Der Koreakrieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

24 Seiten, Note: 2,0


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Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Konfliktparteien im Überblick

3. Die Hintergründe des Koreakrieges
3.1. Historischer Hintergrund bis zur Teilung Koreas
3.2. Die Entstehung Südkoreas
3.3. Die Entstehung Nordkoreas
3.4. Geschichtlicher Überblick von der Teilung bis Kriegsbeginn
3.5. Wie es zum Koreakrieg kam
3.6. Übersichtskarte

4. Konfliktverlauf

5. Die Folgen des Krieges
5.1. Die Folgen des Krieges - allgemein
5.2. Die Folgen des Krieges für Korea
5.3. Die Folgen des Krieges für China
5.4. Die Folgen des Krieges für die USA
5.5. Die Folgen des Krieges für die Sowjetunion
5.6. Die Folgen des Krieges für Japan
5.7. Die Folgen des Krieges für die Bundesrepublik Deutschland

6. Die Entwicklungen nach 1953

7. Schlussbemerkung

8. Bibliografie
8.1. Primärliteratur
8.2. Sekundärliteratur
8.3. Quellen aus dem Internet

9. Glossar der chinesischen Namen

1. Einleitung

Der Koreakrieg ist meiner Meinung nach besonders interessant, da er als erster militäri- scher Ausbruch des Ost-West-Konflikts, als die einzige heiße Phase des „Kalten Krieges“ gilt. Damals griffen die Vereinten Nationen zum ersten Mal in ihrer - zu dieser Zeit noch jungen - Geschichte durch den Einsatz von Truppen in einen Krieg ein, wenn auch die Mehrheit der eingesetzten Soldaten aus Amerika kam, denn die Politik der UN wurde zu diesem Zeitpunkt noch stark von den USA beeinflusst und ihre damaligen Strukturen sind mit den heutigen nicht zu vergleichen. Interessant sind die Parallelen, die zwischen der Teilung Koreas und der Deutschlands gezogen werden können, denn auch Deutschland wurde, wie Korea, durch eine Abmachung der Siegermächte geteilt. Im Gegensatz zu Deutschland, das sich nach vierzig Jahren wiedervereinigte, kam es in Korea allerdings bis heute nicht dazu, auch wenn Peter Opitz in dem 1988 veröffentlichten „Bericht des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien: Die koreanische Halbinsel im Spannungsfeld der asiatisch-pazifischen Mächte“ noch der Meinung war, dass die Wiedervereinigung Koreas wahrscheinlicher er- scheint als die Deutschlands:

„Während allerdings fraglich ist, ob es den Regierungen in Seoul und Pyongyang in ab- sehbarer Zeit gelingen wird, jenes Maß an Kooperation zu erreichen, das den beiden deutschen Staaten seit Beginn der 70er Jahre gelungen ist, dürften aufgrund der anders gelagerten internationalen Konstellationen langfristig gesehen die Chancen für eine Wiedervereinigung der beiden Landesteile größer sein als in Deutschland.“ (Opitz 1988: 2).

Der Koreakrieg wird oft als einzelne Etappe in einem weit zurückreichenden Konflikt der Großmächte um die Kontrolle der koreanischen Halbinsel beschrieben, denn Korea befand sich aufgrund seiner geografischen Lage immer im Spannungsfeld der Mächte. Erwähnenswert ist meiner Meinung nach auch, dass selbst China, das sich anfangs trotz seines Rufes als „Schutzmacht Koreas“ zurückhielt, schließlich unweigerlich in diesen Krieg hineingezogen wurde und das zu einem Zeitpunkt, als China „[...] alles andere als einen auswärtigen Krieg brauchen konnte.“ (Janssen 1976: 192).

Anfangs ging ich davon aus, dass die historischen Fakten dieses Konfliktes heutzutage vollständig geklärt seien. Als ich mich jedoch näher mit der Literatur zu diesem Thema be- fasste, stellte ich häufig unterschiedliche Angaben und stark voneinander abweichende Theo- rien fest. Die meisten Unterschiede lassen sich dadurch erklären, dass die Autoren die Ereig- nisse von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Manche Geschehnisse sind allerdings bis heute umstritten: „Die Motive der einzelnen Akteure sind bis heute nicht restlos geklärt.“ (Osterhammel 1989: 360).

In der folgenden Arbeit gehe ich zunächst näher auf die Konfliktparteien ein und erläutere dann den historischen Hintergrund, besonders die Entstehung Nord- und Südkoreas. An- schließend zeige ich verschiedene, in der Literatur erwähnte Theorien zur Entstehung des Ko- reakrieges auf. Neben dem Kriegsverlauf schildere ich die Folgen, die der Konflikt in Korea für die beteiligten Länder hatte, sowie die Entwicklung der unterschiedlichen Gesellschafts- systeme in den beiden koreanischen Staaten und die Vorgänge im Zusammenhang mit diesem Krieg bis heute. Außerdem gehe ich besonders auf den aktuellen Stand der Beziehungen zwi- schen den verschiedenen Staaten und die Rolle Chinas bei diesen Ereignissen ein.

2. Die Konfliktparteien im Überblick

Zu den Konfliktparteien auf der Seite der „Demokratischen Volksrepublik Nordkorea“ mit der Hauptstadt Pyongyang, die derzeit von dem kommunistisch orientierten Kim Ilsong re- giert wurde, gehörte die Sowjetunion unter Jossif W. Stalin, die nur indirekte Hilfe durch Waffenlieferungen und Militärberater leistete, wohingegen die Volksrepublik China unter Máo Zédōng ab dem 25.11.1950 Nordkorea mit „Freiwilligenverbänden des Chinesischen Volkes“ („Zhōngguó Rénmín Zhìyuànjūn“) unterstützte (Weggel 1989: 167). Auf der Gegen- seite kämpften an der Seite der westlich orientierten „Republik Koreas im Süden“ mit der Hauptstadt Seoul, in welcher der Antikommunist Syngman Rhee Staatschef war, die USA unter ihrem Präsidenten Harry S. Truman, ab 1953 dann unter Dwight David Eisenhower. Als „Commander in Chief Far East“ und Befehlshaber der UNO-Truppen in Korea wurde der amerikanische General Douglas MacArthur eingesetzt, der ab 1952 von General Matthew Ridgeway abgelöst wurde. Außerdem standen auf der Seite Amerikas, wenn auch in geringer Anzahl, die Truppen weiterer 15 Mitgliedsstaaten der UNO aus Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Griechenland, der Türkei, Kanada, Australien, Neu- seeland, Südafrika, Äthiopien, den Philippinen, Thailand sowie aus Kolumbien.

3. Die Hintergründe des Koreakriege

3.1. Der Historische Hintergrund bis zur Teilung Korea

Korea war schon lange Zeit immer wieder Opfer seiner strategisch günstigen Lage und damit zum Spielball der Großmächte geworden. China und Japan spielten dabei eine große Rolle: „An der äußeren Ostspitze des asiatischen Kontinents gelegen, bot sich die Halbinsel als Sprungbrett für die Eroberung Japans durch kontinentale Mächte oder umgekehrt des asia- tischen Kontinents durch Japan an.“ (Opitz 1988: 6). Das begann schon im 1. Jahrhundert vor Christus mit Angriffen der japanischen und chinesischen Armee auf Korea. Aber auch Reiter- völker wie die Mongolen, die Dschurdschen und die Liao versuchten immer wieder, Teile Koreas zu erobern. 1388 befreite ein koreanischer General sein Volk aus dem Vasallenstatus, den die Mongolen ihm 1259 aufgezwungen hatten, und begründete die Yi-Dynastie, die bis 1910 erhalten bleiben sollte. 1274 versuchte Kublai Khan von Korea aus, Japan mit einer von Koreanern gebauten Flotte zu erobern, womit er allerdings scheiterte. Im Gegenzug startete der Japaner Hideyoshi Toyomi 1592 den Versuch, über Korea nach Ostasien einzudringen, wobei große Teile Koreas verwüstet wurden. Die damaligen Herrscher Chinas, die der Ming- Dynastie (Míngcháo) angehörten, kamen Korea zu Hilfe, da sie die Halbinsel als „Einfallstor zu China“ betrachteten (Janssen 1976: 193). Außerdem handelten sie auch im eigenen Inte- resse, denn Korea galt als „Tributarstaat“ Chinas (Opitz 1988: 5). Das Reich der Mitte fühlte sich für Korea verantwortlich und beide Staaten waren der Meinung, dass sie „[...] als eine Familie handelten und zueinander in der Beziehung von Vater und Sohn bzw. Herrscher und Untertan stehen.“ (Opitz 1988: 5. Zit. nach: Nelson, Frederick M. Korea and the Old Orders in Eastern Asia. 1945. repr. New York 1967: S. 76). 1627 wurde Korea abermals zu einem Vasallenstaat degradiert, diesmal von den Manchus, die große Mühe damit hatten, die Halbin- sel vor einer Eroberung durch Japan oder durch die europäischen Imperialmächte zu schützen. (Opitz 1988: 5). 1644 löste die Qing- die Mingdynastie (Qīngcháo) in China ab und stellte Korea unter chinesische Kontrolle. Nachdem Japan 1876 im Vertrag von Kanghwa die Öff- nung dreier koreanischer Häfen erzwungen hatte und auch die Sowjetunion ihr Staatsgebiet immer mehr ausdehnte, drängte China Korea zu einer Annäherung an die Amerikaner. 1882 kam es zu einem Vertrag zwischen den USA und der koreanischen Halbinsel, in dem die Ver- einigten Staaten Korea Unterstützung gegenüber Dritten zusicherten. Dies gehörte zu der indi- rekten Strategie Chinas, die Mächte gegeneinander auszuspielen, um eine Eroberung Koreas zu verhindern.

