Behavioristische Lerntheorien als effiziente Methode im E-Learning? Behaviorismus von den Anfängen bis zum 21. Jahrhundert


Hausarbeit, 2021

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Behaviorismus - die Anfänge

3. Klassische Konditionierung
3.1 Historische Kontext der klassischen Konditionierung
3.2 Exkurs Ivan Pavlov Biografie
3.3 Ivan Pavlov und der Pawlowsche Hund
3.4 Exkurs John B. Watson Biografie
3.5 John B. Watson und der kleine Albert

4. Operante Konditionierung
4.1 Historischer Kontext der operanten Konditionierung
4.2 Exkurs B.F. Skinner Biografie
4.3 Skinner und seine Experimente

5. Behavioristische Lerntheorien im 21. Jahrhundert

6. Die Effizienz der Konditionierung im E- Learning anhand eines Beispiels

7. Lösungsvorschlag

8. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassische Konditionierung

Abbildung 2: StudySmarter Logo

Abbildung 3: Smiley's

Abbildung 4: Positive Verstärkung

Abbildung 5: positive Verstärkung + positive Bestrafung

II. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verstärkungsarten

III. Abkürzungsverzeichnis

CR konditionierte Reaktion

CS konditionierter Stimuli/Reiz

NS neutraler Stimuli/Reiz

UCR unkonditionierte Reaktion

UCS unkonditionierter Stimuli/Reiz

1. Einleitung

„Vivere tota vita discendum est et, quod magis fortasse miraberis, tota vita discendum est mori“ (Seneca, 2008, S. 35,36). Wie viele Philosophen weist unter anderem Seneca mit seinem Zitat be­reits vor über 2000 Jahren auf das ,lebenslange Lernen' als Lernprozess hin, indem auch das Ster­ben Bestandteil ist. Da das Lernen in der Gesellschaft immer von Bedeutung war, haben sich viele Psychologen und Philosophen Gedanken über den Lernprozess gemacht (Klein, 1991, S. 2). Daher beruhen die heutigen Lerntheorien auf Hypothesen und Annahmen in der Vergangenheit: dem Behaviorismus, Kognitivismus und dem Konstruktivismus (Ertmer & Newby, 1993, S. 46), die laut Kergel und Heidkamp-Kergel (2020, S. 5) als die „drei klassischen Lerntheorien“ angesehen werden. Bildung und der Prozess des Lernens sind im heutigen Zeitalter ebenfalls unabdinglich. So betont Heusinger (2020, S. 11), dass die Digitalisierung in Verbindung zum Lernprozess eine es­senzielle Rolle spielt. Auch die Bundesministerin Anja Karliczek fordert in dem Bericht der Digital­strategie, die Aus- und Weiterbildung, in die schnell fluktuierende Berufswelt und weist auf den deut­lich signifikanten Umbruch durch die Digitalisierung hin (BMBF, 2019, S. 4).

Somit nehmen das Lernen und die Bildung einen wichtigen Stellenwert im 21. Jahrhundert unter der fortschreitenden Digitalisierung ein und ermöglichen es, dem Lernenden durch Distance Learning neues Wissen zu generalisieren. Eine Trendstudie der IUBH (2019, S. 7,17) zeigt zudem, dass Lern­angebote, in Form von Fernstudiengängen vorwiegend von Erwachsenen wahrgenommen werden.

Es wird deutlich, dass Lernen in jedem Lebensabschnitt von Bedeutung ist. In Anbetracht des Um­bruchs der Lernmöglichkeiten, stellt sich die Frage, ob die klassische Lerntheorie des Behaviorismus im E-Learning heutzutage noch effizient ist. Um diese Fragestellung genau zu analysieren und zu klären, wird nachfolgend die Entwicklung des Behaviorismus in chronologischer Abfolge erläutert. Im 2. Kapitel, wird der Behaviorismus und seine historischen Anfänge genauer betrachtet. Nachfol­gend im Kapitel 3 wird die klassische Konditionierung im historischen und gesellschaftlichen Kontext und den berühmten Vertretern, darunter Pavlov und Watson beleuchtet. In Kapitel 4 erfolgt dies unter den Schwerpunkt der operanten Konditionierung, dem historischen Kontext, seinem berühm­ten Vertreter B. F. Skinner und dessen Forschungsansätzen, um die Weiterentwicklung des Beha­viorismus genauer nachzuvollziehen. Im anschließenden Kapitel 5 wird dargestellt, welchen Nutzen die Konzepte der klassischen und operanten Konditionierung im 21. Jahrhundert haben.

