Online-Banking vs. Retail-Banking. Auswirkungen der digitalen Fortschritte auf den Privatkundenbereich des deutschen Marktes


Seminararbeit, 2020

62 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Theoretischer Ausgangspunkt und Forschungsgegenstand
2.1 Begriff der Digitalisierung
2.1.1 Auswirkungen und Einflüsse der Digitalisierung auf die Gesellschaft
2.1.2 Die heutige und zukünftige Bedeutung der Digitalisierung
2.1.3 Historischer Rückblick auf die Digitalisierung der Finanzindustrie
2.1.4 Herausforderungen der Digitalisierung für die Finanzindustrie
2.2 Retail-Banking
2.3 Online-Banking
2.4 Veränderungen der Kundenbedürfhisse und des Kundenverhaltens

3. Praktische Forschung
3.1 Methodik, Vorbereitung und Durchführung
3.2 Auswertung der empirischen Ergebnisse
3.2.1 Verändertes Kundenverhalten und Kundenbedürfnisse
3.2.2 Digitalisierung
3.2.3 Retail-Banking vs. Online-Banking
3.2.4 Strategie der Omnipräsenz
3.2.5 Zukunftsaussicht
3.3 Abgleich des theoretischen Ausgangspunktes mit den empirischen Ergebnissen

4. Vorstellung der zentralen empirischen Befunde 38

5. Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen der Digitalisierung im Bankengeschäft

Abbildung 2: Anzahl der Online-Girokonten in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2018

Abbildung 3: Das magische Dreieck im Retail-Banking

Abbildung 4: Rückgang der Anzahl von Filialbanken in Deutschland

Abbildung 5: Nutzerverhalten des Online-Bankings in Deutschland

Abbildung 6: Kodierleitfaden nach Mayring

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Forschungsfrage und Zielsetzung

Heutzutage ist das Internet nicht wegzudenken. Laut einer Studie des Statistischen Bundes­amtes aus dem Jahr 2019 nutzten insgesamt 88 % der deutschen Bürger ab 10 Jahren im ersten Quartal des besagten Jahres das Internet.1 60 % dieser Nutzer verwendeten das Internet hinsichtlich des Online-Bankings.2

Aufgrund der Veränderung des Kundenverhaltens sowie des steigenden Wettbewerbsdruck ist es nicht mehr wegzudenken, Prozesse zu digitalisieren bzw. automatisieren. Diese Digi­talisierung nimmt auch im Finanzsektor an Bedeutung zu. Bereits im Jahr 2016 wickelten 60 % der deutschen Bürger ihre Bankgeschäfte online ab. Trotz der Digitalisierung und der be­stehenden Möglichkeit Bankgeschäfte online abzuwickeln, möchten die Kunden die Service­leistungen vor Ort nicht missen, sofern es um ausführlichere Informationen zu Bankproduk­ten geht.3

Retail-Banken auf der ganzen Welt stehen vor der Herausforderung, ihre Bankprozesse so zu digitalisieren, dass die dahingehenden Bedürfnisse der Kunden befriedigt werden. Werden diese nicht befriedigt, werden Kunden dazu verleitet, zu Wettbewerbern oder branchenfrem­den Unternehmen zu wechseln, die aus Kundensicht die Erwartungen erfüllen. Banken soll­ten sich mit dem Wandel der Gesellschaft bewegen, um langfristig im Wettbewerb zu blei­ben. Es stellt sich die Frage: Durch welche Umsetzung kann eine Bank eine langanhaltende Loyalität des Kunden generieren?

Mit der Forschungsfrage, welche Auswirkung der digitale Fortschritt auf den Privatkunden­bereich des deutschen Marktes hat, sollen insbesondere die Vorteile und Herausforderungen der Digitalisierung untersucht werden. Da nicht alle Bereiche einer Bank von der Digitalisie­rung in gleicher Weise berührt sind, liegt der Hauptaspekt dieser Arbeit auf dem Retail-Be- reich von Banken sowie dem Online-Banking.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um dem Leser einen Überblick zu verschaffen, wird im Folgenden der Aufbau dieser Arbeit vorgestellt.

