Kritische theoriegeleitete Vergleichsanalyse attraktivitätssteigernder Maßnahmen der Ostseebäder Timmendorfer Strand und Scharbeutz


Hausarbeit, 2002

14 Seiten, Note: 1,75


Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Bezugsrahmen: Stadtmarketing

3 Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität in den Ostseebädern Timmendorfer Strand und Scharbeutz
3.1 Timmendorfer Strand
3.2 Scharbeutz

4 Kritische Vergleichsanalyse

5 Resümee

Literatur

1 Einleitung

Städte müssen heute immer attraktiver werden, um den Anforderungen, Erwartungen und Wünschen, die Bürger und Besucher an sie stellen, in unserer modernen Gesellschaft gerecht zu werden. Sie sind einem ständig stärker werdenden interkommunalem Konkurrenzkampf und überregionalem Wettbewerb ausgesetzt, in dem es darauf ankommt, sich möglichst stark abzugrenzen und mit einem eigenständigen Profil zu überzeugen sowie dem Bürger ein Wir-Gefühl zu vermitteln und ihm Identifikationsmerkmale zu bieten.

Diese Situation ist nicht neu und so kam es Ende der 80er Jahren zu ersten konzeptionellen Ansätzen, die es einer Stadt möglich machen sollten, insgesamt attraktiver zu werden. Man übertrug damals betriebswirtschaftliche Marketing-Mechanismen auf die Stadt, wobei man aber nicht von einer 1:1 Übertragung sprechen kann. Dieses spezielle, auf einen Ort, eine Stadt oder auch eine ganze Gemeinde zugeschnittene Marketing nennt sich 'Stadtmarketing' (vgl. Zerres, Stadtmarketing).

Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, wie Stadtmarketing – hier verstärkt auf den touristischen Teilbereich bezogen – in zwei Städten an der Ostseeküste praktiziert wird und einen analytischen Vergleich der bereits umgesetzten und für die Zukunft geplanten Maßnahmen zu ziehen. Es soll herausgefunden werden, welche Gemeinde es besser schafft, ihren Einheimischen und Gästen das Gefühl zu vermitteln, dass etwas für sie getan wird, dass eine Entwicklung stattfindet und dass es somit allen Verantwortlichen gelingt, den Ort durch attraktivitätssteigernde Maßnahmen positiv nach innen und nach außen darzustellen.

Im ersten Teil soll aufgezeigt werden, was Stadtmarketing ganz allgemein bedeutet, was es für Teilbereiche gibt, wie es angewandt wird und wie der Entwicklungsprozess aussieht. Danach werden die beiden Ostseebäder Timmendorfer Strand und Scharbeutz vorgestellt, ihre Konzepte beschrieben und die konkreten Maßnahmen aufgezeigt. Als nächstes wird anhand einiger Kriterien ein analytischer Vergleich gezogen; abschließend folgt ein Resümee.

2 Theoretischer Bezugsrahmen: Stadtmarketing

Am ehesten kann man Stadtmarketing beschreiben als den geplanten Prozess und die Summe aller Aufgaben und Aktionen, mit denen erfolgreiches Interessenmanagement im "Unternehmen" Stadt geleistet wird. Die Stadt ist aber kein Unternehmen, da sie nicht homogen aufgebaut ist und es viele verschiedene unterschiedliche Interessensgruppen gibt, die teilweise gegeneinander statt miteinander arbeiten. Des weiteren kann man Marketingmechanismen und –instrumente, die in einem Unternehmen funktionieren, nicht immer 1:1 auf die Stadt übertragen, denn es gibt neben den rein finanziellen Gesichtspunkten, die in der Wirtschaft herrschen, auch noch eine Vielzahl von kulturellen Interessen und non-profit Aspekten im allgemeinen, die Beachtung finden müssen.

Ziel eines guten Stadtmarketing ist es, eine Verbesserung der Standortqualität für die Wirtschaft, eine Erhöhung der Lebensqualität für die Bürger/Besucher, eine Steigerung der Attraktivität im Zentrum/in der Innenstadt und eine Effektivierung der Verwaltung/der Politik zu erreichen.

