Die Me-Too Bewegung. Ein Vergleich zu den Frauenbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Me-too - Opfer melden sich zu Wort

2. Macht & Gewalt in unserer Gesellschaft- eine Frage des Geschlechts

3. Frauenbewegungen des 19. Und 20. Jahrhunderts und deren Kennzeichen s.3-

4. Die Frauenbewegungen im Vergleich
4.1. Die erste Welle der Frauenbewegung, ca. 1850-1933
4.1.1. Zielsetzungs.4-
4.1.2. Protagonistinnen
4.1.3. Maßnahmen/Aktionen
4.2. Die zweite Welle der Frauenbewegung, ab ca. 1968
4.2.1. Zielsetzung
4.2.2. Protagonistinnen
4.2.3. Maßnahmen/Aktionen
4.3. Die Me-too-Bewegung
4.3.1. Zielsetzung s.8-
4.3.2. Protagonistinnen
4.3.3. Maßnahmen/Aktionen

5. Im Vergleich- Die Me-too-Bewegung: eine reine Medienkampagne?
5.1. EvolutionderZiele
5.2. Frauen prägen Frauenbewegung
5.3. Evolution der Maßnahmen/Aktionen

6. Oberflächliche mediale Bewegung versus fundierte Auseinandersetzung

7. Literatur

8. Quellen

1. Me-Too - Opfer melden sich zu Wort

In der Me-too Bewegung geht es darum, dass Frauen öffentlich bekennen, ein Opfer von machthabenden Männern (gewesen) zu sein. Das offene Bekenntnis vieler, allen voran auch berühmter Frauen, unter Repressalien und körperlichen Übergriffen von machtausübenden Männern gelitten zu haben, wird als „Me-Too“- im Sinne von „das ist mir auch passiert“ - Bewegung bezeichnet.

Dieses neue Verhalten, öffentliches Bekennen zur Opferrolle statt diese still und einsam zu erdulden, lenkt den Blick der Gesellschaft nicht nur auf männliches Fehlverhalten gegenüber Frauen in körperlicher und psychischer Hinsicht, sondern auch auf die scheinbar immer noch bestehende Ungleichverteilung von Macht, Einfluss, Chancen und Abhängigkeiten zwischen Männern und Frauen.

Die Frauenbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts hatten den Abbau der ungleichen Rechte- und Chancenverteilung zwischen den Geschlechtern und die Stärkung der weiblichen Position als Grundthema. Die Me-Too Bewegung zeigt jedoch auf, dass zumindest in manchen Bereichen die Position von Frauen immer noch deutlich schlechter ist als die der Männer.

Durch einen Vergleich der Me-Too Bewegung mit den vorangegangenen Frauenbewegungen soll zum einen geklärt werden welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die Me-Too Bewegung mit diesen Frauenbewegungen aufweist, zum anderen soll der Frage nachgegangen werden, was die Me-Too Bewegung gerade auch im Vergleich zu anderen Frauenbewegungen erreichen will und kann und warum genau jetzt der Zeitpunkt für die Me-too Bewegung gekommen ist.

2. Macht und Gewalt in unserer Gesellschaft - eine Frage des Geschlechte

Die soziologische Relevanz ergibt sich zum einen aus der deutlichen geschlechterspezifischen Rollenverteilung in der Me-Too Bewegung. Bis auf wenige Ausnahmen sind es Frauen, die betroffen sind und darüber berichten. Berichtende Männer als Opfer sind die Ausnahme.

Das Gegenstand Geschlecht ist zentraler Bestandteil der soziologischen Forschung.(Lucke, 2003) Zum anderen ist auch derThemenkomplex der Gleichberechtigung ein Schlüsselthema in der sozialwissenschaftlichen Lehre. (Universität Heidelberg, 2018)

Des Weiteren ist natürlich auch die Ausübung, Tolerierung und Ahndung von Gewalt und Macht im beruflichen Umfeld ein soziologisch relevantes Thema. (Christ, 2017)

3. Frauenbewegungen in Wellen des 19. und 20. Jahrhunderts und deren Kennzeichen

„Der Begriff „Frauenbewegung“ bezeichnet wie andere soziale Bewegungen bestimmte Formen gemeinsamen sozialen Handelns, die darauf gerichtet sind, sozialen Wandel herbeizuführen und, im Falle der Frauenbewegung, insbesondere im Geschlechterverhältnis Bevormundung, Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheiten zu beseitigen. Frauenbewegungen sind historische Phänomene und soziale Tatsachen, die sich beschreiben, deuten und unter vielfältigen Aspekten wissenschaftlich analysieren lassen.“(Gerhard, 2018)

