Sind Präterito-präsentia Modalverben oder sind Modalverben Präterito-präsentia? - Untersucht an den Entwicklungen zum Neuhochdeutschen


Magisterarbeit, 2003
115 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Einleitung

2 Forschungseinblick
2.1 Birkmann (1987): „Präterito-Präsentia“
2.2 Jongeboer (1985): „Im Irrgarten der Modalität“
2.3 Vater (1975): „Werden als Modalverb“

3 Zum Begriff des Präterito-Präsens
3.1 Die Diachronie: Originäre Präterito-Präsentia
3.2 Die Synchronie: präterito-präsentisches Lexem/ Flexionsmuster

4 Zum Begriff des Modalverbs

5 Präterito-Präsentia, ihr Flexionsmuster und Modalverben

6 Vom originären Präterito-Präsens zum präterito-Präsentischen Flexionsmuster/ Lexem
6.1 Gotisch
6.1.1 Gotisch wiljan
6.2 Althochdeutsch
6.2.1 Althochdeutsch wellen
6.3 Mittelhochdeutsch
6.3.1 Mhdt. wellen/ wollen
6.4 Frühneuhochdeutsch
6.4.1 Frühneuhochdeutsch wellen/ wollen (ö/ü)
6.5 Neuhochdeutsch
6.5.1 Neuhochdeutsch wollen
6.6 Zusammenfassung

7 Vom originären Präterito-Präsens zum Modalverb
7.1 Gotisch
7.2 Althochdeutsch
7.3 Mittelhochdeutsch
7.4 Frühneuhochdeutsch
7.5 Neuhochdeutsch
7.6 Zusammenfassung

8 Fazit

Literatur

Abbildungen

Abbildung 1: Veränderung der Verbalsemantik am Beispiel idg. * woida.

Abbildung 2: Morphologische Auswirkungen einer veränderten Verbalsemantik

Abbildung 3: Starke, schwache und präterito-präsentische Flexion

Abbildung 4: Originäres Präterito-Präsens oder präterito-präsentisches Lexem?

Abbildung 5: Modalverb oder präterito-präsentisches Lexem/ Flexionsmuster?

Abbildung 6: Die Herausbildung eines präterito-präsentischen Musters schematisch

Abbildung 7: Die Formierung einer einheitl. Gruppe von Modalverben schematisch

Abbildung 8: Die Herausbildung eines präterito-präsentischen Musters und die Formierung einer einheitl. Gruppe von Modalverben schematisch

Abbildung 9: Originäre Präterito-Präsentia, präterito-präsentische(s) Lexeme/ Flexionsmuster und Modalverben schematisch

Tabellen

Tabelle 1: Merkmalsmatrix des nhdt. präterito-präsentischen Flexionsmusters

Tabelle 2: Merkmalsmatrix zur Abgrenzung der nhdt. Modalverben

Tabelle 3: Merkmalsmatrixen im Vergleich: präterito-präsentisches Flexionsmuster/ Lexem und/ oder Modalverb

Tabelle 4: Die gotischen originären Präterito-Präsentia im Überblick

Tabelle 5: Got. wiljan und das Merkmal [± Vokaldifferenz]

Tabelle 6: Got. wiljan und das Merkmal [± Null-Allomorph]

Tabelle 7: Die ahdt. originären Präterito-Präsentia im Überblick

Tabelle 8: Ahdt. wellen und das Merkmal [± Vokaldifferenz]

Tabelle 9: Ahdt. wellen und das Merkmal [± Null-Allomorph]

Tabelle 10: Die mhdt. originären Präterito-Präsentia im Überblick

Tabelle 11: Mhdt. wellen/ wollen und das Merkmal [± Vokaldifferenz]

Tabelle 12: Mhdt. wellen/ wollen und das Merkmal [± Null-Allomorph]

Tabelle 13: Die fnhdt. originären Präterito-Präsentia im Überblick

Tabelle 14: Fnhdt. wellen/ wollen (ö/ü) und das Merkmal [± Vokaldifferenz]

Tabelle 15: Fnhdt. wellen/ wollen (ö/ü) und das Merkmal [± Null-Allomorph]

Tabelle 16: Die nhdt. originären Präterito-Präsentia im Überblick

Tabelle 17: Nhdt. wollen und das Merkmal [± Vokaldifferenz]

Tabelle 18: Nhdt. wollen und das Merkmal [± Null-Allomorph]

Tabelle 19: Die originären Präterito-Präsentia zum Nhdt. als Gesamtmatrix

Tabelle 20: Die gotischen Lexeme mit Modalverbfunktion im Überblick

Tabelle 21: Die ahdt. Lexeme mit Modalverbfunktion im Überblick

Tabelle 22: Die mhdt. Lexeme mit Modalverbfunktion im Überblick

Tabelle 23: Die fnhdt. Lexeme mit Modalverbfunktion im Überblick

Tabelle 24: Die nhdt. Lexeme mit Modalverbfunktion im Überblick

Tabelle 25: Die Modalverbfunktion zum Nhdt. als Gesamtmatrix

Vorwort

Im Verlauf meines sprachwissenschaftlichen Studiums kam es Semester für Semester zur Konfrontation mit einem Terminus: Den Präterito-Präsentia. Schon allein das nur schwer artikulierbare Wort sorgte für Verwirrung und Abschreckung; noch mehr aber die damit verbundenen Schlagworte, wie ‚verloren gegangenes Präsens‘, ‚Reste besonderer Verbalbildungen‘, ‚verbalsemantische Uminterpretation‘ und ‚Ablautreihen‘. Zu bedenken ist, dass schon allein letztere mit ihren ‚Grund-‘, ‚abgetönten Grundstufen‘, ‚Schwund-‘‚ und ‚Dehnstufen‘ das Ausmaß der Leistungskapazitäten eines herkömmlichen Studierendengedächtnisses bis an seine Grenzen auszulasten, wenn nicht zu überfordern vermochten.

„Und dann auch noch die Präterito-Präsentia“, dieser gedankliche Stoßseufzer entstieg den Tiefen der Studierenden, zumindest war dies, das Zutreffen dieser Interpretation vorausgesetzt, von manch schiefem Gesichtsausdruck meiner Mitstudierenden abzulesen. Kaum jemand wusste am Ende eines Semesters noch, wie das war mit den Präterito-Präsentia. Das Wort hatte man wohl schon irgendwo, irgendwann einmal gehört, wegen der zu schwierigen Artikulation aber nicht in den aktiven Wortschatz übernommen und nach Zwischenlagerung im Kurzzeitgedächtnis schnell ad acta gelegt. „Und dann auch noch ein Zusammenhang zu den Modalverben?“. Mit dieser Frage war der Zustand völliger Überforderung endgültig erreicht, und es eröffnete sich das Universum der Modalität bzw. der Gedanke „Hast du das verstanden?“

Wenn auch nicht wie ein Fels in der Brandung, so soll diese Arbeit den oben dargestellten Verwirrungen und Schrecken doch wie ein ‚Kieselchen‘ entgegen stehen. Sie soll dazu verhelfen, ein wenig Licht in das Dunkel um die Präterito-Präsentia zu bringen und für das „normale“ Studierendengedächtnis ein wenig haft- und haltbarer zu machen. Viel Neues um das Phänomen Präterito-Präsentia wird diese Arbeit nicht leisten können; dafür ist das Thema zu alt, ungefähr so alt wie das Germanische. Neu ist allerdings die Art und Weise der Darstellung, mit dem Ziel einen Überblick über die sprachhistorischen Entwicklungsprozesse der Gruppe der Präterito-Präsentia zu geben. Das ist die Darstellung eines Grammatikalisierungsprozesses, der sich anhand der Herausbildung eines präterito-präsentischen Flexionsmusters bei paralleler Knüpfung der ihm zugehörigen Lexeme an die syntaktisch/ semantische Funktion mit der Eigenschaft ‚Modalverb‘ manifestiert. Exemplarisch ist dies anhand der sprachhistorischen Entwicklungen zum Neuhochdeutschen aufgeführt. Einfacher ausgedrückt heißt das: In der vorliegenden Arbeit werden Lexeme sortiert; einmal hinsichtlich ihrer Formenbildung, ein anderes Mal hinsichtlich ihrer Bedeutung, dies wenn man vom Gotischen absieht, vom Althochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen.

