haben Römer wie auch Griechen selbstverständlich ihre eigene’ Geschichte geschrieben, wie beispielsweise Stadtgründungen in eigene Sagenund Heldengeschichten eingeflochten wurden, um deren Wichtigkeit zu betonen. Aber auch das innere Verständnis des Etruskischen schien nicht unbedingt gegeben zu sein. Vor allem durch ihre sprachliche Andersartigkeit empfanden Aussenstehende die Etrusker als ein fremdes Volk, wie aus einem Zitat von Dionys von Halikarnass hervorgeht: „(Das Volk der Tyrrhener) ist weder in der Sprache noch in den Lebensgewohnheiten irgendeinem anderen Volk ähnlich.“3

3.1 Das Herkunftsproblem

Um das Woher der Etrusker ranken sich die widersprüchlichsten Theorien, um die im Laufe der Jahrzehnte hitzige Debatten geführt wurden. Auslöser ist ihre eigene, dem Indogermanischen fremde etruskische Sprache, die uns nur in schriftlicher Form erhalten geblieben ist. Älteste gefundene Inschriften stammen aus der Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert v. Chr. Ab diesem Zeitraum sind die Etrusker historisch eindeutig greifbar, wie zeitgleich auch der griechische Dichter Hesiod ein erstes Zeugnis von ihnen ablegt.4 Die etruskische Schrift selbst stellt Gelehrte bis heute vor Rätsel, da ausser den Tafeln von Pyrgi, die Texte in etruskischer und phönikisch-punischer Schrift enthalten, Vergleichstexte fehlen. Zudem beziehen sich die meisten der vorhandenen Schriften auf kultische Inhalte und sind zudem recht kurz. Da die Etrusker ein griechisches Alphabet verwendeten, lässt sich die Schrift zwar lesen, umso schwerer aber verstehen. Eine beschriebene Grabstele, die man auf der griechischen Insel Lemnos gefunden hat, ist bisher das einzige schriftliche Zeugnis einer dem Etruskischen eng verwandten Sprache ausserhalb Etruriens. Das Herkunftsproblem vermag jedoch auch sie nicht zu lösen.

Im Wesentlichen sind es drei Herkunftstheorien, die aufeinandertreffen. Die älteste Theorie stammt von Herodot aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhundert v. Chr. Danach stammen die Etrusker aus Kleinasien. Nach dem troyanischen Krieg, also zwischen dem 12. und 11. Jahrhundert v. Chr., und infolge einer Hungersnot habe Atys, der König von Lydien, beschlossen, sein Volk zu teilen. Die eine Hälfte solle in der Heimat bleiben, die andere, unter der Führung seines Sohnes Tyrrhenus, in See stechen und anderswo sein Glück versuchen. Letztere seien nach langer Reise in Umbria (Umbrien) angekommen, wo sie sich häuslich niederliessen. Gegen eine grosse Einwanderungswelle, wie sie Herodot verfocht, spricht insbesondere, dass die kulturelle Entwicklung, wie sie archäologisch in Etrurien greifbar ist, im Wesentlichen ohne Brüche verlief.

[...]


[1] Torelli, S.18

[2] Bonamici, S.5

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Details

Titel
Architektur etruskischer Grabmäler
Autor
Jahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V105663
ISBN (eBook)
9783640039494
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Grabmäler
Arbeit zitieren
Claude Sturzenegger (Autor), 2001, Architektur etruskischer Grabmäler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105663

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