Probleme der In Vitro Fertilisation und der Präimplantationsdiagnostik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
21 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. In-Vitro Fertilisation
2.1. Das technische Verfahren
2.2. Zahlen und Fakten zur IVF

3. Das Lebensrecht des Embryos
3.1. Mehrlingsschwangerschaften und selektiver Fetozid
3.2. Der rechtliche Status des Embryos
3.3. Kritische Betrachtung des Umgangs mit Embryonen im Rahmen von IVF

4.Präimplantationsdiagnostik
4.1.Problemfelder der PID
4.2. Rechtliche Aspekte der PID
4.2.1. Die europäische Ebene
4.2.2. Diskussion um die rechtliche Fixierung der PID in der BRD

5. (K)eine Zukunftsmusik

6. Ausblick

1. Einleitung

Am 25. Juli 1978 wurde in Manchester Louise Brown geboren: das weltweit erste durch „In-Vitro-Fertilisation“ (IVF) und anschließenden Embryonentransfer (ET) gezeugte Baby. Ihre Geburt krönte die über 18 Jahre andauernde Forschungsarbeit des Retortenbabypioniers Robert Edwards, der erstmals 1960 die Möglichkeit einer Zeugung im Reagenzglas in Erwägung gezogen hatte. Um dieses erste Retortenbaby herzustellen, verbrauchten die Mediziner Edwards und Steptoe, sein Mitstreiter, etwa 200 Embryonen. Etwa zeitgleich mit der Mutter Louise Browns waren 3 weitere Frauen durch IVF und ET schwanger, von denen indes keine ein lebensfähiges Kind zur Welt brachte: ein triploider Embryo ging nach einigen Wochen ab, ein weiterer überlebte seine durch invasive pränatale Tests ausgelöste Frühgeburt nur um ein paar Stunden und der letzte Embryo wurde nach Feststellung von Trisomie 21 (Down-Syndrom) abgetrieben.[1]

Am 27. Februar 1986 kam das erste deutsche „Tiefkühlbaby“ zur Welt. Nachdem man der Mutter im April 1984 neun Eizellen entnommen hatte, konnten acht davon befruchtet und von diesen acht schließlich drei in die Gebärmutter verpflanzt werden. Eine Schwangerschaft trat nicht ein. Die restlichen fünf befruchteten Eizellen wurden mit einer speziellen Technik eingefroren und bei –196°C in flüssigem Stickstoff aufbewahrt. Beim Auftauen im Juni 1985 waren drei der fünf Eizellen noch intakt und wurden der Mutter eingepflanzt - Ergebnis war Anna Katharina, das erste deutsche Baby, das aus der Kälte kam.

Was 1978 eine absolute Sensation war, ist heute bereits Routine geworden. Die IVF hat sich in vielen Ländern etabliert und weltweit gibt es mittlerweile weit über 300.000 IVF-Kindern.[2]

Diese Methode, die eigentlich unfruchtbaren Paaren doch noch zu einem eigenen Kind verhelfen kann, ist freilich spätestens auf den zweiten Blick ethisch alles andere als unproblematisch. So ist die Erfolgsrate von IVF-Behandlungen nach wie vor relativ gering, die Verlustrate von Embryonen dafür hoch und die Liste der sich aus dieser Methode ergebenden Folgeprobleme ziemlich lang. In der vorliegenden Arbeit sollen nun die ethischen Probleme beleuchtet werden, die IVF und eine Folgetechnologie, die Präimplantationsdiagnostik (PID) mit sich bringen. In einem ersten Teil der Arbeit wird zunächst auf das technische Verfahren bei der IVF eingegangen, um die nötigen Informationen zum Verständnis der weiteren Teile der Arbeit bereitzustellen, die sich mit den diversen ethischen Problemfeldern und Folgen befassen, die sich aus der extrakorporalen Befruchtung im Reagenzglas und den dadurch ermöglichten Technologien ergeben.

2. In-Vitro Fertilisation

Gelingt es einem Paar nicht, auf natürlichem Wege Kinder zu zeugen – was heute immer öfter der Fall ist – kann es auf die künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibes im Reagenzglas zurückgreifen. Die sogenannte IVF stellt für viele unfruchtbare Paare, die bereits alle anderen Behandlungsmöglichkeiten erfolglos ausgeschöpft haben, die letzte Chance auf ein leibliches Kind dar.

2.1. Das technische Verfahren

Zum Einsatz kommt die IVF bei irreparabler Eileiterschädigung, deutlich eingeschränkter Zeugungsunfähigkeit des Mannes, immunologischer Unfruchtbarkeit und bei unklarer Sterilität, für die keine Ursachen gefunden werden.

Entscheidet sich nun ein Paar für eine IVF, so steht am Anfang dieser sehr aufwendigen Behandlung ein ausführliches Aufklärungs –und Beratungsgespräch mit dem Fortpflanzungsmediziner. Danach wird durch eine Blutuntersuchung geklärt, ob überhaupt Aussichten auf Erfolg der Behandlung bestehen.[3]

Bei gegebener Indikation zahlen die Kassen vier Versuche, vorausgesetzt, daß das Paar verheiratet und nicht über vierzig Jahre alt ist.