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Hauptkapiteln gegliedert und beginnt mit der Forschungs­frage, der Zielsetzung und der Erläuterung des Aufbaus.

Das zweite Kapitel konzentriert sich auf den theoretischen Ausgangspunkt sowie den For­schungsgegenstand. Zunächst wird anhand einer Literaturanalyse der Begriff der Digitalisie­rung definiert und identifiziert. Anschließend wird näher auf die Auswirkungen und Ein­flüsse der Digitalisierung auf die Gesellschaft sowie die Bedeutung der Digitalisierung für die Zukunft eingegangen. Zudem werden die historische Entwicklung der Digitalisierung und die Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, betrachtet. Da sich die Forschungsfrage dieser Seminararbeit auf den Privatkundenbereich des deutschen Marktes bezieht, erfolgt eine Eingrenzung auf den Bereich der Retail- und Online-Banken sowie mög­liche Wettbewerbsstrategien. Es wird außerdem auf die Veränderungen der Bedürfnisse so­wie des Verhaltens der Kunden eingegangen. Zum Schluss des theoretischen Ausgangspunk­tes wird eine mögliche Wettbewerbsstrategie von Banken thematisiert.

Im weiteren Verlauf konzentriert sich das dritte Kapitel auf das methodische Vorgehen hin­sichtlich der Vorbereitung und Durchführung der Interviews. Zur Beantwortung der For­schungsfrage werden diese Interviews anschließenden ausgewertet. Die empirischen Er­kenntnisse der einzelnen Kategorien, welche im Laufe dieser Seminararbeit erläutert werden, werden festgehalten und anschließend mit den Erkenntnissen des theoretischen Ausgangs­punktes abgeglichen.

Im vierten Kapitel werden die zentralen empirischen Befunde beleuchtet, wobei die wich­tigsten Aspekte dieser qualitativen Arbeit hervorgehoben werden.

Es folgt eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse. Zum Schluss soll mit dem Fa­zit die Forschungsfrage beantwortet werden, wobei der Fokus auf einen zukunftsgerichteten Ausblick gelegt wird.

2. Theoretischer Ausgangspunkt und Forschungsgegenstand

2.1 Begriff der Digitalisierung

Die Digitalisierung hat unsere Welt und unseren Alltag in vielerlei Hinsicht verändert. Sie spielt in nahezu allen Lebens- und Arbeitsbereichen eine große Rolle4 und „bezeichnet im ursprünglichen Sinn das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate.“5

Laut Bendel hat der Begriff der Digitalisierung mehrere Bedeutungen. Digitalisierung kann zum einen „die digitale Umwandlung und Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation“ bedeuten, zum anderen „die digitale Modifikation von Instrumenten, Geräten und Fahrzeugen“, als auch „die digitale Revolution.“6

Allgemein in der Gesellschaft ist die Digitalisierung unter dem Begriff „papierloses Büro“ bekannt.7 Dieser Begriff reflektiert eine „Umstellung auf digitale Unterlagen und [den] Ver­zicht aufjegliche Form von Papier“.8

2.1.1 Auswirkungen und Einflüsse der Digitalisierung auf die Gesellschaft

Zu Beginn kann festgehalten werden, dass die Digitalisierung „viele und große Umbrüche [mit sich] bringt“.9 Sowohl Bürger als auch Unternehmen, niemand kann den Auswirkungen der Digitalisierung entgehen. Bereits bei der Einführung des Internets in den 1990er Jahren ließen sich Änderungen im Verhalten der Gesellschaft erkennen.10 Aufgrund der schnellen und einfachen Informationsbeschaffung und Informationsvermittlung verändert sich die Um­welt der Gesellschaft bemerkbar.11 Nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sind von der Digitalisierung betroffen, „wodurch sich wesentliche Aspekte gesellschaftlichen Miteinanders verändern“.12

