In dieser Hausarbeit werden die Frauenfiguren in Joseph von Eichendorffs „Das Marmorbild“ und dessen Bedeutung untersucht. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Vergleich der beiden Frauen und deren Beziehung zum Protagonisten gerichtet. Anfänglich wird allgemein die Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts beschrieben, um mithilfe eines historischen Hintergrunds den Standpunkt und Status der Frau zu verstehen. Dabei wird auch das Verhältnis der Frau zu der Literatur in dieser Zeit näher beleuchtet. Weitergehend werden die Frauenfiguren Bianka und Venus charakterisiert und im weiteren Verlauf verglichen. Einen besonders wichtigen Punkt stellt die Analyse des Einflusses der Frauen auf die Hauptfigur dar und welche Bedeutung die beiden Frauenfiguren in der Nouvelle haben. Abschließend wird die Einstiegsfrage beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Rolle der Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert
2.1 Verhältnis von Frau und Literatur im 19.Jahrhundert
3 Die Frauenfiguren im „Marmorbild“
3.1 Bianka
3.2 Die mystische Venus
4 Der Vergleich der beiden Frauenfiguren in Joseph von Eichendorffs „Marmorbild“
4.1 Vergleich der Frauen und Konkurrenzverhalten
4.2 Einfluss der Frauenfiguren auf den Protagonisten Florio
4.3 Funktion der Frauen in der Nouvelle
4.4 Im Zeichen der Venus?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der zwei gegensätzlichen Frauenfiguren, Bianka und der Venus, in Joseph von Eichendorffs Nouvelle „Das Marmorbild“ und analysiert deren Einfluss auf den Protagonisten Florio im Kontext bürgerlicher Geschlechterrollen des 19. Jahrhunderts.
- Rollenbild der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts
- Verhältnis von Frauen zur Literatur im 19. Jahrhundert
- Charakterisierung der Figuren Bianka und Venus
- Analyse von Konkurrenzverhalten und Einfluss der Frauen auf den Protagonisten
- Symbolische Funktion der Figuren im Konflikt zwischen Christentum und Heidentum
Auszug aus dem Buch
Die mystische Venus
Venus, ist eine römische Göttin, die für Sexualität, Liebe und Fruchtbarkeit steht. Im Marmorbild wird sie mit vielen verschiedenen Namen bezeichnet. So wird sie manchmal „schöne Lautenspielerin“ (Joseph von Eichendorff,1819, S.19), „schöne Griechin“ (Joseph von Eichendorff, 1819, S.25) oder „Schöne Tänzerin“ (Joseph von Eichendorff, 1819, S.24) genannt, was teilweise zur Verwirrung des Lesers führt. Doch durch Merkmale ihres Aussehens, ist es dem Leser möglich mit den Namen zu hantieren und sie im Verlauf der Nouvelle wieder zu erkennen.
Anfangs ist die Venus als „fürchterlich weiß und regungslos“ (Joseph von Eichendorff,1819, S.15) in Form einer Marmorstatue vorzufinden. „Wie eine Wunderblume“ (Joseph von Eichendorff,1819, S.15) beschreibt das sofortige Empfinden ihrer Schönheit durch Florio. „Je länger er hinsah, je mehr schien es ihm, als schlüge es die seelenvollen Augen langsam auf, als wollten sich die Lippen bewegen zum Gruße…etc.“ (Joseph von Eichendorff,1819, S.15) signalisiert eine gewisse Lebendigkeit der Statue, die Florio vernimmt.
Im weiteren Verlauf der Nouvelle ist die „schöne Griechin“ lebendig und erwacht förmlich zum Leben. Deutlich wird hier allerdings, dass sie nur eine temporäre begrenzte Phase zum Leben erwacht, und zwar im Frühling. Angelehnt an die tatsächliche Beobachtungsphase der Venus im Sonnensystem, ist auch die römische Göttin in „Das Marmorbild“ nur lebendig im Frühling zu beobachten. Parallel zu diesem Aspekt ist die „schöne Lautenspielerin“ auch nur nachts und sehr früh morgens zu sehen, genauso, wie die Venus im Sonnensystem.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Thematik und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Zerrissenheit Florios durch die zwei Frauenfiguren.