In den Jahren 1894 und 1895 fand der chinesisch-japanische Krieg statt, in dem die beiden Staaten um die Vormachtsstellung in Korea kämpften. China wollte in diesem Krieg ur- sprünglich die Japaner zurückdrängen und seine eigene Position auf der Halbinsel sichern, da Japan aber gewann, war das Reich der Mitte gezwungen, im Frieden von Shimonoseki die Unabhängigkeit Koreas anzuerkennen (Opitz 1988: 6). Nicht lange danach gewannen die Ja- paner auch den russisch-japanischen Krieg und die Sowjetunion musste 1905 im Frieden von Portsmouth Korea als japanisches Interessengebiet anerkennen. Großbritannien und die USA griffen in beide Konflikte nicht ein, obwohl der 1882 geschlossene Vertrag zwischen den USA und Korea noch gültig war. Der Sieg Japans erschien ihnen aufgrund der sowieso schon gewaltigen Expansion Russlands als das kleinere Übel. Außerdem hatten sowohl Großbritan- nien als auch die USA einen Vertrag mit Japan abgeschlossen und den USA war als Gegen- leistung für die japanische Annexion Koreas die Hegemonie über die Philippinen versprochen worden (Opitz 1988: 6). So wurde Korea am 22.08.1910 japanisches Generalgouvernement und blieb es, bis die Japaner 1945 vertrieben wurden. Der koreanische Kaiser musste abdan- ken und es begann eine brutale Kolonialherrschaft, welche die Auslöschung der koreanischen Kultur zum Ziel hatte: Die Koreaner wurden unterdrückt, ihnen wurden alle politischen Rech- te abgesprochen und das Land wurde wirtschaftlich ausgebeutet (Opitz 1988: 7). Nach einem weiteren Krieg zwischen Japan und China 1937 begann sich ab 1940 eine koreanischen Exil- regierung im chinesischen Chóngqìng unter dem rechts orientierten Kim Ku zu entwickeln, die diplomatisch allerdings nie anerkannt wurde. So wurde auch gar nicht weiter beachtet, dass die Exilregierung am 9.12.1941 Japan den Krieg erklärte (Hielscher 1988: 280). Nach- dem Japan 1941 Pearl Harbour angegriffen hatte, wurde die Ausbeutung Koreas verschärft und die Bevölkerung musste von nun an Zwangsarbeit im Kriegsdienst und in der Rüstungs- industrie leisten (Opitz 1988: 7). Im Zweiten Weltkrieg konnte Korea keinesfalls zu den Feindstaaten der Alliierten gezählt werden, war es doch selbst Opfer der japanischen Koloni- alpolitik. Trotzdem wurde nach Kriegsende die koreanische Freiheit nicht wiederhergestellt. Stattdessen beschlossen Roosevelt, Churchill und Jiăng Jièshí (Chiang Kaishek) auf der Kon- ferenz von Kairo im Dezember 1943, dass Korea „[...] zu gegebener (in due course) Zeit frei und unabhängig [...]“ (Opitz 1988: 7. Zit. nach: Department of State Bulletin Vol. IX, De- cember 4, 1943 S. 393) werden sollte. Damit stimmten sie gleichzeitig einer Treuhandschaft Koreas zu, deren Dauer Amerika anfänglich mit 40 Jahren angab, auf der Konferenz von Te- heran 1945 dann aber auf 5-25 Jahre reduzierte (Hielscher 1988: 277). Die Koreaner wussten von diesen Beschlüssen nichts und als das Dokument endlich in übersetzter Form in Korea bekannt wurde, hatte sich ein gewaltiger Fehler eingeschlichen, denn statt von der Freiheit und Unabhängigkeit „zu gegebener Zeit“ war dort „unverzüglich“ zu lesen, was die Koreaner natürlich begeisterte (Hielscher 1988: 275). Auf der Konferenz von Potsdam im Juli 1945 wurde einer internationalen Treuhandschaft über Korea, zur Vorbereitung auf die spätere Un- abhängigkeit, so wie sie in Kairo geplant worden war, zugestimmt. Nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki löste Stalin sein Versprechen, das er auf der Kon- ferenz von Jalta im Februar 1945 gegeben hatte, ein und erklärte Japan den Krieg. Seine Truppen marschierten in den von Japan regierten Norden Koreas ein und stoppten erst wenige Kilometer nördlich von Seoul.

Währendessen war in Korea ein Ausschuss zur Vorbereitung der Staatsgründung unter dem gemäßigten Linken Yo Un Hyong gebildet worden, der versuchte, einen zentralen Regie- rungsapparat aufzubauen. Im August 1945 schlugen die USA die vorübergehende Teilung Koreas am 38. Breitengrad vor. Es rechnete allerdings niemand damit, dass die Sowjetunion auf diese Maximalforderung eingehen würde, denn dann läge Seoul im Besatzungsgebiet der USA (Hielscher 1988: 278). Zur Überraschung der Amerikaner stimmte die Sowjetunion je- doch am 11.8.1945 diesem Plan zu und so sollte Korea nördlich dieser Demarkationslinie von der Sowjetunion besetzt und entwaffnet werden, südlich des 38. Breitengrades von den USA (Rauchwetter 1986: 64). Nachdem Japan am 14.8.1945 offiziell kapituliert hatte, gaben die Siegermächte am 2.9.1945 den Befehl, dass die japanischen Truppen sich ausnahmslos zu ergeben hätten (Hielscher 1988: 282). Gegenüber den amerikanischen Soldaten taten sie dies auch kampflos, die sowjetische Armee musste den Befehl jedoch mit Gewalt durchsetzen.

Am 6.9.1945 berief Yo Un Hyong den Volksvertreterkongress in Seoul ein, auf dem die Gründung der Volksrepublik unter einer nationalen Regierung für ganz Korea beschlossen wurde (Hielscher 1988: 276). Diesen Plan machte jedoch MacArthurs Ankündigung am näch- sten Tag zunichte, denn in dieser betonte er, dass die USA alle Regierungsgewalt südlich de 38. Breitengrades besitzen und diese auch konsequent wahrnehmen würden. Als der US- Generalleutnant Hodge am 8.9.1945 in Inchon ankam und sich weigerte, die Abgesandten der provisorischen Regierung Koreas zu empfangen und die amerikanische Militärverwaltung im Dezember 1945 zudem die koreanische Regierung endgültig für unzulässig erklärte, wurde dem koreanischen Volk seine Mündigkeit zum wiederholten Male abgesprochen (Hielscher 1988: 80). Dies führte zu einer Spaltung der Bevölkerung, bei der die Kommunisten, welche die Sowjetunion unterstützten, den Anhängern der Bürgerlichen Partei und den Nationalisten gegenüberstanden (Hielscher 1988: 285). Zur gleichen Zeit fand eine Außenministerkonfe- renz statt, an der die USA, Großbritannien und die Sowjetunion teilnahmen. Sie beschlossen endgültig die 5-jährige Treuhandschaft Koreas durch Amerika, Großbritannien, die Sowjet- union und China und stellten einen Plan zur Errichtung einer „Gemeinsamen Kommission“ auf, die sich mit der Bildung einer provisorischen Regierung befassen sollte (Opitz 1988: 7). Diese Kommission scheiterte allerdings kurz darauf an der Frage, welche koreanischen ge- sellschaftlichen Kräfte bei der Regierungsbildung mitarbeiten sollten. Am 17.9.1947 bean- tragten die USA eine Übergabe der Koreafrage aus den Händen der vier Treuhänder an die Vereinte Nationen, was allerdings einen Verstoß gegen die Moskauer Deklaration bedeutet hätte, nach der die Vereinte Nationen nicht für Fragen, die mit dem Ausgang des Zweiten Weltkrieges zu tun haben, zuständig sind. Daraufhin schlug Moskau den Abzug der Besat- zungstruppen und freie Wahlen vor. Dies lehnten die USA ab. Im November 1947 brachte die internationale Kommission den Vorschlag ein, UN Wahlen unter ihrer Aufsicht, vor Abzug der Streitkräfte stattfinden zu lassen. Diese sollten aber, auf einen Vorschlag Amerikas hin, getrennt in beiden Landesteilen stattfinden. Diese Idee stieß jedoch auf den Widerstand der UdSSR, da die Anzahl der Vertreter dem jeweiligen Bevölkerungsanteil entsprechen sollte, in dem von den Amerikanern besetzten Gebiet aber mehr als doppelt so viele Menschen lebten als in der sowjetischen Besatzungszone. Die UdSSR verwehrte der Kommission den Zutritt nach Nordkorea, weshalb 1948 zwar freie Wahlen in Korea stattfanden, allerdings in beiden Landesteilen getrennt (Opitz 1988: 9).

