In der Praxis finden sich viele Modelle und Konzepte zum Entlassungsmanagement und Case Management in den Krankenhäusern. Entlassungszuständigkeiten scheint es in den Berufsgruppen Case Management, Pflege und Sozialarbeit zu geben. Dennoch kommt es in den Aufgabenfeldern zu Abgrenzungsschwierigkeiten. Das Wort „Schnittstellenproblematik“ gewinnt an Bedeutung in Anbetracht einer qualitätsgesicherten Entlassung von Patienten.
Die Gründe für ein defizitäres Entlassungsmanagement liegen unter anderem im Ursprung der Diagnosis Related Groups (DRG), dem Personalmangel in der Pflege, der höheren Arbeitsbelastung, dem Anstieg von multimorbideren Patienten und den Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. Qualitätsgesichertes Entlassungsmanagement ist trotz aller Aspekte durch eine Anpassung an klinikinterne Strukturen möglich. Ein Ansatz bietet das Umsetzungskonzept von Pflegeversorgungsmanager und Koordinatoren. Das Modell ist eine kombinierte Form aus zentralen und dezentralen pflegerischen Fachkräften. Beide Pflegeversorgungsfachkräfte verfügen über spezielle Qualifikationen. Sie nehmen wichtige Kernaufgaben zur Informationsvermittlung, Koordination, Beratungen und Anleitungen von Patienten und Angehörige im Sinne der klinischen Entlassung wahr. Die Relevanz der Arbeit liegt in der Vorstellung eines neuen Konzeptes, um Versorgungsbrüche durch Über-, Unter- oder Fehlversorgung zu vermeiden. Mit der Gewährleistung einer qualitätsgesicherten Versorgungskontinuität lassen sich Defizite in der Entlassungsplanung und Folgekosten reduzieren.
Der Abschnitt drei in der Bachelorarbeit zeigt den theoretischen Hintergrund zum Entlassungsmanagement auf. Es wird auf Begriffsunterschiede Entlassungsmanagement, Entlassungsmanagement und auf rechtliche Rahmenbedingungen eingegangen. Abschließend zu diesem Kapitel wird in einem kurzen Exkurs Qualitätssicherung zur Entlassungsplanung beleuchtet sowie das derzeitige Entlassungsmanagement analysiert. Die Kapitel vier bis sechs geben Einblick in ausgewählte Berufsgruppen, welche aktiv am Entlassungsprozess beteiligt sind. Dazu zählt die Berufsgruppe der Pflege, das Case Management und der Sozialdienst. Damit steht das Fundament, um im siebten Kapitel auf den Schwerpunkt und das Ziel der Bachelorarbeit einzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Genderhinweis
1.2 Relevanz der vorliegenden Bachelorarbeit
1.3 Zielformulierung und Fragestellungen
2 Methodik
3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Begriffserklärung Entlassungsmanagement und Entlassmanagement
3.1.1 Rechtliche Regelungen, Ziele und Inhalte zum Entlassmanagement
3.1.2 Expertenstandard Entlassungsmanagement
3.2 Sachverständigenrat: Sicherstellung der Versorgungskontinuität
3.3 Schnittstellen im multidisziplinären Entlassungsprozess und Probleme
3.4 Qualitätssicherung in der pflegerischen Entlassungsplanung
3.4.1 Definition und Inhalt von Qualitätssicherung
3.4.2 Qualitätsprüfung durch den MDK
3.5 Wie qualitativ hochwertig ist das derzeitige Entlassungsmanagement?
4 Pflege im Entlassungsmanagement
4.1 Begriffsklärung pflegerische Entlassungsplanung, Überleitungspflege,
Pflegeüberleitung
4.2 Aufbau des pflegerischen Entlassungsmanagement zum Pflegeprozess
4.3 Ziele der pflegerischen Entlassungsplanung
4.4 Formen pflegerischer Entlassungsplanung
4.4.1 Zentrale Organisationsform
4.4.2 Dezentrale Organisationsform
4.4.3 Kombinierte Organisationsform
4.5 Entlassungsplanung als Aufgabe der Pflege: Pro und Contra
5 Case Management im Entlassungsmanagement
5.1 Definition von Case Management
5.2 Regelkreismodell des Casemanagement
5.3 Funktionen des Case Manager
5.4 Case Management Konzept im Krankenhaus
5.5 Ziele des Casemanagement
5.6 Case Management im Entlassungsmanagement des Krankenhauses: Pro und Contra
6 Sozialarbeit im Krankenhaus
6.1 Aufgaben der Sozialarbeit im Krankenhaus
6.2 Hospitation im Sozialdienst im Vivantes Krankenhaus als praxisnahen Zugang
6.3 Leistungsbeschreibung der sozialen Arbeit im DVSG
6.4 Sozialarbeit im Rahmen des Entlassungsmanagement: Pro und Contra
7 Umsetzungskonzept Pflegeversorgungsmanager und -koordinatoren
7.1 Handlungsfelder und Einführungskriterien für ein qualitatives Entlassungsmanagement
7.2 Organigramm der Pflegeorganisation
7.3 Umsetzung des Konzepts mit dem Expertenstandard Entlassungsmanagement
7.4 Qualifizierung von Pflegeversorgungsmanager und -koordinatoren
7.5 Nutzen des Umsetzungskonzeptes
8 Ergebnis und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Erarbeitung eines Umsetzungskonzepts zur qualitätsgesicherten Entlassung von Patienten aus dem Krankenhaus durch die Einführung von Pflegeversorgungsmanagern und -koordinatoren. Dabei wird untersucht, wie durch dieses Konzept die Versorgungskontinuität verbessert und Schnittstellenprobleme im Entlassungsprozess minimiert werden können, um negative Auswirkungen auf Patienten und Krankenhäuser zu reduzieren.
