In der Arbeit soll dargelegt werden, mit welchen Stolpersteinen russische L1 Kinder beim deutschen Schriftspracherwerb konfrontiert werden. Außerdem soll ein kleiner Ausblick verschaffen werden, wie die Didaktik mit den Fehlerquellen umgehen kann. Im Speziellen wird aber nur auf den Vergleich der phonologischen Systeme und der Graphem-Phonem-Korrespondenzen, in Einbettung in das Phasenmodell nach Günther, eingegangen. Eine umfassende Behandlung des Vergleichs der beiden Sprachen, beispielsweise in Bezug auf die Syntax oder Grammatik, würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei große Teile. Im ersten Teil der Arbeit werden die linguistischen Grundbegriffe der Phonologischen Bewusstheit und des Schriftspracherwerbs sowie deren Zusammenhänge näher erläutert. Darauf aufbauend wird im zweiten Teil die Rolle der Muttersprache beim Schriftspracherwerb und die Stolpersteine der russischen Deutschlerner dargestellt.
Aufgrund der oben beschriebenen aktuellen Situation in deutschen Bildungseinrichtungen, soll diese Arbeit den Leser dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, nicht nur die Zweitsprache Deutsch zu fördern, sondern auch die (hier: russische) Muttersprache, da sie eine große Rolle beim Schriftspracherwerb spielt, um so die aufgeführten Hindernisse überwinden zu können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I: Linguistische Grundbegriffe
1. Phonologische Bewusstheit
1.1 Phonologische Bewusstheit im engeren und weiteren Sinne
1.2 Entwicklung der phonologischen Bewusstheit
2. Schriftspracherwerb
2.1 Voraussetzung des Schriftspracherwerbs
3. Zusammenhänge zwischen phonologischer Bewusstheit und Schriftspracherwerb
Teil II: Deutsche Sprachentwicklung bei russischen Schülerinnen und Schülern
4. Die Rolle der Muttersprache beim Zweitspracherwerb und dem Schriftspracherwerb in der Zweitsprache
5. Stolpersteine bei russischen Kindern beim deutschen Schriftspracherwerb
5.1 Die phonologischen Systeme im Vergleich
5.1.1 Der Glottischlag
5.1.2 Vokallänge
5.1.3 Vokalreduktion
5.1.4 Labialisierung der Vokale
5.1.5 Klangfarbe der Vokale
5.1.6 Palatalisierung der Konsonanten
5.1.7 Stimmhaftigkeit der Konsonanten
5.1.8 Konsonantenlänge
5.1.9 Der Hauch- und „ich/ ach- Laut“
5.1.10 Aspiration der Verschlusslaute
5.1.11 Fremdwörter
5.2 Die Graphem- Phonem- Korrespondenz in Einbettung in das Phasenmodell nach Günther
5.2.1 Die präliteral- symbolische Phase
5.2.2 Die logographemische Phase
5.2.3 Die alphabetische Phase
5.2.4 Die orthographische Phase
5.2.5 Die integrativ- automatisierte Phase
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die linguistischen Herausforderungen (Stolpersteine), mit denen Kinder mit russischer Muttersprache beim Erwerb der deutschen Schriftsprache konfrontiert sind, und entwickelt auf Basis eines Sprachvergleichs didaktische Ansätze zur Unterstützung des Lernprozesses.
- Phonologische Bewusstheit und Schriftspracherwerb
- Einfluss der Muttersprache (L1) auf den Zweitspracherwerb (L2)
- Vergleich der phonologischen Systeme von Russisch und Deutsch
- Graphem-Phonem-Korrespondenzen im Phasenmodell nach Günther
- Didaktische Lösungsansätze zur Fehlerprävention
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Der Glottischlag
Sowohl das Deutsche als auch das Russische gehören zu den akzentzählenden Sprachen. Doch während beim Russischen der jeweilige Akzent bedeutungsunterscheidend sein kann, ist das Deutsche keine Tonsprache, wodurch der Akzent bzw. die unterschiedlichen Tonverläufe im Bereich der Wortintonation keine bedeutungsunterscheidende Funktion aufweist. Die Betonung im Russischen bleibt dabei frei, wobei jede Silbe betont werden kann. So fehlt beispielsweise der im Deutschen vorhandene Glottischlag [ʔ], der die Vokale im Wortstammanlaut in der betonten Position einleitet. Beim Glottischlag handelt es sich um einen sogenannten Glottiverschlusslaut, einem Plosiv, der im Kehlkopf gebildet wird. Wichtig dabei zu betonen ist jedoch, dass es sich beim Glottischlag, oder auch Knacklaut genannt, nicht um ein Phonem handelt (vgl. Hoffmann et al, 2017). Der harte Stimmeinsatz geht von einer Vollschlussstellung aus, d.h. dass die Stimmlippen komplett geschlossen sind und dann durch einen leichten Atemdruck explosionartig geöffnet werden. Dabei entsteht ein sogenannter Knacklaut. Der Glottischlag besitzt aber die phonologische Funktion eines Grenzsignals. Dieses Signal trennt Morpheme und Wörter voneinander, weshalb dem Glottischlag eine bedeutungsunterscheidende Funktion zugeschrieben wird. Im Vergleich dazu werden im Russischen die neuen anlautenden Vokale ohne Übergang artikuliert. Somit handelt es sich im Russischen um einen weichen oder auch losen Stimmeinsatz.