Man versucht weiterhin, die Chancen der Digitalisierung zu maximieren und auszuschöpfen. Durch den Wandel haben sich für die Gesellschaft Vereinfachungen ergeben, weshalb sich dementsprechend der Wunsch nach weiteren digitalen Fortschritten vermehrt hat.13

Anhand einer Befragung des Forschungs- und Beratungsinstituts ibi research werden die Veränderungen und Auswirkungen der Digitalisierung hervorgehoben. So ermöglicht das mobile Internet eine zeit- sowie ortsunabhängige Informationsbeschaffung. Das Internet, aber auch soziale Netzwerke ermöglichen es Unternehmen untereinander, mit dem Kunden sowie mit der Allgemeinheit zu kommunizieren und zu interagieren. Des Weiteren lassen sich zum Beispiel große Datenmengen durch eine Software verarbeiten und auswerten. Dar­aus lassen sich strategische Entscheidungen ableiten.14

Wie zu erkennen, hat die Digitalisierung auf viele Bereiche und Dinge Einfluss. Aufgrund des Umfangs und der Thematik beschränkt sich diese Seminararbeit auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Finanzdienstleister.

2.1.2 Die heutige und zukünftige Bedeutung der Digitalisierung

Bisherige Entwicklungen durch die Digitalisierung haben zu bemerkbaren Veränderungen geführt.15 Während man sich in den 1980er Jahren noch gefragt hat, wofür wir Computer nutzen, ist heutzutage die Frage hauptsächlich, wofür wir sie nicht nutzen.16 Um Kundenbe­dürfnisse weitestgehend zu befriedigen, fokussiert sich der Bankensektor auf die Automati­sierung und Vereinfachung von Prozessen. In Zukunft werden auch weitere Digitalisierungs­maßnahmen vorgenommen, um den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden, denn der technologische Fortschritt hat noch nicht seinen Höhepunkt erreicht.17 Um im Markt nicht unterzugehen, sollten Unternehmen den Verlauf des digitalen Wandels stets verfolgen und entsprechend handeln. Bei der Umsetzung einer solchen Maßnahme, sollte jedes Nutzerni­veau bedacht werden. Damit sind die verschiedenen Altersgruppen der Nutzer des Internets, Digital Natives, Digital Immigrants und Silver Surfer gemeint.18

Digital Natives sind mit dem Internet und seinen vielen Anwendungsmöglichkeiten aufge­wachsen. Sie sind nach 1980 geboren und finden sich besonders gut in der digitalen Welt zurecht.19 Zudem sind sie naiv im Umgang mit neuen Technologien und nutzen soziale Me­dien zu einem sehr hohen Prozentsatz.20

Der Begriff Digital Immigrants beschreibt eine ältere Nutzergruppe. Diese Nutzer sind nicht wie die Digital Natives mit den heutigen technologischen Möglichkeiten aufgewachsen. Sie adaptieren die virtuelle Umgebung und passen sich den veränderten Umständen an.21

Die Silver Surfer sind aktive Nutzer des Internets ab einem Alter von 50 Jahren. Die Nutzer­gruppe verdankt ihren Namen der in dieser Altersgruppe meist anzutreffenden silber-grauen Haarfarbe.22 Das Interesse der Silver Surfer an der digitalen Welt wurde durch die Vorteile, die diese mit sich bringt, geweckt. Darüber hinaus versuchen sie sich an ihr digitales Umfeld anzupassen.

Bisher ist die Anzahl der Digital Natives ein kleiner Teil der Gesamtbevölkerung, welche allerdings in Zukunft die Mehrheit darstellen wird. Somit wird auch von Banken in Zukunft ein hohes Maß an Digitalisierung abverlangt.23

Des Weiteren fragen sich viele Menschen, wie zukünftige Qualifikationsanforderungen aus­sehen werden. Es wird prognostiziert, dass die IT ein fester Bestandteil sein wird und somit auch einen enormen Einfluss auf die Bildung haben wird.24 So sollen durch die Digitalisie­rung und die IT Arbeitsplätze erschaffen und nicht verringert werden.25