Diese Ziele kann man in vier Teilbereichen zusammenfassen:

- Standortmarketing,
- Tourismusmarketing,
- Citymanagement und
- Verwaltungsmarketing

Da anstehende Entscheidungen in den einzelnen Bereichen nicht einfach 'von oben' entschieden werden sollten, ist es Aufgabe und eines der größten Anliegen des Stadtmarketing, alle Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen und gemeinsam einen Konsens zu finden, der alle Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen und Ziele der Beteiligten zusammenfasst und die Vorhaben somit effizienter in die Tat umgesetzt werden können. Wenn alle Beteiligten ohne Absprache handeln, nicht miteinander kooperieren, sondern sogar kontraproduktiv agieren, kann eine Stadt niemals so attraktiv werden wie ein Konkurrent, in dem Abläufe und Verfahrensweisen durch ein ausgereiftes Plankonzept optimiert sind. Ohne Stadtmarketing oder zumindest Ansätze davon kommt es zu großen Reibungsverlusten und Doppelarbeiten, da Vorhaben und Projekte nicht richtig aufeinander abgestimmt werden können. Durch ein Marketingkonzept, welches sich in einem Leitfaden oder Leitbild niederschlägt, sind alle Gruppen zusätzlich motiviert, an der Attraktivitätssteigerung der Stadt mitzuarbeiten und zusätzlich haben alle ein schriftlich fixiertes gemeinsames Ziel vor Augen. Das Ziel ist eine ganzheitliche marktorientierte Stadtentwicklungspolitik, welche die Stadt im Wettbewerb individualisiert und profiliert. Wichtig ist dabei, dass ein Leitbild geschaffen wird, das nicht nur nach außen präsentiert wird, sondern auch von innen angenommen wird, da die Bürger dieses Konzept auch leben müssen und sich mit ihm identifizieren sollen. Die vier Teilbereiche des Stadtmarketing haben im einzelnen folgende Bedeutung:

Standortmarketing:

Die Sicherung und Neugewinnung von Betriebsstätten steht im Vordergrund, wobei hier eine Prioritätenvorgabe existieren kann. So ist es in einem Badeort kaum erwünscht, dass sich produzierendes Gewerbe ansiedelt. Ziel ist hier, Antragstellern kurze Entscheidungswege zu bieten, bestehenden Betrieben Hilfe bei Bauvorhaben und Projekten zu gewährleisten und eine feste Zusammenarbeit zu garantieren. Zum Standortmarketing gehören auch städtebauliche Entwicklungen, wie z.B. die Restaurierung von alten Gebäuden oder der Bau neuer Verkehrswege, die der Infrastruktur dienen.

Tourismusmarketing:

Ziel des Tourismusmarketing ist die Steigerung der Besucher- und Übernachtungszahlen von Privaturlaubern oder auch Geschäftsreisenden, die in die Stadt kommen, um Kongressen und Tagungen beizuwohnen. Hierbei wird eine enge Kooperation mit dem Hotel- und Gastgewerbe sowie Veranstaltern und Verkehrsträgern vorausgesetzt.

Citymarketing:

Übertragung der Marketingmechanismen auf den Innenstadtbereich, die City bzw. das Stadtzentrum. Das Zentrum wird finanziell besonders gefördert, so dass ein funktionaler, ökonomischer, kultureller und geistiger Mittelpunkt innerhalb der Stadt entsteht. Maßnahmen sind die Steigerung der Anziehungskraft des Zentrums und die Erhaltung der lebendigen Nutzungs- und Wirtschaftsvielfalt.

Verwaltungsmarketing:

Den Bürgern soll ein möglichst einfacher Ablauf von Behördengängen ermöglicht werden; dies kann sich in kurzen Wegen, direkter Anbindung der Verwaltung an gute Verkehrslage und längeren Öffnungszeiten zeigen kann. Ziel ist eine am Bürgernutzen orientierte bürgerfreundliche Politik in der Verwaltung, welche zu einem positiven Image bei den Einheimischen führt und die Stadt im Wettbewerb hervorhebt.