Da dieser Glottischlag im Russischen fehlt, kann es russischsprachigen Kindern schwer fallen, Wörter wie verreisen und vereisen zu unterscheiden. Doch nicht nur einzelne Silben in einem Wort, in dem der letzte Laut in den Vokal der folgenden Silbe übergeht, sondern auch ganze Wörter können ineinander übergehen, sodass ganze Sätze klingen als wären alle Wörter miteinander verbunden (vgl. Böttger, 2008). Dieser negativer Transfer kann sowohl in der Schreibung, als auch in der Lesung bzw. Aussprache zu Verständnis- und zu Verstehensproblemen führen und somit Missverständnisse in der Kommunikation auf beiden Seiten verursachen.
Zusammenfassung der Kapitel
Phonologische Bewusstheit: Erläutert die kognitiven Fähigkeiten zur Analyse lautlicher Strukturen, die als grundlegende Voraussetzung für den Schriftspracherwerb dienen.
Schriftspracherwerb: Unterscheidet zwischen Lern- und Erwerbsprozessen und betont die Bedeutung von Input sowie individueller Wissensbildung beim Lesen- und Schreibenlernen.
Zusammenhänge zwischen phonologischer Bewusstheit und Schriftspracherwerb: Beleuchtet die wechselseitige Verbindung und Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für den Erfolg in der Schriftsprache.
Die Rolle der Muttersprache beim Zweitspracherwerb und dem Schriftspracherwerb in der Zweitsprache: Analysiert den Einfluss der L1-Kompetenz und Mechanismen wie positiven oder negativen Transfer auf den L2-Erwerb.
Stolpersteine bei russischen Kindern beim deutschen Schriftspracherwerb: Vergleicht systematisch die phonologischen Systeme beider Sprachen und zeigt konkrete Problemfelder sowie didaktische Lösungswege auf.
Die Graphem- Phonem- Korrespondenz in Einbettung in das Phasenmodell nach Günther: Beschreibt den Erwerbsprozess der Schriftsprache anhand der fünf Phasen nach Günther und analysiert die spezifischen Schwierigkeiten russischsprachiger Lerner in jeder Phase.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Phonologische Bewusstheit, Deutsch als Zweitsprache, Muttersprache, Russisch, Phonologie, Interferenz, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Schriftsprache, Lautsystem, Sprachvergleich, Fehleranalyse, Lesekompetenz, Orthographie, Mehrsprachigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen, die für Kinder mit russischer Muttersprache beim Erwerb der deutschen Schriftsprache entstehen, insbesondere aufgrund der Unterschiede zwischen beiden Sprachen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die phonologische Bewusstheit, der Einfluss der Muttersprache auf den Schriftspracherwerb in der Zweitsprache sowie die methodische Unterstützung durch Vergleiche von Lautsystemen und Graphem-Phonem-Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, sprachliche Stolpersteine für russischsprachige Kinder zu identifizieren, diese wissenschaftlich zu begründen und praktische didaktische Lösungsansätze für Lehrkräfte aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit existierender Fachliteratur und führt einen sprachwissenschaftlichen Vergleich zwischen dem Deutschen und dem Russischen auf phonologischer und graphemischer Ebene durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung linguistischer Grundbegriffe sowie einen detaillierten Vergleich der phonologischen Systeme und eine Analyse der Korrespondenzen im Phasenmodell des Schriftspracherwerbs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Schriftspracherwerb, phonologische Bewusstheit, Mehrsprachigkeit, interlinguale Fehler und Sprachvergleich charakterisieren.
Wie unterscheidet sich der Glottischlag im Deutschen vom Russischen?
Im Deutschen dient der Glottischlag als Grenzsignal zur Einleitung von Vokalen im Wortanlaut, während im Russischen Vokale anlautend ohne diesen harten Stimmeinsatz gesprochen werden.
Warum fällt russischsprachigen Kindern die Unterscheidung von Vokallängen im Deutschen oft schwer?
Da im Russischen die Vokallänge keine bedeutungsunterscheidende Funktion hat, das Deutsche jedoch auf einem hochkomplexen Vokalismus basiert, fällt die Differenzierung zwischen gespannten und ungespannten Vokalen schwer.
Was ist die „Palatalisierung“ und welche Probleme verursacht sie?
Palatalisierung ist die Erweichung von Konsonanten. Da russische Lerner dies häufig auf das Deutsche übertragen (z.B. vor vorderen Vokalen), entstehen Aussprache- und Schreibfehler bei Konsonanten.
- Citar trabajo
- Mayleen Kleemann (Autor), 2021, Stolpersteine bei russischen Kindern beim Erwerb der Schriftsprache Deutsch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1076504