Was wird die Zukunft noch alles im Hinblick auf die Digitalisierung in der Finanzindustrie mit sich bringen? Die Finanzindustrie und die Digitalisierung sind so eng miteinander ver­bunden, wie kaum eine andere Branche.26 Der immer noch andauernde Strukturwandel wird das sonst „gewohnte“ Bankgeschäft vollkommen verändern. Es findet eine Neupositionie­rung der Banken statt sowie Umstellungen von Organisationsstrukturen und Geschäftspro­zessen.27 Zu dem Abbau von Überkapazitäten findet ein nachhaltiger Wandel der Geschäfts­prozesse statt.28 Dieser Umbruch wird begründet durch das veränderte Konsumentenverhal­ten. Stationäre Einheiten reichen nicht mehr aus, um dem Konsum- und Nutzerverhalten der Kunden gerecht zu werden.29 Diese sollen innovativer werden und die Prozesse weitestge­hend vernetzen. Kundenbedürfnisse sollen durch Echtzeitberatung, Erreichbarkeit zu jeder Zeit, Mobilfähigkeit und individuelle Angebote bestmöglich befriedigt werden.30 Die Neu­orientierung von Banken basiert auf der Omnichannel-Strategie, welche im Verlauf der Se­minararbeit näher erläutert wird.

2.1.3 Historischer Rückblick auf die Digitalisierung der Finanzindustrie

Die folgende Abbildung verdeutlicht den Einfluss der Digitalisierung und die technologi­schen Veränderungen im Bankensektor. Um den Wandel zu erklären, wird die historische Entwicklung in fünf Phasen eingeteilt.

Abbildung 1: Phasen der Digitalisierung im Bankengeschäft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Alt, R., Puschmann, T., Digitalisierung der Finanzindustrie, 2016, S. 40

Bis in die 1940er Jahre, vor der Einführung des Internets, wurde überjegliche Tätigkeit ma­nuell Buch geführt. Es folgte eine teilweise technologische Unterstützung dieser Buchfüh­rung, welche den Shift von einer Aktivitätsorientierung zu einer Funktionsorientierung er­brachte. Daraufhin erfolgte eine Vernetzung sowie Optimierung anhand von Software und Prozessabläufen. In der vierten Phase, welche noch bis heute andauert, werden Prozesse stan­dardisiert und automatisiert. Hier werden dem Kunden innovative Services angeboten, wie bspw. das Online-Banking, die seine Bedürfnisse befriedigen sollen und das Banking verein­fachen sollen. Wie in der Abbildung festgehalten, sollen in Zukunft der Fokus und die Auf­merksamkeit zunehmend auf kundenorientierte Prozesse gelegt werden.31

2.1.4 Herausforderungen der Digitalisierung für die Finanzindustrie

Es ist deutlich, dass die Digitalisierung „in der Finanzbranche [...] eine eindeutige und un­umkehrbare Dynamik gewonnen [hat].“32 Ökonomisch betrachtet liefert die Digitalisierung der Finanzindustrie in vielerlei Hinsicht Vorteile. So könnte eine strategisch gut eingesetzte IT nicht nur Prozesse vereinfachen, sondern auch Kosten sparen.33 Durch einen schnellen Informationsfluss sollen Zeitverluste und zusätzliche Kosten vermieden werden.34 Gleich- zeitigjedoch stehen Banken vor der großen Herausforderung, den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden. Wie zuvor dargestellt (Abb. 1), ist das Ziel nun kundenorientiert zu agie­ren und sich an das wandelnde Kundenverhalten anzupassen. Der Trend entwickelt sich zu­nehmend in Richtung Online-Banking, welches anhand der folgenden Abbildung (Abb. 2) veranschaulicht wird. Während man vor fünf Jahren noch 57,2 Millionen Online-Girokonten zählte, wurden 2018 rund 70 Millionen Online-Girokonten geführt.35

Abb. 2: Anzahl der Online-Girokonten in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2018 (in 1.000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statista, Online-Girokonten, 2019, o. S.