Der Prozess des Stadtmarketing beginnt mit der Idee, Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen und gemeinsam einen Leitfaden zu entwickeln. Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, dass bspw. eine "City-Marketing GmbH" oder ähnliches gegründet wird, wie es in einigen Städten praktiziert wird. Es genügen Arbeitsgruppen und Workshops, in denen das Konzept ausgearbeitet wird. Dies kann unter externer Leitung durch einen Moderator oder auch in Eigenregie geschehen. Es ist allerdings nicht Ziel, eine Art Nebenregierung zu den schon vorhandenen Verwaltungsinstrumenten zu bilden.

Bei der Leitbildentwicklung ist es wichtigste Aufgabe, dass ein Zielsystem erstellt wird, welches Perspektiven für die nahe Zukunft aufzeigt, jeweils mit konkreten Ideen zur Umsetzung. Das entwickelte Leitbild muss zukunftsorientiert, aber realisierbar sein, individuell, kommunizierbar und mit konkreten Maßnahmen unterlegt. Stadtmarketing und die aus dem Konzept resultierenden Zielsetzungen dürfen auf keinen Fall als kurzfristig und als abzuschließendes Projekt angesehen werden. Vielmehr muss es prozessorientiert und fortwährend sein und begleitet werden von einer ständigen Erfolgskontrolle. In einer Stadt darf es keinen Stillstand geben; somit muss das Leitbild öfter neu überdacht werden und die eigene Position überprüft werden.

Der vorstehende Abschnitt basiert weitestgehend auf dem Buch "Kooperatives Stadtmarketing" von Michael Zerres. Nachdem nun der theoretische Bezugsrahmen klargestellt wurde, soll es im folgenden darum gehen, wie vor diesem Hintergrund die entsprechenden Strategien und Maßnahmen in zwei Ostseebädern Anwendung finden.

3 Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität in den Ostseebädern Timmendorfer Strand und Scharbeutz

Die im vorherigen Kapitel beschrieben Elemente des Stadtmarketing finden auch in Timmendorfer Strand und Scharbeutz Anwendung. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass bei einer Stadt dieser Größenordnung kein Stadtmarketing wie in einer Großstadt betrieben werden kann. Dies führt dazu, dass es nicht immer möglich ist, genau zu differenzieren, welchem Teilbereich des Stadtmarketingkonzeptes nun diese oder jene Maßnahme zuzuordnen ist und die Bereiche deshalb auch nicht isoliert betrachtet werden können.

Dies soll aber auch nicht die Absicht der Arbeit sein; vielmehr wird hier der Prozess beschrieben, wie in dem jeweiligen Ort einen Leitfaden entwickelt wurde und wie dieser dann in die Tat umgesetzt wird. Vorab wird die Gemeinde vorgestellt und kurz die Ausgangssituation dargestellt.

3.1 Timmendorfer Strand

Die Gemeinde Timmendorfer Strand, mit Ortsteil Niendorf, liegt in der Lübecker Bucht an der Ostsee. Sie hat fast 9.000 Einwohner und ist stark vom Tourismus abhängig. Im Jahr 2001 verzeichnete der Ort 1,36 Mio. Übernachtungen.

Die Idee, ein stadtmarketingähnliches Konzept zu entwickeln, kam 1993. Damals beauftragte die Gemeindeverwaltung den neu gebildeten „Arbeitskreis Wirtschaftsförderung“ mit einer Sonderaufgabe: er sollte eine Abhandlung über die „Weitere Entwicklung der Wirtschaftskraft des Ortes unter besonderer Berücksichtigung des Tourismus“ anfertigen. Dieses Konzept war im Dezember 1993 fertiggestellt und bereits 1996 kam es zur zweiten Fortschreibung, die 1998 von der Verwaltung angenommen wurde. Die aktuellste dritte Fortschreibung stammt aus dem Jahr 2002 (vgl. Konzept zur Weiterentwicklung der Wirtschaftskraft der Ostseeheilbäder Timmendorfer Strand und Niendorf, 2002)

