Der Widerspruch zwischen öffentlichem Schein und dem privaten Sein in Kaufringers Märe „Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar“ ist das Thema der Arbeit. Hierfür wird der öffentliche und private Raum analysiert, um herauszuarbeiten, welche Diskrepanz zwischen den beiden herrscht. Dazu erarbeite ich die grundsätzliche Theorie einer idealen Ehefrau, da die Erzählungen darauf aufbauen, dass die Ehemänner keine perfekte Ehefrau haben und somit auch kein glückliches Ehepaar sind.
Weiterhin erarbeite ich die perfekte/ideale Ehefrau in der Märe heraus und was der Text über die ideale Ehe verkündet. Diese beiden Punkte dienen als Grundlage für meinen Hauptteil der Hausarbeit. Abschließend verfasse ich ein Fazit und reflektiere die Gesamtarbeit. Hierbei ist zu beachten, dass die gesellschaftliche Thematisierung der zwischenmenschlichen Liebe und des Ehebruches nicht als neuzeitliches Phänomen verstanden werden darf.
Das Märe „Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar“ steht, wie die anderen Mären Kaufringers, in der einzigen überlieferten Handschrift von 1464. Das Märe wurde vermutlich Ende des 14. Jahrhunderts verfasst. Das Märe besteht aus einer Rahmenhandlung und zwei Binnengeschichten, die von einem Prolog und einem Epilog umfasst werden. Ein wohlhabender Bürger liebt es, Feste zu feiern, seine Ehefrau wiederum ist sparsam und tadelt ihn wegen seiner wirtschaftlichen Verschwendung. Die Tatsache, dass das Ehepaar von der Öffentlichkeit zwar als ideales Ehepaar wahrgenommen werden, in ihrem privaten Sein jedoch Konflikte austragen, veranlasst den Ehemann auszubrechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ideale Ehefrau
2.1. Theorie der idealen Ehefrau
2.2. Ideale Ehefrau bei Kaufringer
3. Widerspruch zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert in Heinrich Kaufringers Märe „Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar“ die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Bild eines idealen Ehepaares und der privaten Realität, die von zwischenmenschlichen Konflikten geprägt ist. Dabei wird untersucht, wie der Protagonist durch seine Suche nach einem perfekten Paar letztlich zur Erkenntnis über die Unvollkommenheit und Komplexität ehelicher Gemeinschaften gelangt.
- Analyse des Widerspruchs zwischen öffentlichem Schein und privatem Sein
- Untersuchung des zeitgenössischen Ideals einer Ehefrau
- Bewertung von Charaktereigenschaften wie Sparsamkeit und Freigebigkeit
- Interpretation des Reisemotivs als ritterliche Aventiure
- Bedeutung von Innenräumen und Geheimnissen in den Binnenerzählungen
Auszug aus dem Buch
3. Widerspruch zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein
Das Märe beginnt mit einem Promythion, welches die ideale Einheit des Ehepaares thematisiert. Diese ideale Beziehung stellt sich jedoch im Ehealltag als schwer realisierbar dar, da die unterschiedlichen Eigenschaften der Partner Grund für Konflikte schaffen, welche die Harmonie in einer Ehe stören können. Voraussetzung für ein mittelalterliches Eheglück ist beidseitige Friedfertigkeit sowie gegenseitige Liebe, was nur durch einen Partner erreicht werden konnte, der das zweite "Ich" des anderen darstellte. Um ein harmonisches Miteinander zu gewährleisten, sollten beide Partner in einer Ehe das Bestreben haben, den anderen innig zu kennen und dies gleichermaßen verfolgen. Diese Vorstellung war eher ein Ziel einer harmonischen Beziehung als tatsächliche Realität. Diese Erkenntnis ist bereits in der einleitenden Rahmenerzählung zu erkennen.
si süllen also sein veraint,
was ir ains mit willen maint
und im ain wolgefallen ist,
so sol das ander ze der frist
auch sein gunst dazuo geben.
das haist wol ain raines leben
und ist ain rechte ee zwar.
Ich will ew sagen das für war. 5
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Diskrepanz zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein in Kaufringers Märe ein und erläutert die Forschungsansätze sowie die Zielsetzung der Hausarbeit.
2. Die ideale Ehefrau: Dieses Kapitel erörtert die soziokulturellen Normen der Frühen Neuzeit für eine vorbildliche Ehefrau und analysiert, wie Kaufringer diese Charakterisierung in seinem Märe einsetzt und durch Sparsamkeit als vermeintlich negative Eigenschaft problematisiert.
3. Widerspruch zwischen privatem Sein und öffentlichem Schein: Hier wird der zentrale Konflikt des Märes untersucht, indem die Rolle des Scheins gegenüber der privaten Realität in den drei Ehepaargeschichten analysiert wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass sich der Widerspruch zwischen Schein und Sein durch das gesamte Werk zieht und Kaufringer dabei konventionelle Stereotypen hinterfragt, um die Komplexität ehelicher Gemeinschaft darzustellen.
5. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Märendichtung, Heinrich Kaufringer, Ehe, privates Sein, öffentlicher Schein, Geschlechterrollen, Spätmittelalter, Sparsamkeit, Aventiure, Ehealltag, Identität, Normen, Literaturwissenschaft, Konfliktanalyse, Ehebruch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Bild einer idealen Ehe und der privaten Realität der Eheleute in Heinrich Kaufringers Werk.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen Geschlechterrollen, die Bedeutung von öffentlicher Reputation versus privatem Handeln sowie die literarische Darstellung ehelicher Konflikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Märe eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einem idealen Eheleben und der tatsächlichen, von menschlichen Fehlern geprägten Realität konstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärtexten im Kontext soziokultureller Normen des Mittelalters sowie die Untersuchung von Raumkonzepten und Typologien.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Ehefrau-Idealvorstellung und die detaillierte Untersuchung der drei im Märe dargestellten Ehepaare unter dem Aspekt des privaten Scheins.
Welche Schlüsselbegriffe beschreiben das Werk am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Märendichtung, Eheglück, Diskrepanz, öffentlicher Schein, privates Sein und Kaufringersche Narration.
Warum begibt sich der Protagonist im Buch auf eine Reise?
Er sucht nach einem idealen Ehepaar, da ihn die Sparsamkeit seiner eigenen Frau und die daraus resultierenden privaten Spannungen unglücklich machen.
Welche Erkenntnis gewinnt der Reisende am Ende?
Er erkennt, dass das Ideal der vollkommenen Ehe einer Illusion gleicht und dass jede Ehe mit Herausforderungen und Konflikten verbunden ist, womit er sein eigenes Eheleben wieder als tragbar akzeptiert.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2021, Die Gegensätzlichkeit zwischen familiären Sein und öffentlichen Schein in "Die Suche nach dem glücklichen Ehepaar" von Heinrich Kaufringer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1064287