3.2. Die Entstehung Südkorea

Am 10.8.1948 fanden die ersten allgemeinen Parlamentswahlen in Südkorea unter der Aufsicht der UN statt, allerdings schloss das Wahlgesetz alle Analphabeten, die damals unge- fähr die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, aus. Der Führer des nationalistischen Wider- standes, Syngman Rhee, der in den USA studiert hatte und antikommunistisch eingestellt war, gewann diese Wahlen. Kurz darauf wurde die Verfassung verabschiedet und am 15.8.1948 wurde die „Republik Korea (RK) im Süden“ ausgerufen. Rhee war als Staatspräsident im Grunde westlich orientiert und auch von amerikanischer Wirtschafts- und Militärhilfe abhän- gig. Er nutzte seine Stellung als Regierungschef jedoch aus, um allmählich eine Diktatur auf- zubauen, die sich auf ein Gremium stützte, dem vor allem Großgrundbesitzer, Unternehmer und Kollaborateure der Besatzungszeit angehörten. Auch soll es schon in Vorfeld der Wahlen zu einer Verfolgung der Opposition gekommen sein, so gab es z.B. in den 6 Wochen vor der Wahl 589 politische Morde. Die UN-Beobachter waren deshalb der Meinung, dass die Ab- stimmung nicht den Volkswillen zum Ausdruck bringen würde und sanktionierten sie. Unter Rhees Regime kam es des öfteren zu Putschversuchen, Meutereien in der Armee und Unruhen in der Bevölkerung. 1949 unterbrach die UN-Kommission sogar ihre Arbeit um gegen die Terrormethoden der Regierung zu protestieren. Im selben Jahr verließen auf Druck des ameri- kanischen Kongresses hin alle US-Besatzungssoldaten bis auf einige kleine Beratertruppen Südkorea, obwohl Rhee sie beschwor, zu bleiben und ihm zu helfen, die erneut aufkommen- den Bauernaufstände niederzuschlagen. Im Februar 1950 stellte Südkorea einen Antrag auf die Mitgliedschaft in der UNO, der jedoch durch ein sowjetisches Veto abgelehnt wurde. Kurz darauf fanden erneut Parlamentswahlen in Südkorea statt, die Rhee vergeblich versucht hatte, zu verhindern. Das Ergebnis war eine vernichtende Niederlage Rhees, der sich jedoch weigerte, zurückzutreten.

3.3. Die Entstehung Nordkorea

Das seit 1945 im Norden bestehende System der kommunistischen Volkskomitees wurde unter der sowjetischen Besatzung übernommen. Am 10.10.1945 wurde die kommunistische Partei Nordkoreas mit Kim Ilsong als Vorsitzendem gegründet und eine vorläufige Regierung mit einem provisorischen Volksausschuss, ebenfalls unter dem Vorsitz Kim Ilsongs, einge- richtet (Hielscher 1988: 283). Am 25.8.1948 fanden die ersten Wahlen in Nordkorea statt und am 9.9.1948 wurde die „Koreanische Demokratische Volksrepublik (DVRK) im Norden“ unter der Schirmherrschaft der sowjetischen Besatzungsmacht von der kommunistischen Ko- reanischen Arbeiterpartei (KAP) ausgerufen (Rauchwetter 1986: 64). In dieser Zeit kehrten mehr als 250.000 Exilkoreaner aus der UdSSR nach Nordkorea zurück. Im Dezember 1948 räumte die Sowjetunion Nordkorea, ließ aber große Teile ihrer Truppen und Waffen zurück. Zwei Jahre später stellte Nordkorea einen Antrag auf die Mitgliedschaft in der UN, der jedoch von den Westmächten abgelehnt wurde.

3.4. Geschichtlicher Überblick von der Teilung bis Kriegsbeginn

Sowohl die USA als auch die Sowjetunion wollten sich die Vorherrschaft in Asien sichern und ihren Machtbereich ausweiten. Der Koreakrieg kann deshalb auch als eine Auseinander- setzung der beiden Großmächte und deren Ideologien auf koreanischem Boden betrachtet werden. Die Sowjetunion hatte die geostrategische Bedeutung Koreas erkannt und witterte ihre große Chance, Korea in die sowjetische Einflusssphäre einzubeziehen. Sie hatte schon lange ihren Anspruch auf Korea angemeldet, war aber durch den verlorenen Krieg gegen Ja- pan 1904/1905 in ihre Schranken gewiesen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm sie einen erneuten Anlauf. Neben dem Zerfall der Anti-Hitler-Koalition und dem Ost-West- Konflikt machte die Niederlage der nationalchinesischen Regierung und die Machtergreifung der Kommunisten 1949 in China eine Stellung auf der koreanischen Halbinsel für die UdSSR noch wichtiger. Aber auch für Amerika war ein Standbein in Korea zur Kontrolle der Ge- schehnisse im Fernen Osten nahezu unerlässlich, was die USA allerdings nicht sofort erkann- ten, denn am 12.1.1950 bezeichnete der US-Außenminister Korea noch als „außerhalb des asiatischen Verteidigungs-Parameters“ liegend, nachdem Truman kurz zuvor folgende Erklä- rung im Bezug auf den Bürgerkrieg zwischen China und Taiwan abgegeben hatte:

„Die Vereinigten Staaten verfolgen weder im Hinblick auf Formosa (Taiwan) noch auf ir- gendein anderes chinesisches Territorium räuberische Absichten. Die Vereinigten Staaten hegen derzeit weder den Wunsch, Sonderrechte oder Privilegien zu erlangen oder militäri- sche Stützpunkte auf Formosa zu errichten, noch haben sie die Absicht, mit ihren Streit- kräften in die gegenwärtige Situation einzugreifen. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird keinen Kurs steuern, der zu ihrer Verwicklung in den Bürgerkrieg mit China führen könnte. Ebensowenig wird die Regierung der Vereinigten Staaten den chinesischen Streit- kräften auf Formosa militärisch mit Rat und Hilfe beistehen. Nach Auffassung der Regie- rung der Vereinigten Staaten verfügt Formosa über ausreichende Ressourcen, um diesen Streitkräften die zur Verteidigung der Insel benötigten Mittel an die Hand zu geben.“ (Spence 1995: 625).

Auch die offizielle Erklärung, die nach der Eroberung Taiwans durch die Kommunisten bekannt gegeben werden sollte, war schon verfasst worden. Dies sollte sich als politischer Fehler Amerikas herausstellen, denn die USA hatten die Lage falsch eingeschätzt und waren zu diesem Zeitpunkt nicht der Meinung, dass der Kommunismus zu einer Bedrohung für die westlichen Systeme werden könnte. Amerika setzte seine Prioritäten in Europa und überließ Asien mehr oder weniger dem Zufall. Weniger als drei Monate später wurde dann aber das Dokument NSC 68 des Nationalen Sicherheitsrates verabschiedet, in dem die Sowjetunion und China als „monolithischer, kommunistischer Block“ bezeichnet wurden, „[...] der es auf die Unterminierung bisher nicht kommunistischer Randstaaten abgesehen habe.“ (Osterham- mel 1989: 361). Die amerikanische Eindämmungspolitik wurde militarisiert und der Expansi- on des Kommunismus sollte von jetzt an auch mit unmittelbarem Militäreinsatz begegnet werden. Deshalb wurde Korea im Juni 1950 zum schutzwürdigen „vital interest“ und zum „Frontstaat in der weltumspannenden militärischen Eindämmungslinie“ erklärt (Osterhammel 1989: 361). China war nach dem Sieg der Kommunisten eigentlich mit Reformen im eigenen Land beschäftigt und überhaupt nicht auf einen Krieg vorbereitet. Es hatte sogar eine Teilde- mobilisierung der Streitkräfte stattgefunden, um mehr Arbeitskräfte für die Produktion und die Landwirtschaft zur Verfügung zu haben.

3.5. Wie es zum Koreakrieg kam

Über die Geschehnisse, die schließlich zum Koreakrieg führten, gibt es verschiedene Theo- rien, von denen bis heute keine vollständig bewiesen werden konnte. In einer dieser Spekula- tionen wird davon ausgegangen, dass Syngman Rhee Nordkorea provozierte, damit die USA eingreifen und Korea von Süden her unter ihre Herrschaft bringen konnten. Eine zweite Theo- rie besagt, dass Kim Ilsong das Regime Syngman Rhee stürzen und damit die Einigung des Landes herbeiführen wollte. Die Risiken dabei wären nicht sehr groß gewesen, da Nordkorea dem Süden überlegen war und Nordkorea laut der Erklärung Trumans nicht im Interessenbe- reich der USA lag. Außerdem gab es in Südkorea eine wachsende Opposition gegen den Prä- sidenten Syngman Rhee, was das Staatsoberhaupt Nordkoreas davon überzeugt haben könnte, dass die Südkoreaner ihn als Befreier wollten, der die Regierung Rhees absetzen und Korea wiedervereinigen sollte (Microsoft Encarta 1999). Dieser Theorie zufolge wären Máo und Stalin in die Pläne eingeweiht und einverstanden gewesen. Der Angriff Nordkoreas könnte auch von Moskau aus geplant gewesen sein und Nordkorea sowie China könnten im Auftrag Stalins gehandelt haben. Stalin hätte gute Gründe gehabt, die USA in Asien zu beschäftigen, um der Sowjetunion in Europa Raum zu verschaffen und um zu vermeiden, dass die USA ihre Kräfte auf einen Punkt konzentrierten. Auch die Erklärung Dean Achsons, in der er sagte, dass Südkorea sich außerhalb des amerikanischen Verteidigungsgürtels befände, könnte der Auslöser für den Koreakrieg gewesen sein und wie eine Einladung an Nordkorea, Südkorea zu überfallen, gewirkt haben, denn Nordkorea konnte sich berechtigte Hoffnungen auf einen erfolgreichen Vorstoß nach Südkorea machen (Rauchwetter 1986: 64). Die letzte Theorie, die aufgrund von kürzlich in Russland entdeckten Dokumenten am wahrscheinlichsten scheint, geht davon aus, dass im März 1949 ein erstes Treffen zwischen Kim Ilsong und Stalin stattge- funden habe, auf dem Kim Stalin sein Vorhaben, Korea zu vereinen, mitteilte. Stalin soll Ko- rea indirekte Unterstützung zugesagt haben, aber keine militärische Hilfe, da er einen erneu- ten Weltkrieg zwischen der UdSSR und den USA befürchtete. Für direkte Unterstützung soll er an die Chinesen verwiesen haben, mit dem Ziel, China vom Westen zu isolieren und von Moskau abhängig zu machen. Aber auch Máo fürchtete anfangs die Konfrontation mit den USA und wollte sich deshalb ursprünglich nicht in den Krieg einmischen. Daraufhin verbrei- tete Kim Ilsong angeblich gefälschte Nachrichten über einen bevorstehenden Angriff Südko- reas. Die Ereignisse, die 1950 in Europa stattfanden, unter ihnen z.B. die Berlinkrise, lenkten die Amerikaner von Korea ab. Máo stellte schließlich doch einen möglichen Eingriff zu ei- nem späteren Zeitpunkt in Ausicht, da er erwartete, dass die Amerikaner, wie in der Truman- erklärung angekündigt, nicht mehr in Konflikte auf dem asiatischen Kontinent eingreifen würden. Nordkorea arbeitete zusammen mit der UdSSR und China die Grundlagen für eine Intervention Südkoreas aus und traf mit China die Vereinbarung, dass China im Falle eines Angriffs der Amerikaner Nordkorea helfen würde. Stalin hingegen gab taktische Kriegs- ratschläge, lieferte Waffen und schickte sowjetische Militärberater nach Nordkorea. China fühlte sich damals durch die Sowjetunion in eine Falle gelockt, was gleichzeitig eine Erklä- rung für die spätere Entfremdung zwischen China und der UdSSR wäre (http://www.dieterklaey.ch/korea.htm).