Für das zur erstellende Leitbild mit konkreten Maßnahmen und Ideen für die Zukunft wurden alle Tourismusakteure im Ort an einen Tisch geholt. Namentlich sind dies der Kurbetrieb, die Gemeindeverwaltung, der Fremdenverkehrsverein, die „Aktivgruppe Handel und Gewerbe“, der Hotel und Gaststättenverband, die Mittelständische Vereinigung und die politischen Parteien. Es wurden jeweils Vertreter jeder Interessensgruppe gewählt. Das Konzept diente nicht nur dem Ort selbst, sondern stellt vor allem die Grundlage dar für die finanzielle Förderung des Landes Schleswig-Holstein, ohne das die baulichen Vorhaben nicht umgesetzt hätten werden können.

Timmendorfer Strand hat insgesamt ein sehr gutes Image, der Tourismus im Ort hat eine hervorragende Basisqualität. Dennoch gibt es viele Konkurrenzziele im sowohl im Ausland wie auch im Inland. So sah sich der Ort wie alle Ostseebäder Anfang der 90er Jahre der neuen Konkurrenz aus Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzt. Um deshalb für die für Bürger und die Gäste attraktiver zu sein, hat sich Timmendorfer Strand in seinem Leitkonzept viele Maßnahmen überlegt und auch umgesetzt. Im einzelnen sind dies folgende, angefangen mit den baulichen Veränderungen:

- Komplette Sanierung des alten Kurmittelhaus 1991,
- Restaurierung der Trinkkurhalle, welche für Ausstellungen und Konzerte vorgesehen ist (1996),
- Bau des ersten Sea Life Centres Deutschlands, eines der größten Meerwasseraquarien an der Ostseeküste (1997),
- 1997/98 wird der zentrale Kurpark komplett renaturiert, es wird ein neues Beleuchtungssystem installiert und die Wege werden neu angelegt,
- im Winter 1998/99 Neugestaltung der Kurpromenade: Die alte Asphalt- und Betonstruktur weicht einem Mix aus Klinker, Granit, Keramik und Bronze. Die Promenade bekommt ein wellenförmiges Muster und mehrere U-Boot-artige Brunnen,
- 1999 Abriss des Rathaus am Timmendorfer Platz und Kompletter Neubau nach alten Plänen. Die Kurverwaltung zieht aus ihren provisorischen Büros im MARITIM Hotel in das neue Rathaus, welches nun auch gleichzeitig die Zimmervermittlung und die Tourist-Information enthält,
- im Mai 2000 wird der neue Brunnen am Timmendorfer Platz fertiggestellt,
- bis zur Saison 2002 wurde der letzte Teil der Strandallee gepflastert, das alte Asphaltbild weicht hier nun auch dem attraktiveren Mix wie er bei der Kurpromenade verwendet wurde,
- Timmendorfer Strand als Markenzeichen; seit 2000 wird das Seepferdchen zentral vermarktet und taucht im Zuge einer allgemeinen Corporate Identity in Prospekten, auf Briefköpfen und in den Medien sowie auf diversen Merchendisingartikeln auf,
- Für die Internetpräsentation der Gemeinde erhält die Seite www.timmendorfer-strand.de 2001 den 2. Platz des Deutschen Tourismusverbandes, Bonn,
- Die wenig beliebte Kurkarte wird unter neuem Namen als TiNi-Card vermarktet und bietet nun neben dem Zugang zum Strand einige Zusatzpunkte für die Besucher: so können sie das Niendorfer Hallenbad ebenso wie die Busse kostenlos nutzen, erhalten vergünstige Eintrittspreise im Sea Life Centre, in der Ostseetherme und im Vogelpark Niendorf.