Wenn diese Arbeit abgesehen davon, dass die Sache mit den Präterito-Präsentia und der Modalität gar nicht so schlimm ist, auch noch dazu beiträgt, zu vermitteln, dass Sprachwissenschaft auch Spaß machen kann, dann ist ihr Ziel mehr als erreicht.

1 Einleitung

In der deutschen Gegenwartssprache besteht eine verbale Sonderklasse, der lediglich sechs Verben angehören: Die Präterito-Präsentia. Mit Ausnahme von dem Vollverb nhdt. wissen, handelt es sich bei den übrigen Präterito-Präsentia um Modalverben, nämlich nhdt. dürfen, können, mögen, müssen und sollen. Umgekehrt besteht die Gruppe der Modalverben aus den genannten Präterito-Präsentia außer wissen und dem Modalverb nhdt. wollen. Letzteres weist in seiner Formenbildung Analogien zu dem Flexionsmuster der Präterito-Präsentia auf. Es stellt sich die Frage: „Sind Präterito-Präsentia Modalverben oder sind Modalverben Präterito-Präsentia?“

Es scheinen zwei gleichwertige Antworten nebeneinander zu stehen. Jedoch besteht eine solche Bindung von Flexionsklassenzugehörigkeit und verbaler Funktion im synchron neuhochdeutschen Gesamtverbsystem sonst nicht, und ein Blick in die Sprachdiachronie zeigt, daß sich hinter dem nhdt. Befund ein Grammatikalisierungsprozeß verbirgt: Das ist die Funktionalisierung eines in morphologischer Hinsicht vereinheitlichten Flexionsmusters durch die Knüpfung an eine sich parallel dazu formierende Gruppe von Modalverben zum Neuhochdeutschen. Dieser Grammatikalisierungsprozeß wird mit der vorliegenden Arbeit untersucht und dargestellt. Exemplarisch erfolgt dies anhand der sprachhistorischen Entwicklungen zum Neuhochdeutschen.

Neu ist dieses Phänomen innerhalb der Sprachwissenschaft nicht. Jedoch besteht kaum Literatur, die sich mit der Darstellung in Form eines möglichst vereinfachten Überblicks über diesen Prozeß befaßt. Im anderen Fall entzieht sich dies meiner Kenntnis. Deshalb stützt sich diese Arbeit hauptsächlich auf Birkmann (1987)[1], der diesen Prozeß anhand eines komplexen Modells und anhand eines detaillierten und umfangreichen Quellenmaterials darstellt; zu komplex, zu detailliert und zu umfangreich für einen einfachen Überblick. Die vorliegende Arbeit steht damit als Versuch, den ohnehin schon komplexen Sachverhalt ohne theoretischen Hintergrund möglichst einfach darzulegen.

Als verbale Untersuchungsgruppe dienen die Präterito-Präsentia der einzelnen Sprachstufen vom Althochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen. Repräsentativ für das Germanische als voralthochdeutscher Sprachzustand steht das Gotische unter Berücksichtigung seiner Besonderheiten. Aufgrund des neuhochdeutschen Befundes wird auch nhdt. wollen etymologisch berücksichtigt.

Anhand dieser verbalen Untersuchungsgruppe werden zwei Entwicklungslinien dargestellt: Das ist zum einen die Herausbildung eines in morphologischer Hinsicht vereinheitlichten Flexionsmusters. Aufgezeigt werden morphologische Veränderungen in der verbalen Gruppe, die nicht auf Lautwandel zurückzuführen sind und damit als Anzeichen für den Grammatikalisierungsprozeß gewertet werden können.

Eine zweite verbale Entwicklungslinie zeichnet die Formierung einer einheitlichen Gruppe von Modalverben nach. Dieser Prozeß zeichnet sich dadurch aus, daß es zu semantischen Veränderungen innerhalb der verbalen Untersuchungsgruppe, etwa durch semantisch konkurrierende schwache Verben, kommt.

Abschließend werden die beiden Entwicklungslinien zusammengeführt, erörtert und der Versuch einer Antwort auf die o. g. Frage gegeben.

2 Forschungseinblick

Die beiden verbalen Gruppen der Präterito-Präsentia und der Modalverben werden in der bestehenden Forschungsliteratur unter den verschiedensten Gesichtspunkten behandelt. Unterschiede bestehen hinsichtlich der Untersuchungsperspektiven von 1.) Diachronie bzw. Synchronie, 2.) flexionsmorphologischer bzw. verbalsemantischer Untersuchung, letztere unter Fragestellungen zur Modalität, und 3.) der als Untersuchungsbasis gewählten verbalen Gruppe, Präterito-Präsentia oder Modalverben.

2.1 Birkmann (1987): „Präterito-Präsentia“

Auf dem Gebiet der flexionsmorphologischen Entwicklungen der Präterito-Präsentia in den altgermanischen Sprachen ist die diachrone Arbeit von Birkmann (1987)[2] grundlegend. Dies nicht nur wegen seiner theoretischen Kombination und Erweiterung der Ansätze von Wurzel (1984)[3] und Ronneberger-Sibold (1980)[4], sondern auch wegen des umfangreichen und detailliert dargestellten Quellenmaterials. Ausgehend von den Präterito-Präsentia des Altgermanischen sind 13 Sprachen[5] mit nord- und süd- bzw. westgermanischem[6] Ursprung hinsichtlich ihrer flexionsmorphologischen Entwicklungen der verbalen Sonderklasse der Präterito-Präsentia untersucht und dargestellt.