3.6. Übersichtskarte

aus: Twichett, Denis, und John K. Fairbank. The Cambridge History of China. Vol. 14. Cambridge University Press 1987. Neuauflage 1989. 273.

4. Der Konfliktverlauf

Am 25.6.1950 um 4 Uhr morgens griffen nordkoreanische Truppen Südkorea an und über- querten den 38. Breitengrad, ohne vorher eine Kriegserklärung abgegeben zu haben. Da an der Demarkationslinie immer wieder Bandenkriege stattgefunden hatten, wurde der Angriff nicht sofort als solcher erkannt, was den Überraschungseffekt vergrößerte. Zu dieser Zeit ge- hörten der südkoreanischen Armee ungefähr 94.000 leicht bewaffnete Soldaten an, während Nordkorea mit über 200.000 Mann, die mit von der Sowjetunion gelieferten Waffen ausgerüs- tet waren, in den Krieg ging und zudem noch zahlreiche sowjetische Panzer besaß. Aufgrund dieser Überlegenheit blieb der südkoreanischen Armee nichts anderes übrig, als sich zurück- zuziehen, was den Nordkoreanern ein rasches Vorrücken erlaubte: Drei Tage nach dem An- griff bedrohte die nordkoreanische Armee schon die Hauptstadt Südkoreas, Seoul.

Der Angriff Nordkoreas kam für Amerika, das durch die Ereignisse in Europa abgelenkt war, völlig überraschend. Außerdem hatte der Oberkommandant der amerikanischen Truppen in Japan, Douglas MacArthur, Informationen über die Aufrüstung der Nordkoreaner bewusst zurückgehalten, da er einen Konflikt zwischen den USA und den Kommunisten provozieren und dadurch Präsident werden wollte. Den Sieg über die Kommunisten sah er dabei als Ga- rantie für seine Wahl zum amerikanischen Staatsoberhaupt. Deshalb verharmloste er die Situ- ation in Nordkorea, um die Glaubwürdigkeit des Präsidenten zu schwächen und amerikani- sche Politiker aus Korea fernzuhalten, die für eine diplomatische Lösung hätten sorgen kön- nen. China drohte er sogar mit Sanktionen, über die in Amerika nie gesprochen worden war. Weitere Gründe dafür, dass sich Amerika vom Angriff Nordkoreas so überrumpelt fühlte, lagen darin, dass die USA einen Krieg von Seiten der Sowjetunion oder ihren Verbündeten nicht vor 1954 erwartet und sich erst recht nicht auf einen Stellungskrieg an Land, sondern auf einen Atomkrieg eingestellt hatten. Für Amerika war es problematisch, in diesen Krieg einzugreifen, da es damals noch keine Verbündeten in Asien hatte. Der Friedensvertrag mit Japan wurde erst 1951 geschlossen. Deshalb und aufgrund der Erklärungen, die Amerika An- fang 1950 abgegeben hatte, rechneten Nordkorea und auch die Sowjetunion überhaupt nicht mit der folgenden heftigen Reaktion der USA (Hielscher 1988: 315). Diese begannen, sobald sie vom Angriff Nordkoreas hörten, ihre Truppen zu mobilisieren und forderten die UN zu weiteren Maßnahmen auf, denn „[...] 1950 konnten sie sowenig wie im Falle Westberlins, zulassen, dass ihr persönlicher Schützling Südkorea dem kommunistischen Imperium anheim- falle.“ (Halle 1967: 211). Von den Vereinten Nationen erging auf Drängen der USA hin eine Aufforderung an Nordkorea, sich zurückzuziehen, welche die nordkoreanischen Truppen al- lerdings nicht beachteten. Stattdessen rückten sie immer weiter vor.

Am 26.6.1950 befahl der amerikanische Präsident Harry S. Truman den Einsatz von Luft- und Seestreitkräften zur Unterstützung Südkoreas. In einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrates wurden auf eine von der USA eingebrachte Resolution hin Sanktionen gegen Nordkorea in Form von UN-Streitkräften beschlossen. Diese Sitzung fand ohne die Vertreter der Sowjet- union statt, da die UdSSR zu diesem Zeitpunkt den UN-Sicherheitsrat wegen dessen Weige- rung, anstelle Taiwans China als Mitglied aufzunehmen, boykottierte. Da also kein Veto durch die UdSSR drohte, handelten die übrigen Mitglieder rasch und beschlossen, Südkorea „[...] den notwendigen Beistand zu leisten [...]“ (Spence 1995: 625). Das Oberkommando ü- ber die UNO-Truppen wurde an die USA übertragen, der Oberbefehl erging an General Douglas MacArthur, dem kurz darauf auch Syngman Rhee die südkoreanische Armee unter- stellte. Gleichzeitig beorderte Truman die 7. US-Flotte in die Straße von Taiwan zur „Ent- schärfung der Situation“ und aus Angst, China könnte die Gunst des Augenblicks nutzen und Taiwan angreifen. So wurde eine Invasion Taiwans für China unmöglich gemacht. Diesen Akt empfand Chinas Außenminister Zhōu Ēnlái als „[...] bewaffnete Aggression gegen das chinesische Hoheitsgebiet [...]“ (Spence 1995: 627). Die bekannte chinesische Zeitung Rénmín Rìbào schrieb dazu: „Der USA-Imperialismus besetzte mit Waffengewalt unser heili- ges Territorium, die Provinz Taiwan“ (Janssen 1976: 192). Da die alliierten Truppen aller- dings kaum kampferprobt waren und ihnen das koreanische Gelände völlig fremd war, konnte Nordkorea trotz der schnell ergriffenen Maßnahmen bis September 1950 den Süden fast voll- ständig erobern und kontrollierte schließlich das ganze Land bis auf 100 km2 um die Hafen- stadt Pusan. Dort stoppten die Truppen der UNO und Südkoreas den Vormarsch der nordko- reanischen Armee zum ersten Mal, indem sie einen Verteidigungsring um Pusan errichteten und so die Eroberung unmöglich machten. Gleichzeitig planten die Alliierten eine Invasion bei Inchon, die am 14.9.1950 stattfand. Sie hatten sich eine Stelle an der südkoreanischen Küste ausgesucht, deren Lage für eine Landung extrem ungünstig schien, um die nordkorea- nischen Truppen zu überraschen. Das Land konnte dort mit den Booten nur bei Flut erreicht werden, was für die Soldaten hieß, dass Leute und Material innerhalb von 2,5 Stunden ausge- laden werden mussten. Dieses Manöver stellte sich als ein voller Erfolg heraus, denn von In- chon aus gelang es den UN-Truppen, die nordkoreanische Linien zu durchbrechen und durch ein gleichzeitiges Ausbrechen aus Pusan nahmen sie die Nordkoreaner in die Zange und schnitten ihnen zudem den Rückzug ab (Spence, 1995: 627). Das nahm der nordkoreanischen Armee jede Handlungsmöglichkeit. Innerhalb eines Monats hatte sie sich fast völlig zerstreut und schon am 26.9. war Seoul in der Hand der UNO und Südkoreas. Damit hätte der Korea- krieg beendet sein können, wäre nicht General Douglas MacArthur gewesen, der seine Chan- ce auf eine Präsidentschaft eben nur in einem Sieg über die Kommunisten, in diesem Falle über China, sah und deshalb von der bisherigen „Eindämmungspolitik“ (Containment) zum Angriff, dem sogenannten „Roll back“ überging (Hielscher 1988: 317).

