Eignung von Spielen als methodisches Element und Sozialform des Lernens


Seminararbeit, 2002

11 Seiten, Note: Schein


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Inhaltsangabe

Vorwort

1. Beseitigung von Vorurteilen

2. Didaktische Grundlagen

3. Planung von Spielstunden

4. Beispiele

5. Kontrolle und Lenkung von Spielstunden

Ort und Dauer von Spielen

Wie oft soll man spielen und wie lange?

Über das Ansagen von Spielen

Störungen und Probleme

„Ich habe keine Lust.“

Spielstunden auswerten

6. Pro und Contra

7. Diskussion

9. Literaturangabe

Vorwort

Spiele sind in unseren Schulen bislang wenig verbreitet.

Das liegt daran: 1. an fehlenden Spielvorlagen

2. einseitig stofforientierten Lehr-Lern-Verhältnis vieler Lehrkräfte

3. an eher dürftigen Gestaltungsspielräumen der Schule

4. an fehlender Spielpraxis und Erfahrung vieler Lehrer

Die Vorraussetzung für die Durchführung bestimmter Spiele, war noch nie so günstig wie heute, warum nicht einmal Zeit für ein Spiel reservieren.

Deshalb ist es wichtig in den grauen Schulalltag mehr Farbe durch abwechslungsreiche Lernsituationen zu bringen. Anknüpfungspunkte könnten dabei sein, dass mehr Freiarbeit im offenen Unterricht.

Zeitgemäße Bildung ist mehr als pure Stoffvermittlung und Wissenserwerb.

Bildung zielt auch auf Selbständigkeit und Selbstverantwortung, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz ab. Da jene Fähigkeit nicht angeboren sind, ist es wichtig diese zu erlernen, zu trainieren und entfalten zu können.

1. Beseitigung von Vorurteilen

Das Spiel im eigentlichen Sinne wird häufig als ein Zeitvertreib von Kindern angesehen.

Aufgrund dessen meinen viele, dass ein Spiel in der Schule nichts zu suchen hat, da mit der schule der Ernst des Lebens beginnt. Doch das Spiel ist keinesfalls innerhalb der Kleinkind-, Kindergarten- und Vorschul- sowie Schulpädagogik bedeutsam, sondern besitzt ebenfalls für die Erwachsenen-, Freizeit-, sowie Sonder- und Heilpädagogik Relevanz. Dies erkannten bereits Vertreter der Montessori- und Waldorfpädagogik. Selbst Reformpädagogen sehen das Spiel als Begleitphänomen der menschlichen Entwicklung schlechthin. Doch lediglich in alternativen Schulformen, konnte sich diese Ansicht halten und durchsetzen. Dabei wäre spielerisches Lernen in der Schule eine logische Weiterführung der kindlichen Art, die Welt und Gesetze kennen zu lernen.

„Das Lernen im Spiel erfolgt natürlich und erfahrungsorientiert als eine dem Spiel unmittelbar eingebundene Komponente.“ ( Röhrs, H.)

Infolgedessen ergibt sich für den Begriff ‚Spiel’ (in der Schule / Unterricht) folgende Definition:

Das Spiel ist eine Form der Erkenntnistätigkeit als auch ein kultureller Vorgang, das bedeutet: für das Lernen anregungsreiches Milieu schaffen, das nicht nur die Sinne schärft und Neugier weckt, sondern auch Möglichkeiten zur spielerischen Auseinandersetzung mit der Realität bietet.

Allerdings wollen wir an dieser stelle noch erwähnen, dass es für den Begriff Spiel bis heute noch keine überzeugende Definition gibt. Versucht man, die im Alltagswissen gegebenen und die von Wissenschaftlern herausgearbeiteten Einzelaspekte zu systematisieren, so lassen sich jedoch einige wiederkehrende Merkmale bestimmen, die auf nahezu alle bekannten Spielformen zutreffen:

1) Spielen erfordert einen freien Raum, weil es selbst frei von fremden Zwecken ist.

