Primary Health Care in Südafrika


Ausarbeitung, 2002
17 Seiten, Note: 2

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Inhaltsverzeichnis

1. Einstimmung

2. Gesundheitliche Situation in Südafrika
2.1 Hauptproblem HIV / AIDS
2.2 Weitere Indikatoren

3. Einführung des Primary Health Care in Südafrika
3.1 Hintergründe
3.2 Werdegang des afrikanischen Gesundheitssystems
3.3 Gestaltung
3.3.1 Die Nationale Ebene
3.3.2 Die Provinzebene
3.3.3 Die Distrikt Ebene
3.3.4 Die Gemeinde Ebene

4. Umsetzung von PHC im Zuge der Bekämpfung von HIV/ AIDS
4.1 Projektvorstellung
4.2 Realisierungsprobleme
4.3 Lösungsansätze

5. Persönliche Stellungnahme

Quellenverzeichnis

Quellenverzeichnis der Anlagen

Anlagen:

1. Einstimmung

Südafrika - was ist das für ein Land? Eine demokratische Republik im Süden des afrikanischen Kontinents (s. Anhang S.17 oben und unten). Spontane Assoziationen hierzu sind oft die schönen Bilder, die wir aus Reisekatalogen kennen: Wüste, Elefanten, Zebras und Menschen, die mit Jeeps in den Krüger Nationalparks auf Safari gehen. Doch wir kennen auch ein anderes Gesicht dieses Landes aus den Medien: Abgemagerte Kinder mit aufgetriebenen Bäuchen, Dürrekatastrophen, Krankheit, Elend, Hunger und Tod. Aufgrund dieser Entwicklung machte es sich 1994 die neue demokratische Regierung zum Ziel ein Gesundheitssystem aufzubauen, das die großen Missstände beseitigen sollte. Im Zuge dessen entschied man sich für das Primary Health Care Konzept. Diese Arbeit soll anhand einiger Erläuterungen einen kleinen Eindruck über dieses neue Gesundheitssystem in Südafrika verschaffen. Außerdem wird anhand des gesundheitlichen Hauptproblems HIV/ AIDS die Umsetzung des Konzeptes veranschaulicht. Die Recherche hierzu verlief sowohl über einen Erfahrungsbericht von einem Studenten eines höheren Semesters, der vor Ort sein Auslandssemester verbracht hat, als auch über Internet, Bücher, Video, und einen Besuch im „biz“, dem Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung.

2. Gesundheitliche Situation in Südafrika

Um sich ein Bild über die Ausgangslage für PHC machen zu können, soll hier die gesundheitliche Situation im Staat Südafrika ansatzweise vorgestellt werden.

2.1 Hauptproblem HIV / AIDS

Wie die Graphiken im Anhang auf den Seiten 18/19 und 20 verdeutlichen, ist eine rapide Verbreitung des HIV Virus in Afrika zu verzeichnen.

Zum momentan aktuellem Welt Aids Tag am 1.12 2001 hat die WHO (World Health Organisation) zusammen mit UNAIDS aktuelle Zahlen veröffentlicht. Demzufolge leben schätzungsweise derzeit insgesamt 40 Millionen Erwachsene und Kinder mit HIV / AIDS. Davon leben 440.Tausend in Nord Afrika und im Mittleren Osten des Kontinents. Im Süden Afrikas 28.1 Millionen, also knapp drei viertel aller Betroffenen! Davon haben sich nach Schätzungen allein im letzten Jahr im südlichen Afrika 3.4 Millionen Erwachsene und Kinder neu infiziert. Weltweit geht man von 5 Millionen Neuinfektionen im Jahr 2001 aus. Gestorben sind an der Krankheit in diesem Jahr weltweit ca. 3 Millionen Menschen, davon 2.3 Millionen im Süden Afrikas. Diese schockierenden Daten sollen das Ausmaß dieser Tragödie vermitteln und den dringlichen Handlungsbedarf verdeutlichen.

2.2 Weitere Indikatoren

In diesem Abschnitt möchte ich nicht so weit in die Tiefe gehen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Daher werden die weiteren Faktoren, die ausschlaggebend für die gesundheitliche Situation vor Ort sind, nur kurz benannt werden.

