Macht und Herrschaft, zwei Erscheinungen, die sehr nahe beieinander zu liegen scheinen. Sind sie voneinander verschieden, wenn ja wie stark, geht letztere nicht sogar aus der Macht hervor? Es gibt unterschiedliche Formen von Herrschaft. Max Weber unterscheidet in seinem Werk "Wirtschaft und Gesellschaft"3, drei verschiedene Typen von legitimer Herrschaft: rationale, traditionale und charismatische Herrschaft. Alle drei Herrschaftstypen sind von gänzlich unterschiedlichem Charakter. Wir werden uns mit jedem einzeln auseinandersetzen. Finden sich bei näherer Betrachtung auch verschiedene Formen von Macht?
Vorab müssen, um Missverständnisse im weiteren Verlauf auszuräumen, die Begriffe Macht und Herrschaft an sich, definiert werden. Die lexikalische Literatur beruft sich meist auf Max Weber und seine Definition der beiden Begriffe im Werk "Wirtschaft und Gesellschaft"4. Ich werde hiervon nicht abweichen und Weber zitieren, was zu folgender Definition führt: "Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht."5. Für die Herrschaft gilt: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden(.)"6. Wir sehen hier also, dass Herrschaft durchaus auch Macht ist; der Herrscher setzt immerhin seinen Willen durch; Macht aber nicht zwingend zur Herrschaft werden muss. Setze ich meinen Willen, auch gegen Widerstand, durch, übe ich noch lange keine Herrschaft aus.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich dies bei Heinrich Popitz anhand seines Buches "Phänomene der Macht"7, daraus speziell das Kapitel "Macht und Herrschaft: Stufen der Institutionalisierung von Macht"8, verdeutlichen. Dort konkret, aber auch später bei Max Weber, wird ersichtlich werden, wie sich das Vermögen, "...den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen..."9, also Macht an sich, wandeln muss um zur Herrschaft zu werden. Es muss nämlich ein komplexes Gebilde von Faktoren und Voraussetzungen gegeben sein, bzw. entstehen, damit aus dem amorphen Etwas (das Macht in reiner Form letztlich ist) eine komplexe Herrschaft entstehen kann.
Weber habe ich hier speziell gewählt, weil er sehr beschaulich den Charakter der verschiedenen Herrschaftsformen an sich aufzeigt. Ich habe hier überwiegend das dritte Kapitel, des ersten Teils, des ersten Halbbandes seines Werks, "Die Typen der Herrschaft"10 herangezogen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Darstellung der Wandlung von Macht zu Herrschaft bei Heinrich Popitz, in "Phänomene der Macht", daraus: Macht und Herrschaft: Stufen der Institutionalisierung von Macht (S. 233-260)
3. Betrachtung des Begriffs der Herrschaft bei Max Weber, in "Wirtschaft und Gesellschaft", daraus: Kapitel III. Die Typen der Herrschaft (S. 122- 176)
4. Gegenüberstellung der beiden Autoren und ihrer Bestimmung des Phänomens Herrschaft
5. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit untersucht die Entstehung und Definition von Herrschaft durch eine vergleichende Analyse der Theorien von Heinrich Popitz und Max Weber, um den Prozess von der einfachen Machtausübung bis zur institutionalisierten Herrschaft aufzuzeigen.
- Prozesshafte Entwicklung von Macht zu Herrschaft
- Stufenmodell der Machtinstitutionalisierung nach Popitz
- Legitimitätstypen der Herrschaft nach Weber
- Rolle des Verwaltungsstabes und der Gewaltenteilung
- Synthese soziologischer und historischer Perspektiven auf Herrschaftsstrukturen
Auszug aus dem Buch
2. Darstellung der Wandlung von Macht zu Herrschaft bei Heinrich Popitz, in "Phänomene der Macht", daraus: Macht und Herrschaft: Stufen der Institutionalisierung von Macht (S. 233-260):
Heinrich Popitz definiert "...Herrschaft als institutionalisierte Macht."14, d.h., Macht in ihrer reinen, unregelmässigen Form hat sich erweitert und verfestigt und ist gar zur festen Grösse, zur Einrichtung geworden.Machtausübung ist nicht mehr rein situationsabhängig, sondern durchaus organisiert. Er orientiert sich mit dieser Definition an zwei Beispielen Max Webers, hier sei eines davon aufgeführt: "Eine Bank, die dem Kreditsuchenden Bedingungen der Kreditgewährung stellt (...), übt Macht aus, wenn der Kreditsuchende nach Lage der Dinge die Bedingungen schlucken muß; sie übt Herrschaft aus, wenn sie zur besseren Kontrolle die Aufnahme ihrer Direktoren in den Aufsichtsrat des kreditsuchenden Unternehmens durchsetzen kann."15 Popitz teilt diese Darstellung, doch er kritisiert die Unfähigkeit Webers, "...die spezifischen Beziehungen zwischen Machtausübenden und Machtabhängigen, (...), begrifflich genauer zu bezeichnen."16
Er führt im weiteren Verlauf des Kapitels an, das "´Institutionalisierte Macht´..."17 einem "...Prozeß der Institutionalisierung(.)"18 unterworfen ist. Macht wird somit nicht abrupt zur Herrschaft, sondern wandelt sich Schritt für Schritt zu jener. Ein solcher Prozess läuft in drei Richtungen ab. Erstens findet eine "...Entpersonalisierung des Machtverhältnisses."19 statt, d.h., Macht ist nicht mehr abhängig von einer Person, die für selbige steht und sie verkörpert. Sie geht vielmehr nach und nach eine Verbindung mit überpersonalen Instanzen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert die Grundbegriffe Macht und Herrschaft auf Basis von Max Weber und erläutert die methodische Vorgehensweise des Vergleichs zwischen Popitz und Weber.