Durch die Möglichkeit, im Internet recherchieren zu können, beschaffen sich Kunden eigen­ständig Auskünfte zu Bank-Produkten. Somit nehmen laut Pohl Kunden kaum noch ein Be­ratungsgespräch in Anspruch.36

Weitere Herausforderungen an den Bankensektor sind die Kunden hinsichtlich der Kontakt­aufnahme, Informationsbereitstellung, individualisierten Angeboten, der Prozessplanung und der einfachen Benutzeroberfläche zufrieden zu stellen. Durch das sich schnell verän­dernde Kundenverhalten müssen Banken flexibler werden, um entsprechend kundenorien­tiert reagieren zu können.37

Intern aber verfolgen Banken das Ziel der Kosteneinsparung, Sicherstellung der Konkurrenz­fähigkeit und die Umsatzsteigerung hinsichtlich der Kundenbindung.38 Unter Kundenbin­dung versteht sich sowohl die Neukundenbindung als auch die Bindung bestehender Kunden. Für eine erfolgreiche Kundenbindung spielt das Vertrauen, welches durch Engagement, Ver­lässlichkeit und Transparenz einer Bank verstärkt wird, eine wichtige Rolle.39

Laut Seifert wächst das Bewusstsein der Veränderungen, jedoch sind die meisten Kreditin­stitute noch zu langsam und unmutig, um bemerkbare Schritte zu gehen.40 Somit stellt sich meist die Frage, was der Bankensektor tun kann, um die Veränderungen „aktiv mitzugestal­ten und sogar von [ihnen] zu profitieren“.41

2.2 Retail-Banking

Der Finanzmarkt differenziert sich in mehrere Segmente. Diese Seminararbeit betrachtet den Retail-Markt, welcher sich aus privaten Verbrauchern sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen subsummiert.

Unter dem Begriff Retail-Banking versteht man das „standardisierte Privatkunden-Geschäft einer Bank.“42 Hierbei werden keine individuellen Lösungen erwirkt, sondern Standardlö­sungen angewendet.43 Standardlösungen, die für Kunden leicht verständlich sind, werden hinsichtlich Girokonten, Zahlungsverkehrsprodukte, Kredite, Einlagen, Bausparverträge und Versicherungen angeboten. Das Retail-Banking ist aufgrund seines standardisierten Massen­geschäftes das Hauptgeschäftsfeld vieler Banken.44

Nichtsdestotrotz ist die Beratungsleistung ein entscheidender Vorteil des Retail-Bankings.45 Obwohl das Online-Banking bereits detailreiche Guides anbietet, ist eine persönliche Bera­tung und Lösung komplexer Probleme meist nur durch eine Retail-Bank möglich.46

Trotz der gebotenen Beratung verlangt bzw. nutzt eine geringe Anzahl an Kunden eine Be­ratungsleistung.

Abb. 3: Das magische Dreieck im Retail-Banking

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Keck M., Hahn M., Vertriebswege, 2006, S. 23f.

Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist es für Retail-Banken wichtig, ihre Markstrategien kontinuierlich zu überprüfen. Da die Märkte, Produkte und Organisationsstrukturen zuneh­mend dynamischer und somit unübersichtlich werden, haben Keck und Hahn versucht, die Ziele der Banken anhand eines Dreiecks darzustellen. Ein wirtschaftlicher Erfolg ist demnach an die Erfüllung der Kundenbedürfnisse geknüpft. Laut Keck und Hahn ist das Timing, dem Kunden das passende Produkt über den richtigen Vertriebskanal bereitzustellen, entschei­dend. Eine Herausforderung hinsichtlich der im magischen Dreieck genannten Ziele stellen die Positionierung der Bank am Markt sowie das Vertriebsmanagement dar.47

Ein Aspekt den Banken heute ebenfalls berücksichtigen müssen, ist die Digitalisierung. Be­sonders die Prozesse der Retail-Banken (Front- und Backoffice) sind von der fortschreiten­den Digitalisierung betroffen. Hier ist das aushandeln einer Strategie notwendig, sodass die Banken mit dem Wandel der Digitalisierung gehen und sich entsprechend anpassen. Bereits jetzt ist festzustellen, dass der Bedarf an Retail-Banken abgenommen hat. Bestehende Retail- Banken haben daraufhin Maßnahmen getroffen, wie bspw. die Kürzung der Öffnungszei­ten.48

Abb. 4: Rückgang der Anzahl von Filialbanken in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundesministeriumfür Wirtschaft und Energie, Rückzug aus der Fläche, 2019, o.S.