Auch andere Infektionskrankheiten stellen natürlich eine Gefahr dar. Allen voran Tuberkulose, gefolgt von Masern, Malaria, Hepatitis, Typhus und vielen anderen. Die Kindersterblichkeitsrate liegt in gesamt Afrika bei 105 Toten bei 1000 Geburten. In Südafrika sind es 50 Kinder von 1000, während in den Industrieländern nur vergleichsweise wenig Kinder, nämlich 6 von 1000 sterben ( vgl. Dennill, King, Swanepoel 1999, S.39/40). Überhaupt ist die Situation der Kinder in Afrika erschreckend. Viele sterben noch bevor sie fünf Jahre alt geworden sind. Immer weniger Kinder erhalten Bildung, ihre Ernährung ist schlecht und oft haben sie kaum sauberes Wasser zum Trinken und um sich zu waschen ( vgl. ebd. , S.32 und 33). Im Bezug auf Hygiene (Abwässer, sanitäre Anlagen, Müllentsorgung etc.) und Ernährung (oft nur einseitig wenn überhaupt ausreichend) sind allgemein erhebliche Mängel zu verzeichnen. Insgesamt ist die Lebenserwartung der Menschen geringer als in europäischen Ländern, sie liegt etwa bei 50 bis 60 Jahren. Weil sehr viele Kinder geboren werden ist vom demographischen Standpunkt gesehen, eine Pyramide, statt wie bei uns ein Pilz, zu verzeichnen.

3. Einführung des Primary Health Care in Südafrika

Primary Health Care wird wie folgt definiert:

PHC ist eine „ ... primäre Gesundheitspflege, gegründet auf praktischen, wissenschaftlich soliden und sozial annehmbaren Methoden und Techniken, allgemein zugänglich für Individuen und Familien der Gesellschaft durch ihre volle Teilhabe und zu Kosten, die das Gemeinwesen und das Land auf Dauer und in jedem Stadium seiner Entwicklung im Geiste von Selbstvertrauen und Selbstbestimmung zu tragen im Stande ist. Primäre Gesundheitspflege ist integraler Bestandteil des Gesundheitssystems des Landes, es bildet dessen Schwerpunkt, ist aber auch Bestandteil der gesamten sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung.“ (s. Diesfeld 1998, S.59)

3.1 Hintergründe

Zu Zeiten der Apartheid konnte man feststellen, dass die Bemühungen, die gesundheitliche Situation in den Homelands zu verbessern, keine Früchte trugen. Das Problem war, dass es auf der einen Seite sehr gute Krankenhäuser gab, aber der Großteil der Bevölkerung keinen Nutzen davon hatte. Dies lag unter anderem daran, dass viele Menschen zu weit abgeschieden von den medizinischen Einrichtungen lebten und auch der westlichen Medizin nicht vertrauten.

Für die nationalen und regionalen Schwerpunktkrankenhäuser wurde ein Großteil des Gesundheitsbudgets verwendet, da die Personal- und Versorgungskosten sehr kostenintensiv waren. Quantitativ gesehen leistete aber der sekundäre und tertiäre Sektor nur einen geringen Beitrag (vgl. Diesfeld 1998, S.63). Folgendes Diagramm zeigt, dass sich 1992-93 die Ausgaben für Schwerpunktkrankenhäuser des öffentlichen Sektors fast auf 81% beliefen; für PHC lediglich auf 11%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Philaw Policy Brief, September 1995

Diese Aufteilung des Budgets war für die Versorgung der Gesamtbevölkerung wenig effektiv.

In der Zukunft musste eine Umschichtung zu Gunsten des Primary Health Care geschaffen werden.

3.2 Werdegang des afrikanischen Gesundheitssystems

Bis es jedoch zur Schwerpunktverlegung auf PHC kam, durchlief das afrikanische Gesundheitssystem einige Stationen und wurde von anderen Initiativen beeinflusst. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Ereignisse. Vorab jedoch der Vermerk, dass Südafrikas Gesundheitssystem sich aus unterschiedlichen Ursprüngen entwickelt hat. Die zwei Hauptstränge bildeten einerseits die westliche Medizin (ausschlaggebend hierfür auch die Kolonialisierung durch die Briten), welche auch den offiziellen Status innehatte, anderseits die verschiedenen afrikanischen Kulturen mit ihren traditionellen Heilmethoden.

1910 wurden das britische Kapland und die Provinz Natal mit den beiden burischen Staaten Transvaal und Oranje zur SÜDAFRIKANISCHEN UNION vereint. Im Zuge dessen erhielten die einzelnen Teile des Gesundheitsdienstes, die bisher recht willkürlich und planlos waren, eine angemessene Gesetzgebung, welche den vier Provinzen Kontrolle über ihre eigenen gesundheitlichen Angelegenheiten gab. 1944 plädierte die Gluckmann Commission für ein nationales Gesundheitsamt, welches für alle Teile der Bevölkerung je nach Bedarf, und ohne Beachtung von Rasse, Hautfarbe und Ansicht sorgen sollte (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.34, frei übersetzt). Leider wurden diese Vorstellungen nie verwirklicht und es folgte die Ära der Apartheid im Jahre1948. Durch die Politik der Rassentrennung entstanden auch in der Gesundheitsversorgung unterschiedliche Entwicklungen. So wurden den fünf bereits etablierten Gesundheitsabteilungen noch neun weitere angegliedert, was sehr teuer und uneffizient war. 1970 starteten mit dem wirtschaftlichen Konjunkturrückgang auch Gesundheitsreformen mit dem Ergebnis, dass die Tendenz in Richtung Privatisierung und Selbstständigkeit ging (vgl. ebd., S.34, frei übersetzt) . Auf diesem Weg versuchte man den Staat von den Kosten zu entlasten. Zusätzlich erschwerend waren die politischen Unruhen, dennoch gab es 1977 den sog. Health Act, No 63. Dieser stellte einen Versuch dar eine fundamentale Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen. Hier wurden klar die Machtverteilung, Pflichten und Verantwortlichkeiten der respektierten Gesundheitsautoritäten geklärt. Auch der private Sektor wurde darin unterstützt an der allgemeinen Versorgung mitzuwirken. Das Ziel war für alle Teile der Bevölkerung auf Gemeindeebene einen Zugriff auf die Gesundheitseinrichtungen zu ermöglichen (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.34,/35 frei übersetzt). 1985 entschieden die Gesundheitsminister der WHO in Afrika das PHC Konzepte zu verwenden, um die dortigen nationalen Gesundheitssysteme zu stärken. Dies hatte einen Wandel zu einer gemeindeorientierten Basisversorgung zur Folge (vgl. ebd. , S.29).

1986 formulierte die Regierung den sog. National Health Plan. Dieser basierte auf den Prinzipien von Alma - Ata (s. Referat Kirsten Leisering) und schuf ein sicheres politisches Abkommen über die Instrumente für diese Art von Gesundheitsversorgung. Mit Nachdruck sollte Prävention und Aufklärung in den Gemeindeeinrichtungen stattfinden. Ebenso sollte die Teilnahme der Bevölkerung gefördert werden. 1987 wiederum startete die Bamako Initiative (s .Referat Kirsten Leisering). Eine Stufe weiter brachte den PHC 1989 die Akzeptanz der Abgeordneten der nationalen Gesundheitspolitik der folgenden Resolution: „ The only way to provide an affordable health sevice to all the inhabitants of the Republic of South Africa, is by means of a partnership between the state and the private sector based on the National Health Service Plan, with the emphasis on primary health care. ” ( zitiert in Dennil, King, Swonepoel, 1999, S.35, aus: Department of National Health and Population Development 1992:1).Es wurde also ein Zusammenwirken vom Staat und dem privatem Sektor angestrebt. 1990 wurden vom sog. National Policy for Health Act vier Prinzipien hervorgehoben (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.35, frei übersetzt):

- Individuen sollen in Bezug auf Körperliches, mentales und soziales Wohlbefinden für sich selbst und ihre Familien Verantwortung tragen.
- Kosten, die durch Inanspruchnahme des PHC entstanden sind sollen sie selbst tragen, aber die Mittellosen müssen versorgt werden.
- Der private Sektor soll ermutigt werden, Gesundheitseinrichtungen die im Interesse Bevölkerung sind, zu beliefern
- Der Staat und die lokalen Autoritäten sollen eine gesamtgesundheitliche Versorgung unterstützen, welches alle Ressourcen berücksichtigt.

1991 wurde die Absicht der Regierung PHC im Sinne der Bevölkerung zu fördern anhand des sog. National Health Service Delivery Plan deutlich. Dieser beinhaltet folgendes (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.35, frei übersetzt)

- Umorganisation des Gesundheitsdienstes auf den regionalen und örtlichen Bereich
- Der Gesundheitsdienst soll demokratisiert werden und die Teilnahme der Gemeinschaft ist angesagt
- Das Recht, dass für alle Bevölkerungsteile der Zugang zu öffentlichen Krankenhäusern erlaubt ist
- Eine Einführung eines gemeindeorientierten Trainings für Gesundheitspersonal
- Das Gesundheitsbudget wird mehr Geld auf PHC Kliniken verwenden.

