La Chanson im Schulunterricht


Seminararbeit, 2002
23 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort – Was ist eigentlich ein Chanson?

2. Die Geschichte des französischen Chansons im Schulunterricht
2.1 Die 50er Jahre – der Beginn
2.2 Die 60er Jahre und das „chanson à texte“
2.3 Die 70er Jahre – Zeit der Auswahlkriterien
2.4 Die 80er Jahre und der Übergang zur Moderne
2.5 Angleterre – Le rap des écoles

3. Der wirtschaftliche Gesichtspunkt
3.1 Veränderungen auf dem französischen Musiksektor
3.2 Nouvelle Génération Française (NGF)
3.2.1 Pädagogische Seite
3.2.2 Wirtschaftliche Seite

4. Die rechtliche Basis

5. Die Verwendung des Chansons im Unterricht
5.1 Die Auswahl des Chansons
5.2 Die Vorgangsweise im Unterricht
5.2.1 Wecken von Interesse und Neugierde der Schüler
5.2.2 Erhalten der Aufmerksamkeit der Schüler
5.2.3 Die Schüler ihre Gedanken/Meinungen zum Lied formulieren lassen
5.3 Über den Unterricht hinaus

6. Nochmals auf den Punkt gebracht
6.1 Die Abhängigkeiten des Chansons
6.1.1 Kommentar zu den externen Faktoren
6.1.2 Kommentar zu den internen Faktoren
6.2 Kommentar zu „5. Die Verwendung des Chansons im Unterricht“
6.2.1 Die Auswahl des Chansons
6.2.2 Vorgangsweise im Unterricht
6.2.3 Über den Unterricht hinaus

7. Quellenverzeichnis

1. Vorwort – Was ist eigentlich ein Chanson?

Als ich damit begonnen habe mich mit dem Thema „La Chanson im Schulunterricht“ auseinanderzusetzen, musste ich mir zunächst einmal die Frage stellen, was ein Chanson eigentlich ist. Dabei versuchte ich in einem ersten Schritt den Begriff des französischen Chansons abzuklären, da ich mir darunter eigentlich zum damaligen Zeitpunkt auch nicht viel mehr als das typische „chanson à texte“ der 70er Jahre vorstellen konnte. Auch die Definition des Chansons in Wilperts Sachwörterbuch der Literatur schien meine Vorstellung zunächst zu bestätigen:

(...) Heute und im engeren Sinne (literar. Ch.) bezeichnet Ch. eine Form der „Gebrauchslyrik“: e. nach Inhalt, Form und Melodie leichtes, verspieltes, frech-iron., witzig pointiertes und thematisch engagiertes Kehrreimlied mit strenger Strophengliederung und pointiertem Strophenschluß zum Einzelvortrag auf der Kleinkunstbühne durch den Autor selbst oder Chansonniers bzw. Diseusen (Brettllied) mit Begleitung durch ein Instrument (...)[1]

Nach Beendigung meiner Arbeit muss ich jetzt aber sagen, dass diese Definition auch gewisse Gefahren birgt. Man merkt deutlich, dass sich die Erklärung hauptsächlich auf die „chansons à texte“ der 70er Jahre stützt, was eine sehr eingeschränkte Sichtweise mit sich bringt, wie ich im Verlauf meiner Arbeit noch aufzeigen werde. Es werden moderne Entwicklungen wie der französische Rap vollkommen außer Acht gelassen. Dadurch ist diese Definition auch sehr qualifizierend und wertend. Es werden Kriterien festgelegt, die ein „chanson typique“ kennzeichnen. Dies mag zwar auf der einen Seite durchaus hilfreich und informativ sein, und man muss sich die Frage stellen, ob das Erarbeiten von Charakteristika und Kriterien nicht auch die Hauptaufgabe eines Lexikons ist, auf der anderen Seite sollte man sich aber gleichzeitig auch fragen, ob solche Verallgemeinerungen nicht dazu führen, dass jedes Chanson, das diese Normen durchbricht, dann nicht mehr als (vollwertiges) Chanson angesehen wird.

Ich selbst habe vor allem eines herausgefunden: Was genau ein französisches Chanson kennzeichnet, ist heute gar nicht mehr so eindeutig festzustellen und exakt zu definieren. Nachdem es oft lang tradierte Normen durchbricht (siehe Rap), muss sich auch unsere Einstellung ihm gegenüber ändern und wir müssen folgedessen versuchen, langsam die erstarrten Konventionen aufzubrechen.

Mit diesem Denkansatz möchte ich nun in die eigentliche Thematik meiner Proseminararbeit überleiten.

2. Die Geschichte des französischen Chansons im Schulunterricht

Auf den nächsten Seiten möchte ich zunächst näher auf die Geschichte des französischen Chansons im Schulunterricht eingehen. Denn dieses Unterrichtsmittel ist im Laufe der Jahrzehnte in seinem Einsatz deutlichen Veränderungen unterworfen gewesen, bis sich die heutige moderne Handhabung durchgesetzt hat. Um aber zu verstehen, wo die Probleme und Grenzen in der Verwendung von Chansons im Französischunterricht liegen, muss man meiner Meinung nach mit der Geschichte dieses Unterrichtsmittels vertraut sein. Erst dann kann man kritisch über vergangene Schwächen urteilen und neue Lösungsansätze hinterfragen.

