Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die Auswirkungen des ersten Fünfjahresplans der Sowjetunion in groben Umrissen vorzustellen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Region der Ukraine und die aus diesem Plan resultierende Hungersnot gelegt.
Im kollektiven Gedächtnis der Ukraine wird die Hungersnot von 1932/33 als Holodomor bezeichnet, was frei übersetzt „Tötung durch Hunger“ bedeutet. Unter Stalins Kollektivierungspolitik herrschte paradoxerweise besonders in den getreidereichen Gebieten der UdSSR eine Hungersnot, in der sechs bis sieben Millionen Menschen ihr Leben verloren. Da keine Sterbelisten geführt wurden, sind genaue Opferzahlen bis zum heutigen Tag unbekannt. Das ukrainische Schwarzerdegebiet war am heftigsten von der Hungersnot betroffen. Mehr als die Hälfte aller Opfer waren Ukrainer.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schlüsselfiguren
2.1 Wladimir Iljitsch Lenin
2.2 Leo Trotzki
2.3 Josef Stalin
3 Vom Leninismus zum Stalinismus
3.1 Oktoberumsturz und Bürgerkrieg
3.2 Die Gründung der UdSSR
3.3 Neue Ökonomische Politik (NÖP)
3.4 Stalins Machtergreifung
3.5 Stalinismus
4 Fünfjahresplan
4.1 Ziele
4.2 Kollektivierung und Kulakenverfolgung
4.3 Propaganda
5 Auswirkungen auf die Bevölkerung
5.1 Holodomor
5.2 Urbanisierung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Sowjetunion unter Stalin und analysiert insbesondere die Auswirkungen des ersten Fünfjahresplans auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung sowie die sozioökonomischen Umwälzungen jener Zeit.
- Die Machtübernahme und politische Konsolidierung durch Stalin
- Die Transformation der Wirtschaft von der NÖP zur zentralen Planwirtschaft
- Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und deren soziale Folgen
- Die Auswirkungen auf die städtische Bevölkerung und die Urbanisierung
- Die Rolle von Propaganda und Terror bei der Umsetzung staatlicher Ziele
Auszug aus dem Buch
4.2 Kollektivierung und Kulakenverfolgung
Die Partei hatte im Zuge des ersten Fünfjahresplans die Intention, durch die Schaffung von Kolchosen (landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) den sozialistischen Anteil an der landwirtschaftlichen Produktion von zwei auf 15 Prozent zu erhöhen. Eine Massenkollektivierung der Landwirtschaft war also nicht geplant. Nach der Getreidekrise im Winter 1927/1928 und der Weigerung der Bauern, im darauffolgenden Jahr das Getreide zu den festgelegten Preisen zu verkaufen, wurde im Sommer 1929 die allgemeine Ablieferungspflicht wieder eingeführt. Die Bauernschaft verlor damit die Möglichkeit, über ihr überschüssig produziertes Getreide zu Verfügen. Also reduzierten sie die Anbauflächen, unwillig zu arbeiten, ohne dafür etwas zu bekommen.
1930 begann die Partei den ärmeren Bauern anzubieten, ihre Ländereien zu Kolchosen zu vereinen. Als Anreiz wurde ihnen das Land und die Gerätschaften der reichen Bauern, der sogenannten Kulaken, welche von ihren Höfen vertrieben wurden, geboten. Außerdem hatten die Kolchosen steuerliche Vorteile gegenüber den prohibitiv besteuerten Kulaken. Dazu kam eine Flut von Parteimännern, welche die Bauern zur Kollektivierung drängten. Eine zusätzliche Institution zur Kontrolle boten die Maschinen-Traktor-Stationen (MTS), von denen die Kolchosen ihre Arbeitsmaschinen mieten mussten, welche aus den neu errichteten Fabriken geliefert wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die instabile politische und wirtschaftliche Ausgangslage des russischen Zarenreichs und der frühen Sowjetunion bis zum Jahr 1917.
2 Schlüsselfiguren: Dieses Kapitel porträtiert die zentralen politischen Akteure Lenin, Trotzki und Stalin und beleuchtet deren Rolle im Machtkampf um die Führung der Sowjetunion.
3 Vom Leninismus zum Stalinismus: Es wird der Weg von der Oktoberrevolution über den Bürgerkrieg bis zur Etablierung des stalinistischen Systems und dessen ideologischen Grundlagen beschrieben.
4 Fünfjahresplan: Dieses Kapitel analysiert die Ziele der staatlichen Planwirtschaft, die forcierten Investitionsschwerpunkte sowie die brutale Umsetzung der Kollektivierung.
5 Auswirkungen auf die Bevölkerung: Es wird detailliert dargestellt, wie die Zwangskollektivierung zur Hungersnot (Holodomor) und die rasche Industrialisierung zu einer massiven, aber entbehrungsreichen Urbanisierung führten.
Schlüsselwörter
Sowjetunion, Stalin, Fünfjahresplan, Oktoberrevolution, Kollektivierung, Industrialisierung, Holodomor, Urbanisierung, Planwirtschaft, Kommunismus, Lenin, Trotzki, Propaganda.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des ersten Fünfjahresplans auf die sowjetische Gesellschaft, eingebettet in den historischen Kontext der Ära Stalin.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Machtergreifung Stalins, der wirtschaftlichen Transformation durch den Fünfjahresplan und den sozialen Konsequenzen für Bauern und Stadtbevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die radikale Umgestaltung der sowjetischen Wirtschaft die Lebensbedingungen der Menschen im Land massiv beeinflusste.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und Quellenmaterial zur sowjetischen Geschichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Akteuren des Machtwechsels, dem Übergang vom Bürgerkrieg zur Planwirtschaft sowie den spezifischen Folgen wie dem Holodomor und der Urbanisierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind etwa Stalinismus, Fünfjahresplan, Kollektivierung, Holodomor, Planwirtschaft und die Transformation von einer Agrar- zur Industriegesellschaft.
Warum war der Holodomor eine direkte Folge der Agrarpolitik?
Durch die Zwangskollektivierung und die überhöhten Ablieferungsquoten wurde den Bauern die Existenzgrundlage entzogen, was in der Ukraine in eine verheerende Hungersnot mündete.
Welche Rolle spielten die Maschinen-Traktor-Stationen (MTS) für die Bauern?
Die MTS dienten der staatlichen Kontrolle über die Kolchosen, da diese gezwungen waren, Maschinen für die Bewirtschaftung zu mieten, anstatt autark zu agieren.
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- Anonym (Author), 2017, Der Erste Fünfjahresplan der Sowjetunion. Wie wirkte er sich auf die Bevölkerung aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1066349