2) Spielen ist in sich zielgerichtet.

3) Spielen findet in einer Scheinwelt statt.

4) Spielabläufe sind mehrdeutig und offen.

5) Spielen schafft eine handelnde Auseinandersetzung mit den Mitspielern oder Spielobjekt..

6) Spielen erfordert die Anerkennung von Spielregeln.

7) Im Spielen müssen gleiche Rechte und Gewinn- oder Beteiligungschancen für alle Mitspieler bestehen.

8) Spiele erfüllen sich in der Gegenwart.

9) Spielen macht Spaß.

2. Didaktische Grundlagen

Die graphische Darstellung »Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen« macht überblickshaft deutlich, was mit diesem Ansatz gemeint ist. Die Palette des eigenverantwortlichen Lernens und Arbeitens der Schüler reicht danach vom Bearbeiten, themenzentrierter Arbeitsblätter über das Erstellen einschlägiger Lernprodukte (Plakate, Texte, Tabellen etc.) und das Realisieren kleinerer und größerer (Forschungs-)Projekte bis hin zur Durchführung ausgewählter Planspiele, Rollenspiele und sonstiger Lernspiele zum jeweiligen Thema des Unterrichts. Entscheidendes Merkmal dieser Unterrichtsarbeit ist also, dass die Schüler in hohem Maße eigenständig und eigenverantwortlich arbeiten, kommunizieren, kooperieren, planen, organisieren, disponieren, reflektieren und dabei natürlich auch höchst intensiv fachlich lernen. Letzteres deshalb, weil die angedeuteten Lernaktivitäten erwiesenermaßen ein ebenso vielschichtiges wie eingängiges Verarbeiten und Begreifen des jeweiligen Lernstoffes gewährleisten (vgl. u. a. Aebli, Piaget). Was aus dieser Graphik weiterhin hervorgeht, die mit der anvisierten Lernorganisation verbunden ist. Denn wenn die Schüler eigenständig und eigenverantwortlich lernen sollen, dann müssen die zuständigen Lehrkräfte zu dieser Art des Selbstmanagements ermutigen und entsprechende ‚Lerninseln’ eröffnen, die von den Schüler in Einzel-, Partner-, oder Gruppenarbeit auszugestalten sind. Die Lehrkräfte müssen stets entsprechende Einstellungen und Führungsstile zeigen.

3. Planung von Spielstunden

Da die Spiele an Zielen orientiert sind, scheint die Voraussetzung für Planung gegeben zu sein. Es zeigt sich, dass sich die Erfolge plötzlich und unerwartet ergeben. Somit scheinen die wichtigsten Eigenschaften eines Lehrers als Spielleiter Spontaneität und Flexibilität zu sein, wenn er mit Hilfe von Spielen Schülern helfen will, Fähigkeiten zu erwerben, die für soziales Handeln notwendig sind. Dennoch ist jede Spielstunde ein Paradox: Man kann den Erfolg der Spielstunden nicht vorausplanen, doch muss man planen um handlungsfähig zu bleiben.

Checkliste zur Vorbereitung von Spielstunden:

c Warum möchte ich mit meinen Schülern spielen?

Welche kognitiven, sozialen und emotionalen Ziele will ich verfolgen? Gibt es konkrete Anlässe für die Spielstunde?

d Welche Interessen könnten die Schüler am Spiel haben?

Entspricht das ausgewählte Spiel der Interessenlage dieser Altersstufe?

Ist es denkbar, dass die Schüler mit dem Spiel Interessen verbinden, die den Lehrabsichten des Lehrers zuwiderlaufen?

e Welche Vorkenntnisse und Erfahrungen können die Schüler einbringen? Ist zu befürchten, dass die Spielabsichten durch die Medienindustrie oder durch Sozialisationseffekte verzerrt werden?

f Wie lauten die Spielregeln?

Sind die Spielregeln einigen oder allen Schülern bekannt / unbekannt? Müssen die Spielregeln eindeutig fixiert werden, oder können sie von den Schülern ohne langatmiges Lamentieren festgelegt werden?