Wie anhand der Abbildung zu erkennen, nimmt die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland seit 1995 stetig ab. Mit der Einführung des Girokontos in den 1960ern bauten Banken lang­fristige, vertrauenswürdige Kundenbeziehungen auf. Kunden führten lediglich ein Girokonto bei ihrer Hausbank und blieben dieser lange treu. Der wachsende Bedarf an Beratung führte zur Ausweitung der Filialdichte innerhalb Deutschlands.49

Noch heute ist der Hauptaspekt der Retail-Banken darauf ausgerichtet langfristige Kunden­beziehungen zu generieren, jedoch besitzt ein Kunde nicht mehr nur ein Girokonto und das auch nicht nur bei einer Bank. Ein Kunde präferiert lediglich eine Bank.50 Durch den Fort­schritt technologischer Bedingungen werden Banken dazu aufgefordert, dynamisch auf Ver­änderungen zu reagieren, um somit wettbewerbsfähig zu bleiben. Es kommt zum Wetteifern um den Kunden. Die Transparenz, welche das Internet mit sich bringt, gibt Kunden die Mög­lichkeit Banken und ihre Leistungen direkt zu vergleichen und sich für die bestmöglichen Konditionen zu entscheiden. Banken müssen den Fokus auf die zunehmenden Anforderun­gen der Kunden legen.51

Der Vertrieb des standardisierten Massengeschäftes einer Bank ist zwar wichtigjedoch nicht deren Hauptertragsquelle. Filialen erwirtschaften ihre wesentlichen Erträge anhand von Kon- toführungs- und Fondsgebühren, Kreditzinsen, Dispozinsen und Gebühren, die bei sog. Ein­zelleistungen Zustandekommen. Des Weiteren generieren Banken die größten Erträge durch eine Abhebung bei Fremdbanken, dem Devisen An- und Verkauf, Aktienhandel, der Bera­tung hinsichtlich des Investmentbankings von Unternehmen bei einem Börsengang oder Kos­teneinsparungen und dem Eigenhandel von Wertpapieren.52

Im Bereich des Retail-Bankings ist es notwendig, sich frühzeitig an den Wandel durch die technologischen Fortschritte anzupassen, um sicherzustellen, dass die Anforderungen aus Kundensicht sowie die Ziele des magischen Dreiecks langfristig erfüllt werden.

2.3 Online-Banking

Die Digitalisierung bringt vielerlei Veränderungen mit sich, so auch das Online-Banking. Online-Banking bedeutet „die Führung eines Girokontos (Banking) per Internet (Online).“53 Dafür bieten Banken Internetseiten an, auf denen man sein Girokonto verwalten kann. Die wichtigsten Funktionen des Online-Bankings sind:

- Verwaltung und Einsehen eines oder mehrerer Konten
- Überweisungen tätigen und Daueraufträge einrichten
- Verfügbarkeit eines elektronischen Kontoauszuges

Um dem Kunden mehr Sicherheit zu bieten, wurden auch für das Online-Banking Sicher­heitsstandards festgelegt. Bei der Nutzung des Online-Bankings wird der Kunde mit dem sog. Transaktionsnummer-Verfahren, kurz TAN-Verfahren, konfrontiert. Hierbei wird eine TAN generiert, um bspw. eine Überweisung zu autorisieren. Es gibt folgende TAN-Verfah- ren:

- TAN-Liste: Beim Aktivieren eines Online-Banking-Accounts wird eine Liste mit TANs generiert. Jeder Überweisung ist eine TAN zuzuordnen.
- iTAN: Ähnlich wie bei der TAN-Liste wird auch hier eine Liste mit TANs generiert, allerdings erfolgt die Zuordnung der TANs nach einer bestimmten Reihenfolge.
- mTAN: Bei dem sichersten Verfahren, mTAN, wird eine TAN per SMS verschickt.
- chipTAN: Hierbei wird ein Kartenlesegerät benötigt. Nachdem die Karte des Nutzers durch das Kartenlesegerät geprüft wurde, wird eine TAN generiert.