2.1 Die 50er Jahre – der Beginn

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Geschichte des Chansons im Französischunterricht 1950 beginnt, und zwar im niveau II du Cours de langue et de civilisation française, auch bekannt unter der Bezeichnung Le Mauger Bleu. In diesem ersten Schritt handelt es sich jedoch ausschließlich um „chansons folkloriques“, also das, was wir unter typischen französischen „Volksliedern“ verstehen. Auch die Art und Weise, wie man diese im Unterricht einsetzt, ist sehr begrenzt und nur wenig variantenreich.[2]

Man beschränkt sich hauptsächlich auf den Text des Liedes, was auf den ersten Blick nicht sehr verwundern mag, da es sich ja um Fremdsprachenunterricht handelt. Der Text wird nun durch die ständige Wiederholung z.B. für grammatikalische Übungen oder Wortschatzerweiterungen verwendet. Das Chanson wird also in dieser Anfangsphase somit nur als eine Sammlung von Aufgaben und als eine Möglichkeit verstanden, den Schülern quasi „nebenbei“ etwas Einblick in die Kultur des Landes zu geben.

Diese einseitige Auffassung des Chanson française wird leider lange Zeit beibehalten, und in gewissem Sinn ist es noch heute manchmal so, dass sich die Erkenntnis erst durchsetzen muss, dass ein Lied weit mehr ist, als ein Zeitungsartikel oder ein Gedicht. Ein Lied ist nämlich, wie ich schon eingangs erwähnt habe, ein plurimedialer Text, der sich neben der Sprache auch noch des in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzenden Mediums der Musik, der Melodie bedient.

2.2 Die 60er Jahre und das „chanson à texte“

Auch zehn Jahre später, in den 60er Jahren, hat sich an der Vermittlung des Liedes nur wenig geändert. Es steht wieder nur der Text im Vordergrund, die Sprachlehrer haben also noch immer nicht begriffen, dass sie, wollen sie die Schüler wirklich mit dem Lied auch emotional erreichen und ihnen die Möglichkeit zu einer stärkeren Identifikation mit dem Unterrichtsstoff geben, auch die Musik nicht vernachlässigen dürfen. Dazu möchte ich die Meinung von Monsieur Jean-Claude Demari zitieren, der meint:

à l’époque, on s’intéresse uniquement au Texte. Un Texte orphelin, qui poursuit sa malheureuse vie loin de sa sœur Mélodie, enfant ignorée. Enfant indigne?[3]

Dennoch zeichnet sich in den 60er Jahren eine erste leichte Änderung ab. Man wendet sich nämlich langsam vom „chanson folklorique“ zugunsten des moderneren „chanson à texte“ ab. Dazu gehören auch weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannte Sänger wie Brel, Brassens oder Béart.

2.3 Die 70er Jahre – Zeit der Auswahlkriterien

Das größte Problem, das in den 70er Jahren die Lehrer beschäftigt, ist es, Auswahlkriterien zu finden, welche Sänger als „integer“ und „legitim“ angesehen werden und welche Chansons als gut genug, um im Unterricht eingesetzt zu werden. Es bleiben Zweifel, inwieweit so ein Auswahlverfahren, das die Interessen, den Geschmack und die Vorlieben der Schüler nicht berücksichtigt, vorteilhaft ist. Die ganze Tragweite dieser „Zensur durch den Lehrer“ wird einem erst bewusst, wenn man sich den natürlich bedingten Altersunterschied zwischen Lehrern und Schülern vor Augen führt. Dass dabei ein gemeinsamer Musikgeschmack so gut wie unmöglich ist, kann man leicht nachvollziehen. Hören wir hierzu nochmals die Meinung von Monsieur Demari, der folgendes beobachten konnte:

à l’époque, «Les Cornichons» de Nino Ferrer et «Les Elucubrations» d’Antoine sont plébiscités par les jeunes Français. Sans le moindre écho dans les cours de français. Alors que ces deux titres, parmi tant d’autres, comportent des thématiques culturelles particulièrement d’actualité avant 1968 (la famille, les loisirs, la révolte adolescente ...) et des musiques fort significatives ...[4]

2.4 Die 80er Jahre und der Übergang zur Moderne

Diese Vorherrschaft des „bonne chanson“ beginnt man erst in den 80er Jahren das erste Mal bewusst zu hinterfragen und zu kritisieren. Man sieht das Chanson nun endlich als das, was es ist: Ein kultureller Ausdruck, der den Lernenden direkt erreicht und der es ihm ermöglicht, sich wiederzufinden, und wenn es nur auf dem Niveau der Melodie und der Musik ist, die – selbst bei fehlendem Textverständnis – auch schon sehr viel der Thematik ausdrücken kann. Diese Meinung vertritt auch Monsieur Jacques Pécheur, ehemaliger Chefredakteur der Zeitschrift Français dans le monde, wenn er sagt:

Nous avons alors (...) pris en compte le fait que la chanson est une expression culturelle proche des étudiants, dans laquelle ils peuvent se reconnaitre (sic!), ne serait-ce qu’au niveau musical.[5]

Diese erweiterte Sichtweise führt endlich zu einem Aufbrechen der erstarrten Konventionen von „guten Liedern“ und „unhörbaren Liedern“, und selbst diejenigen, die man bislang als „schlecht formuliert“ oder zu „umgangssprachlich“ beurteilt hat, werden jetzt in den Unterricht miteingebunden.

[...]


[1] Wilpert, Gero v., 20018: Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, S 126

[2] vgl. Demari, Jean-Claude, 2001: „Cinquante ans de chanson en classe de FLE“. In: fdm 318, 2001, S 52ff.

[3] Demari 2001a: S 52

[4] Demari 2001a: S 52

[5] Demari 2001a: S 53

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
La Chanson im Schulunterricht
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Sprachwissenschaftliches Proseminar 2
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V10715
ISBN (eBook)
9783638170673
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chanson, Schulunterricht, Sprachwissenschaftliches, Proseminar
Arbeit zitieren
Roswitha Geyss (Autor), 2002, La Chanson im Schulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10715

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