Die Frauenbewegung ist eine soziale Bewegung. (Rowland, 1984)

Wie auch andere soziale Bewegungen ist die Frauenbewegung nicht homogen, sondern aus verschiedenen Strömungen zusammengesetzt. (Rowland, 1984)

Es ist also zentrales Kennzeichen der Frauenbewegung, dass die Zielsetzung eines sozialen Wandels in Bewegung gebracht werden soll, damit Frauen und Männer die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau soll also revolutioniert werden. Die Bewegung wird von Personen getragen die verschiedene Maßnahmen und Aktionen initiieren und Umsetzern Es gab im Lauf der letzten Jahrhunderte verschiedenste Bewegungen innerhalb der Frauenbewegung, die für gewöhnlich als Wellen bezeichnet werden. (Gerhard, 2018) Auch die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Frauenbewegungen als „Wellen“. Die Me-Too Bewegung ist gemäß der o.g. Definition eine Frauenbewegung - sie zeichnet sich durch gemeinsames Handeln mit gemeinsamer Zielsetzung aus.

Um feststellen zu können, wie die Me-too Bewegung sich im Wesentlichen von der 1. und der 2. Welle der Frauenbewegung unterscheidet, sollen die 1. und die 2. Welle der Frauenbewegung, sowie die Me-too Bewegung nach den Kriterien Zielsetzung, Protagonisten und Maßnahmen beschrieben und miteinander verglichen werden.

4. Die Frauenbewegungen im Vergleich

4.1 Die erste Welle der Frauenbewegung, ca. 1850 bis 1933

Erste Anzeichen für Feminismus finden sich schon früh, z.B. im Frankreich zu Zeiten derfranzösischen Revolution.

Eine kontinuierliche Entwicklung lässt sich jedoch erst mit der Gründung des allgemeinen Deutsche Frauenvereins 1865 nachvollziehen. (Schenk, 1992)

„Die Anfänge der 1. Frauenbewegung regen sich in Deutschland Mitte des 19.Jahrhunderts - gerade als sich die gesellschaftlichen Strukturveränderungen abzeichnen, die die Industrialisierung begleiten“ (Schenk, 1992, S.22)

4.1.1 Zielsetzung

Bei der ersten Frauenbewegung standen zunächst die Bildungs- und Erwerbsfrage im Vordergrund. Mit dem Fortschreiten der ^Frauenbewegung wurden dann neue Probleme zur Sprache gebracht: die Situation der Prostituierten, Fragen der Sexualmoral, sowie auch eine Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen. Die Frauenbewegung sollte den Frauen eine Möglichkeit für gesellschaftlichen Einfluss, außerhalb der Familie bieten. (Schenk, 1992)

Die Schriftstellerin Luise Otto formulierte in ihrer erstmals 1849 erschienenen „Frauen-zeitung“ Grundsätze, die für die 1. Welle der Frauenbewegung wegweisend waren:

„Wir wollen unseren Teil fordern:

a) Das Recht, das Rein-Menschliche in uns in freier Entwicklung aller unserer Kräfte auszubilden.
b) Und das Recht der Mündigkeit und Selbstständigkeit im Staat. Wir wollen unseren Teil verdienen.
c) Wir wollen unsere Kräfte aufbieten, das Werk der Welterlösung zu fördern, zunächst dadurch, daß (sic!) wir den großen Gedanken der Zukunft: Freiheit und Humanität ... auszubreiten suchen...
d) Das wir nicht vereinzelt sterben, sondern vielmehr jede für alle“ (zitiert nach Schenk, 1992, S.25)

Wichtig für die 1. Welle ist auch die neue Ethik, die sich dafür einsetzt, dass auch Frauen sexuelle Bedürfnisse haben und diese ausleben dürfen (ebd.).