Abschließend wird im Kapitel 6 in diesem Zusammenhang ein konkretes Lehr-Lern-Beispiel, im Sinne des behavioristischen Lernkonzeptes dargestellt, um die Vor- und Nachteile dieser Methode kritisch zu begutachten. Darauf aufbauend wird ein Lösungsvorschlag unterbreitet, um im anschlie­ßenden Fazit auf die Effizienz der behavioristischen Lerntheorie im E-Learning und der Erwachse­nenbildung genauer einzugehen.

2. Der Behaviorismus - die Anfänge

Der Behaviorismus wird als eine der bedeutsamsten psychologischen Schulen in der amerikani­schen Psychologie angesehen und wurde von John B. Watson 1913 gegründet (Dorsch 2020, S. 270). Rebmann und Schlömer (2011, S. 4) beschreiben die behavioristischen Lernansätze, als die frühsten Erklärungsansätze für die das Konzept des Lehrens und Lernens. Laut Merriam und Caffa- rella (1998, S. 251,253) manifestiert sich das Lernen im behavioristischen Ansatz, vor allem durch Verhaltensänderung und wird von der Umgebung geprägt, welche als messbare Reaktion auf Reize durch die Umwelt verstanden wird. Sie stellen weiterhin fest, dass das zu Lernende, nicht vom Ler­nenden bestimmt wird, sondern von der Umwelt. Der Lehrende hingegen entwirft eine Umgebung, um ein gewünschtes Verhalten hervorzurufen oder ein unerwünschtes Verhalten zu löschen. Unter den behavioristischen Lernkonzepten versteht man also, die Veränderung des Verhaltens als Reak­tion von äußeren Einflüssen. Der Fokus liegt ausschließlich auf dem beobachtbaren Verhalten. Jeg­liche introspektiven Prozesse, die beim Lernen beteiligt sind und nicht rational und wissenschaftlich belegt werden können, werden ignoriert und als „Black Box“ bezeichnet, um Gesetzmäßigkeiten zu entwickeln (Bodenmann et al., 2015, S. 47; Kergel & Heidkamp-Kergel, 2020, S. 6). Der Behavioris­mus nutzt die Konditionierung von Reizen, als Form des Lernens (Koch & Stahl, 2017, S. 321,322). Unter Konditionierung versteht Myers (2014, S. 291) „den Prozess des Erlebens von Assoziationen“. So erfolgt eine „Herstellung ... einer bedingten Reaktion“, die für eine Veränderung des Verhaltens eingesetzt wird (Dorsch, 2020, S. 971).

Historisch gesehen, liegen die Anfänge des Behaviorismus und der Assoziationstheorie in der Phi­losophie (Furnham, 2014, S. 172). So sind bereits Ansätze des Assoziationismus in Schriften von Aristoteles zu finden (Warren, 1921, S. 23). Furnham (2014, S. 172) geht davon aus, dass der Be­haviorismus seine Wurzeln im Positivismus und dem britischen Empirismus hat. Der Positivismus stellt eine Strömung der „Philosophie und Wissenschaft dar, die nur Tatsachen als wahrnehmbare Sachverhalte und deren Feststellung und Verknüpfung als Erkenntnisgrundlage zulässt“ (Dorsch 2020, S. 1374). Auch Graham (2019, Kap. 3) sieht den Ursprung des Behaviorismus in Teilen des britischen Empirismus des 17./18. Jahrhunderts und stellt in Bezug des damaligen Ansatzes fest, dass Verhalten „nach dem klassischen Assoziationsimus das Produkt des assoziativen Lernens“ ist. Der britische Empirismus wurde durch die britischen Empiriker John Locke und David Hume geprägt (Galliker et al., 2007, S. 67,70; Hoeldtke, 1967, S. 46). In Bezug auf den Menschen und dem theo­retischen Ansatz des Behaviorismus heißt dies, dass ein Mensch durch assoziatives Lernen erzogen wird. Im Behaviorismus wird der Lernende als passives und manipulierbares Wesen gesehen, wel­ches durch die klassische und operante Konditionierung neues Wissen oder Verhalten erlernt (A- sendorpf, 2013, S. 34). Womit der Behaviorismus laut Fetchenhauer (2011, S. 77) dem „mechanis­tischen Weltbild“ zugeordnet werden kann. Hier kann auch das Konzept des Tabula-rasa-Modells, das von Locke 1696 entwickelt wird, anknüpfen. John Locke ging, Hédervari-Heller (2011, S. 15) zufolge, davon aus, dass Kinder als unbeschriebenes Blatt auf die Welt kommen und durch äußeres Einwirken geformt werden. Der Behaviorismus wandte sich durch seine radikalen Ansichten und Ablehnung gegenüber der Introspektion geprägten Psychologie von den damals herrschenden Ele- mentarismus, der Tiefenpsychologie und dem Strukturalismus ab (Schmithüsen & Krampen, 2015, S. 14). Der Behaviorismus war zu seiner Zeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, vor allem in Amerika bis in die späten 1950er Jahre populär, nachdem es zu der kognitiven Wende kam; in Deutschland hingegen fand dieser keine besondere Relevanz (Ertmer & Newby, 1993, S. 57; Galliker et al., 2007, S. 395; Rebmann & Schlömer, 2011 S. 3).