Voraussetzung für eine IVF ist die hormonelle Vorstimulation der Follikelreifung. Dabei wird zunächst der natürliche Eisprung medikamentös gestoppt, um im Anschluß daran durch Verabreichung erhöhter Gaben follikelstimulierender Hormone im Rahmen einer ein- bis zweiwöchigen Spritzkur eine Superovulation auszulösen; das heißt, die Follikelproduktion wird künstlich angeregt, damit statt einem etwa 15 Follikel heranreifen können. Bei etwa 4% der so behandelten Frauen kommt es zu einem Hyperstimulationssyndrom, dessen Symptome eine stationäre Überwachung der Patientin erforderlich machen.

War die Hormonbehandlung erfolgreich, wird durch Ultraschallkontrolle der Eibläschen und Bluttests der günstigste Zeitpunkt zur Entnahme der befruchtungsfähigen Eizellen ausgemacht. Etwa 36 Stunden nach dem Eisprung kann der Mediziner die reifen Eizellen entnehmen. Dazu muß er mit Hilfe einer Nadel bis zu den Eierstöcken der unter Narkose gesetzten Frau vordringen, dann die Follikel anstechen und die darin enthaltene Flüssigkeit samt Eizellen absaugen.

Nun kann die Befruchtung im Reagenzglas stattfinden: auf einem geeigneten Kulturmedium werden die Eizellen mir den von Prostatasekret gereinigten und durch eine spezielle Aufbereitungsmethode konzentrierten Spermien zusammengebracht und 24 Stunden in einem Wärmeschrank bei 37°C aufbewahrt. (Ist die Spermaqualität besonders schlecht, kann zusätzlich die Methode der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion angewandt werden, bei der die Samenzellen mit einer scharfen Hohlnadel direkt in die Eizellen eingebracht werden.)

Wenn die Befruchtung erfolgreich war, kann nach weiteren 24 Stunden der Embryonentransfer (ET) erfolgen. Die im Zwei- bis Vierzellstadium befindlichen Zellen werden mit einem dünnen, flexiblen Katheder in die Gebärmutterhöhle übertragen.[4]

Da gemäß dem Embryonenschutzgesetz in der BRD nur maximal drei Embryonen pro ET eingesetzt werden dürfen, bei der Follikelpunktion aber relativ viele Eizellen gewonnen werden und zudem meist erst wiederholte Versuche einer IVF zum Erfolg führen, ist es inzwischen üblich, die überzähligen Eizellen im Vorkernstadium (das heißt in einem imprägnierten Zustand, bei dem die Spermie bereits in die Eizelle eingedrungen ist, aber noch keine Kernverschmelzung stattgefunden hat) mit Hilfe der Kryokonservierung aufzubewahren. Die Zellen werden bei –196°C eingefroren und können bei einem weiteren Behandlungsversuch verwendet werden, so sie zu den etwa 70% der Zellen gehören, die den Auftauprozeß überstehen.[5]

Der größte Prozentsatz von Mißerfolgen beim Embryonentransfer beruht auf erfolglosen Nidationsversuchen des Embryos, das heißt, er kann sich nicht in der Gebärmutter einnisten und es kommt zu einem Frühabgang. Die technische Minimierung dieses Problems beruht auf dem sogenannten multiplen Transfer, also der gleichzeitigen Übertragung mehrerer Embryonen in die Gebärmutter. Damit wachsen die Erfolgsaussichten, aber auch die Zahl der Frühabgänge.

Etwa zwei Wochen nach dem ET kann durch einen Schwangerschaftstest festgestellt werden, ob die Behandlung erfolgreich war.[6]

[...]


[1] Vgl. Geschichte der Retortenzeugung. Experimente von Robert Edwards und Patrick Steptoe. www.human-life.ch/news/fmf/argument.htm ausgedruckt am 01.10.02. Die Daten stammen aus: Edwards, Robert/ Steptoe, Patrick: A Matter of Life. The Story of a Medical Breakthrough. New York 1980

[2] Vgl. Informationen zum Themenbereich BIO-ETHIK. In vitro Fertilisation. Künstliche Befruchtung – ein Ausweg bei Unfruchtbarkeit? www.aktion-leben.de/Bio-Ethik/In%20vitro%20Fertilisation/sld01.htm ausgedruckt am 14.05.02 . S. 5

[3] Vgl. ebenda S.6

[4] Vgl. Thor, Dr. S./ Lesoine, Dr. B.: In-Vitro-Fertilität (IVF) bei unerfülltem Kinderwunsch. Yavivo. Information, Dialog und Service in der Medizin. http://yavivo.lifeline.de/cgi-bin/printVersion.cgi ausgedruckt am 7.10.02

[5] Vgl. Herzenswunsch: Wunschkind. Informationen für Paare mit Kinderwunsch. Service. Fragen und Antworten: Kryokonservierung. Welche Vorteile bringt die sogenannte Kryokonservierung? www.fertinet.de/service/faq/inews_faq/1025620358-65496.html ausgedruckt am 7.10 02

[6] Vgl. Thor/ Lesoine: IVF bei unerfülltem Kinderwunsch. http://yavivo.lifeline.de/cgi-bin/printVersion.cgi a.a.O.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Probleme der In Vitro Fertilisation und der Präimplantationsdiagnostik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar Probleme der Bioethik
Note
1,00
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V10912
ISBN (eBook)
9783638172141
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Probleme, Vitro, Fertilisation, Präimplantationsdiagnostik, Hauptseminar, Bioethik
Arbeit zitieren
Susanne Stangl (Autor), 2002, Probleme der In Vitro Fertilisation und der Präimplantationsdiagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10912

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