Am 7.10.1950 überschritten die UN-Streitkräfte den 38. Breitengrad, trotz der Warnungen Chinas, welches das Einrücken der Amerikaner in Nordkorea als Grenzbedrohung empfand und darin einen Grund sah, in den Krieg einzugreifen: China hatte schon die Sperrung der Straße von Taiwan als aggressiven Akt verdammt und nicht eingegriffen. Das Eindringen der alliierten Truppen nach Nordkorea konnte allerdings nicht auch noch hingenommen werden, da damit der nordkoreanische Puffer verloren gehen würde. Truman sprach sich gegen ein Einrücken der Truppen nach Nordkorea aus, weil er den Konflikt mit China vermeiden wollte, MacArthur argumentierte aber folgendermaßen:

„[...] die Chinesen würden es auf keinen Fall wagen, in die Kämpfe einzugreifen - taten sie es wirklich nicht, so hätten sie ihr Gesicht verloren, hätte der Kommunismus eine demüti- gende Niederlage erlitten, taten sie es doch, so könnte man mit vereinten Kräften den Krieg nach China hineintragen und das Urteil der Geschichte aus dem Jahre 1949 revidieren.“ (Janssen 1976: 193), woraufhin Truman sein Einverständnis gab. Am 19. Oktober wurde die nordkoreanische Hauptstadt Pyongyang eingenommen und schließlich rückten die UN-Truppen auf den Yālù Jiāng, den Grenzfluß zu China zu und die Luftwaffe bombardierte Kraftwerke auf chinesi- schem Gebiet. Seit Maos Interventionsbefehl Anfang Oktober waren chinesische Soldaten in kleinen Truppen unbemerkt nach Nordkorea eingedrungen und hatten begonnen, die nordko- reanischen Soldaten zu unterstützen. Am 25.11. startete China dann einen überraschenden Generalangriff, an dem anfangs über 250.000, später bis zu 700.000 „Volksfreiwillige“ betei- ligt waren (Weggel 1989: 167). Dieser Angriff zwang MacArthur zum Rückzug seiner Trup- pen. Allerdings brachte Amerika daraufhin in der UNO den Antrag ein, China als Aggressor zu bezeichnen, was China die Aufnahme als Mitglied in die Vereinten Nationen für die nächs- ten 20 Jahre verwehrte (Janssen 1976: 193). Die chinesischen Truppen waren durch ihre Par- tisanentaktik, bei der sie sich nur bei Nacht bewegten und fast keine Spuren hinterließen, ü- berlegen. Sie führten immer wieder kurze Angriffe durch und ihre Spione hielten sie über die Vorhaben der amerikanischen Truppen auf dem Laufenden. In den USA wurde zu dieser Zeit der Notstand ausgerufen und alle Truppen mobilisiert. Außerdem fanden Diskussionen über den Einsatz von Atombomben statt. Im November wurde zum ersten Mal über eine friedliche Lösung des Koreakrieges nachgedacht und im Dezember 1950 schlugen Vertreter der UNO die Lösung des Konflikts durch eine Zusammenarbeit der USA, Großbritanniens, Chinas und der UdSSR vor. Ein Treffen kam jedoch nie zustande, da Máo Einigkeit über die Zugehörig- keit Taiwans zu China und die Aufnahme Chinas in die Vereinten Nationen verlangte (Hiel- scher 1988: 319).

Währendessen fand in China die Propagandakampagne „Widerstand gegen die USA, Hilfe für Korea“ (kàng Mĕi yuán Cháo (băo jiā wèi guó)) statt, in der die Chinesen für die Unterstützung Nordkoreas spendeten und deren Motto lautete:

„Das barbarische Vorgehen des amerikanischen Imperialismus und seiner Mitläufer bei der Invasion Koreas gefährdet nicht nur den Frieden in Asien und auf der ganzen Welt, sondern stellt im besonderen für die Sicherheit Chinas eine ernste Bedrohung dar. Nordkoreas Freunde sind unsere Freunde. Nordkoreas Feind ist unser Feind. Nordkoreas Verteidigung ist unsere Verteidigung.“ (Spence 1995: 627).

In die Zeit fiel auch die Rede Maos: „Die chinesischen Volksfreiwilligen müssen jeden Berg, jeden Fluss, jeden Baum und jeden Grashalm schützen“. Darin sagte er:

„Die chinesischen Genossen müssen sich mit den koreanischen Genossen brüderlich aufs engste zusammenschließen, Freude und Leid mit ihnen teilen, in Leben und Tod mit ihnen zusammenstehen und so lange kämpfen, bis der gemeinsame Feind endgültig besiegt ist. Die chinesischen Genossen müssen die Sache Koreas als ihre eigene be- trachten, und alle Kommandeure und Kämpfer müssen dazu erzogen werden, jeden Berg, jeden Fluss, jeden Baum und jeden Grashalm in Korea zu schützen und dem ko- reanischen Volk nicht eine einzige Nadel und nicht einen Faden wegzunehmen - ihre Einstellung und ihr Verhalten müssen also genauso wie im eigenen Land sein. Das ist die politische Grundlage für den Sieg. Handeln wir so, ist uns der endgültige Sieg si- cher.“ (Mao 1978: 44).

Währendessen gingen die Kampfhandlungen in Korea weiter: Im Januar 1951 nahmen die Truppen Nordkoreas und Chinas erneut Seoul ein, wurden aber kurz darauf gestoppt und zwei Monate später stand Seoul wieder unter dem Einfluss der UN-Truppen. Der Krieg artete im- mer mehr aus zu einem Kampf von Massen auf der chinesischen Seite gegen Maschinen auf der Seite der Alliierten. Bedingt durch die zermürbenden Stellungskriege mussten beide Ar- meen hohe Verluste hinnehmen. Nach einem Jahr pendelte sich der Krieg schließlich an der Demarkationslinie ein, was den Beginn eines zweijährigen erbitterten Stellungskampfes be- deutete (Janssen 1976: 194). Zu dieser Zeit begann Truman nach weiteren diplomatischen Lösungen zu suchen, denen MacArthur allerdings entgegenarbeitete, indem er nicht aufhörte, China zu provozieren, um eine friedliche Lösung des Koreakonflikts zu verhindern. Er wollte die atomare Bombardierung Chinas und den Einsatz von nationalchinesischen Truppen aus Taiwan gegen die Kommunisten, um den Krieg für die USA zu entscheiden (Janssen 1976: 194). Daraufhin entzog ihm Präsident Truman im April 1951 das Oberkommando, denn Tru- man wollte wegen des Koreakonflikts keinen neuen Weltkrieg riskieren. An MacArthurs Stel- le trat General Matthew Ridgeway als neuer Oberkommandant der Truppen. Im Mai 1951 wurde der erste Waffenstillstandsvertrag ausgearbeitet und am 10.7.1951 begannen die Waf- fenstillstandsverhandlungen in Kaesong, Nordkorea (Hielscher 1988: 320f.), die allerdings erst zwei Jahre später erfolgreich sein sollten. Das Hauptproblem bei den Verhandlungen wa- ren die Waffenstillstandslinie und die Kriegsgefangenen, deren Rückkehr in ihre Heimatlän- der die Kommunisten forderten, während die UNO der Meinung war, dass diese Entscheidung den Gefangenen überlassen werden sollte (Hielscher 1988: 321). Am 27.7.1953, kurz nach Stalins Tod, wurden die Waffenstillstandsvereinbarungen von allen beteiligten Parteien unter- zeichnet, einzig Südkorea weigerte sich zu unterschreiben (Hielscher 1988: 321). Dieser Er- folg ist auch auf die Ablösung Trumans als Präsident der USA durch Eisenhower zurückzu- führen, der zwar sein Wahlkampfversprechen, selbst nach Korea zu reisen, nicht hielt, der sich aber trotzdem sehr für ein Zustandekommen des Waffenstillstandsvertrages einsetzte, indem er „[...] das volle diplomatische Gewicht der Atommacht Amerika einsetzte [...]“ (Spence 1995: 629). Das Abkommen von Panmunjom enthielt unter anderem folgende Punk- te: Das Feuer sollte unverzüglich eingestellt werden. Als Waffenstillstandslinie wurde der 38. Breitengrad gewählt, der, umgeben von einer 4 Kilometer breiten entmilitarisierten Zone, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea markieren sollte. Neben der Abhaltung einer Konfe- renz zur Koreafrage wurde außerdem die Einrichtung einer „Repatriierungskommission“ be- schlossen, die den Gefangenenaustausch überwachen sollte. Die Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad zählt bis heute zu einer der am stärksten befestigten und „heißesten“ Grenzen der Welt. (Opitz 1988: 11).

5. Die Folgen des Kriege

5.1. Die Folgen des Krieges - allgemein

Für diesen Krieg, bei dem es keine Sieger gab und an dessen Ende die Ausgangslage im Großen und Ganzen wiederhergestellt war, wurden von allen Seiten große Verluste, sowohl an Material als auch an Menschen, in Kauf genommen. Die Angaben der Todesopfer in der Literatur schwanken sehr, deshalb soll mit nachfolgenden Zahlen nur ein grober Überblick über die Ausmaße gegeben werden. Neben mehreren Millionen von Zivilisten soll der Korea- krieg auf der südkoreanischen Seite mehr als 400.000 Soldaten das Leben gekostet haben. Die Opfer der USA werden auf über 160.000 geschätzt und in Nordkorea wird die Anzahl der Toten mit ungefähr 600.000 Soldaten beziffert. In China sollen 700.000 bis 900.000 der „Volksfreiwilligen“ den Krieg nicht überlebt haben. Diese Zahl wurde in China allerdings nie veröffentlicht, da es sich, laut chinesischer Regierung „[...] durchweg um „Freiwillige“ und nicht um reguläre Truppen gehandelt [...]“ habe (Spence 1995: 629).

5.2. Die Folgen des Krieges für Korea

Bei diesem Krieg hatten zwar alle beteiligten Staaten Verluste gemacht, aber Korea traf es besonders hart. Denn neben den hohen Verlusten an Menschen und Material und den nicht unerheblichen Kriegskosten waren weite Teile des Landes durch die amerikanische Luftwaffe zerstört und ein Großteil der Industrieanlagen funktionsunfähig gemacht worden und das, obwohl kaum Veränderungen der politischen oder militärischen Lage von vor 1950 stattge- funden hatten. Beide Teile Koreas mussten hohe Kredite von anderen Staaten aufnehmen, um ihr Land wieder aufzubauen und sind deshalb heute noch hoch verschuldet. Vorgespräche zu der in der Waffenstillstandsvereinbarung von Panmunjom festgelegte Konferenz zur friedli- che Einigung des Landes scheiterten im Dezember 1953. Außer dem Waffenstillstandab- kommen gibt es deshalb noch keinen bindenden Vertrag und an der Demarkationslinie kommt es, trotz der dort eingerichteten Kontrollkommission, welche die Einhaltung der Vereinbarung überwachen soll, immer wieder zu Zwischenfällen. Korea ist ein Krisenherd geblieben und die in Aussicht gestellte Wiedervereinigung hat bis heute noch nicht stattgefunden.