Dürfen die Spielregeln während des Spiels verändert werden?

g Wer ist Spielleiter?

Um die Spielleiterrolle ganz in die Hände der Schüler zu geben, gehört viel Spielerfahrung dazu.

h Müssen die Spielgruppen vor Spielbeginn bestimmt werden?

Wer macht das?

Und nach welchen Kriterien?

Wie wird verhindert, dass die Außenseiter untergebuttert werden?

i Welche Spielmaterialen, Geräte oder Requisiten müssen besorgt werden?

(Es ist nicht nötig, aufwendige Spielmaterialien zu besorgen; vieles kann improvisiert werden; manches kann gemeinsam mit den Schülern selbst hergestellt werden)

4. Beispiele (www.hktseminar.de)

- Wühlkiste (Anlage 2)

- Tabu (Anlage 3)

- Konzentrationsspiel (Anlage 4)

- Memory (Anlage 5)

- Überbegriffe (Anlage 6)

- Lückentext (Anlage 7)

- Kreuzworträtsel (Anlage 8)

- Der große Preis (Anlage 9)

5. Kontrolle und Lenkung der Spielstunden

1. Lehrer und Erzieher, die ein Spiel planen, müssen sich klar darüber sein, dass sie den Kindern keine Gnade erweisen.

2. Der Spielleiter muss immer versuchen, einzelnen zu helfen, aber er darf die Spielenden dabei nicht zu stark an sich binden.

3. Der Spielleiter hat die Aufgabe, Gruppe vor unbewältigbaren Schwierigkeiten zu bewahren, darf sie aber nicht zu stark stützen, sondern muss sie soweit wie möglich ihre eigenen Erfahrungen machen lassen.

4. Die Spielenden sollen sich frei gruppieren dürfen, aber der Spielleiter muss denen, die nicht gewählt werden, helfen.

> Man muss versuchen, dafür zu sorgen, dass sich möglichst gleichwertige, einander entsprechende Gruppen bilden, es sei denn, man habe, eine bestimmte Absicht im Kopf, die Erwartung einer positiven Entwicklung.

5. Der Spielleiter sollte versuchen, soweit wie möglich, die Konkurrenzhaltung der Spielenden abzubauen.

> Man muss ihnen dazu verhelfen, Vergnügen darin zu finden, etwas gut zu machen, und nicht unbedingt seine Befriedigung daraus zu beziehen, dass andere es schlechter gemacht haben.

6. Der Spielleiter muss eine offene Atmosphäre schaffen und durch sein eigenes Verhalten dazu beitragen, das Schüler sich gegenseitig helfen können.

Ort und Dauer von Spielen

Man kann immer und überall spielen, aber nicht unabhängig von der Umgebung, man muss wohl oder übel seine Spiele darauf einrichten, ob man bloß einen engen, kleinen Raum zur Verfügung hat oder ob man auch hinausgehen bzw. in einen angemessenen Raum ziehen kann.

Soweit als möglich sollte die erreichbare Umgebung einbezogen werden, mit allem, was sie zu bieten hat.

Wie oft soll man spielen und wie lange?

Eine Spielstunde ist sehr intensiv, und deshalb sollte man nicht mehr als 2 Zeitstunden nacheinander spielen.

Der Spielleiter kann nicht länger als höchstens 2 Stunden so konzentriert seine Aufgaben erfüllen, wie es nötig ist, um erfolgreich eine Spielstunde zu halten. Spielstunde halten, kann und darf nicht zur reinen Routine werden. Daher wird es für den Spielleiter immer eine sehr anstrengende Aufgabe bleiben.

Andererseits sollte man auch nicht weniger als eine Stunde spielen.

Über das Ansagen von Spielen

Dass Schüler die Spielregeln anhören und verstehen, ist eine der Vorrausetzungen für das Gelingen von Spielen.