Der Grundgedanke bei Birkmann ist, „daß in allen germ. Sprachen die Tendenz besteht, die Gruppe der Prät.präs. durch morphologischen und semantischen Wandel in eine Gruppe von Modalverben zu überführen.“[7] In seinem Sprachwandelmodell, basierend auf den Ansätzen von Wurzel (1984) und Ronneberger-Sibold (1980), wird zwischen phonologisch und morphologisch bedingtem morphologischen Wandel unterschieden.[8]

Phonologisch bedingter morphologischer Wandel[9] tritt ein, wenn eine in der Sprachverwendung vorhandene Formvariante in das Sprachsystem aufgenommen wird. In Zusammenhang steht dies mit der Gebrauchsfrequenz der jeweiligen sprachlichen Einheit. Bei hochfrequenten Einheiten bleiben morphologische Irregularitäten bestehen oder werden aufgebaut. Bei niedrig frequenten Einheiten werden morphologische Irregularitäten abgebaut bzw. sie werden erst gar nicht in das Sprachsystem aufgenommen. Die Ursachen für diesen sprachlichen Wandel liegen in der Sprachökonomie. Bei hochfrequenten Einheiten ist es unter dem Aspekt des Strebens nach optimaler Kommunikation ökonomischer, möglichst viele Informationen in einer möglichst kurzen Morphkette zu übermitteln. Es entstehen in morphologischer Hinsicht eher flektierende Formen. Umgekehrt ist es ökonomischer niedrig frequente Einheiten nach anderen morphologischen Verfahren zu bilden.[10]

Morphologisch bedingter morphologischer Wandel[11] basiert auf den Prinzipien der Systemangemessenheit[12] und Flexionsklassenstabilität[13] nach (Wurzel 1984). Am wichtigsten ist für Birkmann (1987) das Prinzip der Flexionsklassenstabilität: Instabile Flexionsklassen können unter anderem durch ihre außermorphologische Motivierung stabilisiert werden. Die syntaktisch/semantische Eigenschaft „Modalverb“ ist eine solche außermorphologische Motivierung, und in Folge dessen bleibt das in morphologischer Hinsicht und aus Sicht des Gesamtverbsystems irreguläre Flexionsmuster der Prätertito-Präsentia im Zuge diachroner Entwicklungen erhalten. Es kommt zu Flexionsklassenübertritten. Sprachliche Einheiten, die die Eigenschaft „Modalverb“ im Zuge von Sprachentwicklung übernehmen, treten in die entsprechend außermorphologisch motivierte Flexionsklasse über. Umgekehrt treten Einheiten bei Verlust der Eigenschaft „Modalverb“ aus der Flexionsklasse aus, und es liegt morphologisch bedingter morphologischer Wandel vor.[14]

Bezogen auf die Präterito-Präsentia heißt das: Aufgrund der außermorphologischen Motivierung mit der Eigenschaft „Modalverb“ kann sich das aus Sicht des Gesamtverbsystems in morphologischer Hinsicht irreguläre Flexionsmuster halten, und abgesehen von nhdt. wissen beinhaltet es nur solche Verben, die als Modalverben fungieren. Das nhdt. Modalverb wollen hat sich durch morphologisch bedingten morphologischen Wandel dem Muster angeglichen. Entsprechend sind nhdt. taugen, gönnen und genügen durch Verlust dieser Eigenschaft und gleichzeitiger Abnahme der Gebrauchsfrequenz in die schwache Verbflexion übergetreten. Nhdt. können, dürfen, mögen und müssen haben Modalverbfunktion und bleiben in der Klasse, wie es nach der Flexionsklassenstabilität zu erwarten ist. Der Verbleib von nhdt. wissen in der Gruppe ist durch seine hohe Gebrauchsfrequenz zu erklären, nicht aber die morphologische Irregularität bei nhdt. sollen, das die Vokaldifferenz in Singular und Plural Präsens Indikativ abgebaut hat.[15]

2.2 Jongeboer (1985): „Im Irrgarten der Modalität“

Eine diachrone Arbeit, die sich wissenschaftsgeschlichtlich mit den Begriffen „Modus“, „modal“ und „Modalität“ auseinandersetzt, ist die von Jongeboer (1985)[16]. Ausgehend von der Frage „was ist modal“[17], unterscheidet Jongeboer zwischen dem Begriff „Modus“ einerseits und den Begriffen „modal“ und „Modalität“ andererseits. Der Begriff „Modus“ hat nach Jongeboer (1985) einen wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutungswandel erfahren und bezeichnet eine Beugungskategorie des Verbs. Modal ist eine Äußerung dann, „wenn der Hörer oder Leser durch ein im Satz anwesendes Signal dazu aufgefordert wird, als solche unverwortete oder von der Normbedeutung abweichende Satzinhalte mit zu interpretieren“[18]. Der Begriff „Modalität“ ist die abstrakte Substantivierung des Adjektivs „modal“. Folglich bezeichnet Jongeboer den Konjunktiv als „modalen Modus[19], und lehnt eine Definition des Modalen der übrigen Modi ab. Als Modal(hilfs)verben können nur solche Verben bezeichnet werden, wenn sie der Definition des Modalen genügen. Bezogen auf die Gruppe der Präterito-Präsentia heißt das: Da sie über eine festgelegte Normbedeutung verfügen, weichen sie „normalerweise“[20] nicht von der Normbedeutung ab. In erster Linie fungieren sie als Vollverben.[21]

Jongeboer kommt zu dem Schluß: „Von diesen Verben können im Deutschen nur können, mögen, sollen und wollen , und in einem einzigen Fall auch dürfen , als Modal(hilfs)verb fungieren.“[22] Die Präterito-Präsentia - außer nhdt. wissen - und wollen stellen demnach primär Vollverben mit einigen grammatischen, semantischen und syntaktischen Besonderheiten dar. Den Versuch, auch brauchen den Modalverben zuzuordnen, erachtet Jongeboer als „mißlungen“[23].[24]

Dem Lexem nhdt. werden gesteht Jongeboer in bestimmten Kontexten Modalverbfunktion zu.[25] In diesen Kontexten wird nhdt. werden hinsichtlich seiner Modalverbfunktion nicht als ein Abweichen von der Normbedeutung, sondern von der Normfunktion erachtet.[26]

Unter dem Aspekt der Sprachdiachronie ist Jongeboers Arbeit wenig aufschlußreich. Zu den Präterito-Präsentia und anderen sind zwar Lautstand und Semantisches sowie Beispielsätze aufgeführt.[27] Eine sprachdiachrone Entwicklung eines Modalverbsystems stellt dies aber nicht dar. Bezogen auf die Modalverbfunktion der Präterito-Präsentia zielen die jongeboerschen Argumente hauptsächlich darauf ab, den nhdt. Befund, bzw. die wissenschaftsgeschichtliche Bestimmung dessen, was modal ist, zu erläutern.

2.3 Vater (1975): „Werden als Modalverb“

Mit der Funktion von „Werden als Modalverb“ beschäftigt sich die gleichnamige synchrone Arbeit von Vater (1975). Ihr Ausgangspunkt ist, daß werden immer als Modalverb fungiert. Dies auch dann, wenn es sich auf die Zukunft bezieht. Vater baut damit auf der Arbeit von Salveit (1960) auf. Letzterer geht davon aus, daß die Fügung werden + Infinitiv eine Zeitfunktion und eine Modusfunktion hat. Abhängig ist die Funktionsweise von der Aktionsart des Infinitivs. Vor durativen Infinitiv-Verben wie sein hat werden Gegenwartsbezug und rein modale Bedeutung (Bsp.: „Er wird wohl jetzt hier sein.“[28]); bei perfektiven und kontinuativen Infinitiv-Verben wie kommen sowie bleiben und dauern, liegt ein „modaler Nullpunkt“ vor, und werden hat rein temporale Bedeutung, nämlich Zukunftsbezug (Bsp.: „Er wird morgen kommen.“[29]). Bei Infinitiv-Verben, die in ihrer Aktionsart indifferent sind, wie sich ärgern, kann werden beide Funktionen aufweisen: eine Zeit- bzw. eine Modusfunktion ( Bsp.: „Er wird sich ärgern“[30]).[31]