Ein Sicherheitsrisiko stellt der eigene heimische Computer dar. Dieser sollte passwortge­schützt sein, über ein Anti-Virenprogramm sowie eine Eirewall verfügen. Zusammen mit der TAN ist das Sicherheitsrisiko sehr gering.54

Als Grundlage zur Verdeutlichung des Wandels hin zum Online-Banking, wird im weiteren Verlauf eine Umfrage der Bitkom, welche im Auftrag des Digitalverband Bitkom durchge­führt wurde, herangezogen. Für diese Umfrage wurden 1.005 deutsche Bürger ab 16 Jahren per Telefon befragt. 2019 nutzen rund 70% der deutschen Bundesbürger ab 16 Jahren Online­Banking.

Abb. 5: Nutzerverhalten des Online-Bankings in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bitkom Research, Berg A., digital Finance, 2019, S.3

Seit einigen Jahr ist es möglich Online-Banking über mobile Endgeräte zu nutzen. Mehr und mehr Nutzer tätigen Online-Banking via Smartphone. Auffällig ist, dass besonders die jün­gere Generation zwischen 14 und 29 Jahren das Smartphone-Banking tätigt.55

Bereits 2016 gaben 30% der Online-Banking-Nutzer an, eine Banking-App zu verwenden.56 Dieser Bedarf nimmt zu, denn schon 2019 gaben 67 % der Befragten an, eine Banking-App nicht missen zu wollen.57 Apps erweitern die Funktionen des Online-Bankings um das kon­taktlose Bezahlen. Laut der Bitkom verwendete bereits im Jahr 2016 jeder dritte Mobile­Banking-Nutzer eine App.58

Zudem stellte die Bitkom fest, dass jeder dritte Online-Banking-Nutzer keine Retail-Bank mehr besucht. 31% der Befragten nutzen ausschließlich Online-Banking, 54% suchen gele­gentlich eine Retail-Bank auf, und nur 13% bevorzugen den persönlichen Kontakt.59

[...]


1 Vgl. Statistisches Bundesamt, IT Nutzung, 2019, o.S.

2 Vgl. Statistisches Bundesamt, Intemetaktivitäten, 2019, o.S.

3 Vgl. IT Finanzmagazin, Postbank-Studie, 2016, o.S.

4 Vgl. Tarkowski, P., Definition Digitalisierung, 2019, o.S.

5 Luber, S., Was ist Digitalisierung, 2019, o.S.

6 Bendel, O., Begriff der Digitalisierung, 2016, o.S.

7 Vgl. Reker, J, Böhm, K. (Digitalisierung im Mittelstand, 2013, S. 8

8 Meier, A. (Papierloses Büro, 2019, o.S.

9 startupwissen.de, Bedeutung Digitalisierung, o.S.