3. Klassische Konditionierung

Die Formen und Ursprünge der Verhaltenstherapie im Sinne der „klassischen Konditionierung“ ge­hen auf Ivan Pavlov (1849-1936) zurück (Gerrig, 2016, S. 203). Sowohl Pavlov als auch Watson waren der Überzeugung, dass mentale Prozesse eine untergeordnete Rolle spielen und die Gesetz­mäßigkeiten des Lernens von Tieren auf den Menschen übertragbar seien (Myers, 2014, S. 292). Die klassische Konditionierung ist eine Art des Assoziationslernens, bei der ein neutraler Reiz mit einem nachfolgenden Reiz, der wiederum eine natürlich physiologische Reaktion auslöst, gekoppelt wird. Durch diese Verknüpfung kann der neutrale Reiz, der zunächst keine spezielle Reaktion aus­gelöst hat, ebenfalls die natürliche Reaktion auslösen, ohne dass der ursprüngliche Reiz dargeboten wird (Bodenmann et al., 2015, S. 47).

3.1 Historische Kontext der klassischen Konditionierung

In Bezug auf den historischen und gesellschaftlichen Kontext und der Entstehung der klassischen Konditionierung ist festzuhalten, dass sich die Wissenschaft im Laufe der Jahrhundertwende grund­legend weiterentwickelt hat. Dies war vor allem auf die Modernisierung der Technik und der zuneh­menden Industrialisierung zurückzuführen. In der Sowjetunion kam es im Jahr 1905 zur russischen Revolution (Bodenmann et al., 2015, S. 43).

3.2 Exkurs Ivan Pavlov Biografie

Ivan Petrovitsch Pavlov wurde am 14.09.1849 in Rjasan, Russland, als Sohn eines Priesters gebo­ren. Von den elf Kindern von Dmitievich Pavlov und Varavara Ivanova, war er der Erstgeborene (Viney, 1993, S. 291). Pavlov begann seine Sekundarausbildung im Bereich der Theologie. Sein Interesse wandelte sich jedoch in Richtung der Naturwissenschaften und somit entschloss er sich ein Studium, im Jahr 1870, an der Universität St. Petersburg anzutreten. Als Hauptfach wählte er Tierphysiologie und als Nebenfach Chemie (Pavlov 1955, S. 41,42). Nach seinem Abschluss 1875 entschied er sich für ein Studium im Bereich der Medizin, um sich somit eine Forschungsstelle in der Physiologie zu sichern und schloss dieses am 19. Dezember 1879 ab (Viney, 1993, S. 292; Watson 1978, S. 437). Nach Abschluss seiner Dissertation erhielt er ein Stipendium in Deutschland und arbeite dort für zwei Jahre (Watson, 1978, S. 437). Anschließend assistierte er im Laboratorium in St. Petersburg und arbeite dort an seiner Dissertation über die Herznerven, wo er auch bereits erste Forschungen am Verdauungsapparat tätigte (Pavlov, 1955, S. 42). 1881 heiratete er seine Frau Serafina Vassilievna Karchevskava (Viney, 1993, S. 292). Pavlov (1955, S. 43) gab an, zu dieser Zeitperiode finanzielle Schwierigkeiten gehabt zu haben, jedoch froh über die Unterstützung seiner Freunde gewesen zu sein. Im Jahr 1890 erhielt er endlich einen Lehrstuhl für Physiologie, wurde zum Professor für Pharmakologie (später Physiologie) an der militärmedizinischen Akademie und zum Leiter der physiologischen Abteilung am Institut für experimentelle Medizin ernannt (Pavlov, 1955, S. 43). Die finanzielle Notlage verbesserte sich, worin Pavlov die Möglichkeit sah, seinen wis­senschaftlichen Arbeiten sorglos nachgehen zu können (Viney, 1993, S. 292). In den nachfolgenden Jahren widmete er sich vorwiegend mit den Forschungen an den Verdauungsdrüsen, wofür er 1904 den Nobelpreis erhielt (Watson, 1978, S. 437). Der ausschlaggebende Impuls für Pavlov, sich der Forschung der klassischen Konditionierung zu widmen, resultierte aus den vorherigen Forschungen der Verdauungsdrüsen (Watson, 1978, S. 437). Pavlov verstarb am 26. Februar 1936 an den Folgen einer Lungenentzündung (Viney, 1993, S. 292).

