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"Seelenmagie". Zur ästhetischen Gestaltung und Funktion einer Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII von Thomas Manns Roman "Doktor Faustus" (1947)

Title: "Seelenmagie". Zur ästhetischen Gestaltung und Funktion einer Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII von Thomas Manns Roman "Doktor Faustus" (1947)

Scientific Essay , 2003 , 35 Pages

Autor:in: Hartmut Woldeit (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Gegenstand der Arbeit ist die Ausweisung und Untersuchung einer
Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII des Romans „Doktor Faustus“. Durch Anwendung tiefenpsychologischer Erkenntnisse der Freud-Schule wird gezeigt, daß die Emotionalisierungsstrategie über ihre identifikatorische Leserwirkung hinaus auch Ausdruck eines
neurotischen Komplexes der Erzählerfigur des Romans -Dr. Serenus Zeitblom- ist. In einem Exkurs wird die Hauptfigur von Kapitel XIII, der Privatdozent Dr. Schleppfuß, analysiert. Schließlich wird im
Rahmen des für die vorliegende Untersuchung grundlegenden kommunikativen Dreiecks Autor-Werk-Leser das rezeptionsästhetische Kalkül Thomas Manns aufgezeigt, mittels der Emotionalisierungsstrategie einen groben Kunstfehler in der Gestaltung der Romanfigur Dr. Schleppfuß zu verhüllen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Noch eine Arbeit zum „Doktor Faustus“?

Abschnitt A

A 1. Die Ausgangskonstellation: Roman versus Biographie

A 1.1. Die ästhetische Zwickmühle; Durchführung der Untersuchung

Abschnitt B

B 1. Thomas Manns Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII

B 1.1. Leserwirkung I

B 1.2. Mehrdeutige Anführungszeichen

B 1.2.1. ›unvermögend‹/›Unvermögen‹: Anführungszeichen zwischen Zitationskennzeichen, Distanzierungsmerkmal und Markierung einer Bedeutungsaufhebung

B 1.2.2. Leserwirkung I (Fortsetzung und Schluß)

B 1.3. Zur psychoanalytischen Aufklärung der Anführungszeichen

B 1.3.1. Zeitbloms Verwendung von Anführungszeichen beim Nomen ›Unvermögen‹ als Indiz einer unbewußten Zwangshandlung

B 1.3.2. Zeitbloms Perspektivenwechsel und dessen Funktionen

B 1.4. Zwischenfazit, Reflexion und Hinweise zum weiteren Gang der Arbeit

B 1.5. Zeitbloms Wiedergabe von Schleppfuß’ Erläuterungen zum Fall Klöpfgeißel

B 1.5.1. Zur Leserwirkung von Dr. Schleppfuß

B 1.5.2. Zeitbloms Resümee zur Vorlesung des Dr. Schleppfuß

B 1.6. Exkurs: Dr. Schleppfuß als Künstlerfigur

B 1.6.1. Vertiefung der Analyse: Schleppfuß’ Vorlesung als Ausdruck intellektualisierten Sadismus

Abschnitt C

C 1. Die Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII als Verhüllung eines Kunstfehlers

C 1.1. Zum Verhältnis von Emotionalisierungsstrategie und Zeitbloms Impotenz-Komplex

C 1.1.1. Professor Kegel: Zur interpretatorischen Bedeutung einer unauffälligen Nebenfigur

C 1.1.2. Zeitbloms Verwendung eines unpraktischen Schreibgerätes beim Abfassen der Biographie als frühe Andeutung seiner Neurose

Abschnitt D

D 1. Schlußüberlegungen: Warum hat Thomas Mann auf die Figur des Dr. Schleppfuß nicht verzichtet?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die in Kapitel XIII von Thomas Manns „Doktor Faustus“ eingebettete Emotionalisierungsstrategie. Ziel ist es, nachzuweisen, dass diese Strategie über ihre Wirkung auf den Leser hinaus als Ausdruck eines neurotischen Komplexes des Erzählers Dr. Serenus Zeitblom dient und gleichzeitig einen künstlerischen Fehler in der Gestaltung der Figur Dr. Schleppfuß verdecken soll.

  • Analyse der Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII
  • Anwendung tiefenpsychologischer Erkenntnisse auf die Erzählerfigur Zeitblom
  • Untersuchung der Figur Dr. Schleppfuß als Künstlerfigur
  • Analyse des kommunikativen Dreiecks Autor-Werk-Leser
  • Aufdeckung von Kompensationsmechanismen bei Thomas Manns Figuren

Auszug aus dem Buch

B 1.3.1. Zeitbloms Verwendung von Anführungszeichen beim Nomen ›Unvermögen‹ als Indiz einer unbewußten Zwangshandlung

Die verwegene Behauptung, der Biograph sei psychisch nicht in der Lage gewesen, seine Setzung von Anführungszeichen bzw. seine Distanzierungsabsicht angemessen zu reflektieren, läßt sich mittels einer anderen Textstelle des „Doktor Faustus“ erhärten. Die interessierende Textstelle handelt von Vater Leverkühn und der „geistlichen Tendenz seiner Lektüre“ (S. 22):

An Winterabenden, wenn draußen sein Erb und Eigen verschneit ruhte, sah man ihn lesen, vornehmlich in einer umfangreichen, in gepreßtes Schweinsleder gebundenen und mit ledernen Spangen zu verschließenden Erb-Bibel, die um 1700 mit herzoglicher Befreiung zu Braunschweig gedruckt worden war und nicht nur die »Geist-reichen« Vorreden und Randglossen D. Martin Luthers, sondern auch allerlei Summarien, locos parallelos und jedes Kapitel erläuternde historisch-moralische Verse eines Herrn David von Schweinitz mit einschloß. (S. 21)

Der barocke Untertitel der Bibelaugabe wurde vom Biographen offenbar gekürzt und auch nicht in korrekter Zitierweise wiedergegeben. Lediglich das Attribut zu Luthers „Vorreden und Randglossen“ erweckt den Anschein eines Zitats. Ist es das aber wirklich, und warum hat es Zeitblom -der ehemalige Gymnasiallehrer und Träger eines Doktortitels- dann unterlassen, seine weiteren Übernahmen zu kennzeichnen?

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Noch eine Arbeit zum „Doktor Faustus“?: Der Autor begründet die Notwendigkeit einer weiteren Untersuchung und positioniert diese in der Tradition der freudianischen Literaturpsychologie.

A 1. Die Ausgangskonstellation: Roman versus Biographie: Es wird die erzählerische Grundsituation des Romans beleuchtet, in der zwei widerstreitende Textsorten aufeinandertreffen.

A 1.1. Die ästhetische Zwickmühle; Durchführung der Untersuchung: Das Kapitel definiert den Konflikt in Kapitel XIII als Ausgangspunkt für die Untersuchung der Emotionalisierungsstrategie.

B 1. Thomas Manns Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII: Die Analyse konzentriert sich auf die sprachliche und wirkungsästhetische Gestaltung der Anekdote um Klöpfgeißel.

B 1.1. Leserwirkung I: Es wird untersucht, wie die rhetorische Gestaltung Zeitbloms darauf abzielt, die kritische Reflexion des Lesers zu unterdrücken.

B 1.2. Mehrdeutige Anführungszeichen: Die Funktion der Anführungszeichen als Mittel der Distanzierung oder Zitation wird hinterfragt.

B 1.2.1. ›unvermögend‹/›Unvermögen‹: Anführungszeichen zwischen Zitationskennzeichen, Distanzierungsmerkmal und Markierung einer Bedeutungsaufhebung: Eine detaillierte Analyse der sprachlichen Zeichensetzung in Bezug auf das Unvermögens-Motiv.

B 1.2.2. Leserwirkung I (Fortsetzung und Schluß): Die kognitive und emotionale Verarbeitung der Anführungszeichen durch den Leser wird vertieft.

B 1.3. Zur psychoanalytischen Aufklärung der Anführungszeichen: Eine psychoanalytische Deutung der Distanzierung als Abwehrmechanismus wird eingeführt.

B 1.3.1. Zeitbloms Verwendung von Anführungszeichen beim Nomen ›Unvermögen‹ als Indiz einer unbewußten Zwangshandlung: Anhand einer Vergleichsstelle zu Vater Leverkühn wird die Zwangshandlung des Biographen belegt.

B 1.3.2. Zeitbloms Perspektivenwechsel und dessen Funktionen: Der Perspektivenwechsel wird als Mittel zur Identifikationssteuerung der Leserschaft identifiziert.

B 1.4. Zwischenfazit, Reflexion und Hinweise zum weiteren Gang der Arbeit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und mit Hinweisen zur literaturwissenschaftlichen Forschung untermauert.

B 1.5. Zeitbloms Wiedergabe von Schleppfuß’ Erläuterungen zum Fall Klöpfgeißel: Die Analyse der Darstellung der Schleppfuß-Vorlesung durch Zeitblom.

B 1.5.1. Zur Leserwirkung von Dr. Schleppfuß: Untersuchung der gemischten Rezeptionswirkung von Irritation und Faszination.

B 1.5.2. Zeitbloms Resümee zur Vorlesung des Dr. Schleppfuß: Die Deutung des Begriffs „Bedenklichkeit“ im Kontext der Charakterisierung des Dozenten.

B 1.6. Exkurs: Dr. Schleppfuß als Künstlerfigur: Die Interpretation von Schleppfuß als narzisstische Künstlerfigur.

B 1.6.1. Vertiefung der Analyse: Schleppfuß’ Vorlesung als Ausdruck intellektualisierten Sadismus: Die Vorlesung wird als psychodynamische Kompensation und Ausdrucksadalität gedeutet.

C 1. Die Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII als Verhüllung eines Kunstfehlers: Das Kapitel argumentiert, dass die Emotionalisierung als Camouflage für ein narratives Dilemma dient.

C 1.1. Zum Verhältnis von Emotionalisierungsstrategie und Zeitbloms Impotenz-Komplex: Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen den ästhetischen Mitteln und der Psyche des Erzählers.

C 1.1.1. Professor Kegel: Zur interpretatorischen Bedeutung einer unauffälligen Nebenfigur: Eine Analyse von Zeitbloms Fehlleistung hinsichtlich seiner Studienzeit in Halle.

C 1.1.2. Zeitbloms Verwendung eines unpraktischen Schreibgerätes beim Abfassen der Biographie als frühe Andeutung seiner Neurose: Die symbolische Deutung der Feder als Ersatzhandlung.

D 1. Schlußüberlegungen: Warum hat Thomas Mann auf die Figur des Dr. Schleppfuß nicht verzichtet?: Abschließende Betrachtung zur künstlerischen Intention hinter der „unglücklichen“ Figur.

Schlüsselwörter

Doktor Faustus, Thomas Mann, Serenus Zeitblom, Dr. Schleppfuß, Emotionalisierungsstrategie, Psychoanalyse, Freud, Impotenz, Literaturpsychologie, Anführungszeichen, Abwehrmechanismus, Klöpfgeißel, Hexerei, Intellektualisierung, Neurose.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die sprachliche Gestaltung und psychologische Funktion von Textstellen in Kapitel XIII des Thomas Mann-Romans „Doktor Faustus“ unter Anwendung freudianischer Psychoanalyse.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Emotionalisierungsstrategien des Erzählers Zeitblom, die Aufdeckung seines Impotenz-Komplexes sowie die Charakterisierung der Figur Dr. Schleppfuß als künstlerisches Rollenspiel.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist der Nachweis, dass die Emotionalisierung in Kapitel XIII nicht nur als Erzählmittel dient, sondern einen neurotischen Abwehrmechanismus von Zeitblom kaschiert und einen Kunstfehler in der Figurengestaltung verschleiert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Verwendet wird die literaturpsychologische Interpretation in der Tradition der Freud-Schule, ergänzt durch sprachanalytische und rezeptionsästhetische Ansätze.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Sprach- und Wirkungsanalyse der Anführungszeichen, den Exkurs zur Künstlerfigur Schleppfuß und die Untersuchung der psychischen Disposition des Erzählers Zeitblom anhand spezifischer Textbelege.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Emotionalisierungsstrategie, Impotenz-Komplex, Intellektualisierung, Abwehrmechanismus, narzisstische Kompensation und erzählerische Camouflage.

Warum spielt der „Impotenz-Komplex“ bei Zeitblom eine so große Rolle?

Der Autor argumentiert, dass Zeitbloms zwanghafte Verwendung bestimmter Symbole (wie Feder oder Anführungszeichen) unbewusste Versuche sind, seine als unerträglich empfundene Potenzstörung zu verdrängen.

Wie wird die Figur Dr. Schleppfuß psychologisch eingeordnet?

Schleppfuß wird nicht nur als Theologiedozent, sondern als „Künstlerfigur“ interpretiert, die durch intellektualisierten Sadismus und narzisstische Selbstbespiegelung versucht, das Publikum zu überwältigen.

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Details

Title
"Seelenmagie". Zur ästhetischen Gestaltung und Funktion einer Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII von Thomas Manns Roman "Doktor Faustus" (1947)
Author
Hartmut Woldeit (Author)
Publication Year
2003
Pages
35
Catalog Number
V108834
ISBN (eBook)
9783640070251
ISBN (Book)
9783640860258
Language
German
Tags
Seelenmagie Gestaltung Funktion Emotionalisierungsstrategie Kapitel XIII Thomas Manns Roman Doktor Faustus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hartmut Woldeit (Author), 2003, "Seelenmagie". Zur ästhetischen Gestaltung und Funktion einer Emotionalisierungsstrategie in Kapitel XIII von Thomas Manns Roman "Doktor Faustus" (1947), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/108834
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