5.3. Die Folgen des Krieges für China

China hatte in diesem Krieg trotz aller Verluste seine „Leistungsfähigkeit als Militärmacht unter Beweis gestellt, die sich nicht ungestraft provozieren ließ und ihre Grenzen zu verteidi- gen wusste“ (Osterhammel 1989: 362). Durch das Eingreifen Chinas war die Armee der Ver- einten Nationen zurückgeschlagen worden, China hatte „gegen das stärkste Volk der Welt gekämpft und gewonnen“. Dies ließ in China einen bisher kaum gekannten Nationalstolz auf- kommen und Bewunderung für das neugewählte kommunistische Regime, das diesen Sieg in den Augen der Chinesen möglich gemacht hatte. Dadurch wurde die Parteiherrschaft gefestigt und die letzte Hoffnung auf die baldige Errichtung einer Demokratie völlig zerstört. Dabei war China in diesem Krieg keineswegs der Aggressor, als den ihn die USA darstellten, denn China war auf einen Krieg eigentlich überhaupt nicht vorbereitet gewesen, hatte es selbst doch noch unter den Folgen des Bürgerkrieges zwischen den Kommunisten und der Gu- ómíndăng zu leiden. Nie hätten die Chinesen in dieser Situation von sich aus angegriffen, denn die „Volksfreiwilligen“, die schließlich zum Kämpfen nach Korea geschickt wurden, waren nichts anderes als aus dem Bürgerkrieg heimkehrende Soldaten, die als Bauern und Arbeiter gebraucht wurden, um das Land wiederaufzubauen. Außerdem konnte das neue kommunistische System viele notwendige Reformen nicht durchführen, da mit dem benötig- ten Geld die hohen Kriegskosten bezahlt werden mussten. Die Chinesen griffen nicht sofort an, als sie sich bedroht fühlten, sondern erst als sie keinen anderen Ausweg mehr sahen: Die Verlegung der 7. Flotte in die Straße von Taiwan wurde von chinesischer Seite zwar verur- teilt, weil dadurch ihre Pläne zur Eroberung der Insel zunichte gemacht worden waren, ein militärischer Eingriff in das Kriegsgeschehen erfolgte allerdings erst nachdem die amerikani- schen Truppen trotz mehrfacher, fast flehentlicher Warnungen in den chinesischen Verteidi- gungspuffer Nordkorea einmarschierten und China sich zudem zum ersten Mal mit einem Atomkrieg konfrontiert sah. Dann blieb den chinesischen Machthabern keine andere Wahl als einzugreifen, auch auf die Gefahr hin, dass sich damit die Hoffnungen auf eine Aufnahme in die UNO, auf bessere Beziehungen zu Washington und eine Anerkennung durch die USA zerschlagen würden (Janssen 1976: 192f.).

Nach dem Ende des Koreakrieges entstand eine wahre Flut von literarischen Werken, Fil- men und Theaterstücken. Dort finden sich zahlreiche Erzählungen über vorbildliche Helden, die den Mythos von der chinesischer Ausdauer bestätigen und denen meistens Werte wie Opfermut und revolutionäre Gesinnung sehr wichtig sind. Allerdings gibt es in der chinesi- schen Literatur kaum objektive Berichte über den Koreakrieg, denn die geschichtlichen Wer- ke, die existieren, sind alle sehr einseitig geschrieben, verschweigen die Verluste auf Seiten Chinas und Koreas und stellen diese beiden Mächte als absolute Sieger dar, von denen die USA gezwungen werden, den Waffenstillstandsvertrag zu unterschreiben. Oft wird das Ende des Koreakrieges auch als moralischer Sieg Chinas über den amerikanischen Imperialismus, den Papiertiger („Der amerikanische Imperialismus ist ein Papiertiger“ - „Mĕi dìguózhŭyì shì zhĭ lăohŭ (Máo 1978: 169f.)), beschrieben:

„In den Augen Asiens wandelte sich das militärische Patt zu einem grandiosen Sieg der Farbigen über die Weißen. Zum erstenmal hatte ein amerikanischer General einen Waffenstillstand in einem Krieg unterzeichnen müssen, aus dem die Vereinigten Staaten nicht als Sieger hervorgingen.“ (Janssen 1976: 194).

Im Jahr 2000 feierte China den 50. Jahrestag des Eintritts in den Koreakrieg dabei wurde Mao und sein Regime glorifiziert und des Sieges über die Weltmacht USA gerühmt. Außerdem wurde die Freundschaft zu Nordkorea aufs Neue besiegelt (http://www.nzz.ch/200/10/27/al/page-article6UR18.html.).

Besonders verehrt wird Máos ältester Sohn, der in den Augen vieler Chinesen einen „Hel- dentod“ starb, als er einem amerikanischen Luftangriff in Korea zum Opfer fiel (Spence 1995: 629).

In Máos Reden kamen nur die positiven Aspekte des Koreakrieges zur Geltung. Als wichtigste Punkte nannte er, die erfolgreiche Sicherung des nordkoreanischen Territoriums, die militärischen Erfahrungen, die China im Kampf mit den USA sammelte, die Erhöhung des politischen Bewusstseins des chinesischen Volkes und die Aufschiebung des Dritten Weltkrieges durch einen Sieg Chinas (Mao 1978: 127ff.). Außerdem konnte im Oktober 1950 die Herrschaft Chinas über Tibet im Schatten des Krieges wiederhergestellt werden. Es kam zwar zu Protesten, aber die Westmächte waren durch den Koreakrieg abgelenkt. Am 12.9.1953 hielt Mao die Rede „Der große Sieg im Krieg des Widerstandes gegen die USA-Aggression und der Hilfe für Korea und unsere nächsten Aufgaben“:

„Nach drei Jahren haben wir im Krieg des Widerstands gegen die USA-Aggression und der Hilfe für Korea einen großen Sieg errungen. Nun ist dieser Krieg zum Stillstand ge- kommen. Wie war dieser Sieg möglich? Eben sagten Sie, meine Herren, er sei der kor- rekten Führung zu verdanken. Die Führung ist einer der Faktoren; ohne eine korrekte Führung kann nichts gelingen. Hauptsächlich aber siegten wir, weil unser Krieg ein Volkskrieg war, der von der ganzen Nation unterstützt wurde, und weil die Völker Chi- nas und Koreas Schulter an Schulter kämpften. Wir kämpften gegen den USA- Imperialismus, einen Feind, dessen Waffen den unseren um ein Vielfaches überlegen waren, und waren doch imstande, ihn zu besiegen und zur Einwilligung in einen Waf- fenstillstand zu zwingen.“ [...] „Die imperialistischen Aggressoren sollten sich eines merken: Das chinesische Volk ist jetzt organisiert und lässt sich nichts mehr gefallen. Wer es reizt, dem wird es schlecht ergehen.“...“Haben wir vor, andere zu überfallen? Nein, wir wollen nichts und niemanden überfallen. Aber wenn andere uns angreifen, werden wir kämpfen, und zwar bis zum Ende. Das chinesische Volk bleibt dabei: Wir sind für den Frieden, aber wir fürchten uns nicht vor dem Krieg.“ [...] „In diesem Krieg kämpften wir entschlossen, ernsthaft, unter Einsatz aller unserer Kräfte. Alles, was die Front in Korea benötigte, stellten wir ihr zur Verfügung, wenn es nur zu Hause erhält- lich war.“ (Máo 1978: 127ff.).

Aber der Krieg hatte für China weitreichende innen- und außenpolitische Folgen. So geriet China durch die internationale Isolierung immer mehr in die sowjetische Abhängigkeit, erst recht als Japan, die Philippinen, Südkorea, Taiwan und Südvietnam zu amerikanischen Militärposten wurden, von welchen China sich bedroht fühlte (Osterhammel 1989: 362). Diese Abhängigkeit von der Sowjetunion endete erst Anfang der 60er Jahre, als China die Beziehungen zur Sowjetunion abbrach.

In China wurde nach dem Koreakrieg mit noch größerem Nachdruck auf das Übel des Im- perialismus hingewiesen. Die Vereinigten Staaten und der US-Imperialismus galten neben dem japanischen Militarismus als größter Feind der Volksrepublik und gegen die in China verbliebenen Westbürger wurde entschieden vorgegangen. Viele wurden wegen Spionagever- dachts angeklagt und es fanden Massenkampagnen gegen inländische Spione, mutmaßliche Agenten, Sympathisanten der Guómíndăng oder Mitarbeiter ausländischer Firmen statt (Opitz 1988: 13). Diese antiimperialistische Haltung war es auch, die später zur Kulturrevolution führen sollte. Außerdem wurde durch den Koreakrieg der wirtschaftliche Aufbau Chinas ge- bremst (Osterhammel 1989: 362). Auch eine Wiedervereinigung Chinas war nicht gelungen, denn China musste auf die geplante Invasion Taiwans verzichten, worüber bis heute noch oft mit Bedauern gesprochen wird.