Vater hingegen zeigt auf, daß der Ausdruck von etwas Temporalem bzw. Modalem nicht von der Aktionsart des Infinitiv-Verbs abhängig ist. Vielmehr stellt er fest, daß durch die Fügung werden + Infinitiv und die Fügung werden + Infinitiv Perfekt im Vergleich zu solchen im einfachen Präsens bzw. Perfekt, Sätzen nicht etwa etwas Temporales, sondern etwas Modales hinzugefügt wird. Folglich stellen die Fügungen werden + Infinitiv und werden + Infinitiv Perfekt kein besonderes Tempus dar, und werden verhält sich nicht anders als die übrigen Modalverben.[32]

Werden als Modalverb tritt sowohl in inferentieller als auch in nicht-inferentieller Bedeutung auf.[33] In inferentieller Verwendung sieht Vater (1975) die Bedeutung von werden im Ausdruck von „Ungewißheit“. In den Kontext der übrigen Modalverben ist werden durch den Grad der „Ungewißheit“ einzureihen, die durch werden ausgedrückt wird. Die „Ungewißheit“ ist am stärksten durch können, schwächer bei werden und noch schwächer durch müssen ausgedrückt (Bsp.: Er kann gehen; Er wird gehen, Er muß gehen). Anders ausgedrückt heißt das: Der Sicherheitsgrad über das Eintreffen des in einer Aussage ausgedrückten Sachverhalts, ist bei müssen am stärksten, bei werden weniger stark und bei können noch weniger ausgedrückt. Damit läßt sich werden hinsichtlich seiner Funktion in die Gruppe der Modalverben einreihen.[34]

In nicht-inferentieller Verwendung sind werden als Modalverb drei Bedeutungsvarianten zugeschrieben. Das sind 1. eine Absicht bzw. ein Entschluß des Sprechers, 2. ein Befehl und 3. ein plötzlich eintretendes oder überraschendes Ereignis in der Vergangenheit. Die erste Variante tritt aus Gründen der Logik nur in der ersten Person auf (Bsp.: „Dem werde ich helfen.“[35]). Die zweite Variante steht in Konkurrenz zum Imperativ und wird vorwiegend in der zweiten Person verwandt (Bsp.: „Du wirst dir die Hände waschen.“[36]). Die dritte Variante ist auf die ost- und norddeutsche Umgangssprache beschränkt und tritt beim lebhaften Erzählen auf (Bsp.: „Wer wird da besoffen auf der Straße liegen. Der Hannes!“[37]). Die drei Bedeutungsvarianten von werden in nicht-inferentieller Bedeutung sind nur in Verbindung mit dem Infinitiv Präsens nicht aber mit dem des Perfekt möglich.[38]

Darüber hinaus ist werden unter bestimmten Bedingungen mit anderen Modalverben kombinierbar. Dies ist eine weitere Gemeinsamkeit, die werden mit den übrigen Modalverben teilt. Hinzu kommt der fehlende Imperativ, der bei werden wie bei den übrigen Modalverben nicht möglich ist (Bsp.: „*[39] Werde kommen!“[40]).[41]

Arbeiten, die sich vom Standpunkt der Diachronie mit den Entwicklungslinien bzw. der Herausbildung der syntaktisch/ semantischen Funktion der Modalverben beschäftigen, sind die von Bech (1949, 1951) und Diewald (1999)[42]. Weiterhin ist die Arbeit von Fritz (1997)[43] zu nennen, die einen allgemeinen Überblick über Problemstellungen der historischen Semantik gibt. Die Darstellung der diesen Untersuchungen zugrundeliegenden Argumtentationsstrukturen und Inhalte würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Zur Verdeutlichung dessen, daß die beiden verbalen Gruppen der Präterito-Präsentia und der Modalverben unter verschiedenen Untersuchungsaspekten behandelt werden, sollte anhand des vorliegenden Einblicks in die Literatur zum Thema deutlich geworden sein.

In den folgenden Abschnitten werden die Begriffe Präterito-Präsens und Modalverb erläutert und ihre Verwendungsweise, wie sie in der vorliegenden Arbeit erfolgt, festgelegt.

3 Zum Begriff des Präterito-Präsens

Der Begriff des Präterito-Präsens ist auf zwei Arten interpretierbar: zum einen unter dem Gesichtspunkt der Sprachdiachronie, zum anderen unter dem Gesichtspunkt der Sprachsynchronie. Unter dem Gesichtspunkt der Sprachdiachronie bezeichnet der Begriff Präterito-Präsens eine Gruppe von Verben, die eine Uminterpretation in ihrer verbalen Semantik erfahren haben. Unter sprachsynchronen Gesichtspunkten bezeichnet der Begriff Präterito-Präsens ein gesamtes Flexionsmuster als Teilflexionsklasse innerhalb eines synchronen Gesamtverbsystems. Dieser definitorische Unterschied mag auf den ersten Blick nicht ganz deutlich sein, ist für diese Arbeit aber von Bedeutung. Im weiteren wird bei diachroner Begriffsinterpretation der Terminus „originäres Präterito-Präsens“ verwandt; bei synchroner Begriffsinterpretation der Terminus „präterito-präsentisches Flexionsmuster“. Ihm angehörige Lexeme sind „präterito-präsentische Lexeme“. Diese, den beiden Begriffsauffassungen zugrunde liegenden Prinzipien, werden im weiteren erläutert.

3.1 Die Diachronie: Originäre Präterito-Präsentia

Unter sprachdiachronem Gesichtspunkt wird mit dem Begriff Präterito-Präsens eine Gruppe von Verben bezeichnet, die eine „Uminterpretation[44] in ihrer verbalen Semantik erfahren haben: Das sind originäre Präterito-Präsentia. Diese Veränderung in der verbalen Semantik tritt vom Indogermanischen zum Germanischen hin ein. Ursache dafür sind die unterschiedlichen Zeitstufensysteme des Indogermanischen (Aspektsystem) und Germanischen (Tempussystem).[45]

Als Grundlage für die Herleitung, wie sie den meisten originären Präterito-Präsentia zu eigen ist[46], dient der indogermanische Perfektstamm (vgl. idg. *[47] woida „ich habe gesehen“, Perfekt). Bezeichnet wird ein Zustand oder ein Resultat („ich weiß/ kenne“), das durch eine vorausgegangene Handlung („ich habe gesehen“) erreicht worden ist, bzw. das Resultat einer vorausgegangenen Handlung (also: Ich weiß/ kenne, was ich gesehen habe). Bei der Herausbildung des germanischen Tempussystems erfolgt eine Veränderung in der Verbalsemantik vom Zustands- bzw. resultativen Charakter des idg. Perfekts im idg. Aspektsystem hin zu einer gegenwärtigen Bedeutung im germanischen Tempussystem. Im germanischen Tempussystem ist diese gegenwärtige Bedeutung deshalb mit der Tempus-Kategorie Präsens ausgedrückt.[48]

Aspekt Veränderung der Tempus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verbalsemantik

Idg. Perfekt ein idg. Resultat/ Zustand Germ. Präsens

*woida[49] erhält germ. gegenwärtige got. wait[50]

„ich habe gesehen“ Bedeutung: „ich weiß“

Das, was ich gesehen habe, kenne ich/ weiß ich

Abbildung 1: Veränderung der Verbalsemantik am Beispiel idg. * woida.