Im Dezember 1991 fand das sog. International Forum on Health in Accra, Ghana statt, woraus sich die Accra Initiative entwickelte (s. Referat Kirsten Leisering) und im Anschluss wurde 1992 eine Internationale Konferenz zur Unterstützung afrikanischer Kinder abgehalten, um erfolgreiche Wege für ihr Überleben, ihren Schutz und ihre Entwicklung zu finden. Afrikas Kinder stellen nur 10 Prozent aller Kinder weltweit dar, doch ein drittel von den 40.000 Kindern die jeden Tag weltweit sterben sind Afrikaner (vgl. ,ebd. , S.31).

Nachdem 1994 die demokratischen Wahlen gesiegt und eine Partei an die Macht in Südafrika kam, wurde der Entwurf eines Gesundheitsplanes des sog. African National Congress (ANC) im May dieses Jahres möglich. Dieser beinhaltete das Recht jeden Individuums auf optimale Gesundheit. Die Aspekte dieses Plans wurden im White Paper on Reconstruction and Development (RDP) im September 1994 veröffentlicht ( vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.41/42, frei übersetzt)

Die Prinzipien des ( RDP) waren:

Gleichheit, das Recht auf Gesundheit, weitere Annäherung an PHC, die Kreation eines alleinigen, allgemeinen, gleichgesetzten und integrierten nationalen Gesundheitssystems und Koordination, sowie Dezentralisation der Serviceangebote. Des weiteren sollten Prioritäten gesetzt werden, so dass diejenigen, die am meisten Hilfe brauchen, wie z.B. Mütter und Kinder, Behinderte etc., erste Priorität erhalten. Promotionarbeit und der Aspekt für Respekt für alle, Informationsarbeit im Bereich Gesundheit und Erweiterung der Komponenten des PHC waren ebenso als Prinzipien verankert (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.42, frei übersetzt).

Nelson Mandela sagte 1994 :

“ The time for healing of the wounds is come. The moment to bridge the chasms that divide us has come. The time to build is upon us ”

(vgl. ebd. , S.164)

3.3 Gestaltung

Das afrikanische Gesundheitssystem ist in vier Ebenen unterteilt. Die Nationale Ebene, die Provinz Ebene , die Distrikt Ebene und die Gemeinde Ebene.

3.3.1 Die Nationale Ebene

In der Nationalen Ebene ist das Department of Health die zentrale Gewalt des Gesundheitssystems. Es koordiniert und unterstützt die Departments der neun Provinzen. Geleitet wird das Department vom Gesundheitsminister, der vom Intersectoral National Development Committee gewählt wird. Dieses Komitee setzt sich aus Ministern zusammen die Einfluss auf Regierungsbereiche (z.B. Wasser und Landwirtschaft) haben, welche auch für den Gesundheitsbereich ausschlaggebend sind (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.194, frei übersetzt)

Das Department of Health trägt die ultimative Verantwortung für die Gesundheit des Volkes. Hier findet außerdem die Budgetverwaltung und Auslandskorrespondenz statt und es werden Leitfäden entwickelt. Außerdem werden Normen und Standards für die Gesundheitsversorgung festgelegt., die sich an den ANC (National Health Plan) anlehnen.

3.3.2 Die Provinzebene

Sie besteht aus verschiedenen Departments ,welche die neun Provinzen kontrollieren, in Verwaltungsfragen beraten und ressourcenorientiert unterstützen. Jede Behörde ist für alle Aspekte der Gesundheitsversorgung der Menschen aus den jeweiligen Provinzen verantwortlich. Dies beinhaltet sowohl die Versorgung im Notfall und die Krankenhausversorgung, als auch die Sicherheit der Umwelt, die Überwachung und die Evaluation der einzelnen Dienste der Distrikt Ebene. Vorstehender der Provinzebene ist der Provincial Director of Health Sevices. (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.45/47 frei übersetzt).

3.3.3 Die Distrikt Ebene

Die Distrikt Ebene ist eine Besonderheit des afrikanischen Gesundheitswesens und das Kern Stück von PHC. Basierend auf der Alma-Ata Erklärung vor dem Hintergrund des Gedankens der WHO „ Gesundheit für a lle “ liegen dem Distrikt Health System folgende Prinzipien zu Grunde: Gleichheit, Zugänglichkeit, Betonung auf Gesundheitsförderung und Vorsorge, intersektorales Handeln Einbeziehung der Gemeinden, Dezentralisation, Integration von Gesundheitsprogrammen und Koordination der verschiedenen Gesundheitsaktionen (vgl. ebd.,S.190, frei übersetzt). Das hierfür vorgeschlagene Organigramm ist im Anhang S.21 zu finden.

Die einzelnen Provinzen werden in verschiedene, geographische Distrikte eingeteilt die ihre eigenen Distrikt Krankenhäuser haben. Distrikte sind Gebiete, die zwischen 50.000 und 500.000 Menschen (abhängig von der Besiedelungsdichte des jeweiligen Gebietes) gesundheitlich versorgen. Das District Health System, kurz DHS genannt genießt ein hohes Maß an Handlungsfreiheit und Entscheidungsmöglichkeiten. Die Organisation und Struktur jedes Distriktes wird anhand der jeweiligen speziellen Bedürfnisse und Situation entwickelt. Hier obliegt dem Staat nicht mehr die alleinige Macht und Verantwortung, sondern die Distrikte und Gemeinden tragen diese mit. Diesbezüglich wird auch von dem wichtig gewordenen Begriff der Dezentralisierung, wie oben schon erwähnt, gesprochen. Vorteile liegen hier in der Förderung der Eigenverantwortlichkeit der jeweiligen Bevölkerung und darin, dass sich in diesem begrenzten Gebiet leichter die Bedürfnisse der betroffenen Menschen darstellen und behandeln lassen. Um eine optimale Umsetzung zu gewährleisten werden vor Ort Gesundheitsarbeiter ausgebildet und gefördert. Inhalte der Fortbildungen sind hier unter anderem Organisation, Planung, Management, Finanzierung , Ressourceneinteilung und Förderung. Damit die Distrikte effektiv funktionieren, braucht ein Distrikt sowohl die Unterstützung, als auch die Zusammenarbeit mit der nationalen Regierungsebene. (vgl. Dennill, King, Swonepoel 1999, S.191, frei übersetzt).Anfänge zur Abgrenzung der einzelnen Gebiete sind gemacht, jedoch gestalten sich diese teilweise recht schwierig. Interessant ist im Vergleich zu Deutschland die Lage der Krankenschwestern in Südafrika. Sie stellen 67,8 Prozent aller Gesundheitsarbeiter dar und müssen oft allein arbeiten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Sie spielen als Koordinatoren und unverzichtbare Praktiker eine zentrale Schlüsselrolle in der Umsetzung des PHC (vgl. ebd. , S.189). Anders als in Deutschland sind sie auch wesentlich mehr legitimiert eigene Entscheidungen zu treffen und selbstständig zu handeln. Diesbezüglich ist auch der sog. Nursing Amandment Act (19 of 1997) zu beachten. Darin werden Krankenschwestern legitimiert Patienten selbstständig körperlich zu untersuchen, Diagnosen zu stellen vorgeschriebene Medikamente aufzubewahren , anzuwenden und zu verschreiben sowie Familienplanung zu fördern, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen (vgl. ebd. , S.178).

3.3.4 Die Gemeinde Ebene

Die Gemeinde Ebene ist sicher am nächsten an der Bevölkerung angesiedelt. Erster Ansprechpartner für Menschen die Hilfe brauchen ist der Dorfgesundheitsarbeiter. Dieser sollte aus der Gemeinde selbst stammen, und wird auch von ihr bestimmt und vergütet. Seine/Ihre Ausbildung durch Ärzte und Pflegekräfte dauert sechs Monate. Später wird er von seinen Ausbildern weiter durch Supervision betreut. Er ist das Bindeglied zwischen Gemeinde/ Dorf und dem offiziellen Gesundheitssystem dar. Er ist auch dafür verantwortlichen sich um gute Beziehungen zwischen alter, traditioneller Medizin und der westlichen Medizin zu bemühen (vgl. Diesfeld 1986, S.69).

Doch was hat sich nun für die Menschen konkret sichtbar getan? Gesundheitliche Versorgungseinrichtungen sind nicht mehr so weit weg wie früher, denn PHC versteht sich auch unter anderem so, dass erst einmal eine Straße gebaut wird auf der die Menschen zum nächsten Gesundheitszentrum vordringen können, bevor z.B. neues Material zur medizinischen Versorgung gekauft wird. Ebenso verhält es sich z.B. auch mit sanitären Anlagen als Grundvoraussetzung für hygienisches Verhalten.. Außerdem gibt es Impfprogramme, Gesundheitsberatung (z.B. Ernährungsberatung) Schwangerenvorsorge, Familien- und Geburtenplanung, Hygieneaufklärung und es wird. HIV Prophylaxe im Sinne der Prävention und medizinische Versorgung betrieben. Ein Anfang ist gemacht.

4. Umsetzung von PHC im Zuge der Bekämpfung von HIV/ AIDS

Während meiner Recherche habe ich versucht Projekte im Bezug auf HIV/AIDS zu finden, die vom Staat Südafrika allein auf die Beine gestellt wurden und habe dabei festgestellt, dass meist Organisationen wie z.B. die WHO oder die UNDCP hinter diesen Projekten stehen. Weltweit gibt es mittlerweile viele Organisationen die sich in Südafrika einsetzen. Beispiele hierfür sind Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (vgl. DSW-Projekte Südafrika),.Ärzte für die Dritte Welt, Ärzte ohne Grenzen, der Deutsche Entwicklungsdienst (ded), Dienste in Übersee (DÜ) und die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), um nur ein paar Beispiele zu nennen. Außerdem gibt es mittlerweile viele Projekte von Vereinen, die sich in der Entwicklungshilfe engagieren. Beispiele hierfür sind: das Afrika Projekt e.V., Hilfsgüter und Partnerschaft für Afrika e.V., Netzwerk Afrika Deutschland e.V., Informationsstelle Südliches Afrika e.V. und Euro Afrika e.V. (vgl. Gesellschaft und Soziales, Entwicklungshilfe Organisationen). Diese Organisationen arbeiten dann meist mit lokalen Partnern vor Ort zusammen .Anhand der Aussage von Nelson Mandela im letzten Jahr zur 13. Aids- Konferenz in Durban ist ersichtlich, dass viel Unterstützung von der sog. 1.Welt ausgeht. Mandela beendete auf der Konferenz seine Rede mit dem Satz: „ Kein Land dieser Erde kann allein gegen Aids kämpfen “ (s. Heinrichs 2001, S.20) Südafrika wird als Entwicklungsland von den westlichen Industriestaaten unterstützt und ich werde im folgenden Abschnitt kurz ein solches kooperatives Projekt vorstellen. Dies muss aber nicht heißen, dass von der landeseigenen Regierung keine unabhängigen Maßnahmen getroffen werden

4.1 Projektvorstellung

Das Township Aids Projekt, kurz TAP genannt beschäftigt sich mit der Aufklärung in den Townships. Zielvorstellung ist es, den Jugendlichen und auch ihren Eltern und Lehrern in Soweto bei der Aufklärung bezüglich HIV/AIDS zu helfen. Die Idee ist, ein effektives Netz von Gleichaltrigen zu schaffen, die das Thema Sexualität enttabuisieren. Hierfür sollen 600 Leute zu Jugendberatern und -beraterinnen ausgebildet werden, die sich in 60 Jugendklubs organisieren. Diese Klubs sollen keine trockenen Bildungsstätten sein, sondern mit Musik , Tanz und Theater die Jugendlichen von der Straße holen und ein Umfeld für sie schaffen, in dem sich Gleichaltrige treffen und über Sexualität, die Verhütung von Schwangerschaften und HIV/AIDS unterhalten, austauschen und aufklären können (vgl. DSW Projekte Südafrika). Auf diesem Weg soll die Aufklärungsrate unter Jugendlichen deutlich erhöht werden. Auch HIV/AIDS Beratungszentren sollen folgen, um immer mehr junge Menschen zu überzeugen Kondome zu benutzen (s. Anhang S.21). Ebenso werden Helfer ausgebildet um bereits HIV infizierte Menschen zu betreuen. Am Ende des vierjährigen Projektes sollen in Soweto an die 200.000 Jugendliche erreicht worden sein, denen Chancen und Zukunftsaussichten geboten werden (vgl. Falk 2001, S.27).

An diesem Projektbeispiel sehe ich den Gedanken des PHC gut verwirklicht, da hier in der Bevölkerung vor Ort Kräfte ausgebildet werden um die Erstversorgung bzw. Prophylaxe oder auch Gesundheitsberatung durchzuführen.