(vgl. Pressinformationen Timmendorfer Strand – Niendorf/O., Timmendorfer Strand 2002)

3.2 Scharbeutz

Die Gemeinde Scharbeutz liegt direkt neben Timmendorfer Strand, ebenfalls in der Lübecker Bucht an der Ostsee. Sie zählt 11.500 Einwohner und zu ihr gehören neben dem Ostseeheilbad Scharbeutz noch Haffkrug und die Pönitzer Seenplatte. Wie nahezu alle Feriendomizile an der Ostseeküste ist auch Scharbeutz überwiegend vom Fremdenverkehr abhängig. Scharbeutz erzielt jährlich etwa 800.000 Übernachtungen

Bis zum Jahr 1999 gab es keine Ansätze, ein Konzept zur Bündlung der im Ort vorhandenen Kräfte und Akteure zu erstellen, um in verstärktem Maße die Attraktivität zu steigern. Deshalb wurde im März 1999 das "Tourismusforum Scharbeutz" ins Leben gerufen. Ziel war es, ein verbindliches Leitbild für den Ferienort zu erstellen um in Zukunft besser zusammenzuarbeiten. Das Wissen und das Engagement der einzelnen Interessensgruppen sollte zusammengeführt werden um aus vorhandenen Ideen und Visionen einen gemeinsamen Konsens zu finden und ein festes Konzept zu erstellen. Dazu wurde ein externes Institut, das NIT, beauftragt, welches die Moderation übernehmen sollte und die Aufgabe hatte, das neugegründete Forum bei der wissenschaftlichen Arbeit zu unterstützen. Zur besseren Differenzierung wurden vier Arbeitsgruppen gebildet, die sich jeweils mit bestimmten Themen auseinandersetzen sollten: Verkehr und Stadtbild; Gastronomie, Hotels, Gewerbe u.a. Angebote; Marketing; Kooperation und Organisation. Bis zum März 2000 wurden 3 Sitzungen abgehalten. Ab Herbst 2001 bestimmten die Gruppen jeweils einen Leiter, die gemeinsam mit dem Kurbetrieb die Leitung und die Moderation des Tourismusforums eigenständig übernahmen. Sehr interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Bürger dazu aufgerufen wurden, sich aktiv an dem Forum zu beteiligen. Im Jahr 2000 gab es Flyer, die an die örtlichen Haushalte verteilt wurden, in denen die Arbeit des Projekts vorgestellt wurde und unter dem Tenor "Gemeinsam führen wir unsere Region zum Erfolg" darum gebeten wurde, Vorschläge zu machen. Konkrete Maßnahmen in Scharbeutz:

- 1992 wurde direkt an der Ortsgrenze zu Timmendorf die Ostsee Therme gebaut, ein großes Freizeitbad mit angeschlossener Saunalandschaft,
- Bis zum Anfang der Saison 2002 wurde die Kurpromenade komplett neugestaltet, mit besonderer Berücksichtigung der Inlineskater und Radfahrer, die nun auf dem neuen Material wesentlich besser fahren können,
- Die Radwege in der Gemeinde wurden renoviert, der Weg von der Promenade in Richtung Timmendorf bis zur Ostsee Therme ist nun auch für Inlineskater sehr viel attraktiver geworden. Außerdem wurde die Breite so gewählt, dass die in Scharbeutz erhältlichen "3-Räder" (Tretmobile) uneingeengt fahren können,
- Der Kurpark, welchen an die Promenade anschließt, wurde ebenfalls umgestaltet, hier wurden einige Wege erneuert und gepflastert. Des weiteren gibt es nun einen Rastplatz für Radfahrtouristen,
- Das alte Meerwasserwellenbad, welches vor einigen Jahren aufgrund der finanziell schlechten Situation stillgelegt werden musste, wurde 2001 neu genutzt: ein Investor hatte für dort bis Anfang 2002 eine große "Indoor-Sandkiste" aufgebaut,
- In der Nähe des Hamburger Rings entsteht derzeit ein Fachmarktzentrum, welches den Bürgern einige neue Einzelhandelsmärkte bringen wird,
- Bis Ende diesen Jahres soll der Neubau des Bürgerhauses bezugsfertig sein. Die Verwaltung, bislang in Behelfsgebäuden untergebracht, und die Kurverwaltung, bislang im Kurpark angesiedelt, werden hier unter einem Dach zu finden sein. Gleichzeitig soll dies auch ein neues Ortszentrum darstellen, was im Ort bisher nie klar erkennbar war.