Spielregeln müssen so angesagt werden, dass alle sie der ersten Ansage oder spätestens nach einer Wiederholung verstanden haben. Kurze, einfache Sätze sind wahrscheinlich das Wichtigste.

Störungen und Probleme

Spielhindernisse möglichst vorher bedenken und ausschalten. Bei Spielverweigerung den Spieler zuschauen und beobachten lassen. Zur Vermeidung von Cliquenbildung sollte man Zufallsgruppen bilden lassen z. B. mit Puzzlespiel die Gruppenfindung selbst zum Spiel machen.

„Ich habe keine Lust“

Man nimmt allgemein an, dass Spielen Kindern Spaß macht, und trotzdem erlebt man es oft, dass Schüler gegen die verschiedensten Spielangebote mit Ablehnung und Unlust reagieren. Für den Lehrer besteht die große Gefahr ärgerlich zu werden. Nie wird man alle Gründe für Ablehnung ausfindig machen, denn es lassen sich auch keine Rezepte für empfehlenswerte Verhaltensweisen in ähnlichen Situationen geben.

Spielstunden auswerten

Nicht in jedem Fall muss die Auswertung eines Spiels eine formelle ausgegliederte Phase am Schluss darstellen. Das Spielen macht den Schülern zumeist soviel Spaß, dass die Gefahr gegeben ist, in der Auswertungsphase wieder alles zu zerreden. Eine informelle Auswertung, nämlich eine Reflexion alle Höhen- und Tiefpunkte, Witz und Ergebnisse des Spiels, wird es aber immer geben.

Bei einer formellen Auswertungsphase könnten folgende Fragen erörtert werden:

> kurze Rekapitulation des Spielverlaufs

> Beurteilung der erzielten Ergebnisse

> Beschreibung der Erfahrung, die Spieler während des Spiels gemacht haben

> Beurteilung des Realitätsgehalts des Simulationsspiels

> Welche Vorzüge, Fehler, Schwächen hatte das Spiel?

> Soll in absehbarer Zeit ein weiteres Spiel durchgeführt werden? Wenn ja - wie können die Schüler an der Vorbereitung beteiligt werden?

6. Pro und Contra

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine strikte Trennung von Spielen und Lernen ist von daher ebenso wenig gerechtfertigt wie eine Verbannung des Spielens in die frühe Kindheit. Schulisches kognitives Lernen braucht Zielgerichtetheit, Aufgabenorientiertheit, definierte Lernsituationen. Spiel sollte aber als eine eigenständige Lernsituation Raum in der Schule haben, und es sollte auch überlegt werden, welche Aspekte des Spiels für die Planung des Unterrichts wichtig sind, um subjektiv befriedigende und von der Sache her optimale Kombinationen von Lernanreizen zu sichern.

7. Diskussion

Kognitives Lernen und Spiele - ein Widerspruch ?

Resultat dieser Diskussion: Spiele sollten ein elementarer Bestandteil des Unterricht sein. Sie unterstützen die Lernenden beim Wissenserwerb auf eine spielerische Art und Weise.

9. Literaturangabe

H. Klippert: „Planspiele“; Beltz-Verlag 1996 Anlage 1 entnommen von S. 10

B. Daublebsky: „Spiele in der Schule“; Ernst-Klett-Verlag 1977

H. Meyer: „Unterichtsmethoden“; Cornelsen 1987

J. Greving / L. Paradies: „Unterrichtseinstiege“; Cornelsen 1996

Lernwerkstatt Ernährung; 1999

www.hk-seminar.de

Anlage 2 bis 9

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Eignung von Spielen als methodisches Element und Sozialform des Lernens
Hochschule
Technische Universität Dresden
Veranstaltung
Berufliche Didaktik
Note
Schein
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V105739
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit ist speziell für das Unterrichten in berufsbildende Schulen ausgelegt.
Schlagworte
Eignung, Spielen, Element, Sozialform, Lernens, Berufliche, Didaktik
Arbeit zitieren
Yvonne Bley (Autor), 2002, Eignung von Spielen als methodisches Element und Sozialform des Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/105739

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