Morphologisch spiegelt sich diese Veränderung in der verbalen Semantik vom Indogermanischen zum Germanischen im Stammvokalismus wieder (vgl. idg *w oi da „ich habe gesehen“, Perfekt, im Kontrast zu got. w ai t „ich weiß“, Präsens). Die Ablautverhältnisse, wie sie im indogermanischen Aspektsystem als Marker des Perfekts fungieren, sind bei den originären Präterito-Präsentia im germanischen Tempussystem wiederzufinden, jedoch in der Funktion von Präsens-Markern (vgl. got. ai, germ . *ai im Singular: wait; bei schwundstufigem i im Plural: witum). Die originären Präterito-Präsentia werden im Germanischen den Ablautreihen zugeordnet.[51]

Folgende Übersicht verdeutlicht die morphologischen Auswirkungen der verbalsemantischen Veränderungen bedingt durch die unterschiedlichen Zeitstufensysteme:[52]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Morphologische Auswirkungen einer veränderten Verbalsemantik

Die Ablautverhältnisse wie sie als Präteritum-Marker bei den starken Verben zu finden sind, haben dieselbe morphologische Form wie die Präsens-Marker der originären Präterito-Präsentia[54]. Entsprechend gleichen die Person-/Numerus-Allomorphe der originären Präterito-Präsentia im Präsens in ihrer morphologischen Form denen der starken Verben im Präteritum (vgl. got. wait- Ø: 1. + 3. Pers. Sg. Präs. Ind., „ich/er weiß“ und got. graip- Ø: 1. + 3. Pers. Sg. Ind. Prät. „ich/er wußte“; st. V. Reihe 1 ). Das Präteritum der originären Präterito-Präsentia wird wie bei den schwachen Verben mit einem Dentalsuffix gebildet (vgl. got. wissêdum: 1. Pers. Pl. Prät. Ind. „wir wußten“ und nasidêdum: 1. Pers. Pl. Prät. Ind. „wir retteten“; schw. V. Kl. 1).[55]

Aus der Gruppe der originären Präterito-Präsentia sind im Neuhochdeutschen noch nhdt. sollen, können, müssen, dürfen, mögen und wissen erhalten. Nicht dazu gehört nhdt. wollen . Dieses ist in seinem diachronen Ursprung auf einen Optativ zurückzuführen, der bereits im Germanischen als Indikativ gebraucht wird (vgl. got. wiljan; Abschnitt 6.1.1)[56].

3.2 Die Synchronie: präterito-präsentisches Lexem/Flexionsmuster

Unter sprachsynchronen Gesichtspunkten treten die aufgeführten diachronen Aspekte der originären Präterito-Präsentia, ihre veränderte Verbalsemantik bedingt durch die Herausbildung des germanischen Tempussystems, in den Hintergrund. Vielmehr bezeichnet der Begriff „Präterito-Präsens“ eine Teilflexionsklasse innerhalb eines synchronen Gesamtverbsystems: das präterito-präsentische Flexionsmuster mit dem ihm zugehörigen präterito-präsentischen Lexemen.[57]

Das präterito-präsentische Flexionsmuster unterscheidet sich in einem synchronen Gesamtverbsystem von der starken und schwachen Verbflexion. Da es aber Elemente sowohl der starken als auch der schwachen Verbflexion aufweist, kann es als deren „Mischung“ aufgefasst werden.[58]

Ein Element der schwachen Verbflexion ist das Dentalsuffix, das im präterito-präsentischen Flexionsmuster zur Kennzeichnung des Präteritums dient. Ein Element der starken Verbflexion ist der Ablaut, der allerdings nicht wie in der starken Verbflexion zur Kennzeichnung von Tempus dient, sondern als Vokaldifferenz zwischen Singular und Plural Präsens Indikativ auftritt. Im präterito-präsentischen Flexionsmuster stellt die Vokaldifferenz damit eine Numerus-Opposition dar. Ein weiteres Element der starken Verbflexion sind die Personalendungen im Präsens Indikativ des präterito-präsentischen Musters. Sie entsprechen denen der starken Verbflexion im Präteritum: Das ist im wesentlichen das Null-Allomorph in der ersten und dritten Person Singular Indikativ Präsens, welche das präterito-präsentische Flexionsmuster hinsichtlich seiner Person-/Numerus-Allommorphe von dem der starken und schwachen Verbflexion unterscheidet. Anhand des Neuhochdeutschen sind die Gemeinsamkeiten des präterito-präsentischen Flexionsmusters mit der starken und schwachen Verbflexion verdeutlicht:[59]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Starke, schwache und präterito-präsentische Flexion

Diese Flexionseigenschaften des präterito-präsentischen Musters gelten in ihrem Prinzip nicht nur für das Nhdt. sondern auch für die Synchronie früherer Sprachstufen: Das Frühneu-, Mittel- und Althochdeutsche sowie das Gotische.[60]

Zur Unterscheidung von der starken und schwachen Verbflexion sind damit für das präterito-präsentische Flexionsmuster zwei flexionsmorphologische Eigenschaften kennzeichnend. Das sind:

1. die Vokaldifferenz zwischen Singular und Plural Präsens Indikativ und
2. das Null-Allomorph als Person-/ Numerus-Allomorph in der 1. und 3. Person Singular Präsens Indikativ.

Für die Vokaldifferenz zwischen Singular und Plural Präsens Indikativ steht das Merkmal [± Vokaldifferenz]. Besteht bei einem Lexem die Vokaldifferenz, so gilt die Merkmalsausprägung [+ Vokaldifferenz]. Das zweite Merkmal ist [± Null-Allomorph]. Sind Null-Allomorphe in der 1. und 3. Person Singular Präsens Indikativ eines Lexems anzusetzen, so gilt die Merkmalsausprägung [+ Null-Allomorph]. Die Kriterien zur Kennzeichnung des präterito-präsentischen Flexionsmusters sind nur dann erfüllt, wenn beide Merkmalsausprägungen, also [+ Vokaldifferenz] und [+ Null-Allomorph] zutreffen. Lexeme, die diese morphologischen Merkmale in positiver Ausprägung tragen, gehören zum präterito-präsentischen Flexionsmuster und sind präterito-präsentische Lexeme. Lexeme, die nicht genau beide Merkmalsausprägungen tragen, gehören nicht zum präterito-präsentischen Flexionsmuster und sind keine präterito-präsentischen Lexeme. Anhand einer Merkmalsmatrix, hier am Beispiel des Neuhochdeutschen, läßt sich dies wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Merkmalsmatrix des nhdt. präterito-präsentischen Flexionsmusters

Die Lexeme nhdt. dürfen, können, mögen, müssen, wissen und wollen weisen jeweils die beiden Merkmalsausprägungen [+ Vokaldifferenz] und [+ Null-Allomorph] auf. Damit gehören diese Lexeme zum präterito-präsentischen Flexionsmuster und sind präterito-präsentische Lexeme. Nhdt. sollen weist lediglich die Merkmalsausprägung [+ Null-Allomorph] nicht aber die Merkmalsausprägung [+ Vokaldifferenz]. Da es nicht beide Merkmalsausprägungen aufweist, gehört es damit nicht zum präterito-präsentischen Flexionsmuster, und es ist kein präterito-präsentisches Lexem. Anzumerken ist:

- Nhdt sollen[61] zählt nicht zum präterito-präsentischen Flexionsmuster und ist auch kein präterito-präsentisches Lexem: Es weist zwar die Merkmalsausprägung [+ Null-Allomorph] auf, nicht aber die Merkmalsausprägung [+ Vokalwechsel]. Allerdings ist nhdt. sollen unter diachronen Gesichtspunkten ein originäres Präterito-Präsens (vgl. Abschnitt 3.1).
- Umgekehrt ist das nhdt. Lexem wollen[62] Bestandteil des präterito-präsentischen Flexionsmusters bzw. präterito-präsentisches Lexem. Es zeigt beide Merkmalsausprägungen des präterito-präsentischen Flexionsmusters, obwohl es kein originäres Präterito-Präsens im sprachdiachronen Sinne ist (vgl. Abschnitt 3.1, 6.1.1).

