Diese Arbeit wird der Frage nachgehen, wie die Europäische Union das Konzept der Resilienz mit Hilfe von Förderprogrammen und Projekten im israelisch-palästinensischen Konflikt umsetzt. Die Relevanz und Aktualität der Frage lässt sich daran ermessen, dass es der EU bis heute aus vielfältigen Gründen nicht gelungen ist, eine von allen Beteiligten anerkannte Rolle als friedenspolitische Akteurin mit Gewicht einzunehmen.
Zurzeit bestimmen die USA mit dem Friedensplan der Trump-Administration und die Normalisierungsabkommen zwischen Israel und einigen arabischen Staaten die außenpolitischen Entwicklungen in der Region. Allein die Tatsache, dass die EU und zuvor die Europäische Gemeinschaft seit über 50 Jahren als Vermittlerin in diesem langwierigen Konflikt auftreten, der immer wieder auch gewaltsam ausgetragen wird, ist eine Form der Widerstandsfähigkeit und Konfliktfestigkeit. Und mit ihrem Resilienzkonzept als Kernelement der neuen globalen Strategie verfolgt die EU weiterhin das Ziel der Zwei-Staaten-Lösung, die übrigens auch von der neuen Biden-Regierung favorisiert wird.
Europa und der Nahe Osten stehen seit Jahrhunderten in besonderen Beziehungen zueinander. Belege dafür sind die Kreuzzüge im Mittelalter, die Kolonialpolitik Frankreichs und Englands sowie der Beitrag Europas zur Gründung des Staates Israels und dem daraus resultierenden Konflikt mit der palästinensischen Bevölkerung. Und auch in der dritten Dekade des neuen Jahrtausends sucht die Europäische Union nach Möglichkeiten, zur Stabilität in dieser Region beizutragen im Bewusstsein, dass der Frieden in Europa auch von einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten abhängig ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Konzept der Resilienz
2.1 Resilienz als Leitmotiv politischen Handelns
2.2 Analyse des Konzepts
2.2.1 Eigenschaften von Resilienz
2.2.2 Ziele, AkteurInnen und Resilienzobjekte
2.2.3 Resilienzinstrumente und Aktivitäten
2.2.4 Messung und Bewertung von Resilienzmaßnahmen
2.3 Raster zur Analyse von Resilienzprojekten
2.4 Kritische Anmerkungen zum Konzept
3 Die außen- und sicherheitspolitische Ausrichtung der Union seit 2016
3.1 Grundsätze und prioritäre Ziele der Globalen Strategie
3.2 Resilienz als neues Paradigma
3.3 Kritik am Resilienzkonzept der EU
4 Die Nahost-Politik der Europäischen Union im Überblick
4.1 Motive und Ziele
4.2 Positionen und aktuelle Handlungsfelder
5 Die Umsetzung des Resilienzkonzepts der Europäischen Union
5.1 Konfliktprävention und Krisenbewältigung in der südlichen Nachbarschaft
5.2 Auswahl der Projekte und Untersuchungszeitraum
5.3 Überregionale Resilienzmaßnahmen
5.3.1 „Support to Intra-Palestinian Dialogue and the Resilience of Children and Youths Affected by Conflict in Palestine“
5.3.2 Resilienzförderung kleiner und mittlerer Unternehmen
5.4 „Enhancing Gaza Economic Resilience“
5.5 Resilienzprojekte im Westjordanland
5.5.1 „Supporting Palestinian Presence in Area C“
5.5.2 Resilienzinitiative der Europäischen Investitionsbank
5.6 Resilienzprogramme in Ost-Jerusalem
5.6.1 „Support to East Jerusalem in 2018, 2019 and 2020“
5.6.2 Unterstützung des Netzwerks palästinensischer Krankenhäuser
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die Europäische Union (EU) ihr Konzept der Resilienz – verankert in der Globalen Strategie von 2016 – durch gezielte Förderprogramme im israelisch-palästinensischen Konflikt umsetzt, und bewertet, inwieweit diese Maßnahmen tatsächlich zur Stabilisierung und Konfliktbewältigung beitragen.
- Analyse des theoretischen Resilienzbegriffs in politischen Kontexten
- Darstellung der EU-Außenpolitik und der sicherheitspolitischen Neuausrichtung ab 2016
- Überblick über die historische und aktuelle Nahost-Politik der EU
- Empirische Untersuchung ausgewählter EU-Resilienzprojekte in Palästina
- Kritische Reflexion über die Wirksamkeit und Limitationen des Resilienz-Paradigmas
Auszug aus dem Buch
2.1 Resilienz als Leitmotiv politischen Handelns
In Zeiten komplexer politischer Herausforderungen schickt sich Resilienz an, zum neuen Leitmotiv für die Konflikt- und Krisenbewältigung zu werden. Mit dem Begriff ist in wissenschaftlichen Diskursen ein neues Schlagwort aufgetaucht, das schnell eine große Faszination entfaltet hat (Steinhilber 2016: 1). Von seinem lateinischen Ursprung (resilire) her meint Resilienz die Fähigkeit, zum Ausgangspunkt zurückzukehren, sich also von Beeinträchtigungen zu erholen.
