Betrachtung Amerikas aus interkultureller Sicht und Darstellung an Hand eines internationalen Seminars


Hausarbeit, 2002

23 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beschreibung des Seminars

2. Der Kulturbegriff

3. Die amerikanische Kultur, ein allgemeiner Überblick

4. Die ausgewählten Kulturstandards im Seminar
4.1 Allgemeiner Hintergrund zum amerikanischen Bildungssystem
4.2 Kulturstandard Gleichheitsdenken
4.2.1 Auftreten von Gleichheitsdenken im Seminar
4.3 Kulturstandard Handlungs – und Leistungsorientierung
4.3.1 Handlungs – und Leistungsorientierung im Seminar
4.4 Kulturstandard Gelassenheit
4.4.1 „Easy-Going“ – Mentalität im Seminar
4.5 Kulturstandard Interpersonale Distanz
4.5.1 Auftreten interpersonaler Distanzen im Seminar
4.6 Kulturstandard Individualismus
4.6.1 individualistische Verhaltensweisen im Seminar
4.7 Kulturstandard Patriotismus
4.7.1 Patriotismus im Seminar

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

1. Beschreibung des Seminars

Das im Folgenden beschriebene Interkulturelle Seminar befasst sich mit der Nutzung der Antarktis und dem damit verbundenen Vertrag von 1961. Das Seminar findet in den USA statt und wird ebenfalls von einem Amerikaner, namentlich Professor Ford, geleitet. Das Plenum setzt sich aus verschiedenen Schülern zusammen, welche in ihrer geographischen Herkunft kaum unterschiedlicher sein können.

Die Teilnehmer sind Simon aus Südafrika, Esteban aus El Salvador, Mariko aus Japan, Katja aus Russland, Ming aus der V.R.China sowie Amy, Johanna und Charlie aus den Vereinigten Staaten von Amerika.

Das Ziel dieser Arbeit ist es die kulturellen Aspekte Amerikas offenzulegen, die in jenem Seminar durch die Personen Amy, Johanna und Charlie vertreten werden. Die Person des Seminarleiters werde ich in meine Untersuchung nicht mit einbeziehen, da er als Autoritätsperson und Leiter in Bezug auf Äußerungen und Verhalten vorbehalten ist. Daraus ergibt sich eine zu umfangreiche und detaillierte Analyse seiner Person, auf die ich verzichten möchte. Ein weiteres Bestreben besteht darin die amerikanische Kultur in ihrer Vielfältigkeit, unter dem Verhalten der Amerikaner ausreichend zu beschreiben und ein mögliches Profil zu erstellen. Da diese Profilerstellung in keiner Weise allgemeingültig gefasst werden kann, sollen die Seminarteilnehmer die Profilvorbilder sein. Zu Beginn meiner Ausarbeitung werde ich den Begriff Kultur klar definieren, um etwaigen Verzerrungen vorzubeugen und werde im Anschluss die grundlegenden kulturellen Eigenschaften Amerikas überschaubar darstellen, sowie im weiteren einige Kulturstandards detaillierter hervorbringen und jene dann ins Verhältnis mit den Teilnehmern des Interkulturellen Seminars setzen. Hierbei kann es vorkommen das Ausdrücke oder Verhaltensweisen mehrmals in unterschiedlichen Kulturstandards erhoben werden, was die Begründung nach sich zieht, dass keine genaue Interpretation der Ausdrücke möglich ist und zum Teil mehrere Standards im Einklang miteinander das Verhalten oder die Ausdrucksformen des Einzelnen beeinflussen. Die Belegung der Ausdrücke wird sich hauptsächlich auf das in Deutsch übersetzte Skript beziehen, um eine bessere Nachvollziehbarkeit sicherzustellen.

2. Der Kulturbegriff

Der Kulturbegriff als solcher ist für viele Wissenschaftler bereits die Grundlage zur Diskussion. Das damit aufgeworfene Problem ist die fehlende Existenz einer allgemeingültigen, einheitlichen und klaren Definition von Kultur. Daraus folgt, dass jeder, der von Kultur spricht seine eigene Definition offenbaren muss, damit keinerlei Unverständnis oder Verzerrung entsteht. Ein Lexikon beschreibt Kultur, in Zusammenhang mit dem Thema, wie folgt: „... 3 Gesamtheit der geistigen u. künstlerischen Ausdrucksformen eines Volkes,...,4 geistige u. seelische Bildung, verfeinerte Lebensweise, Lebensart.“[1]