4.1.2 Protagonistinnen

Ein Großteil der Anhängerinnen der Frauenbewegung stammt aus dem gehobenem Bürgertum und verfügt über eine überdurchschnittliche Ausbildung.(Schenk, 1992)

So waren besonders viele Frauen die sich der Bewegung anschlossen Lehrerinnen. Dies lag an der Kombination von gehobener Ausbildung mit der Tatsache, dass sie über relativ viel freie Zeit verfügten. So konnten diese sich sowohl inhaltlich als auch zeitlich in der Frauenbewegung einbringen. Desweitern diente die eindeutige und objektiv wahrnehmbare unmittelbare Konkurrenzsituation in der Lehrerinnen mit ihren männlichen Kollegen standen als konkretes Beispiel für Ungleichbehandlung (ebd.) Die meisten aktiven Frauen waren älter als 30 Jahre und verfügten somit durchaus über relevante Lebens- und Berufserfahrung.

Die Mitgliedszahlen der feministischen Vereine und Frauengruppen waren in diesen Anfangsjahren nicht besonders hoch. Jedoch zeichneten sich die einzelnen Verbände durch klare Organisationsstrukturen und oftmals starke Führungspersönlichkeiten aus. Es gab während der Bewegung regionale Zentren, mit hohem Aktivitätsschwerpunkt, wie z.B. Beispiel Leipzig oder Berlin, und später auch München oder Hamburg, wo die Stimmrechtsverbände Mitgliedszahlen von 600 bis 800 erreichten. In kleineren Städten waren die Zahlen meist viel geringer, (ebd.)

4.1.3 Maßnahmen/Aktionen

Die Aktionen der Feministinnen der 1. Frauenbewegung waren in erster Linie die Organisation der Frauen in Vereinen und Verbänden und das daraus resultierende Engagement für gleiche Rechte. Eine wichtige und erfolgreiche Maßnahme war z.B. die Gründung des Leipziger Frauenvereins., der durch Luise Otto gegründet wurde. Es war der erste Verein, der zur Gründung weiterer Vereine inspirierte. (Patrick Farges, 2013)

Wichtig war auch, dass die Frauengruppen erreichten, dass sich politische Parteien für Frauen öffneten, damit Frauen aktiv in der Politik mitwirken konnten. (Laura Schibbe, 2015)

Bei der I.Welle mussten erstmal sowohl rechtliche als auch geistige Grundlagen für den Feminismus geschaffen werden.

4.2. Die zweite Welle der Frauenbewegung, ab ca. 1968

Die 2.Welle war „ein Phänomen von übernationaler Bedeutung“ (Schenk, 1992)

Die auch als „neue Frauenbewegung“ bezeichnete Bewegung begann, als sich 1968 innerhalb der Studentenbewegung erste Weiberräte bildeten. Die Frauen bemerkten einen Widerspruch, zwischen der Gleichheit vor dem Gesetz sowie dem emanzipatorischen Anspruch der Männer und deren tatsächlichen Verhalten, sowohl in Beruflichen und privaten Beziehungen. Dieser Widerspruch und die Frage der Emanzipation wurden zu zentralen Themen der Bewegung, (ebd.)

Die Frauenbewegung dieser Zeit in Deutschland war stark vom amerikanischen Feminismus beeinflusst.

4.2.1. Zielsetzung

„Die Frauenbewegung hat ihr Ziel im Wesentlichen erreicht. Es gibt keine <Frauenfrage> mehr, es gibt nur noch Frauenfragen“, so Gabriele Strecker in ihrem Buch Frausein - heute. Weiter heißt es da: „Die Front Mann-Frau ist längst zu einem Partnerschaftsverhältnis gewandelt. Die Familie wird wiederentdeckt, damit die weibliche Rolle der Frau.“ (Stecker, zitiert nach Gerhard, 2018)

Dies war zweifellos die Ansicht vieler Männer und Frauen, die sich in den 1950er Jahren im Privaten wieder in der „Normalität“ einer traditionellen Geschlechterordnung eingerichtet hatten.

Es ging nicht mehr in erster Linie um die Durchsetzung von Rechten, sondern vor allem um die konsequentere Abschaffung der Unterdrückung. Diese Welle versteht sich deswegen auch als „Frauenbefreiungsbewegung“. (Schenk, 1992)

Wichtig war zudem das Autonomieprinzip: Frauen wollten konsequenter unabhängig sein, sowohl von Männern als auch von Organisationen (ebd.). Kennzeichnend hierfürwarder zunehmende Rufnach sexueller Selbstbestimmung und Freiheit.

Ziele der 2.Welle waren also vor allem die Umsetzung der gesetzlich bereits gegebenen Gleichheit, in Punkten wie z.B.: gleicher Lohn für die Arbeit, gleiche Ausbildungs- und Aufstiegschancen, aber auch die Kontrolle über den eigenen Körper, die Entwicklung von alternativen Lebenskonzepten, ökonomische Unabhängigkeit, die Aufhebung der geschlechterspezifischen Erziehung, sowie die Beendigung der männlichen Autorität und Besitzanspruchs über die Frau (Schenk, 1992)

Die 2.Welle befasste sich jedoch mit viel mehr Aspekten der Unterdrückung durch den Mann, als die Erste, und hatte Ziele wie die Veränderung des Bildes der Frau in den Medien, gleiche Möglichkeiten für Bildung und Arbeitsleben, das Recht über den eigenen Körper zu bestimmen, sowie gegen die Gewalt gegen Frauen vorzugehen. (Deckard, 1983)

4.2.2. Protagonistinnen

Die 2.Welle der Frauenbewegung hatte viel mit anderen alternativen Szenen gemein. Im Gegensatz zur 1. Welle gab es keine formale Organisationsstruktur. Die zweite Welle wurde dadurch geprägt, dass sich in verschiedenen Städten wie z.B. Berlin, Frankfurt, München und Köln eine Art feministische Szene gebildet hatte. (Schenk, 1992)

Studentinnen, vor allem in Großstädten sowie Universitätsstädten waren ein „wesentlicher Hintergrundfaktor“ (ebd., S.83) der Bewegung. Es handelte sich um junge Frauen mit guter Bildung und viel freier Zeit, vor allem Studentinnen aus Sozialwissenschaften, Psychologie und Pädagogik waren vertreten, (ebd.)

Die meisten waren zwischen 20 und 30 Jahren alt und lebten in unkonventionellen Lebensmustern. (Schenk, 1992) Im Vergleich zu den Protagonistinnen der ersten Welle verfügten sie somit aber auch über weniger Lebenserfahrung vor allem im Berufs- und Ehealltag. Ihre Forderungen waren daher wohl eher Ideologie- und Theorie abgeleitet, denn aus eigenem praktischen Erleben entsprungen.

In der auch als „neue Frauenbewegung“ bezeichneten Welle ließen sich auch Führungsfiguren erkennen, wie z.B.: Heike Sander ("Neue Frauenbewegung begann mit 3 Tomaten," 2008), Alice Schwarzer oder Betty Friedan.

4.2.3. Maßnahmen/Aktionen

Ein interessantes Unterscheidungsmerkmal ist außerdem, dass die Feministinnen der 2.Welle den Feminismus nicht neu etablieren mussten, sondern ihn voraussetzen. (Schenk, 1992)

Erst mit einer Kampagne, die für die Legalisierung fürAbtreibung plädierte, konnte sich die 2.Welle auch über das studentische Milieu hinaus verbreiten. (Gerhard, 2018)

Zum Austausch der Erfahrungen wurden Selbsterfahrungsgruppen gegründet. Typische Themen, die dort behandelt wurden sind: Kindheit, Sexualität, Beruf, Familie, Zweierbeziehungen, Identität, Verhältnis zu anderen Frauen, etc. (Schenk, 1992)

In der zweiten Welle der Frauenbewegung ging es auch viel um die langfristige Entwicklung feministischer Projekte., wie feministische Gesundheitszentren oder auch feministische Therapie, sowie Frauenhäuser, (ebd.)

Immer mehr Verlage erkannten außerdem welcher Bedarf an Literatur durch die Frauenbewegung entstand, und zahlreiche neue Bücher wurden zum Thema veröffentlich, was vor allem ab dem Jahr 1975 zur weiteren Verbreitung der Welle führte, (ebd.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Me-Too Bewegung. Ein Vergleich zu den Frauenbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V1059672
ISBN (eBook)
9783346472113
ISBN (Buch)
9783346472120
Sprache
Deutsch
Schlagworte
METOO Frauenbewegung Feminismus Feministische Theorie Weinstein Soziologie Judith Butler Feminismus
Arbeit zitieren
Annika Maria Mayer (Autor:in), 2018, Die Me-Too Bewegung. Ein Vergleich zu den Frauenbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059672

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