2 Die Rolle der Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert: Erläuterung der strikten Rollenteilung und der Erwartungen an die Frau als Ehefrau, Mutter und Repräsentationsfigur.
2.1 Verhältnis von Frau und Literatur im 19.Jahrhundert: Analyse der restriktiven Bedingungen für weibliche Autoren und die Bedeutung von Literatur als Fluchtmöglichkeit.
3 Die Frauenfiguren im „Marmorbild“: Einführung in die beiden Hauptfiguren des Werkes als gegensätzliche Ideale.
3.1 Bianka: Charakterisierung von Bianka als Verkörperung des kindlichen, unschuldigen und idealen Frauenbildes der Romantik.
3.2 Die mystische Venus: Beschreibung der Venus als verführerische, ambivalente und heidnische Gegenfigur.
4 Der Vergleich der beiden Frauenfiguren in Joseph von Eichendorffs „Marmorbild“: Gegenüberstellung der beiden Figuren hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Protagonisten.
4.1 Vergleich der Frauen und Konkurrenzverhalten: Analyse der optischen Ähnlichkeiten und tiefgreifenden charakterlichen Gegensätze.
4.2 Einfluss der Frauenfiguren auf den Protagonisten Florio: Untersuchung, wie die Figuren Florio in verschiedene Welten – Realität und Traum – ziehen.
4.3 Funktion der Frauen in der Nouvelle: Einordnung der Figuren als Symbole für den Konflikt zwischen Christentum und Heidentum.
4.4 Im Zeichen der Venus?: Synthese der Ergebnisse zur Beantwortung der Frage nach Florios Reifeprozess und Entscheidung.
Schlüsselwörter
Joseph von Eichendorff, Das Marmorbild, Frauenfiguren, Romantik, Florio, Bianka, Venus, Geschlechterrollen, 19. Jahrhundert, Literarische Analyse, Christentum, Heidentum, Symbolik, Identitätskonflikt, Frauenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung der beiden Frauenfiguren Bianka und Venus in Eichendorffs „Das Marmorbild“ und deren Einfluss auf den Protagonisten Florio.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen das bürgerliche Frauenbild im 19. Jahrhundert, das Verhältnis von Frauen zur Literatur, sowie die symbolische Aufladung der Frauenfiguren in der Romantik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie ein unlebendiges Marmorbild einen Mann aus der Realität entziehen kann und welchen Einfluss diese Zerrissenheit auf seine Entwicklung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text unter Berücksichtigung historischer Kontexte und symbolischer Deutungsmuster interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das soziale Rollenverständnis, charakterisiert Bianka und die Venus detailliert und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Wirkung auf Florio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Das Marmorbild“, „Frauenfiguren“, „Romantik“, „Konflikt“, „Symbolik“ und „Geschlechterrollen“ geprägt.
Warum wird Venus als Gegenspielerin zu Bianka gesehen?
Während Bianka das christliche, tugendhafte und reale Frauenideal der Zeit verkörpert, steht die Venus für eine verführerische, heidnische und irrationale Traumwelt.
Welche Rolle spielt der Frühling im Werk?
Der Frühling dient als Motiv für Fruchtbarkeit und Neuanfang und verbindet Florios aufkommende Liebe sowie das temporäre Erwachen der Venus-Statue.
Zu welchem Schluss kommt die Analyse bezüglich Florio?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Florio anfangs unreif und naiv ist, sich jedoch durch die Konfrontation mit der Venus und der Realität letztlich für die bürgerliche Norm entscheidet.
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- Laura Höhren (Author), 2021, Im Zeichen der Venus? Frauenfiguren in Eichendorffs „Das Marmorbild“. Die Funktion der Frauenfiguren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1060170