Diese Definition beschreibt den Begriff zwar relativ genau, aber vor allem der 2.Teil des Zitats schützt nicht vor der Einordnung in ein Wertesystem. Das bedeutet, dass es Mitgliedern einer westliche Kultur schwer vorstellbar sein kann, die Bräuche und Wertvorstellung, beispielsweise eines afrikanischen Urvolks, als „verfeinert“ anzusehen. Um diesen Irrtümern vorzubeugen hält sich die folgende Arbeit an die Beschreibung von Gerhard Maletzke, welcher folgendermaßen schreibt: „ Wenn im folgenden von Kultur die Rede ist, dann immer im Sinne der modernen Kulturanthropologie: In der Kulturanthropologie ist Kultur im wesentlichen zu verstehen als ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen, Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden.“[2] Dieser Definition, welche zwar immer noch verschiedene Vorstellungen beinhaltet, ist die folgende Arbeit angelehnt, und versucht eben dieser auch gerecht zu werden. Im weiteren ist die Ausprägung einer Kultur in unterschiedliche, aber bestimmte, Charakteristika Bestandteil der Exploration. Diese Arbeit wird sich in diesem Punkt des Begriffes des „Kulturstandards“ bedienen. Der Begriff wurde von Herrn Alexander Thomas entscheidend geprägt. Als Professor der Universität Regensburg im Fachgebiet Kultur – und Organisationspsychologie beschreibt er, zu welcher Hilfe Kulturstandards herangezogen werden. „ Mit Hilfe sogenannter „Kulturstandards“ sollen eine angemessene Interpretation und Bewertung von Handlungen und Reaktionen amerikanischer Interaktionspartner ermöglicht und Verständnis für die in den USA geltenden Norm-, Wert- und Verhaltensvorstellungen entwickelt werden.“[3]

3. Die amerikanische Kultur, ein allgemeiner Überblick

Die Kultur Amerikas beruht im Wesentlichen darauf, dass Amerika ein Einwanderungsland war und immer noch ist. Viele verschiedene Kulturen hatten und haben Einfluss auf die Amerikaner. So stammen die Vorfahren der Amerikaner zum Großteil aus den Kontinenten Europa, Asien und Südamerika. Allein die interkontinental umfassenden Kulturunterschiede zeigen eine so starke Gradwanderung in Bezug auf das Verhalten der Menschen, so dass ein Zusammenleben kaum möglich erscheint. Füge man hier nun auch noch die intrakontinentalen Unterschiede auf, so erhält man ein schier undurchdringbares System aus Menschengruppen, welche alle unterschiedliche Wege gehen. Somit ist die Kultur Amerikas als einmalig zu betrachten, wie auch in folgender Ausführung: „Mit der Ablehnung einer ethnischen Auffassung unterstrich Amerika wieder das Gefühl seiner Einmaligkeit: die Kreuzung so vieler Stämme musste wohl einen wertvolleren, stärkeren Stamm hervorgebracht haben, den Amerikaner als den neuen Menschen. Selbst wenn er nicht neu war, so stellte er wenigstens das konzentrierteste Destillat der Gesamtmenschheit dar – auch in diesem Sinne war Amerika einmalig.“[4] In Übereinstimmung damit steht auch die hohe Bedeutung der Unabhängigkeitserklärung von 1783. Diese Erklärung beinhaltet das Ende Amerikas als Kolonie Englands, und gilt als Gründungsdokument nicht nur einer Nation, sondern auch einer Kultur. Im folgenden werde ich nur noch geringfügig auf die geschichtliche Entwicklung der Kultur eingehen. Es soll nun dargestellt werden, wie die Kultur der USA in der heutigen Zeit, im allgemeinen Sinne ausgeprägt ist.

Es soll damit begonnen werden eine übergeordnete Verschiedenheit auf geistiger Ebene aufzuzeigen. Hierzu ist folgende Ausführung überaus darstellend: „Amerika hat zweifellos seine großen und charakteristischen Tugenden: einen unvergleichlichen Grad von natürlicher Generosität, einen ungeheuren, man möchte fast sagen: unerschöpflichen Vorrat an gutem Willen, es hat seine geschichtliche Jugend und Experimentierlust.“[5]