Am Beispiel des Neuhochdeutschen ergibt sich damit folgende Lexemverteilung hinsichtlich der Zugehörigkeit zu den originären Präterito-Präsentia bzw. zum präterito-präsentischen Flexionsmuster, und der Unterschied zwischen den beiden Begrifflichkeiten „originäres Präterito-Präsens“ und „präterito-präsentische(s) Lexem/ Flexionsmuster“ wird anhand folgender schematischer Darstellung deutlicher.

Originäre Präterito-Präsentia

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

sollen

dürfen, können, wollen

mögen, müssen,

wissen

präterito-präsentisches Lexem/ Flexionsmuster

Abbildung 4: Originäres Präterito-Präsens oder präterito-präsentisches Lexem?

Nhdt. sollen gehört ausschließlich zur Gruppe der originären Präterito-Präsentia. Nhdt. dürfen, können, mögen, müssen und wissen sind wie nhdt. sollen der Gruppe der originären Präterito-Präsentia zugeordnet, gehören aber im Unterschied zu nhdt. sollen gleichzeitig dem präterito-präsentischen Flexionsmuster an, bzw. sind präterito-präsentische Lexeme. Dem entgegen steht nhdt. wollen, das lediglich dem präterito-präsentischen Flexionsmuster angehört, nicht aber der Gruppe der originären Präterito-Präsentia.

Der neuhochdeutsche Befund zeigt, daß originäre Präterito-Präsentia nicht unbedingt Bestandteil des präterito-präsentischen Flexionsmusters sind. Umgekehrt zeigt der Fall nhdt. wollen, daß es sich beim präterito-präsentischen Flexionsmuster um eine offene Klasse handelt. Eine Flexionsklassenzugehörigkeit ist somit auch bei Verben möglich, die im Zuge diachroner Entwicklungen durch Analogiebildungen[63] oder durch spätere Veränderungen in ihrer Verbalsemantik in die präterito-präsentische Flexionsklasse übertreten. Das präterito-präsentische Flexionsmuster, und dies ist der zentrale Unterschied zu den originären Präterito-Präsentia, vereinigt lediglich Verben mit einem abstrakten Bündel von Merkmalsausprägungen in ihrer Flexion auf sich, unabhängig davon, ob es sich dabei noch um originäre Präterito-Präsentia im sprachdiachronen Sinne handelt oder nicht.

Im weiteren wird der Begriff Präterito-Präsens in den beiden o. g. Bedeutungen verwendet. Originäre Präterito-Präsentia bezeichnen die Lexeme, die im sprachdiachronen Sinne Präterito-Präsentia sind. Lexeme, auf die das Bündel von Merkmalsausprägungen [+ Vokaldifferenz] und [+ Null-Allomorph] zutrifft, sind präterito-präsentische Lexeme bzw. zugehörig zum präterito-präsentischen Flexionsmuster.

4 Zum Begriff des Modalverbs

Dieser Abschnitt dient der Abgrenzung des Begriffs des Modalverbs als sprachliches Ausdrucksmittel der semantischen Kategorie „Modalität“[64] von ihren übrigen sprachlichen Ausdrucksmitteln. Zum Kernbereich der Modalverben gehören im Neuhochdeutschen abgesehen von nhdt. wissen die fünf originären Präterito-Präsentia nhdt. dürfen, können, mögen, müssen und sollen – sowie das Lexem nhdt. wollen.[65] Manchmal werden auch nhdt. werden und nhdt. brauchen hinzugezählt.[66] Im weiteren werden Merkmalskategorien festgelegt, die für die Synchronie gelten und auf die Diachronie übertragbar sind.

Der Begriff des „Modalverbs“ ist nicht von dem der „Modalität“ zu trennen. „Modalität“ ist eine semantische Kategorie, „welche sich auf die Art und Weise der Stellungnahme des Sprechers zur Geltung des in einer Äußerung denotierten Sachverhaltes bezieht.“[67] Eine inhaltliche Differenzierung der semantischen Kategorie Modalität ist für das weitere Vorgehen dieser Arbeit nicht von Relevanz, und sie wird deshalb abstrakt als semantische Kategorie behandelt.[68] Die semantische Kategorie „Modaltität“ trägt das Merkmal [± modal].

Damit gilt für die Gruppe der Modalverben als sprachliches Ausdrucksmittel für Modalität das Merkmalsausprägung [+ modal]. Jedoch bestehen abgesehen von den Modalverben auch andere verbale Lexeme, die als sprachliche Ausdrucksmittel von Modalität fungieren können. Das sind im Neuhochdeutschen neben den Modalverben

1. die modifizierenden Verben und
2. die modalen Infinitive.

Für diese gilt ebenfalls das Merkmalsausprägung [+ modal]. Wie die Modalverben können modifizierende Verben und modale Infinitive modale Bedeutungsaspekte transportieren und damit als sprachliche Ausdrucksmittel der semantischen Kategorie Modalität fungieren. Zur Abgrenzung der Modalverben von diesen beiden Verbgruppen reicht die Merkmalsausprägung [+ modal] allein nicht aus. Es bedarf eines weiteren Abgrenzungskriteriums.

Dieses zweite Abgrenzungskriterium der Modalverben besteht in ihrer spezifischen syntaktischen Umgebung. Modalverben bilden einen Verbalkomplex mit nachfolgendem reinen Infinitiv (Infinitiv ohne zu). Im Kontrast dazu stehen die Verbalkomplexe der modifizierenden Verben und modalen Infinitive. Sie bilden einen Verbalkomplex mit zu und folgendem Infinitiv (zu + Infinitiv).

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Zu kategorisieren sind die beiden Formen des Verbalkomplexes als Ergebnis von Statusrektion. Ähnlich der Kasusrektion werden in diesem Modell von Bech (1983) den infiniten Verbformen verschiedene Status zugewiesen. Im ersten Status steht der reine Infinitiv (schwimmen; vgl. 1.), im zweiten Status steht zu + Infinitiv (zu schwimmen; vgl. 2. + 3.).[69] Je nach den Rektionseigenschaften können Verben die einzelnen Status regieren. Modalverben regieren demnach den ersten Status, das ist der reine Infinitiv (Infinitiv ohne zu). Modifizierende Verben und modale Infinitive regieren den zweiten Status; ihnen folgen jeweils zu + Infinitiv.[70]

Die Rektionseigenschaften der Modalverben, den reinen Infinitiv zu regieren, dienen als zweites gruppenbildendes Merkmal der Modalverben. Für dieses syntaktische Kriterium steht das Merkmal [± 1. Status].

