Die Bedeutung des Motives der Teufel im `Sankt Brandan´


Seminararbeit, 1999

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINFÜHRUNG

2 Die Entwicklung des Teufels
2.1 Von der monistischen Gottesauffassung zum dualistischem Weltbild
2.2 Eine Einführung in die Etymologie des Begriffs ,,Satan"
2.3 Die wesentlichen Funktionen des Teufels im Alten Testament

3 Der Teufel im Sankt Brandan
3.1 Eingreifen des Teufels in die Reise
3.2 Der Teufel als Diener Gott
3.3 Die ,,äußere und innere Bestrafung" des Menschen durch den Teufel
3.4 Die Buße und Verjagung des Teufels durch die Gläubigen
3.5 Sankt Brandans Sieg über den Teufel

4 AUSWERTUNG

5 L I T E R A T U R V E R Z E I C H N I S

1 EINFÜHRUNG

Die Reisen, Irrfahrten und Abenteuer des Mönches Sankt Brandan mit seinen Gefährten sind geprägt vom Zusammentreffen mit schrecklichen Monstern, dem Auffinden von Gold und Juwelen, deren Schein die dunkelsten Orten erhellt, sowie der Allgegenwart des rettenden und schützenden Gottes und einem verfolgenden und strafenden Teufel samt seiner Gefolgschaft. Da mich an dieser Reiseerzählung am meisten das Auftreten und Handeln des Teufels fasziniert hat, habe ich ihn bzw. sie[1] (meistens sind es mehrere Teufel) zum Thema dieser Arbeit auserkoren. Ich werde insbesondere am Motiv des Teufels hier untersuchen, von welchen Seiten er dem Leser vorgestellt wird und welche Funktion er in der Erzählung einnimmt, sowie in welchem Verhältnis er zu Gott, Sankt Brandan und den weiteren Mönchen steht.

Um dies angemessen untersuchen zu können, möchte ich wie folgt verfahren: Zunächst betrachte ich den Teufel im Alten Testament: seine Herkunft, seine Aufgaben, um dann die hieraus gewonnenen Erkenntnisse mit dem Motiv des Teufels im Sankt Brandan vergleichen zu können.

Dies erlaubt mir dann Antworten darauf zu finden, ob der Teufel im Sankt Brandan Gottes Allmacht zu jeder Zeit dokumentiert, ob der Teufel als Agitator und Ankläger auftritt, als Glaubensprüfer, als Bestrafer der Sünder oder gar als Gottes gleichberechtigter ,,Partner", der die Rolle des Engels in der ,,Welt der Schatten"[2] einnimmt.

An diesen Ergebnissen wird sich meine persönliche Beurteilung, auch im Hinblick auf das hier dann vorgestellte Gott-, Teufel- und Mensch-Verständnis, orientieren. Die gängige Sekundärliteratur zum ,,Sankt Brandan" erwies sich für meine Arbeit als wenig verwertbar, da die dortigen Auseinandersetzungen schwer-punktmäßig mit den Monstern, den vorgestellten Jenseits- und Dies-seitsvorstellungen sowie den Reiserouten erfolgen.

2 Die Entwicklung des Teufels

2.1 Von der monistischen Gottesauffassung zum dualistischem Weltbild

Der ursprünglicher Glaube, der die Grundlage des Judentums und des Christentums bildet, kennt weder den Teufel noch ähnliche Geschöpfe (wie Monster). Dieser Glaube stellt JAHWE (Jahwismus) als einzigen und allmächtigen Gott in den Mittelpunkt aller Betrachtungen. Jahwe ist ein ambivalenter Gott, der für Gutes und Böses gleichermaßen verantwortlich ist und sowohl heilbringende als auch unberechenbar zornige und strafende Züge aufweist. Es bleibt im Verlauf dieser Seminararbeit zu zeigen, in wie fern der Gott im ,,Sankt Brandan" solche Wesenszüge aufweist. Der Jahwekult verzichtet daher auf Polytheismus, Dualismus, Geisterglaube, Magie, weibliche Gottheiten sowie Götterfamilien und unterscheidet sich damit evident von den damaligen anderen Kulten seiner Umwelt.[3]

Im Laufe der Zeit verändert sich jedoch diese monistische Gottesauffassung.

Trat JAHWE ursprünglich als anthropomorphe Gestalt unmittelbar mit den Menschen in Verbindung, entfernt er sich nun immer mehr von den Gläubigen und wird zu einer in den Himmel gerückten Gestalt, deren Namen man nicht mehr auszusprechen wagt.[4] Zwar bemüht sich die jüdische Theologie weiterhin, auf Zwischenwesen zu verzichten und betont die Sendung der guten und bösen Geister von Gott. Sie kommt aber nicht mehr umhin, die die göttliche Vollkommenheit gefährdenden bösen Seiten Jahwes abzuschwächen und auf ein himmlisches Wesen namens Satan zu übertragen.[5]

2.2 Eine Einführung in die Etymologie des Begriffs ,,Satan"

Die Herkunft des Hebräischen Wortes ist unklar. Es wird im allgemeinen mit Widersacher, Feind, spezieller: Ankläger übersetzt. Die griechische Bibelübersetzung übersetzt ,,Satan" mit diaboloV [diabolos]: Verleumder, Durcheinanderbringer, Widersacher, das durch die lateinische Bibelübersetzung als ,,diabolus" in die abendländischen Sprachen übernommen wird und über

ahd. tiubil, diuval, tiuval, diufal,

mhd. tievel, tiuvel, tiufel, tivel,

zu nhd. teufel wird.