Diese Ausführung birgt mehrere kulturelle Eigenschaften Amerikas in sich. Amerika ist gebunden an Geschwindigkeit. Dieses ist in geschichtlichem Kontext durch die erst späte Besiedelung des Kontinentes und die damit einhergehende autoritätslose Einwanderung und Vereinnahmung des Landes zu begründen. Der geschichtliche Kontext bestimmt damit die hohe Einstellung von Amerikanern zur Arbeit und damit zur Leistung. Zum Bereich der Leistungsorientierung wird im weiteren Verlauf eingegangen. Ausdrucksvoll ist das mit der Besiedelung einhergehende Motto „Wer zuerst kommt malt zuerst“, welches sich im modernen Kapitalismus zum Motto „Zeit ist Geld“ wandelte.[6] Aus dieser Entwicklung ist das heutige kulturelle Zeit - und Arbeitsgefühl entstanden. Zum Zeitverständnis Amerikas ist auszuführen, dass Amerika ähnlich wie Deutschland einer monochronischen Zeiteinteilung folgt, mit dem Unterschied, dass diese nicht so stark wie etwa in Deutschland ausgeprägt ist. Der Amerikaner gelten jedoch trotzdem nicht als hektisch oder gar unorganisiert, eher als in Eile.. Diesen Punkt begünstigt aber in vollem Masse die gelassene Einstellung der Amerikaner und die damit einhergehende flexible Planungsgestaltung. Dennoch ist der Amerikaner auf Grund seiner Geschichte ein sehr zeitlich beengter Mensch, da die oben bereits erwähnte Devise „Zeit ist Geld“ das alltägliche Leben bestimmt. „ Auf jede Frage wollen sie möglichst schnell eine Antwort, für jedes Problem möglichst schnell eine Lösung. Auf Entscheidungen lange zu warten sind sie nicht gewohnt.“[7] Zum amerikanischen Bezug zur Arbeit ist, eng mit dem Zeitgefühl verbunden, auf geschichtlichen Kontext zu verweisen, welcher sich in dem Gefühl der situativen, ökonomischen Freiheit ausgeprägt. Dieses Gefühl steuert, in Zusammenwirkung mit der später betrachteten Leistungsorientierung, das Arbeitsleben aufs Äußerste. Der Amerikaner wird vom sogenannten „self-made man“ - Gedanken getrieben. Diese Einstellung beinhaltet einen sehr hohen Grad an Aufopferung für die Arbeit. In diesem Zusammenhang stehen natürlich die, im Gegensatz zu Deutschland, nur gering vorhandene soziale Absicherung, aber dem ist als Kontroverse hinzuzufügen, dass Amerikaner von sich aus diese Einstellung haben und nicht die geringfügige soziale Absicherung als Grund für ihr arbeitsames Verhalten gelten kann. Die amerikanische Auffassung besteht darin, dass jeder einzelne die Möglichkeit hat einen hohen sozialen Status zu erreichen.[8] Zum Bereich der Arbeit ist nachstehend noch die sehr häufig anzutreffende Teamarbeit zu erwähnen. Diese Teamarbeit unterstützt das amerikanische Verhalten Dingen offen gegenüber zutreten am Besten. Dagegen sind hierarchische bzw. autoritäre Führungsstile weniger beliebt, da diese den Gleichheitssinn einschränken. Zum Gleichheitsdenken wird ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt Stellung genommen. In diesem Zusammenhang ist auch der ständige Wandel Amerikas aufzuführen. Dieser Wandel entspricht dem Wandel des Menschen in seiner Arbeitswelt. Einem Amerikaner fehlt es oft an der Fähigkeit seine Leistung zu genießen, er findet es befriedigender noch eine Stufe auf der Karriereleiter hinauf zu klettern, als sich auf der geraden eben erreichten Stufe auszuruhen. Betriebsamkeit beeinflusst seine Identität mehr als Familie und Gemeinschaft und wenige sind fähig, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Puritanische Werte dominieren immer noch.

In einer Statusgesellschaft demonstrieren die Leute ihre Stellung, ihre Würde und Sicherheit, indem sie einen bestimmten Platz in der Gesellschaft einnehmen. Amerikanern hingegen wird beigebracht, dass sie sich ständig behaupten müssen und nicht auf ihrem angestammten Platz verharren können. Das kann sich in harter Arbeit und cleveren Ideen positiv auswirken, kann sich aber auch als ständige Unzufriedenheit bemerkbar machen. Da der Amerikaner immer bemüht ist seine Stellung zu verbessern, identifiziert er sich nie völlig mit einer Gruppe. Der Kulturstandard Individualismus beschreibt dieses im späteren Ablauf genauer.

Nächster Bearbeitungsgegenstand soll das Raumgefühl der Amerikaner beschrieben werden. Für europäische Verhältnisse nimmt Amerika eine unvorstellbare Größe an. Auch kann diese große lokale Dislozierung eng mit dem offenen und freundlichen Verhalten der amerikanischen Bevölkerung in Zusammenhang gebracht werden. Das Verhältnis zum Raum gestaltet sich auch in Bezug auf die Privatsphäre und die Intimsphäre sehr eindeutig. So ist die gegenseitige Hilfe und Freundschaft zwischen Nachbarn als allgemeingültig anzusehen. Ebenso ist die Einhaltung der Intimsphäre eher als nicht vorgeschrieben zu betrachten. Bei Unterhaltungen nehmen Amerikaner einen näheren personellen Abstand zueinander ein, als z.B. wir Deutschen.

[...]


[1] In: Wahrig-Burfeind: Fremdwörterlexikon (2002), S. 519

[2] In: Maletzke: Interkulturelle Kommunikation (1996), S. 16

[3] In: Müller/Thomas: Studienhalber in den USA (1995), S. 10

[4] In: Lerner: Amerika Wesen und Werden einer Kultur (1960), S.36

[5] In: Freund: Zum Verständnis des amerikanischen Menschentypus (1964), S.23

[6] Vgl.: Lewis: Handbuch zu Internationalen Kompetenz (2000), S.191

[7] In: Hall: Verborgene Signale (1983), S.62

[8] Vgl.: Hall, Verborgene Signale (1983), S. 52

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Betrachtung Amerikas aus interkultureller Sicht und Darstellung an Hand eines internationalen Seminars
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Allgemeine Pädagogik)
Veranstaltung
Hochschulausbildung im internationalen Vergleich
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V10884
ISBN (eBook)
9783638171892
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturell, Kompetenz, International
Arbeit zitieren
Dipl. Päd. Hermann Schoß (Autor), 2002, Betrachtung Amerikas aus interkultureller Sicht und Darstellung an Hand eines internationalen Seminars, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10884

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