5.4. Die Folgen des Koreakrieges für die USA

Der Koreakrieg war der erste militärische Einsatz in der Geschichte der USA, den sie nicht gewannen. Trotzdem hatten sie ihr Ziel erreicht und die kommunistische Aggression im Auf- trag der UNO eingedämmt. Amerika hatte seinen Status im Fernen Osten wiederhergestellt und das sogar mit der Unterstützung der UN-Mitgliedstaaten und getragen von den Sympa- thien großer Teile der Weltöffentlichkeit. Von nun an zeigten die Vereinigten Staaten die Be- reitschaft, sich eindeutig in Asien zu engagieren und dadurch das Vordringen des Kommu- nismus zu verhindern. Die koreanische Halbinsel wurde in den amerikanischen Sicherheitsbe- reich miteinbezogen und Korea wurde zum „[...] Schlüsselglied einer globalen Strategie der Eindämmung des internationalen Kommunismus [...]“ (Opitz 1988: 11). Während des Korea- krieges stiegen die Lebenshaltungskosten in Amerika aufgrund der hohen Militärausgaben rapide an. Die Regierung erhöhte deshalb die Steuern, um die Inflation zu bremsen. Außer- dem kam es gerade in dieser Zeit zu wahren Hamsterkäufen, da eine Warenknappheit be- fürchtet wurde. Das kurbelte die Wirtschaft an, woraufhin die Zahl der Arbeitslosen sank (http://www.brgzell.salzburg.at/lainer/gs_int/usa7.htm).

Der Krieg auf der koreanischen Halbinsel fächelte den Kalten Krieg erst richtig an und ließ das Misstrauen der Bevölkerung gegen den Kommunismus immer mehr ansteigen bis es zu einer wahren antikommunistischen Hysterie kam. Daraufhin wurden Anfang der 50er Jahre die McCarran-Gesetze erlassen, welche die kommunistischen Aktivitäten in den USA aufspü- ren helfen sollten und nach denen einreisende Ausländer auf eine eventuelle kommunistische Vergangenheit hin untersucht wurden. Durch den Krieg kam es zu einer Änderung der mili- tärstrategischen Konzepte und die militärische Entwicklung wurde forciert: Im Oktober 1952 zündeten die USA ihre erste Wasserstoffbombe. Außerdem war der Koreakrieg der erste mili- tärische Einsatz, nachdem die Vereinigten Staaten nicht abrüsteten. Die Berichte über den Koreakrieg ließen in den USA ein sehr verzerrtes Bild von den Chinesen entstehen. Sie wur- den als lebensverachtende Kommunisten beschrieben, die mit der „Menschenwellentaktik“ nur allzu gerne ihr Leben für ihr Land lassen würden (Weggel 1989: 168). Außerdem seien die Chinesen unfähig eine eigene Politik zu formulieren und würden deshalb mechanisch die sowjetischen Befehle befolgen.

5.5. Die Folgen des Krieges für die Sowjetunion

Durch das Eingreifen der USA wurden sowohl dem Kommunismus in Asien als auch der Expansion der UdSSR deutliche Grenzen gesetzt. Die militärische Entwicklung der Sowjet- union wurde durch den Krieg forciert, ähnlich wie die Amerikas, und bis 1953 hatte auch die UdSSR ihre erste Wasserstoffbombe entwickelt. Es kam zu einer verstärkten Anlehnung an China, das die Sowjetunion durch Verträge an sich zu binden versuchte, aber auch die Reibe- reien mit China nahmen zu, da China durch den „Sieg“ im Koreakrieg selbstbewusster ge- worden war.

5.6. Die Folgen des Krieges für Japan

Durch den Koreakrieg kam es zu einer verstärkten Rehabilitierung Japans, was auch die Einbeziehung Japans in das Sicherheitssystem Amerikas in Asien zur Folge hatte (Opitz 1988: 12). Im Juni 1965 wurde ein Grundlagenvertrag über die Beziehungen zwischen Japan und Korea abgeschlossen, dessen Folge die Normalisierung der Verhältnisse zwischen den beiden Staaten war (Opitz 1988: 12).

5.7. Die Folgen des Krieges für die Bundesrepublik Deutschland

Die BRD war der einzige Staat, der aus dem Krieg in Korea einen positiven Nutzen ziehen konnte. Hier führte der Krieg nämlich dazu, dass Deutschland sich wiederbewaffnen durfte und seine Integration in den „Block der Westmächte“ beschleunigt wurde (Woyke 1995: 384).

6. Die Entwicklungen nach 1953

Im Gegensatz zu Deutschland, wo es vor einigen Jahren zu einer Wiedervereinigung kam, ist die Koreafrage bis heute ungelöst, obwohl immer wieder Gespräche und Verhandlungen stattfanden und seit 1953 zahlreiche Politiker sich die Lösung dieses Problems zum Ziel ge- setzt haben. Der erste Versuch fand 1954 auf einer Konferenz in Genf statt, die allerdings schon damit begann, dass der amerikanische Politiker Dulles sich weigerte Zhōu Ēnláis Hand zu schütteln, um seiner Antipathie Ausdruck zu verleihen (Osterhammel 1989: 362). Dieses Treffen endete so kompromisslos, wie es begonnen hatte, nämlich ohne Ergebnisse (Hielscher 1988: 328).

Schon während des Koreakrieges hatte Kim Ilsong seine Macht in Nordkorea gefestigt. Er war zwar nach wie vor von Moskau und Peking abhängig, spielte die beiden Mächte jedoch gegeneinander aus und setzte sie für seine Ziele ein (Opitz 1988: 12).

Im Gegensatz dazu wurde Syngman Rhee im Süden der Halbinsel 1960 durch sein unzu- friedenes Volk zum Rücktritt gezwungen und Yun Po Sun trat an seine Stelle. Dieser sollte jedoch das Amt des Regierungsoberhaupts nicht lange innehaben, denn bereits ein Jahr später wurde er durch einen Militärputsch gestürzt und Park Chung Hee, der die nächsten 20 Jahre als ein übermächtiger Alleinherrscher regierte, übernahm die Führung Südkoreas.

Im Juli 1961 wurden Verträge über „Freundschaft, Kooperation und Beistand“ zwischen Nordkorea, China und der Sowjetunion geschlossen. Diese Verträge stellen eine Besonderheit dar, denn es ist bis heute die einzige vertraglich abgeschlossene Verteidigungsverpflichtung, die China einging (Opitz 1988: 13). Nordkorea befand sich zu dieser Zeit im Spannungsfeld der beiden Mächte, tendierte jedoch eher zu China, von dem es im Krieg zuverlässig unter- stützt worden war. Chruschtschow versuchte dennoch immer wieder vergeblich, Nordkorea an seine Seite zu zwingen (Opitz 1988: 13). Die Beziehungen zwischen dem Norden und der Sowjetunion verbesserten sich erst 1964, nach dem Sturz Chruschtschows wieder (Opitz 1988: 13). Nordkorea nutzte diese Verbesserung der Beziehungen recht bald aus, um Waffen- lieferungen aus Moskau zu erhalten. Die Sowjetunion ließ allerdings keine ihrer Neuentwick- lungen in die Hände Nordkoreas geraten. „Es scheint eine vernünftige Politik der Sowjetunion zu sein, Nordkorea am Aufbau eines militärischen Potentials zu hindern, das groß genug wä- re, um es zu einem unabhängigen Angriff zu verleiten.“ (Opitz 1988: 14, Zit. nach Arnold Horelik, Soviet Policy Dilemma in Asia, RAND P 5774, December 1976, S.13). Ab 1966 verschlechterten sich die Beziehungen Nordkoreas zu China, denn in der dort ausgebrochenen Kulturrevolution wurde Kim Ilsong als „fetter Revisionist“ verachtet (Opitz 1988: 14). Doch schon im April 1970 sorgte Zhōu Ēnláis erste Auslandsreise nach Pyongyang wieder für eine Verbesserung der Stimmung zwischen den beiden Staaten (Opitz 1988: 15).

In den 70er und 80er Jahren kam es immer wieder zu kleineren Zwischenfällen, so wurde z.B. ein Tunnel entdeckt, den die Nordkoreaner unter der Demarkationslinie gegraben hatten und durch den zahlreiche Soldaten gleichzeitig in den Süden gelangen hätten können (Rauchwetter 1986: 72). Von 1971 bis 1972 fanden in unregelmäßigen Abständen bilaterale Gespräche zwischen den beiden Teilen Koreas statt, in denen aber keine nennenswerten Fort- schritte erzielt wurden (Opitz 1988: 34), bis am 4. Juni 1972 völlig überraschend eine „Ge- meinsame Erklärung von Nord- und Südkorea“ veröffentlicht wurde, in der beide Staaten ih- ren Willen zu einer Wiedervereinigung bekannt gaben, die selbständig und friedlich stattfin- den sollte und nach der die Länder ein gemeinsames Nationalgefühl trotz der verschiedenen Ideologien, Ideale und Systeme aufbauen wollten (Cho 1979: 153). Die Beziehung zwischen den Ländern entwickelte sich positiv, bis sich die gute Stimmung im Oktober 1972 so überra- schend und unerklärlich auflöste, wie sie entstanden war: Der südkoreanische Präsident ver- hängte das Kriegsrecht über Südkorea und machte sich durch eine Verfassungsänderung zum Präsidenten auf Lebenszeit. Daraufhin ließ sich auch Kim Ilsong bis zu seinem Tode in sei- nem Amt bestätigen und formalisierte seine Alleinherrschaft damit vollständiger als je zuvor (Cho 1979: 154). Durch diesen Bruch rückte die Wiedervereinigung in weite Ferne. Sie galt zwar nach wie vor als Endziel aber keiner der beiden Präsidenten setzte sich mehr dafür ein, dass sie so schnell wie möglich stattfinden sollte, denn sie beschäftigten sich vorerst beide damit, „[...] ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen und grundlegende Veränderungen im Inneren vorzunehmen.“ (Cho 1979: 155, Zit. nach Sichrovsky, a.a.O., S.131). Auch die schon in den 60er Jahren begonnen Verhandlungen des Roten Kreuzes über die Familienzusammen- führung, die 1972 wieder aufgenommen worden waren, sowie die Verhandlungen des Nord- Süd-Koordinationskomitees wurden wieder abgebrochen (Cho 1979: 155). Der Norden mach- te Seoul und die dort existierenden Gesetze zum Schutz der nationalen Sicherheit und zur Bekämpfung des Kommunismus für den plötzlichen Abbruch der Gespräche verantwortlich, die weitere Verhandlungen verhindert hätten (Cho 1979: 155) Außerdem beschuldigte der nichtprofitorientierte Norden Südkorea der Profitgier, der Süden hingegen kritisierte den Per- sonenkult um Kim Ilsong, der in Nordkorea sehr verbreitet war (Cho 1979: 155f.). Trotz die- ser Spannungen trat die DVRK 1973 für den gemeinsamen Beitritt der beiden Länder in die Vereinten Nationen ein, im Gegensatz zum Süden, der eine getrennte Mitgliedschaft wollte (Cho 1979: 156). In einer Hinsicht stimmten sie allerdings überein, denn beide wollten die „kreuzweise Anerkennung“ (cross-recognition). So blieb der Süden zwar in seinem Bündnis mit Washington und Tokyo, versuchte aber gleichzeitig auch eine Verbindung zu Peking und Moskau herzustellen. Nordkorea, auf der Seite Pekings und Moskaus, versuchte durch Tokyo und Washington anerkannt zu werden (Cho 1979: 156f.).