2. Darstellung der Wandlung von Macht zu Herrschaft bei Heinrich Popitz, in "Phänomene der Macht", daraus: Macht und Herrschaft: Stufen der Institutionalisierung von Macht (S. 233-260): Hier wird das Stufenmodell von Popitz detailliert dargestellt, welches aufzeigt, wie sporadische Macht durch Normierung und Positionalisierung schrittweise zur institutionalisierten staatlichen Herrschaft reift.
3. Betrachtung des Begriffs der Herrschaft bei Max Weber, in "Wirtschaft und Gesellschaft", daraus: Kapitel III. Die Typen der Herrschaft (S. 122- 176): Dieses Kapitel analysiert Webers Typologie der legitimen Herrschaft (rational, traditional, charismatisch) und untersucht die Bedeutung von Verwaltungsstäben sowie die Dynamik von Herrschaftsverhältnissen.
4. Gegenüberstellung der beiden Autoren und ihrer Bestimmung des Phänomens Herrschaft: Die beiden Theorien werden hier synthetisiert, wobei Popitz’ Fokus auf dem Entstehungsprozess der Herrschaft Webers Fokus auf die strukturellen Herrschaftstypen und deren Legitimationsgrundlagen ergänzt.
5. Literaturliste: Auflistung der verwendeten Primärquellen von Heinrich Popitz und Max Weber.
Schlüsselwörter
Macht, Herrschaft, Institutionalisierung, Max Weber, Heinrich Popitz, Machtverhältnis, Entpersonalisierung, Legitimität, Verwaltungsstab, Herrschaftstypen, soziale Ordnung, Normierung, staatliche Herrschaft, Machtausübung, Herrschaftsapparat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Übergang von Macht zu Herrschaft und analysiert, wie diese Phänomene durch die Autoren Popitz und Weber theoretisch begründet und prozesshaft beschrieben werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Institutionalisierung von Macht, die Formen der Legitimierung von Herrschaft sowie die Dynamiken zwischen Herrschenden und Beherrschten in verschiedenen sozialen Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein präzises Gesamtbild der Entstehung von Herrschaft zu zeichnen, indem die Stufenmodelle von Popitz mit den strukturanalytischen Ansätzen von Weber kombiniert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die zentrale soziologische Texte zu Macht- und Herrschaftsstrukturen gegenüberstellt und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Stadien der Institutionalisierung nach Popitz, die Analyse der Herrschaftstypen bei Weber und eine kritische Gegenüberstellung beider Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Institutionalisierung, Legitimität, Herrschaftstypen, Machtausübung und Sozialordnung charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Popitz’ Ansatz von dem Max Webers?
Popitz betrachtet Herrschaft primär als einen soziologischen Entstehungsprozess, während Weber eher historische Strukturen und Legitimationsformen in den Vordergrund stellt.
Welche Bedeutung kommt dem Verwaltungsstab zu?
Der Verwaltungsstab ist laut Weber und Popitz essentiell für die Aufrechterhaltung der Herrschaft, da er die Befehle umsetzt und eine notwendige Brücke zwischen Herrscher und Beherrschten bildet.
Was bedeutet "Veralltäglichung zentrierter Herrschaft" bei Popitz?
Dieser Begriff beschreibt eine Endstufe der Institutionalisierung, in der staatliche Regeln und Normen das alltägliche Leben so tief durchdringen, dass sie als selbstverständlich wahrgenommen werden.
Wie definiert Weber die drei Herrschaftstypen?
Weber unterscheidet zwischen rationaler Herrschaft (Regeln/Gesetze), traditionaler Herrschaft (Werte/Traditionen) und charismatischer Herrschaft (Heiligkeit/Heldenkraft einer Person).
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- Thomas Meinhart (Author), 2000, Der Herrschaftsbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/106790