- Strukturelle Optimierung des Entlassungsprozesses im Krankenhaus.
- Integration pflegerischer Kompetenzen durch neue Rollenbilder (Manager/Koordinator).
- Qualitätssicherung gemäß dem Expertenstandard Entlassungsmanagement.
- Wirtschaftliche Aspekte und Reduzierung von Wiederaufnahmen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Rechtliche Regelungen, Ziele und Inhalte zum Entlassmanagement
Nach dem Fünften Buch des Sozialgesetzes sind die Krankenhäuser verpflichtet ein Entlassmanagement zu gewährleisten, um Versorgungslücken zu vermeiden. „Die Krankenhausbehandlung umfasst ein Entlassmanagement zur Unterstützung einer sektorenübergreifenden Versorgung der Versicherten beim Übergang in die Versorgung nach Krankenhausbehandlung“ (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, § 39 Abs. 1a SGB V). Seit 2007 haben Patienten das Anrecht auf ein Versorgungsmanagement zur Überleitung in andere Versorgungssettings (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, § 11 Abs. 4 SGB V). Im Jahre 2012 wurde das Entlassmanagement in die krankenhausärztliche Behandlung aufgenommen. Die Anforderungen an das Entlassmanagement und die Umsetzungen durch die Kliniken zeigte, nach Aussage der Gesetzgeber, wenig Erfolge zur Schließung von Versorgungslücken. Das Entlassmanagement wurde daraufhin mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (Bundesministerium für Gesundheit, 2017) reformiert. Krankenhäuser dürfen für einen bestimmten Zeitraum gewisse Bescheinigungen und Leistungen verordnen. Inhaltlich sind es nach Dangel (2020, S. 7):
• Hauskrankenpflege bis zu 7 Kalendertage nach der Entlassung
• Sicherstellung der Medikamentengabe durch Mitgabe der Arzneimittel vor Wochenenden oder Feiertage
• Heilmittel bis zu 7 Kalendertage nach der Entlassung
• Ausschreibung der Arbeitsunfähigkeit bis zu 7 Kalendertage nach der Entlassung
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Entlassungsmanagements im deutschen Gesundheitssystem und definiert die Forschungsfragen der Arbeit.
2 Methodik: Erläutert das methodische Vorgehen der Literaturrecherche zur Erarbeitung des Umsetzungskonzepts.
3 Theoretischer Hintergrund: Liefert die theoretischen Grundlagen zum Entlassungsmanagement, den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rolle des Expertenstandards.
4 Pflege im Entlassungsmanagement: Analysiert die Aufgaben und Organisationsformen der Pflege im Kontext des Entlassungsprozesses.
5 Case Management im Entlassungsmanagement: Untersucht die Funktion und Konzepte des Case Managements in Krankenhäusern.
6 Sozialarbeit im Krankenhaus: Beschreibt die Rolle des Sozialdienstes und dessen Aufgabenbereiche sowie Schnittstellen zur pflegerischen Arbeit.
7 Umsetzungskonzept Pflegeversorgungsmanager und -koordinatoren: Stellt das zentrale Konzept der Arbeit zur optimierten Entlassungsplanung und deren Implementierung vor.
8 Ergebnis und Ausblick: Fasst die Resultate zusammen und beantwortet die Forschungsfragen im Hinblick auf Qualität und Wirtschaftlichkeit.
Schlüsselwörter
Entlassungsmanagement, Pflege, Case Management, Sozialdienst, Versorgungskontinuität, Expertenstandard, Entlassungsplanung, Krankenhaus, Qualitätssicherung, Schnittstellenproblematik, Pflegeversorgungsmanager, Pflegeversorgungskoordinatoren, Überleitungspflege, DRG, Versorgungsbrüche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung des Entlassungsmanagements in Krankenhäusern, um einen reibungslosen Übergang der Patienten in die nachstationäre Versorgung zu gewährleisten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit thematisiert die Rolle der Pflege, des Case Managements und der Sozialarbeit sowie die Implementierung eines neuen Umsetzungskonzepts zur Qualitätssicherung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Vorstellung eines Konzepts, das durch Pflegeversorgungsmanager und -koordinatoren die Qualität steigert und wirtschaftliche Effekte für Krankenhäuser erzielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturübersichtsarbeit, die bestehende Fachliteratur, Rahmenverträge und Expertenstandards kritisch analysiert und zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Hintergründe, die Aufgabenbereiche der beteiligten Berufsgruppen und leitet daraus das spezifische Umsetzungskonzept ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Entlassungsmanagement, Pflegeüberleitung, Versorgungskontinuität, Expertenstandard und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Pflegeversorgungsmanagers von der eines Koordinators?
Der Pflegeversorgungsmanager übernimmt die zentrale Steuerung und Koordination auf Stabsstellenebene, während die Pflegeversorgungskoordinatoren als weiterqualifizierte Fachkräfte direkt auf den Stationen agieren.
Welchen Nutzen stiftet das Konzept für das Krankenhaus wirtschaftlich?
Durch eine verbesserte Ablaufstruktur, Vermeidung von unnötigen Liegezeiten und die Reduzierung von Wiederaufnahmen können Ressourcen effizienter genutzt und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.
- Citar trabajo
- Katrin Preuß (Autor), 2021, Qualitätsgesicherte Entlassung vom Krankenhaus in andere Versorgungssettings. Umsetzungskonzept von Pflegeversorgungsmanagern und Pflegeversorgungskoordinatoren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1061255