4.2 Realisierungsprobleme

Bei dem oben vorgestellten Projekt handelt es sich um eine Nichtregierungsorganisation. Laut Falk hat sich die südafrikanische Regierung lange dem Problem HIV/AIDS verweigert, so dass die nun ins Leben gerufenen Programme recht langsam greifen, daher bilden sich auch immer mehr Projekte wie TAP. Eine gewisse Arroganz der Regierung beschreibt auch Heinrichs (vgl. Heinrichs 2001, S.20) anhand folgenden Beispiels: Der Gastgeber der Aids - Konferenz in Durban, der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hatte die Teilnehmer geschockt als er sagte, er könne nicht glauben, dass durch ein so kleines Virus Aids ausgelöst würde. Daher erkenne er auch nicht die Notwendigkeit antiviraler Medikamente. Natürlich wurde er deswegen unter anderem von einem Verfassungsrichter heftig kritisiert. Diese Art der Ignoranz gegenüber der Problematik zeigt sich allerdings auch in der Bevölkerung. So berichtet Oetjen (vgl. Oetjen 2001, S.25/26) von einem Gespräch mit jungen Sportlern in dem ein Chemiestudent sich wie folgt zum Thema Aids äußert: „ Vielleicht bedaure ich es am nächsten Tag, aber wenn nach ein paar Gläser erst mal in der richtigen Stimmung bin, st ö rt es michüberhaupt nicht, es ohne Kondom zu machen. Wenn ich meinen Spa ß habe denke ich nicht an Aids “ . Andere Jugendliche geben an, dass sie sich nicht einem Aidstest unterziehen würden, da andere dann denken könnten sie wären sexuell hyperaktiv. Hier kommen auch kulturelle Probleme ins Spiel. So wissen z.B. viele Frauen, dass sie ihr Kind beim Stillen mit HIV infizieren und tun es trotzdem, da sie Angst haben aus der Familie ausgestoßen oder gar getötet zu werden wenn sich herausstellt das sie HIV positiv sind, wofür das Nichtstillen eines Kindes als sicheres Indiz gilt (vgl. Heinrichs 2001, S.20). Die Situation der Frauen ist grundsätzlich eher nachteilig zu sehen, Vergewaltigung ist auf der Tagesordnung und meist trauen sich die Frauen nicht entgegen dem Wunsch ihres Mannes zu handeln.

Es gibt viele Probleme bei der Umsetzung der neuen Gesundheitsprogramme. Hier sehe ich aber auch das Problem, dass westliche Organisationen die kulturellen Begebenheiten nicht ausreichend beachten, und zu wenig die Kultur der betroffenen Bevölkerung miteinbeziehen. Bei oben vorgestelltem Projekt ist dies zwar nicht der Fall, doch gibt es andere Versuche die fehlgeschlagen sind, da die Einheimischen mehr ihrem Medizinmann und den traditionellen Heilmethoden vertrauen als der westlichen Medizin.

4.3 Lösungsansätze

Wenn PHC funktionieren soll, wäre es meines Erachtens wichtig z.B. traditionelle Führer und Heiler stärker in die Aufklärungskampagnen nicht nur für HIV, sondern auch bei anderen Sachen (s.2.2) mit einzubeziehen. Auf diesem Weg kann eine adressatengerechte Vermittlung besonders auf Gemeinde und Distrikt Ebene stattfinden. Des weiteren müssen Eigeninitiative und Eigenverantwortung gefördert werden. Anfänge hierfür sind sicherlich schon gemacht, so sitzt in jedem Dorfkomitee nach Möglichkeit als ein Part auch der Medizinmann . Die Kooperation mit der Bevölkerung und die Verbindung der beiden Weltbilder moderner und traditioneller Medizin werden hoffentlich die Umsetzung von PHC in Sachen AIDS, und natürlich auch in allen anderen Gesundheitsfragen, auf schnellem Wege zu gutem Erfolg führen.

5. Persönliche Stellungnahme

Für mich persönlich war es sehr interessant mich mit dem Gesundheitskonzept Primary Health Care in Südafrika auseinander zu setzen. Schockierend fand ich die gesundheitliche Situation in diesem Land, und spannend die Kultur der Menschen dort. Das Hauptgesundheitsproblem Aids und seine Bekämpfung berührte mich besonders, und hat deshalb in dieser Arbeit einen vielleicht zu großen Platz eingenommen. Dennoch hoffe ich auch genügend Informationen zum PHC Konzept vermittelt zu haben, vielleicht diente auch der praktische Bezug zur Aidsthematik zur Veranschaulichung.