(vgl. Touristisches Leitbild der Tourismusgemeinde Scharbeutz, Scharbeutz 2000)

4 Kritische Vergleichsanalyse

Der nun folgende Vergleich greift konkrete Maßnahmen aus dem vorherigen Kapitel auf, setzt sich aber auch mit bisher nur geplanten und noch nicht umgesetzten Ideen auseinander und versucht dabei, kritisch und analytisch auch eigene Vorschläge zur Attraktivitätssteigerung einzubringen.

Um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten werden hier die theoretischen Kriterien aus dem Stadtmarketing herangezogen. Diese sind im einzelnen: Verwaltung, Infrastruktur, Tourismus, Innenstadt. Die Infrastruktur wurde in Verkehr und Parkplätze sowie Handel und Gewerbe aufgeteilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Scharbeutz will sich mit dem neuen Bürgerhaus – der Name ist Programm – ein sehr bürgerfreundliches Image verschaffen; viele Wege sollen in einem einzigen Gang zusammengeführt werden. Der Tresen im Eingangsbereich vermittelt ein Gefühl von Service – weg von der Angebots- hin zur Nachfrageorientierung. In Timmendorf gibt sich das Rathaus noch sehr bürokratisch.

Um attraktiver zu werden müssten beide Gemeinden eine gemeinsame Lösung für Radfahrer finden, da es oft auf Unverständnis stößt, dass kein Radweg an der Küste entlang führt. In Scharbeutz ist man in diesem Punkt weiter als in Timmendorf, da man dort am Meer entlang fahren kann. Man wird sehen, wie sich die Öffnung der Promenade für Radfahrer auswirken wird, zumal noch keine räumliche Trennung von Fußweg und Radweg vorgesehen ist. Hier ist Nachholbedarf gegeben, falls sich die Freigabe als dauerhafte Einrichtung bewähren sollte. Die neue Promenade und die Radwege in Scharbeutz locken viele Inlineskater an; diese Maßnahmen haben also zu einer erheblichen Attraktivitätssteigerung beigetragen. Dies könnte aber auch negative Nebenerscheinungen haben und auf Kosten der Fußgänger gehen.

Ein Parkplatzproblem haben beide Orte, und die Rufe nach mehr Parkmöglichkeiten werden immer wieder in der Hochsaison laut. Hierbei ist aber immer zu beachten, dass sich mehr Plätze nur dann lohnen, wenn diese auch in der Nebensaison genutzt werden. Timmendorf verfolgt einen guten Weg mit einem Parkleitsystem für die kommende Saison, da immer noch viele Besucher bspw. den Weg zum Sea Life Center gar nicht oder nur schwer und erst auf Nachfrage finden.

Timmendorf ist in der Nebensaison vor allem durch Tagungsgäste stark frequentiert, da hier schon früh auf dieses Standbein gesetzt wurde. In Scharbeutz ist dagegen nur ein Hotel vorhanden, so dass dieses Marktsegment unterrepräsentiert ist. Das neue Hotel direkt neben der Ostsee Therme könnte Abhilfe schaffen, sofern es positiv aufgenommen wird und die Nachfrage vorhanden ist. Die geplante Wasserskianlage wird, gute Werbung vorausgesetzt, viele neue jugendliche Gäste ansprechen; in Zukunft sollte Scharbeutz stärker auf Sportevents setzen. Die Beachvolleyball Meisterschaft in Timmendorf hat gezeigt, dass neue Zielgruppen gewonnen wurden, ohne jedoch dabei andere zu verdrängen.