3.3 Ivan Pavlov und der Pawlowsche Hund

Wie bereits erwähnt, arbeitete Pavlov an den Forschungen der Magen- und Speicheldrüsen, im Speziellen an dem Verdauungsprozess bei Hunden. Bei seinem Forschungsansatz nahm er Hunde als Untersuchungssubjekte, um an ihnen die Speichelsekretion zu messen und später zu analysie­ren. Durch einen chirurgischen Eingriff war es ihm möglich, die Körpersekrete, die der Hund abson­derte, durch Schläuche, die in Drüsen und den Verdauungsorganen eingesetzt wurden, in ein Gefäß abzuleiten. Als externen Stimulus, um die Sekretion anzuregen, nutze er Fleischpulver, welches er dem Hund verabreichte (Gerrig, 2016, S. 203; Watson, 1978, S. 438). Pavlov fiel in seinem Versuch auf, dass der Hund nicht nur Speichelfluss unwillkürlich produzierte, wenn der Hund das Futter schmeckte, sondern auch beim Anblick des Futters oder beim Geräusch der Schritte vom Versuchs­leiter (Myers, 2014, S. 327). In „Lectures on Conditioned Reflexes“ beschreibt er, dass diese Reak­tionen der Speichelproduktion nicht allein durch Reaktionen der Drüsen verursacht wird, sondern diese durch die Darbietung der gesamten Umgebung ausgelöst wird (Pavlov, 1928, S. 52). Somit ist diese Reaktion, die Folge einer Assoziation der Umwelt und des Futters. Die Theorie Pavlos zeigt somit, dass die unterschiedlichen Assoziationen in den verbundenen Nervenaktivitäten in einem ständigen Wechselspiel zwischen dem Subjekt und seiner Umgebung verursacht werden (Pavlov, 1955, S. 14). Pavlov unterschied bei seinen Untersuchungen zwischen zwei Arten von Reflexen:

- den „physiologischen Reflex“, der als unkonditioniert betitelt wird (Pavlov, 1955, S. 144). Diese unkonditionierte Reaktion kann als die natürliche Reaktion auf einen unkonditionierten Reiz verstanden werden. So löst das Futter (UCS) im Mund des Hundes, die Speichelsekre­tion (UCR) aus. Anhand der nachfolgenden Abbildung 1 kann dies als Phase vor der Kondi­tionierung verstanden werden.
- den „konditionierten Reflex“, welcher auch die Produktion von Speichel bewirkt, wird jedoch nicht von den Rezeptoren der Mundschleimhaut ausgelöst, sondern durch individuelle, ex­terne Reize. In diesem Fall durch die Schritte des Versuchsleiters. Pavlov postuliert diese Reaktion als konditionierbar (Pavlov, 1955, S. 144). Der Hund verknüpft bei der zweiten Art die Futtergabe mit den Schritten oder Geräuschen des Versuchsleiters und produziert hie­raufhin Speichel. Anhand der Abbildung 2 kann dies als Prozess nach der Konditionierung verstanden werden.