1975 verlangte Kim Ilsong bei einem Besuch in China die Anerkennung Nordkoreas als „der einzige legale souveräne Staat der koreanischen Nation“ und die Ablehnung einer jeden „Zwei-Korea-Politik“. Damit erklärte sich China zwar einverstanden, ging jedoch nicht auf die von Kim geforderte aggressivere Koreapolitik ein, da die Chinesen immer noch auf eine friedliche Lösung der Koreafrage hofften und deshalb auch dahingehend auf Kim Ilsong einzuwirken versuchten (Opitz 1988: 16).

1974 hatte sich Nordkorea in einem Schreiben an die USA dazu bereiterklärt, im Rahmen einer Dreierkonferenz, an der Nord- und Südkorea, sowie die USA teilnehmen sollten, über einen Friedensvertrag zwischen den beiden koreanischen Staaten zu verhandeln. Dieser Vorschlag war jedoch unbeantwortet geblieben. Im März 1978 wiederholte Nordkorea dieses Angebot, der Süden lehnte jedoch ab (Cho 1979: 158). 1983 wurde das sogenannte „RangunAttentat“ verübt, dem 17 Mitglieder einer südkoreanischen Delegation zum Opfer fielen, als unter einer Ehrentribüne in Rangun ein Sprengsatz detonierte. Der Präsident blieb durch einen glücklichen Zufall verschont (Rauchwetter 1986: 72).

Im Herbst 1984 wurde der Süden von einer schweren Überschwemmungskatastrophe heimgesucht. Als Nordkorea in dieser Krisensituation der RK Hilfe anbot, nahm diese an. Dies führte zu weiteren Gesprächen zwischen den beiden Teilen Koreas, obwohl nicht lange zuvor der Süden ein erneutes Verhandlungsangebot Nordkoreas mit den USA als drittem Partner abgelehnt hatte. In den Gesprächen ging es unter anderem um den Handel, um die Rot-Kreuz-Gesellschaften, deren Familienzusammenführungsprojekte und um den Entwurf einer Verfassung für ein wiedervereinigtes Korea. Auch ein Nichtangriffspakt und die ge- meinsame Durchführung der Olympischen Spiele wurden angesprochen (Opitz 1988: 35). Diese Verhandlungen dauerten bis zum Januar 1986 an, dann brach Nordkorea die Gespräche angeblich wegen des für Februar angesetzten Großmanövers „Team-Spirit“ ab. Es wurden jedoch auch Vermutungen angestellt, ob diese Treffen Kim Ilsong nicht nur zur Demonstrati- on seines guten Willens dienten (Opitz 1988: 35).

Am 29.11.1987 fand ein Attentat auf eine südkoreanische Verkehrsmaschine statt, bei dem 115 Menschen ums Leben kamen und das dem nordkoreanischen Geheimdienst zugeschrie- ben wird. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Protestakt gegen die Austragung der Olympischen Spiele 1988 in Seoul. Im folgenden Jahr kam der Norden dem Appell Süd- koreas nach, den Boykott aufzugeben und mit einer eigenen Mannschaft teilzunehmen (Opitz 1988: 1).

Nach weiteren erfolglosen Verhandlungen nahmen Nord- und Südkorea Ende 1988 zum ersten Mal direkte Wirtschaftsbeziehungen miteinander auf. Darauf folgte 1991 eine Phase der Entspannung (Fischer Weltalmanach 2001, 475), die gekennzeichnet war durch die ge- genseitige Anerkennung, die Aufnahme beider Staaten in die UNO und den 1992 geschlosse- ne Nichtangriffs- und Versöhnungspakt, von welchem Nordkorea 1993 allerdings wieder zu- rücktrat (Woyke 1995: 385). Im Juni 1994 erklärte Kim Ilsong sich zu einer Teilnahme an einem nord-südkoreanischen Gipfeltreffen bereit, zu dem es aber wegen seines Todes im Juli nicht mehr kam (Fischer Weltalmanach 2001, 475). Während der nächsten Jahre fanden im- mer wieder kleinere und größere Konflikten zwischen den Staaten statt. So trat Nordkorea 1996 von den Bestimmungen des Waffenstillstandsvertrages von 1953 zurück und führte 3 Tage lang militärische Übungen in der entmilitarisierten Zone durch (Fischer Weltalmanach 1997: 383). Trotz dieser Zwischenfälle halten die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Koreakonfliktes auch in Krisenzeiten an, z.B. während der schweren Hungersnot in Korea, die von 1995 bis 1997 andauerte und während der Asienkrise 1997/1998. Auch finden immer wieder Friedensgespräche zwischen den beiden Staaten statt, wie z.B. 1997 in Genf. Durch wirtschaftlichen Druck und auf Zureden Chinas hin, wich die nordkoreanische Regierung immer mehr von dem feindlichen Kurs gegenüber dem Süden ab, es entwickelte sich eine Politik der Entspannung. Die beiden Staaten befinden sich zwar immer noch im Kriegszu- stand, der erste Schritt auf eine gemeinsame Zukunft hin wurde jedoch mit dem „ersten Tref- fen zwischen den Repräsentanten Nord- und Südkoreas seit der Teilung der Halbinsel“ (Fi- scher Weltalmanach 2001, 475) im Juni 2000 getan. Dieses Gipfeltreffen markiert eine histo- rische Wende und soll den Beginn einer neuen Ära der Kooperation und Verständigung kenn- zeichnen. Die bei diesem Treffen unterzeichnete Vier-Punkte-Vereinbarung ist jedoch sehr allgemein gehalten und betrifft neben dem Abbau der Spannungen zwischen den beiden Staa- ten, sowohl die Familienzusammenführung als auch die wirtschaftliche und kulturelle Zu- sammenarbeit (Fischer Weltalmanach 2001, 475). Eine konkrete Lösung der Koreafrage, die alle Parteien zufrieden gestellt hätte, konnte bisher allerdings noch nicht gefunden werden. Die „kreuzweise Anerkennung“ hingegen scheint erfolgreich zu sein, so besuchte Madeleine Albright am 23.10.2000 als erstes hochrangiges US-Regierungsmitglied seit dem Koreakrieg die „Koreanische Demokratische Volksrepublik im Norden“ (http://www.12move.de/get/nach/nach_center_topsto.860254.html).

7. Schlussbemerkung

Die beiden koreanischen Staaten konnten sich trotz aller Bemühungen bis heute nicht auf eine friedlichen Lösung des Koreakonflikts einigen, obwohl die beiden Großmächte China und Moskau, die immer zwischen den Staaten standen, sich seit einiger Zeit um die wirt- schaftliche und politische Weiterentwicklung ihres Landes kümmern müssen und sich deshalb kaum noch in koreanische Angelegenheiten einmischen. Die anhaltenden Spannungen wei- chen aber trotz der Zwischenfälle, die sich auf koreanischem Gebiet von Zeit zu Zeit ereig- nen, im Allgemeinen einer kontinuierlichen Entspannung. Der chinesische Verteidigungsmi- nister äußerte sich im Oktober 2000 mit folgenden Worten zum Thema Koreakonflikt: „China sei dem Frieden und der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel verpflichtet und unterstütze die Verbesserung der Beziehungen zu Südkorea und eine friedliche Wiedervereinigung ohne ausländische Einmischung.“

(http://www.12move.de/get/nach/nach_center_topsto.860254.html). Das Gipfeltreffen, das im letzten Jahr stattfand gibt zudem Anlass zur Hoffnung, denn auch wenn die beiden Staaten sich bisher offiziell noch im Kriegszustand befinden, ist eines der Themen der getroffenen Vier-Punkte-Vereinbarung doch die Versöhnung mit dem Endziel einer Wiedervereinigung. Es wird zwar den beiden Staaten ein eigener Weg und eine eigene Entwicklung zugestanden, aber auf lange Sicht bleibt doch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung, denn auch Peter J. Opitz machte sich 1988 noch keine Hoffnungen auf eine baldige Wiedervereinigung Deutschlands.

8. Bibliografie

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8.3. Quellen aus dem Internet

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Kläy, Dieter. Neue Dokumente aus dem Archiv des Präsidenten Russlands:

50 Jahre Koreakrieg 1950-1953: Tiefe Verstrickungen Stalins und Mao Tsetungs. http://www.dieterklaey.ch/korea.htm. 28. Oktober 2000

9. Glossar

24 von 24 Seiten

Details

Titel
Der Koreakrieg
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Proseminar Geschichte Chinas
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V106454
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koreakrieg, Proseminar, Geschichte, Chinas
Arbeit zitieren
Tina Weigele (Autor), 2000, Der Koreakrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106454

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