Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Fundierung der Portfoliomethode für den Kunstunterricht der Sekundarstufe I. Obwohl die Portfoliomethode Einzug in die Schule im Rahmen der Schreibdidaktik fand und heutzutage vermehrt in linguistischen Fächern zum Einsatz kommt, hat das Prinzip des Portfolios, losgekoppelt von der didaktischen Komponente, seinen Ursprung im künstlerischen Bereich. In der Renaissance bewarben sich Künstler mit Portfolios für Aufträge.
Gerade im Kunstunterricht eignet sich die Methode, denn sie kann mit dem Portfolio als Medium praktische Arbeitsprozesse mit der theoretischen Auseinandersetzung von Inhalten des Unterrichtsgegenstandes vereinen. Da Anknüpfungspunkte des Portfolios in der Kunstgeschichte liegen, ist es besonders spannend zu schauen, welches Potential in der Portfolioarbeit gezielt für den Kunstunterricht steckt. Ebenso groß ist das Interesse zu untersuchen, welche weiteren wissenschaftlichen Verankerungen sich herausstellen lassen, um die Portfolioarbeit für den Kunstunterricht zu fundieren.
Folglich sucht die Arbeit Anschluss an Konzepte der Kunstgeschichte, philosophische Erkenntnistheorien und kunstdidaktische Positionen. In einem umfangreichen Lesen wird die Breite des Portfolioeinsatzes für die Schule erschlossen und herausgearbeitet, was neben den Motivationen auch für Herausforderungen bei der Implementierung der Methode für den Kunstunterricht entstehen. Vor allem aber wird im Rahmen einer komplexen Analyse ergründet, wie das didaktische Konzept sich wissenschaftlich fundieren lässt. Im Gesamtkonzept der Arbeit ist dabei die Verknüpfung von Alltag, Wissenschaft und Kunst zentral, um die didaktische Wirksamkeit der Methode für den Kunstunterricht umfangreich und kritisch zu beurteilen. Bezüglich des Kunstunterrichts wird hier ein kompetenzorientierter impliziert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Portfolio
2.1 Ursprünge
2.2 Definition und Portfolioarten
2.3 Portfolios im kompetenzorientierten Unterricht – Eine Verortung in der Unterrichtsentwicklung und Lerntheorie
2.4 Potentiale der schulischen Portfolioarbeit
2.5 Kritische Beleuchtung – Auswirkungen auf die Lehrerrolle
3. Curriculare Anforderungen an das Fach Kunst – Einblicke in den Kernlehrplan
3.1 Ziele des Kunstunterrichts
3.2 Kompetenzbereiche und Inhalte des Faches
3.3 Leistungsbewertung
3.4 Exkurs: Sprache und Kommunikation im Kunstunterricht und der Portfolioarbeit – Busses methodisches Skript des Mitteilens
4. Philosophische Fundierung der schulischen Portfolioarbeit
4.1 Konstruktivismus
4.2 Die Bedeutung von Reflexion in erkenntnistheoretischen Ansätzen
5. Kunstgeschichtliche und künstlerische Fundierung der schulischen Portfolioarbeit
5.1 Skizzenbuchgeschichte(n) – Das Portfolio als Skizzenbuch?
5.2 Künstlerische Fundierung – Das Buch und der Atlas als Kunstobjekt
5.2.1 Künstlerbücher
5.2.2 Atlas - Warburg und Richter
5.2.3 Das schulische Portfolio als Kunstobjekt
6. Kunstdidaktische Fundierung der schulischen Portfolioarbeit
6.1 Die Otto-Selle-Debatte
6.2 Busse - Kunstunterricht zwischen Spielraum und Festlegung
6.3 Der Atlas und das Mapping als kunstdidaktische Handlungsapparate
6.4 Ästhetische Forschung
6.5 Das Portfolio als kunstdidaktisches Instrument
7. Exkurs: Bezugsfeld Alltag – Sammeln und ästhetische Biografie
7.1 Schülerindividualität bei alltagsästhetischen Erkundungen
7.2 Dinge sammeln
7.3 Das Portfolio als Sammlung
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das Potential der Portfoliomethode für den Kunstunterricht in der Sekundarstufe I. Ziel ist es, das didaktische Instrument wissenschaftlich zu fundieren, indem Bezüge zu philosophischen Erkenntnistheorien, kunsthistorischen Traditionen und aktuellen kunstdidaktischen Positionen hergestellt werden, um so eine Verknüpfung von Alltag, Wissenschaft und Kunst zu ermöglichen.
- Wissenschaftliche Herleitung der Portfolioarbeit
- Konstruktivistische und erkenntnistheoretische Fundierung
- Kunstgeschichtliche Verknüpfungen (Skizzenbuch, Künstlerbuch, Atlas)
- Kunstdidaktische Einordnung (Mapping, Ästhetische Forschung)