Pavlov untersuchte in weiteren Experimenten diese Konditionierungsart von Reizen und versuchte verschiedene Reize miteinander zu koppeln, um eine konditionierte Reaktion hervorzurufen. Zur Erklärung der klassischen Konditionierung wird im Folgenden das klassische Beispiel des Pawlowschen Hund erläutert, welches sich in zahlreichen Lehrbüchern wiederfindet und die Kondi­tionierung mit einem Ton verwendet wird. Gerrig (2016, S. 205) beschreibt die Konditionierung wie folgt:

Abbildung 1: Klassische Konditionierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Gerrig, 2016, S. 205

Vor dem Konditionieren löst der un­konditionierte Stimulus (UCS) natürli­cherweise die unkonditionierte Reak­tion (UCR) aus. Ein neutraler Stimulus (NS), beispielsweise ein Ton, besitz keine auslösende Funktion. Während des Konditionierens wird der neutrale Stimulus mit dem UCS gepaart. Durch die Assoziation mit dem UCS wird der neutrale Stimulus zu einem konditio­nierten Stimulus (CS) und löst eine konditionierte Reaktion (CR) aus, die der UCR ähnlich ist.

Pavlov kam ebenfalls zu dem Schluss, dass eine wesentliche Voraussetzung für die Bildung neuer konditionierter Reflexe, die Kontiguität sei. Er beschrieb dies:

Hence a first and most essential requisite for the formation of a new conditioned reflex lies in a coincidence in time of the action of any previously neutral stimulus with some definite unconditioned stimulus. Further, it is not enough that there should be overlapping between the two stimuli; it is also an equally necessary that the conditioned stimulus should begin to operate before the unconditioned stimulus comes into action. (Pavlov, 1960, S. 27)

In den weiteren Experimenten kam Pavlov zu dem Ergebnis, dass die klassische Konditionierung aus fünf wesentlichen Vorgängen besteht. Dem „Erwerb, der Löschung, der Spontanerholung, der Reizgeneralisierung und der Reisdiskrimination (Myers, 2014, S. 294). Der zuvor beschreibende Prozess zum CR, wird in der klassischen Konditionierung als Erwerb bezeichnet (Gerrig, 2016, S. 206). Die Löschung ist laut Gazzaniga et al. (2017, S. 326) ein Prozess, nachdem der CS über einen längeren Zeitraum ohne den UCS dargeboten wird und der CR nach einiger Zeit ausbleibt. Es wird jedoch betont, dass diese Reaktion keine dauerhafte Löschung ist und die konditionierte Reaktion nicht verlernt wurde. Die Spontanerholung ist dafür verantwortlich, dass es bei einer neuen Paarung des CS und UCS erneut zu einem CR führt, welcher jedoch in abgeschwächter Form vorhanden ist (Gerrig, 2016, S. 207). Die Reizgenerierung beschreibt Myers (2014, S. 296) als eine CR auf ähnli­che CS. Die Reizdiskrimination ist hingegen das Gegenteil der Reizgenerierung und sagt aus, dass der Organismus zwischen ähnlichen CS unterschiedlich reagiert und diese differenzieren kann (Ger- rig, 2014, S. 208). John B. Watson sah in den Arbeiten der klassischen Konditionierung von Pavlov eine Anregung, um an seiner Vorstellung und seinen Ansichten der Verhaltenslehre anzuknüpfen (Myers, 2014, S. 292).

3.4 Exkurs John B. Watson Biografie

Watson wurde am 09. Januar 1878 in Greenville, South Carolina geboren (Viney, 1993, S. 302). Trotz seiner eigenen Ansicht, dass die schulische Ausbildung die Kindheit nur unnötig verlängern würde und zu Verweichlichung und Faulheit verleiten würde, nahm er ein Studium auf (Bodenmann et al., 2015, S. 45). Er studierte 1894 an der Furman Universität, später im Jahr 1900 an der Univer­sität in Chicago, wo er Philosophie als Hauptfach und als Nebenfächer: Psychologie, Biologie, Phy­siologie und Neurologie belegte und machte drei Jahre später seinen Doktortitel. Seine Dissertation handelte von der neurologischen und psychologischen Entwicklung von weißen Ratten (Watson, 1978, S. 445,446). Nachdem ihm an der John-Hopkins-Universität in Baltimore eine Stelle im Be­reich experimentelle und vergleichbare Psychologie als Professor und der dortigen Laborleitung an­geboten wurde, nahm Watson die Stelle an. Seine Forschungen konzentrierten sich zunächst auf Tierexperimente. 1915 wurde Watson zum Präsidenten der American Psychological Association er­nannt (Schmitt & Altstötter-Gleich, 2010 S. 1). Ab dem Jahr 1918 etablierte er die zunächst wenigen Untersuchungen an Kleinkindern, allerdings ohne die Komponente der Konditionierung. Jedoch folgte in den Jahren daraufhin sein wohl bekanntestes Experiment der Furchtkonditionierung bei Kleinkindern. Durch den Betrug und der Scheidung seiner damaligen Frau im Jahr 1920, geriet Watsons akademischer Werdegang an der Hopkins-Universität zu einem drastischen Ende (Watson, 1978, S. 449). 1957 erhält Watson einen Preis für die „Revolution im psychologischen Denken“ und verstirbt ein Jahr später (Galliker et al., 2007, S. 389).