Der Begriff des Modalverbs, wie er in dieser Arbeit verwandt wird, kann damit durch ein Bündel zweier Kriterien, bzw. Merkmalsausprägungen definiert werden. Gemeinsam ist den Modalverben:

1. ihre spezifische Semantik ([+ modal]), das ist die Modalität, die immer in Verbindung steht mit
2. ihrer spezifischen syntaktischen Umgebung ([+ 1. Status]) als Ergebnis von Statusrektion[71].

Bildet ein verbales Lexem einen Verbalkomplex mit nachfolgendem reinen Infinitiv, so gilt [+ 1. Status]. Bildet ein Verb einen Verbalkomplex nicht mit zu + Infinitiv, so gilt [- 1. Status]. Zu der Gruppe der Modalverben zählen die verbalen Lexeme, auf die genau die zwei Merkmalsausprägungen [+modal] und [+ 1. Status] zutreffend sind. Verben, die diese beiden Kriterien nicht erfüllen, gehören nicht zur Gruppe der Modalverben.[72][73]

In einer Merkmalsmatrix wird der Unterschied zwischen den Modalverben und anderen verbalen Lexemen, die als sprachliche Ausdrucksmittel der semantischen Kategorie „Modalität“ fungieren können, deutlicher:

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Tabelle 2: Merkmalsmatrix zur Abgrenzung der nhdt. Modalverben

Die Übersicht zeigt, daß lediglich Modalverben die beiden Merkmalsausprägungen [+ modal] und [+ 1. Status] auf sich vereinigen. Das sind im einzelnen: Nhdt . dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen. Modale Infinitive und modifizierende Verben können als sprachliche Ausdrucksmittel der semantischen Kategorie „Modalität“ fungieren und tragen entsprechend die Merkmalsausprägung [+ modal]. In dieser Funktion regieren sie aber nicht den ersten Status und sind hinsichtlich ihrer Merkmalhaftigkeit mit der Ausprägung [- 1. Status] zu kategorisieren. Damit ist die Gruppe der Modalverben von den übrigen verbalen Ausdrucksmitteln der semantischen Kategorie „Modalität“ abgegrenzt.

Grenz- bzw. Sonderfälle stellen allerdings die verbalen Lexeme nhdt. werden und brauchen dar. In der Markmalsmatrix sind sie entsprechend im unteren Bereich unter „Grenzfälle“ abgegrenzt. Die beiden Verben nhdt. werden und brauchen werden, wie bereits eingangs erwähnt, machnmal zu den Modalverben gerechnet, weil sie in Verbindung mit einem Infinitiv modale Bedeutungsaspekte transportieren können.[75]

[...]


[1] Birkmann (1987): Präteritopräsentia. Morpologische Entwicklungen einer Sonderklasse in den altgermanischen Sprachen.

[2] Vgl. Birkmann (1987): Präteritopräsentia. Morphologische Entwicklungen einer Sonderklasse in den altgermanischen Sprachen.

[3] Vgl. Wurzel (1984): Flexionsmorphologie und Natürlichkeit.

[4] Vgl. Ronneberger-Sibold: Sprachverwendung – Sprachsystem. Ökonomie und Wandel.

[5] Anm.: Der Begriff der Sprache ist in diesem Zusammenhang als ein einzelsprachliches System aufzufassen. Der Begriff Sprache bezeichnet somit sowohl eine gegenwärtige Sprache wie bspw. das Deutsche, als auch dessen frühere Sprachstufen. Das bspw. Althochdeutsche ist eine frühere Sprachstufe des Gegenwartsdeutschen. Gleichzeitig stellt es ein einzelsprachliches System dar und ist als Sprache zu bezeichnen. Birkmann (1987) unterscheidet zwischen Sprachen und Sprachstufen (vgl. ebd. S. 1).

[6] Anm.: Das sind im einzelnen Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Altsächsisch, Mittelniederdeutsch, Altfriesisch und Altenglisch als süd- bzw. westgermanische Sprachen; Urnordisch, Gotisch, Altisländisch, Altnorwegisch, Altschwedisch, Altdänisch, Färöisch als nordgermanische Sprachen. Vgl. Birkmann (1987), S. 1. Zur Einteilung der germ. Dialekte vgl. König (1994), 53.

[7] Vgl. Birkmann (1987), S. 7.

[8] Vgl. ebd. S. 50.

[9] Anm.: Der bei Birkmann (1987) als phonologisch bedingter morphologischer Wandel bezeichnete Prozess basiert auf Ronneberger-Sibold (1980). Dieser Ansatz wird hier nicht weiter diskutiert; vgl. dazu Birkmann (1987), S. 33 –45; Ronneberger-Sibold (1980).

[10] Vgl. Birkmann (1987), S. 33, 38, 46, 50 – 51.

[11] Anm.: In der traditionellen Terminologie analog zu Analogiebildung aufzufassen. Theoretischer Hintergrund dieses Terminus bei Birkmann (1987) ist Wurzels (1984) Ansatz zur „Flexionsmorphologie und Natürlichkeit“. Dieses Modell wird nicht weiter erörtert; vgl. dazu Birkmann (1987), S. 21 –33, Wurzel (1984).

[12] Anm.: Terminus von Wurzel (1984): „Systemangemessenheit ist der Übereinstimmungsgrad eines Paradigmas (und damit einer Flexionsklasse), [...] mit den systemdefinierenden Struktureigenschaften einer Sprache“. (vgl. Wurzel (1984), S. 86 –87.) Systemdefinierende Struktureigenschaften sind die in einem Flexionssystem einer Sprache realisierten Eigenschaften aus einem Inventar von Parametern, die zur typologischen Charakterisierung und Klassifizierung von Flexionssystemen dienen. (vgl. Wurzel (1984), S. 82.

[13] Anm.: Terminus von Wurzel (1984); vgl. ebd. S. 116 –153; Birkmann (1987), S. 27.

[14] Vgl. Birkmann (1987), S. 27, 28 – 29, S. 50 –51, 53 – 57.

[15] Vgl. Birkmann (1987), S. 27, 50, 53 -57, 374.

[16] Vgl. Jongeboer (1985): Im Irrgarten der Modalität.

[17] Vgl. Jongeboer (1985), S. 16.

[18] Vgl. Jongeboer (1985), S. 32.

[19] Vgl. Jongeboer (1985), S. 33.

[20] Vgl. Jongeboer (1985), S. 69.

[21] Vgl. Jongeboer (1985), S. 18, 25, 28, 32, 35 – 36, 69 - 73, 153.

[22] Vgl. Jongeboer (1985), S. 153.

[23] Vgl. Jongeboer (1985), S. 153.

[24] Vgl. Jongeboer (1985), S. 45, 68 – 73, 103 – 107, 153.

[25] Vgl. Jongeboer (1985), S. 153.

[26] Vgl. Jongeboer (1985), S. 129,153.

[27] Vgl. Jongeboer (1985), S. 74 – 102.

[28] Vgl. Vater (1975), S. 74.

[29] Vgl. Vater (1975), S. 74.

[30] Vgl. Vater (1975), S. 73.