Primary Health Care stellt für mich ein sehr interessantes Konzept dar, welches meiner Meinung nach auch für Deutschland Relevanz hat. In jedem Fall fände ich es auch bei uns sinnvoll den Krankenschwestern mehr Kompetenzen zuzuteilen, so wie es in Südafrika der Fall ist. Dies könnte sehr viele Arztkosten sparen und wie man im ehemaligen DDR System gesehen hat, bewährt sich z.B. eine Gemeindekrankenschwester durchaus. PHC -ein Modell, dass man sowohl bei der Bewältigung der Kostenexplosion in unserem Land , als auch weiterhin für die gesundheitliche Versorgung in Südafrika, sicherlich in Betracht ziehen sollte.

Quellenverzeichnis:

Ded Brief(1/2, 2001), Zeitschrift des Deutschen Entwicklungsdienstes, S.20-27/33

Dennill, K.; King, L.; Swonepoel, T.(1999): Aspects of Primary Health Care in southern Africa, South Africa

Diesfeld, H. J.(1998): going international DSW-Projekte Südafrika auf: http://www.dsw-online.de/suedafrika.html, 21.11.2001

Falk, Dietmar (2001):Jugendclubs gegen Aids, in: ded Entwicklungsbrief, S.27

Gesellschaft und Soziales 2001, Entwicklungshilfe Organisationen auf: http://www.de.dir.yahoo.com/Gesellschaft_und_Soziales/Entwicklungshilfe/Organisa- tionen/

Heinrichs, H. (2001): „Kein Land der Erde kann allein gegen Aids kämpfen“ in: ded Brief, Ausgabe 1/2 2001, S.20

Heinrichs, H (2001): Aids ist Männersache in: ded Brief Ausgabe 1/2 2001, S.22

Oetjen, Klaus (2001): Dieses ABC muss noch gelernt werden, in: ded Brief, Ausgabe 1/2 2001, S.25/26

Philaw Policy Brief, Ausgabe September 1995 auf: http://www.healthlink.co.za/pphc/Phila/district.htm., 15.11.01

Unaids publications auf: http://www.unaids.org/publications/graphics/20years/Eng/HIVAfrica710.jp, 01.12.01 http://www.unaids.org/worldaidsday/2001/EPIgraphics2001/EPIcore_en.ppt, 01.12.01

Quellenverzeichnis der Anlagen:

Seite17oben: Africa heute in: Dierke Weltatlas (1974), Braunschweig, S.108

Seite17 unten: Südafrika in: Dierke Weltatlas (1974), Braunschweig, S.103

Seite18oben: Estimated adult and child deaths due to HIV/AIDS during 2001 auf: http://www.unaids.org/worldaidsday/2001/EPIgraphics2001/EPIcore_en.ppt, 01.12.01

Seite 18 unten: Adults and children estimated to be living with HIV/AIDS as of end 2001, auf: http://www.unaids.org/worldaidsday/2001/EPIgraphics2001/EPIcore_en.ppt, 01.12.01

Seite 19: Estimated number of adults and children newly infected with HIV during 2001, auf: auf: http://www.unaids.org/worldaidsday/2001/EPIgraphics2001/EPIcore_en.ppt, 01.12.01

Seite 20: Spread of HIV over time in sub- Saharan Africa, 1984 to1999 auf: http://www.unaids.org/publications/graphics/20years/Eng/HIVAfrica710.jp, 01.12.01

Seite 21oben: Proposed organogram of the national health system at the disrict level in: Dennill, K.; King, L.; Swonepoel, T.(1999): Aspects of Primary Health Care in southern Africa, South Africa, S.193

Seite 21 unten: Neugierig probiert die junge Frau den Gebrauch von Kondomen in: Ded Brief (1/2, 2001), Zeitschrift des Deutschen Entwicklungsdienstes, S.33

Anlagen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Titel
Primary Health Care in Südafrika
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Internationale Pflege
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V107284
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Grafiken aus dem Anhang habe ich nicht mit veröffentlicht, es kann aber nachgefragt werden. Das Quellenverzeichnis der Anlagen ist normal nicht so üblich
Schlagworte
Primary Health Care, Südafrika, HIV in Südafrika
Arbeit zitieren
Melanie Gobbers (Autor), 2002, Primary Health Care in Südafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107284

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