3.5 John B. Watson und der kleine Albert

John Broadus Watson gilt als der Begründer des Behaviorismus. In seinem Artikel: „Psychology as the Behaviorist Views it“ postuliert er, dass die Psychologie in Bezug auf den Behaviorismus eine rein objektiv experimentelle Naturwissenschaft ist, mit Absicht der Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens (Watson, 1913, S. 158). Watson wandte sich gegen die vorher herrschende Bewusst­seinspsychologie und der Introspektion und forderte eine radikale Neuausrichtung der Psychologie hin zu einer reinen, experimentellen Verhaltensforschung und lehnte jegliche mentale Prozesse in der Verhaltensforschung des Behaviorismus ab (Watson, 1919, S. VIII; Watson, 1968, S. 9). Er suchte einen Weg das Verhalten aus einer lediglich objektiven Perspektive zu studieren (Boden­mann et. al., 2015, S. 45). Er verwendete, genau wie Pavlov (siehe oben Pavlov), bei seinen Expe­rimenten und Erklärungen die Begriffe Reiz und Reaktion: Der Reiz ist ebenfalls durch Umweltbe­dingungen für physiologische Veränderungen verantwortlich und die Reaktion als eine Handlungs­bereitschaft des Organismus. Er übertrug diese auf den Lernprozess des Menschen (Schmitt & Alt- stötter-Gleich, 2010, S. 45; Watson, 1968, S. 39). Nach Gazzaniga et al. (2017, S. 335) war er der erste Forscher, der die klassische Konditionierung an Menschen demonstrierte. Watson versuchte durch dieses Experiment eine Erklärung von Phobien durch Konditionierung herzuleiten, um die vorherrschende Theorie von Phobien nach Freud zu widerlegen (Gazzaniga et al., 2017, S. 335). Das wohl bekannteste Experiment ist das von dem „kleinen Albert“ (Myers, 2014 S. 6). In „Conditio­ned emotional reactions“ beschreiben Watson und seine Assistentin Rayner ihre Erkenntnisse der Fallstudie am Kleinkind Albert, welches als „Furchtkonditionierung“ bezeichnet wird (Gerrig, 2016, S. 211; Watson & Rayner, 1920, S. 1-14). Das Experiment der Beiden zeigt, wie die klassische Konditionierung mit einer emotionalen Reaktion konditioniert werden kann (Gerrig, 2016, S. 211). Der zunächst furchtlose Albert entwickelte durch das Experiment eine Aversion gegenüber den ver­schiedensten, dargebotenen Gegenständen. Watson & Rayner (1920, S. 12) konnten im Fall von Albert belegen, dass emotionale Reaktionen konditionierbar sind und dass bei dieser auch eine Reizgeneralisierung stattgefunden hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Behavioristische Lerntheorien als effiziente Methode im E-Learning? Behaviorismus von den Anfängen bis zum 21. Jahrhundert
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
25
Katalognummer
V1061246
ISBN (eBook)
9783346475350
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernen von Erwachsenen, Andragogik, Psychologie, Pädagogik, Lernen, Behaviorismus, Skinner, Pawlow, Knowles, E-Learning, Konditionierung, klassische Konditionierung, operante Konditionierung, Watson, Lerntheorien
Arbeit zitieren
Guido Fritsch (Autor:in), 2021, Behavioristische Lerntheorien als effiziente Methode im E-Learning? Behaviorismus von den Anfängen bis zum 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061246

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