[31] Vgl. Vater (1975), S. 73 – 74.

[32] Vgl. Vater (1975), S. 94, 95 – 96, 99, 103.

[33] Anm.: Weitere Begriffspaarungen sind objektiv vs. subjektiv, deontisch vs. epistemisch. Vgl. Helbig/ Buscha (1998), S. 131 f; Diewald (1999), S. 72.

[34] Vgl. Vater (1975), S. 110 – 113, 115, 118.

[35] Vgl. Vater (1975), S. 121.

[36] Vgl. Vater (1975), S. 123.

[37] Vgl. Vater (1975), S. 124.

[38] Vgl. Vater (1975), S. 120 f., 123 f., 124 f., 125.

[39] Anm.: Der Asterisk * hat in diesem Kontext die Bedeutung „ungrammatisch“.

[40] Vgl. Vater (1975), S. 126.

[41] Vgl. Vater (1975), S. 126 – 129.

[42] Vgl. Diewald (1999): Die Modalverben im Deutschen. Grammatikalisierung und Polyfunktionalität.

[43] Vgl. Fritz (1997): Historische Semantik der Modalverben. In: Fritz/ Gloning (Hrsg.) (1997).

[44] Vgl. Bußmann (1990), S. 603.

[45] Vgl. Bußmann (1990), S. 603; Krahe/ Meid (1969), S. 95 – 96, 135 – 136; Hist. Grammatiken: Prokosch (1939), S. 187 – S. 188; Braune/ Ebbinghaus (1961), S. 116; Braune/ Mitzka (1963), S. 300; Paul/ Mitzka (1963), S. 164. Im weiteren hist. Grammatiken.

[46] Anm.: Für die Herleitung der germ. Präterito-Präsentia gilt nach Birkmann (1987) idg. *woida als Musterbeispiel. Birkmann stellt aber fest, dass diese Herleitung nur auf wenige der übrigen Präterito-Präsentia ohne weiteres übertragen werden kann. Vgl. Birkmann (1987), S. 62 ff.. Die Herleitung eines jeden präterito-präsentischen Lexems würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Vgl. dazu aber Diewald (1999), S. 302 ff., Fritz (1997), S. 8 -12. Angegeben ist deshalb lediglich das häufig zitierte Beispiel idg. * woida.

[47] Anm.: Der Asterisk * ist hier verwandt zur Kennzeichnung rekonstruierter bzw. nicht belegter Formen. Dies gilt auch im weiteren.

[48] Vgl. Krahe/ Meid (1969), S. 95 – 96, 135 f.; Birkmann (1987), S. 62 – 67; Hentschel/ Weydt (1990), S. 67.

[49] Vgl. Kluge (1995), S. 894 – 895.

[50] Vgl. Kluge (1995), S. 894 – 895.

[51] Anm.: Auch in späteren Sprachstufen. Vgl. Hist. Grammatiken.

[52] Vgl. Braune/ Ebbinghaus (1961), S. 116; Krahe/ Meid (1969), S. 135 f..

[53] Anm.: Der Zirkumflex kennzeichnet die phonologische Länge des Vokals. Dies gilt auch im weiteren.

[54] Anm.: Die Bezeichnung Präterito-Präsens birgt seine Bildungsweise also schon in sich.

[55] Vgl.: Historische Grammatiken: Braune/ Ebbinghaus (1961), S. 116; Braune/ Mitzka (1963), S. 300; Paul/ Mitzka (1963), S.164.

[56] Vgl. Duden Bd.4 (1995), S. 128 –129; Hentschel/ Weydt (1990), S. 67; Helbig Buscha (1991), S. 33 – 34. Krahe/ Meid (1969), S. 145 –146.

[57] Anm.: Die Notation mag mißverständlich sein. Zwischen beiden Begriffen wird aber genau differenziert. Dies gilt auch im weiteren.

[58] Vgl.: Duden Bd.4 (1995), S. 113; Duden (1973), S. 126 f.; Engel (1988), S. 393; Hentschel/ Weydt (1990), S. 41 (Anm.: Im weiteren nhdt. Grammatiken); Hist. Grammatiken.

[59] Vgl. Birkmann (1987), S. 2; Vogel (1995), S. 17 –18; Hist. Grammatiken

[60] Vgl. Hist. Grammatiken. Reichmann/ Wegera (1993), S. 295 – 304, Nhdt. Grammatiken.

[61] Anm.: In der Merkmalsmatrix entsprechend abgesetzt.

[62] Anm.: In der Merkmalsmatrix entsprechend abgesetzt.

[63] Vgl.: Hentschel/ Weydt (1994), S. 67.

[64] Anm.: Sprachliche Ausdrucksmittel für die semantische Kategorie Modalität sind lexikalische wie Modaladverbien, Modalverben, morphologische wie die drei Modi, syntaktische wie die würde-Umschreibung. Vgl. Bußmann (1990), 490 – 491.

[65] Vgl. Hentschel/ Weydt (1990), S. 66 – 67; Helbig/ Buscha (1991), S. 33; Duden (1995), S. 128 – 129;

[66] Vgl. Engel (1988), S.463; Eisenberg (1999), S. 90.

[67] Vgl. Glück (2000), S. 446.

[68] Anm.: Deshalb wird nicht auf die Funktionsweisen der Modalverben eingegangen und epistemische vs. deontische Modalität unterschieden. Vgl. zu ihrer Grammatikalisierung unter diachronen Gesichtspunkten aber Diewald (1999), die in dieser Arbeit aber nicht weiter erörtert ist.

[69] Anm.: Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, daß das Partizip Präteritum im dritten Status steht. Dies ist im Rahmen dieser Arbeit aber nicht von Relevanz. Vgl. Bech (1983), S. 12 f..

[70] Vgl. Bech (1983), S. 12 f..

[71] Vgl. ebd.

[72] Anm.: Vorteil dieser Kategorisierung ist es, daß Abgrenzungsprobleme zu den drei Modi ausgeklammert sind.

[73] Anm.: Im weiteren stehen für diese Begriffsbestimmung parallel die Bezeichnungen „syntaktisch/ semantische Funktion mit der Eigenschaft Modalverb“.„Modalverbfunktion“, „als Modalverb fungieren“, „Modalverb“. Sie stehen lediglich als stilistische Varianten für ein und denselben Sachverhalt.

[74] Anm.: Im weiteren werden verbales Lexem, Lexem und Verb parallel zueinander verwandt.

[75] Vgl. Vater (1975); Nhdt. Grammatiken.

Ende der Leseprobe aus 115 Seiten

Details

Titel
Sind Präterito-präsentia Modalverben oder sind Modalverben Präterito-präsentia? - Untersucht an den Entwicklungen zum Neuhochdeutschen
Hochschule
Universität Osnabrück  (Sprach- und Literaturwissenschaft)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
115
Katalognummer
V10805
ISBN (eBook)
9783638171380
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
historische sprachwissenschaft, germanische Sprachwissenschaft, grammatikalisierung, Präterito-Präsens, Präterito-Präsentia, diachrone flexionsmorphologische entwicklungen, gotisch, althochdeutsch
Arbeit zitieren
Angelika Hennig (Autor), 2003, Sind Präterito-präsentia Modalverben oder sind Modalverben Präterito-präsentia? - Untersucht an den Entwicklungen zum Neuhochdeutschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10805

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