- Integration in kompetenzorientierten Unterricht
Auszug aus dem Buch
5.1 Skizzenbuchgeschichte(n) – Das Portfolio als Skizzenbuch?
Die Staatliche Graphische Sammlung München bewahrt mehr als 260 Skizzenbücher aus dem 18. bis zum 21. Jahrhundert von Malern, Zeichnern, Bildhauern und Architekten auf. Nach einem großen Forschungsprojekt, in dem der Schatz an Skizzenbüchern umfangreich erschlossen wurde, wurden die Werke in einer musealen Präsentation ausgestellt. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklungsgeschichte des Mediums Skizzenbuch nach und „entwirft zugleich eine Typologie“. Dargestellt sind ganze Bücher, aber auch einzelne Seiten von Medien, die mit der Zeit ihren Originalzustand verloren haben. Spannend ist die Heterogenität des künstlerischen Arbeitens, die nicht nur in der Ansammlung an Skizzenbüchern deutlich wird, sondern auch innerhalb einzelner Exemplare:
„Flüchtig Notiertes findet sich Seite an Seite mit konzentriert beobachteten und vertieften Studien. Es wird gekritzelt, gezeichnet, gemalt, geklebt, gesammelt und collagiert, ausgestrichen, verworfen und herausgeschnitten. Im Auf- und Abschreiben sowie Zeichnen und Überzeichnen wird das Gesehene und Erfahrene neu angeordnet, fixiert und tritt in Beziehung zu den vorausgehenden Überlegungen.“
Christiane Schachtner skizziert in ihrem Essay zur Ausstellung grob die geschichtliche Entwicklung des Skizzenbuchs und berichtet vertiefend über die Qualitäten des Mediums. Aus seiner Geschichte entspringend, entstand das Skizzenbuch aus der Suche nach einem mobilen Medium, welches sich den unkonventionellen Arbeitssituationen der Künstler anpasste und ein Zeichnen im Stehen, während Reisen mit der Kutsche sowie auf dem Schiff oder in der Landschaft ermöglichte. Somit erfuhr das Skizzenbuch mit dem 19. Jahrhundert besonders als Reisetagebuch eine Blütezeit. Erstmals seriell angefertigt wurden Skizzenbücher um 1800 in Großstädten Europas wie Paris oder Rom.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Portfolioarbeit als pädagogisches Instrument, das den Schüler als Individuum in den Mittelpunkt stellt.
2. Das Portfolio: Definition, Ursprünge und konzeptionelle Grundlagen der Portfolioarbeit sowie deren Rolle im kompetenzorientierten Unterricht.
3. Curriculare Anforderungen an das Fach Kunst – Einblicke in den Kernlehrplan: Untersuchung, wie die Portfolioarbeit die Ziele, Kompetenzbereiche und Leistungsbewertung des Kunstunterrichts gemäß Kernlehrplan unterstützt.
4. Philosophische Fundierung der schulischen Portfolioarbeit: Verortung der Portfolioarbeit im Konstruktivismus und Erläuterung der Bedeutung von Reflexion für den Erkenntnisgewinn.
5. Kunstgeschichtliche und künstlerische Fundierung der schulischen Portfolioarbeit: Analyse von historischen Vorläufern wie Skizzenbüchern, Künstlerbüchern und dem Atlas als kunsthistorische Rechtfertigung.
6. Kunstdidaktische Fundierung der schulischen Portfolioarbeit: Einordnung der Methode in aktuelle kunstdidaktische Strömungen wie die Ästhetische Forschung und das Mapping.
7. Exkurs: Bezugsfeld Alltag – Sammeln und ästhetische Biografie: Untersuchung der Verbindung von alltäglichem Sammeln und der Bildung einer ästhetischen Biografie.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Relevanz von ePortfolios im digitalen Zeitalter.
Schlüsselwörter
Portfolioarbeit, Kunstunterricht, Sekundarstufe I, Kompetenzorientierung, Konstruktivismus, Reflexion, Skizzenbuch, Künstlerbuch, Atlas, Ästhetische Forschung, Mapping, Sammeln, Bildkompetenz, Lernberater, Leistungsbewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Portfolioarbeit als didaktische Methode für den Kunstunterricht in der Sekundarstufe I geeignet ist und wie sie wissenschaftlich fundiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die pädagogische Bedeutung des Portfolios, philosophische Grundlagen wie der Konstruktivismus, kunstgeschichtliche Analogien und kunstdidaktische Ansätze zur Unterrichtsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Begründung und Legitimation des Portfolios als Medium im Kunstunterricht, um eine Verknüpfung von Theorie, Praxis, Alltag und Kunst zu schaffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Konzepte aus der Philosophie, der Kunstgeschichte und der Kunstdidaktik heranzieht, um das Potenzial des Portfolios kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Fundierung, eine kunstgeschichtliche Herleitung über Skizzen- und Künstlerbücher sowie eine kunstdidaktische Verankerung durch Ansätze wie Ästhetische Forschung und Mapping.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Portfolioarbeit, Kunstunterricht, Konstruktivismus, Kompetenzorientierung, Reflexion und Ästhetische Forschung definieren.
Inwiefern unterscheidet sich das Portfolio vom herkömmlichen Kunstheft?
Während klassische Mappen oft nur als Ablage dienen, fokussiert das Portfolio auf den prozessorientierten Lernweg, die Reflexion des Schülers und die individuelle Lernbiografie.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Portfolioarbeit?
Die Lehrkraft wandelt ihre Rolle vom traditionellen Lehrenden hin zum Lernberater, der Rahmenbedingungen schafft, ohne die individuelle künstlerische Freiheit der Schüler einzuschränken.
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- Mareen Illiges (Author), 2021, Die Portfoliomethode für den Kunstunterricht der Sekundarstufe I. Wissenschaftliche Fundierung auf philosophischer, kunstgeschichtlicher und künstlerischer Ebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1075125