10 Vg\. Abolhassan, F., Was treibt die Digitalisierung?, 2016, S. 27f.

11 Vgl. Brock, H., Bieberstein, I., Multi- und Omnichannel-Management, 2015, S. 62

12 Jarke, J, Digitalisierung und Gesellschaft, 2018, S. 3

13 Vgl. Wittpahl, V., Digitalisierung - Bildung, 2016, S.18

14 Vgl. Wittmann, G., et al., Digitalisierung der Gesellschaft, 2013, S. 3f.

15 Vgl. Alt, R., Puschmann, T., Digitalisierung der Finanzindustrie, 2016, S. 28

16 Vgl. Turkle, S., Technology, 2011, S. 2

17 Vgl. Wittpahl V., Digitalisierung - Bildung, 2016, S. 5

18 Vgl. Alt, R., Puschmann, T., Digitalisierung der Finanzindustrie, 2016, S. 28

19 Vgl. Friedling, J. Zielgruppe Digital Natives, 2010, S. 31

20 Vgl. BintingerA., Nutzergruppen, 2014, S. 102

21 Vgl. Prensky, M., Digital Natives, Digital Immigrants, 2001, o.S.

22 Vgl. Blanz, C., demografischer Wandel, 2015, S. 17

23 Vgl. Alt, R., Puschmann, T., Digitalisierung der Finanzindustrie, 2016, S. 28

24 Vgl. Haider, R., Auswirkungen der Digitalisierung, 2018, S. 21

25 Vgl. Jarke, J., Digitalisierung und Gesellschaft, 2018, S. 4

26 Vgl. Alt, R., Puschmann, T., Digitalisierung der Finanzindustrie, 2016, S. 217

27 Vgl. Moormann, J, Digitalisierung des Bankgeschäfts, 2010, S. 3

28 Vgl. KJW Research, Filialschließungen, 2017, S. 3

29 Vgl. Brock, H, Bieberstein, I., Multi- und Omnichannel-Management, 2015, S. 239

30 Vgl. KjWResearch, Filialschließungen, 2017, S. 3

31 Vgl. Alt, R., Puschmann, T., Digitalisierung der Finanzindustrie, 2016, S. 36f.

32 Dombret, A., Herausforderungen der Digitalisierung, 2016, o. S.

33 Vgl. ebd., o. S.

34 Vgl. ebd., o. S.

35 Vgl. Dombret, A., Herausforderungen der Digitalisierung, 2016, o. S.

36 Vgl. Brock, H., Bieberstein, I., Multi- und Omnichannel-Management, 2015, S. 62f.

37 Vgl. Pohl, E., Banken bei der Digitalisierung, 2016, o. S.

38 N'jf. Arnheiter, C., digitaler Wandel, 2015 S. 51f.

39 Vgl. Dieser, S,. Kundenbindung, 2015, o.S.

40 Vgl. Pohl, E., Banken bei der Digitalisierung, 2016, o.S.

41 Dombret, A., Herausforderungen der Digitalisierung, 2016, o.S.

42 'Moneyland, Retail-Banking, o.S.

43 Vgl. ebd., o. S.

44 Vgl. Swoboda, U. C., Zukunftsorientierte Strategien, 2004, S. 159f.

45 Vgl. bezahlen.de, Unterschiede, o.S.

46 Vgl. bezahlen.de, Unterschiede, o.S.

47 Vgl. ebd., S. 23f.

48 Vgl. FehrM., Filialenrückgang, 2019, o. S.

49 Vgl. Keck, M., Hahn, M., Vertriebswege, 2006, S. 26f.

50 Vgl. ebd., S. 31

51 Vgl. ebd., S. 31ff.

52 Vgl. GrussertH., Strategien, 2009, S. 20f.

53 Banktip.de, Funktion Online-Banking, o. S.

54 Vgl. sparen.de, Online-Banking, o. S.

55 Vgl. ebd., S. 4

56 Vgl. Dietz, U, Digital Banking, 2016, S. 7

57 Vgl. Berg, A., Digital Finance, 2019, S. 7

58 Vgl. Dietz, U, Digital Banking, 2016, S. 7

59 Vgl. Berg, A., Digital Finance, 2019, S. 11

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Online-Banking vs. Retail-Banking. Auswirkungen der digitalen Fortschritte auf den Privatkundenbereich des deutschen Marktes
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule  (eufom Business School der FOM Hochschule University of Applied Sciences Studienzentrum Düsseldorf)
Veranstaltung
Qualitative Methodenlehre
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
62
Katalognummer
V1059901
ISBN (eBook)
9783346474193
ISBN (Buch)
9783346474209
Sprache
Deutsch
Schlagworte
online-banking, retail-banking, auswirkungen, fortschritte, privatkundenbereich, marktes
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Online-Banking vs. Retail-Banking. Auswirkungen der digitalen Fortschritte auf den Privatkundenbereich des deutschen Marktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1059901

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