In der Kirchensprache bleibt gleichwohl ahd. Satanas, mhd. satanas, satan, satanat als feste Bezeichnung erhalten.[6]

2.3 Die wesentlichen Funktionen des Teufels im Alten Testament

,,Satan" ist im Alten Testament zunächst eine allgemeine Bezeichnung für Widersacher oder Feind in profanem Sinn. In Psalm 109 wird die Funktion des Satans um die eines Anklägers vor Gericht erweitert.

Ein Ankläger ist der Satan auch im bedeutenden Buch HIOB des Alten Testaments. Da die dort beschriebenen Taten des Teufels charakteristisch und hilfreich zum Verstehen seiner Funktion im ,,Sankt Brandan" sind, erzähle ich diese Begebenheit kurz nach:

Er hat die Stellung eines Gottessohnes, der den Menschen vor Gott anklagt. In der Erzählung von der Versuchung Hiobs erhält Satan durch eine Wette mit Gott die Erlaubnis, den Glauben des von Gott begünstigten Hiobs durch die Entsendung von Feinden, Sturm, das Feuer Gottes, Tod und Krankheit zu prüfen. Hiob nimmt diese Geschehnisse als göttliche Prüfungen an und führt den Ursprung der Katastrophen auf JAHWE zurück. So ist Satan im Buch Hiob Ankläger, Glaubensprüfer und ,,Wettpartner" Gottes. Später wird ihm noch die Eigenschaft des ,,Verführers zur Sünde" zugeschrieben.[7]

3 Der Teufel im Sankt Brandan

3.1 Eingreifen des Teufels in die Reise

Der ursächliche Grund für das Auftreten des Teufels und seiner Gefolgschaft liegt in der frevelhaften Handlung eines Mönches begründet. In einem ,,irdischem Paradeiß"[8], das an sich finster ist, wird von den dort liegenden Reichtümern (Juwelen, Gold etc.) erhellt. Außerdem ergießt sich hier eine Quelle, der Wein, Milch, Öl und Honig[9] entspringen. Abgerundet wird dieser paradiesische Ort von einem großen Pferdegestüt. Hier nun ereignet es sich, dass einer der Mönche einen Pferdezaum stiehlt, was ein Schlüsselereignis für die gesamte folgende Handlung ist: ,,Nun was vnder in ein münich, der stal aynen gar kostlichen pferds zaum (...)".[10]

Zunächst fällt auf, dass es ein scheinbar weniger wertvoller Gegenstand ist, als die Juwelen und anderen Gegenständen in dem Paradies. Auch setzt dieser Handlungsstrang im folgenden kurz aus und dieser Diebstahl erscheint zunächst wie eine nebensächliche Tatsache. Dennoch muss man konstatieren, dass eine Sünde von dem Mönch begangen wurde, deren weltlicher Wert völlig unerheblich ist, da er gegen das [7]. Gebot Gottes[11] verstoßen hat. Zur Bestrafung dieses Sünders greift nun der Teufel erstmalig (in Begleitung seines Heeres) in die Reise des Sankt Brandan ein:

,,O Brandon, du must mir den dieb hie lan! vnd mit dem nam er den münich, der den zaum gestoln hett (...) vnd furt in do enweck vber stock vnd stain vnd that im also wee, das im die diebstall wol zu sauer wart."[12]

[...]


[1] Der Einheitlichkeit wegen, werde ich im weiteren Text konsequent nur die Singularform benutzen; an den entsprechenden Stellen steht sie dann verallgemeinernd auch für die weiteren Teufel.

[2] Ein so bereits von Platon in der griechischen Antike bezeichnetes Jenseits in seiner ,, Politeia" [Politeia].

[3] Vergleiche hierzu bei Herbert Haag: Teufelsglaube. 2., durchgesehene Auflage Tübingen: Katz-mann, 1980. Seite 162

[4] In der christlichen Fachterminologie wird diese Begebenheit als ,,Apotheose" bezeichnet.

[5] a.a.O. bei Herbert Haag, Seite 164

[6] Zur Etymologie und Herleitung des Begriffs ,,Teufel" und seiner verschiedenen Ausprägungen siehe bei Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 22. Auflage, Berlin, New York: de Gruyter, 1989. Seite 728

[7] Zur Satansfunktion und -gestalt im Alten Testament siehe bei Herbert Haag, a.a.O. Seite 192 bis Seite 217.

[8] Siehe bei Rolf D. Fay (Hg.): ,,Sankt Brandan". 1. Augsburger Druck von Anton Sorg (um 1476), Stuttgart 1985. Seite 15.

[9] Eine sichtliche Umschreibung des ,,Heiligen Landes", Israel, in dem ,,Milch und Honig" fließen.

[10] Siehe bei Rolf D. Fay (Hg.), a.a.O., Seite 17.

[11] Siehe im Buch Moses des Alten Testaments: ,,Du sollst nicht stehlen"; laut www.christliche-mitte.de

[12] Siehe bei Rolf D. Fay (Hg.), a.a.O., Seite 20.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Motives der Teufel im `Sankt Brandan´
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar Reisen im Mittelalter
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
13
Katalognummer
V1084
ISBN (eBook)
9783638106696
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Untersucht das Verständnis des Motivs des Teufels im Mittelalter exemplarisch an der Reiseerzählung des Sankt Brandan. 159 KB
Schlagworte
Bedeutung, Motives, Teufel, Brandan´, Proseminar, Reisen, Mittelalter
Arbeit zitieren
Stefan Wagner (Autor), 1999, Die Bedeutung des Motives der Teufel im `Sankt Brandan´, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1084

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