Das Konzept der Resilienz als der Fähigkeit, auf äußere Störungen widerständig (Annen 2019: 1) zu reagieren, findet sich in verschiedenen Anwendungsbereichen wieder. In einer Vielzahl an Disziplinen wie Psychologie, Geografie, Ökologie oder Ingenieurswissenschaften und in unterschiedlichen Politikfeldern (z.B. in der Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- oder Klimapolitik) haben sich eigene Perspektiven dieses Konzepts entwickelt (Ostheimer 2018: 330).
Wie alle Breitbandbegriffe ist Resilienz in seiner Bedeutung variierend und wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich verstanden. Das ist Teil seiner Ausstrahlung und Teil des Problems. Resilienz erscheint als der Schlüssel zur Bewältigung komplexer Herausforderungen und binnen weniger Jahre avancierte der Terminus von einem Nischen- zu einem Mainstreambegriff.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die besondere historische Beziehung zwischen Europa und dem Nahen Osten und führt das Resilienzkonzept als Kernelement der EU-Globalstrategie von 2016 ein, welches in dieser Arbeit kritisch hinterfragt wird.
2 Das Konzept der Resilienz: Dieses Kapitel erarbeitet den theoretischen Bedeutungsgehalt von Resilienz, differenziert zwischen verschiedenen Formen und analysiert die Instrumente und Bewertungskriterien, die in einem eigens entwickelten Raster für politische Projekte zusammengefasst werden.
3 Die außen- und sicherheitspolitische Ausrichtung der Union seit 2016: Es werden die Grundsätze und Ziele der Globalen Strategie dargestellt, wobei der Fokus auf dem neuen Paradigma der Resilienz liegt, das eine pragmatische Wende gegenüber früheren, stärker transformativ ausgerichteten Entwicklungszielen darstellt.
4 Die Nahost-Politik der Europäischen Union im Überblick: Dieses Kapitel skizziert die Motive und Ziele des EU-Engagements im israelisch-palästinensischen Konflikt und erläutert die verschiedenen Handlungsfelder, in denen die Union aktiv zur Stabilisierung beitragen möchte.
5 Die Umsetzung des Resilienzkonzepts der Europäischen Union: Der empirische Hauptteil analysiert sieben ausgewählte Förderprojekte in Palästina auf ihre praktische Umsetzung des Resilienzansatzes, wobei zwischen verschiedenen Resilienztypen und Wirkungsgraden differenziert wird.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit bewertet die Ergebnisse der Untersuchung und diskutiert, ob der Resilienzansatz der EU im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts eher eine kurzfristige Bewältigungsstrategie oder eine nachhaltige politische Perspektive bietet.
Schlüsselwörter
Resilienz, Europäische Union, Nahost-Konflikt, Globale Strategie, Friedensförderung, Krisenbewältigung, Palästina, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Krisenfestigkeit, Widerstandsfähigkeit, Konfliktprävention, Adaptive Kapazitäten, Institutionenaufbau, Zwei-Staaten-Lösung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht die Anwendung des Resilienzkonzepts der Europäischen Union innerhalb ihrer Außen- und Sicherheitspolitik, spezifisch im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Resilienz in der Politik, die EU-Globalstrategie von 2016, die historische Nahost-Politik der Union sowie die praktische Umsetzung von Resilienzprojekten in den palästinensischen Gebieten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die EU das Paradigma der Resilienz praktisch umsetzt und inwieweit diese Maßnahmen geeignet sind, tatsächliche Reformen anzustoßen oder langfristige Stabilität im Konfliktgebiet zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt ein deduktiv entwickeltes Analyseraster für Resilienzprojekte, um sieben konkrete EU-Maßnahmen qualitativ zu untersuchen und deren Ausrichtung (reaktiv, adaptiv oder transformativ) zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Resilienzbegriffs, die Analyse der EU-Strategie sowie den empirischen Teil, in dem konkrete Projekte – etwa in Gaza, im Westjordanland und in Ost-Jerusalem – detailliert analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Resilienz, EU-Globalstrategie, Nahost-Konflikt, Krisenfestigkeit, Außenpolitik und Friedensförderung.
Warum bewertet der Autor das Projekt zur "Resilienzförderung kleiner und mittlerer Unternehmen" als vorrangig reaktiv?
Der Autor stellt fest, dass das Projekt zwar ökonomische Stabilität stärkt, aber keine tiefgreifenden Reformansätze verfolgt, die über das kurzfristige Überwinden von Krisensymptomen hinausgehen.
Welche Rolle spielt die "Zwei-Staaten-Lösung" in der Argumentation der Arbeit?
Die Zwei-Staaten-Lösung wird als politischer Ankerpunkt der EU-Politik identifiziert, wobei der Autor kritisch hinterfragt, ob das Resilienzkonzept lediglich dazu dient, den Status quo zu verwalten, statt die Besatzung aktiv zu beenden.
- Quote paper
- Markus Lüske (Author), 2021, Der Einfluss der globalen Strategie auf das Handeln der Europäischen Union im Nahost-Konflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059525