Im Innenstadtbereich liegt Timmendorf klar vorne, was auch am kleineren Einzugsgebiet des Ortes liegt. Das Zentrum ist klar erkennbar und sowohl in der Haupt- als auch in der Nebensaison bei Gästen wie Besuchern gleich beliebt. Scharbeutz hat bisher kein echtes Ortszentrum; dies sollte durch das neue Bürgerhaus aber ausgeglichen werden Der Einzelhandel besteht in Timmendorfer Strand vorwiegend aus kleineren Läden und Boutiquen im Zentrum, die alle ganzjährig gut besucht sind. Hier hat Scharbeutz erheblichen Nachholbedarf, die Kurpromenade mit ihren diversen Geschäften ist nur im Sommer attraktiv.

5 Resümee

Beide Orte sind sehr bemüht sind, ihre Attraktivität zu steigern. Timmendorfer Strand schafft es auf das ganze Jahr bezogen besser, den Ort mit Leben zu füllen, was auch definitiv mit dem schon als sehr gut zu bezeichnenden Image zu begründen ist. Scharbeutz dagegen ist über die Region heraus eher weniger bekannt und viele Urlauber assoziieren die Ostsee mit Timmendorf. Beide Orte sprechen verschiedene Zielgruppen an; dies ist grundsätzlich nicht falsch Um im Wettbewerb bestehen zu können, muss Scharbeutz allerdings neben den Familien mit Kindern verstärkt auf Tagungs- und Kongressgäste setzen. Dabei sollte es nicht versuchen, ein "zweites Timmendorf" zu werden, sondern bemüht sein, seine Stärken besser zu profilieren. Mit dem Tourismusforum ist ein Schritt in die richtige Richtung gelungen, wenn das daraus entstandene Konzept nun tatkräftig umgesetzt wird. Timmendorf hat neben den Familien mit Kindern andere Standbeine und wird von einem zahlungskräftigen Klientel besucht, wobei dies nicht nur in der Hauptsaison der Fall ist. Dennoch hat auch Timmendorfer Strand noch Defizite; dies betrifft etwa die Parkplatzsituation. Der Ort sollte sich ein Beispiel am neuen Scharbeutzer Bürgerhaus nehmen, denn nicht nur für die Touristen muss ein Ort attraktiv sein und langfristig bleiben, sondern vor allem auch für die Einheimischen.

Literatur

2. Forschreibung des Konzeptes zur Weiterentwicklung der Wirtschaftskraft der Ostseeheilbäder Timmendorfer Strand und Niendorf unter besonderer Berücksichtigung des Fremdenverkehrs, Gemeindeverwaltung Timmendorfer Strand 2002

Pressinformationen Timmendorfer Strand – Niendorf/O., Kurverwaltung Timmendorfer Strand 2002

Touristisches Leitbild der Tourismusgemeinde Scharbeutz, Gemeindeverwaltung Scharbeutz 2000

Zerres, Michael, Kooperatives Stadtmarketing, Kohlhammer, Stuttgart u.a. 2000

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Kritische theoriegeleitete Vergleichsanalyse attraktivitätssteigernder Maßnahmen der Ostseebäder Timmendorfer Strand und Scharbeutz
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Veranstaltung
Interdisziplinärer Grundkurs
Note
1,75
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V108642
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wurde in dem Kurs "Interdisziplinärer Grundkurs" geschrieben, an der HWP stellt der dieser Kurs zu Anfang des Studiums (1. und 2. Semester) einen Grundkurs dar, der mit einer Hausarbeit abgeschlossen wird.
Schlagworte
Kritische, Vergleichsanalyse, Maßnahmen, Ostseebäder, Timmendorfer, Strand, Scharbeutz, Interdisziplinärer, Grundkurs
Arbeit zitieren
Hanno Terveen (Autor), 2002, Kritische theoriegeleitete Vergleichsanalyse attraktivitätssteigernder Maßnahmen der Ostseebäder Timmendorfer Strand und Scharbeutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108642

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kritische theoriegeleitete Vergleichsanalyse   attraktivitätssteigernder Maßnahmen der Ostseebäder   Timmendorfer Strand und Scharbeutz



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden