Die rituelle Huldigung Minaksis und Kali in ihrer geschichtlichen Entwicklung und Verbreitung


Hausarbeit, 2001

20 Seiten


Leseprobe

Hausarbeitsthema:

Die rituelle Huldigung Minaksi’s und Kali in Ihrer geschichtlichen Entwicklung und Verbreitung

Ich möchte in meiner Hausarbeit zwei Texte behandeln, die sich ,wie sich herausstellte, recht gut ergänzen.

Der eine Text vermittelt ein Bild der religiösen, hinduistischen Praxis. Er stellt die rituelle Ausformung der Göttinnenverehrung vor und bietet einige Deutungsmöglichkeiten an. Es handelt sich um den Text „The Navaratri Festival in Madurai“ von C.J. Fuller und Penny Logan(1). Sie analysieren das zeremonielle Fest indem sie die einzelnen rituellen Handlungen auf ihre symbolischen Bedeutungen hin untersuchen. Sie versuchen die symbolischen Handlungen aus dem indischen Kontext heraus zu verstehen und vergleichen sie mit gewisser indischer Alltagssymbolik, sowie mit ähnlichen symbolischen Motiven in anderen Mythologien und Ritualen.

Der 2. Text, den ich hier bearbeite, soll Licht auf die historische Entwicklung einer Göttin in der indischen Kultur und Religion werfen; nämlich die Arbeit David Kinsley’s über Kali: „The Sward and the Flute“. Durch diesen Text wird sehr schön deutlich was für Faktoren zusammen wirken, wenn eine Göttin ihre Stellung innerhalb des hinduistischen Götterpantheons wechselt und wie dieser Stellenwechsel wiederum einher geht mit einer gewissen Änderung in der gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Göttin. Dieser Text vermittelt also die geschichtlichen Entwicklungen und Veränderungen die einer Göttin in der hinduistischen Kultur widerfahren können.

Indem die Texte auf der einen Seite die praktische Verehrung einer Göttin und auf der anderen Seite die geschichtliche Entwicklung einer anderen Göttin beleuchten, vermitteln sie, wie ich meine, ein rundes Bild über Göttinnen im hinduistischen Kulturraum.

Verbreitung des Navaratri Festes und mythologischer Hintergrund

Zunächst möchte ich den Aufsatz von C. J. Fuller und Penny Logan darstellen, in dem es um eines der beliebtesten und wichtigsten jährlichen Feste Südindiens geht: das Navaratri Festival. Leicht verändert wird dieses Fest auch in anderen indischen Regionen gefeiert, besonders noch in Bengalen. Es wird sowohl öffentlich in den Tempeln zelebriert, wie auch privat in den Häusern der Familien. Interessanterweise besteht ein enormer Unterschied zwischen den beiden Formen der Zeremonie, dennoch, oder gerade deswegen scheinen sie sich zu ergänzen.

Navaratri bedeutet „neun Nächte“ und wird in der Regel, gemäß des indischen Kalenders, in den ersten neun Mondtagen einer der Mondmonate (Asvina) gefeiert, nach unserem Kalender fallen diese Tage in den Übergang von September zu Oktober.

Das Navaratri Fest feiert den mythologischen Kampf zwischen der großen Göttin Devi oder Shakti und dem Büffel-Dämon Mahisasura, welcher nach dem bekanntesten Text der König der Dämonen ist und Chaos in die Ordnung der Götter gebracht hat. Die Göttin wird nach diesem Mythos extra von den Göttern geschaffen und bewaffnet, um diesen gefährlichen Dämon zu bekämpfen. Siegreich enthauptet sie ihn in der achten Nacht.

In den meisten Versionen bzw. Interpretationen des Mythos wird der Tod von Mahisasura als Segen, nicht nur für die Ordnung des Universums, sondern auch für den Dämon selbst, betrachtet. Nach seinem Tod werden ihm seine Sünden durch Shiva vergeben und er wird zu einem seiner Anhänger. In manchen Mythologien wird er sogar mit Shiva identifiziert. In der modernen Auffassung, die u.a. durch den Einfluß des Bhakti (Verehrung, Hingabe)-Kultes entstand, wird dieses Thema besonders hervorgehoben.

Dieser Mythos weist eine starke Ähnlichkeit mit anderen Opfermythen auf, in denen das Opfer ebenfalls enthauptet wird. Da die Enthauptung im modernen Hinduismus die vorzüglichste Art zu opfern ist, muß auch, laut Fuller und Logan, der Tod des Dämons als Opfer verstanden werden. Darauf weist die Ähnlichkeit zu den populären Büffelopfern, wie auch der oft beschriebene Zusammenhang von Krieg und Opfer hin. Das Opfer steht für die Autoren im Mittelpunkt des Navaratri Festivals.

Hier folgt nun eine Beschreibung der Zeremonien während der neun Tage des Navaratri Festes im Minaksi-Tempel und in den Häusern der Familien. Im Anschluß versuchen die Autoren die besonderen Merkmale und die Unterschiede der beiden Formen des Festes zu analysieren

Die Tempelzeremonie

Auch wenn das Navaratri Fest in vielen Tempeln, speziell in denen, die Shiva oder den Göttinnen geweiht sind, zelebriert wird, befaßt sich dieser Artikel vorwiegend mit der Zeremonie im Minaksi Tempel, dem größten in Madurai, der der Göttin Minaksi und ihrem Mann Sundaresvara (Shiva) geweiht ist. Das Fest zieht Zehntausende von Anhängern an.

Nach Meinung der Tempelverwalter/Angestellten gibt es 6 große jährliche Tempelfeste zu denen das Navaratri gehört. Sie alle haben gewisse Charakterzüge gemeinsam, die sie von den kleinen Festen unterscheiden. Was jedoch das Navaratri Festival wiederum von allen anderen unterscheidet ist, daß keine Prozession veranstaltet wird. Erst am Tag nach dem eigentlichen Ende des Festes, also am 10. Tag, findet eine kleine statt.

Der Minaksi Tempel besteht aus 2 sich berührenden Tempeln, einen für Minaksi und einen für ihren Mann Sundaresvara. Die Zeremonien finden in Minaksi’s Heiligtum statt, im direkten Umfeld ihres Hauptbildnisses. Dieses ist, im Gegensatz zu einem weiteren Steinbildnis, dem Festivalbildnis, unbeweglich. Das Festivalbildnis ist eine Kopie des Hauptbildnisses, es stellt sie mit zwei Armen aufrecht stehend dar und wird, während der Festtage, in einer Ecke des Ganges aufgestellt, der um ihr Heiligtum verläuft.

Vor dem Start des Festes werden die Wände ihres Schreins, das einzige mal im Jahr, mit einer gelben Paste von innen bestrichen, die unter anderem aus Tumeric und Sandelpaste besteht, was nach hinduistischer Auffassung eine enorm kühlende Wirkung hat. In der ersten Nacht fangen Sänger an die Göttin zu preisen, indem sie eine lange Folge ihrer 108 verschiedenen Namen rezitieren, während der Priester Blumen über ihre Bildnisse wirft. Der Gottesdienst enthält des weiteren eine besondere Waschung Minaksi’s Hauptbildnisses und die Dekoration mit einem Blumenkleid. Nach Beendigung der Dekorationen wird der Göttin Essen angeboten und Lampen werden vor ihr geschwungen. Spezielle gelbe Fäden, in denen, durch einen Mantra-Sänger, göttliche Kräfte erweckt wurden, werden erst um das linke Handgelenk des unbeweglichen Bildnisses und um das rechte Handgelenk des Priesters gebunden. Im Anschluß wird ein Gottesdienst für das bewegliche Festivalbildnis abgehalten und ihr ebenfalls gelbe Fäden um das linke Handgelenk gebunden. In diesem Tempel ist es gewöhnlich, daß bei Frauen bzw. Göttinnen das linke Handgelenk umbunden wird und bei Männern eben das rechte.

Diese Fäden die wie eben beschrieben um die Handgelenke der Götter und des Priesters gebunden werden haben zum einen den Sinn, vor bösen Kräften zu schützen. Dies ist eine gängige Praxis um die Götter vor z.B. Dämonenangriffen zu schützen, speziell wenn sie aus dem wohlbehüteten Tempel herausgetragen werden, z.B. bei Prozessionen. Im Fall des Navaratrifestes, bei dem es ja eigentlich keine direkte Prozession gibt, dient dies auch dem Schutz, nur hier besteht die Gefahr im Tempel. Normalerweise ist dieser als heilige Stätte sowieso geschützt, nur der Mythologie nach werden an den Tagen des Festes die Götter selbst, speziell die der 8 Himmelsrichtungen, die sonst Schutz gewähren, von dem Büffeldämon Mahisasura besiegt und gestürzt. Deswegen besteht während dieser Tage auch im Tempel Gefahr für die Götter und so werden Ihnen in diesem Fall im Tempel die schützenden Bänder umgebunden.

Es ist in den indischen Mythologien ein immer wiederkehrendes Motiv, das die Götter von den Dämonen bedroht und streckenweise auch besiegt werden. Am Ende siegen zwar doch immer die Götter, jedoch häufig allein wegen spezieller Hilfsmittel wie etwa die hier diskutierten Bänder.

Während solcher Feste, wie dem Navaratri-Fest, die so lange dauern und bei denen nur ein einziger Priester den Ablauf sozusagen verwaltet, ist nach hinduistischer Auffassung die Identifikation des Priesters mit der jeweiligen Gottheit besonders wahrscheinlich. Da die Dämonen bei einer solchen Identifikation nicht mehr unterscheiden können wer Gott und wer Mensch ist, wird hier dieser spezielle Schutz auch für den Priester nötig.

Desweiteren unterstreicht ein solches Band ums Handgelenk die Entscheidung zu einer bestimmten religiösen Tat. Wenn sich jemand oder eine Gottheit zu einem religiösen Akt entschließt und diesen mit Bestimmtheit zu Ende bringen will dann soll ein solches Band die Entschlossenheit darstellen und dieses Vorhaben beschützen. Minaksi’s Entschluß den Dämon zu töten wird so zum Ausdruck gebracht.

In der Nähe von Sundaresvara’s Heiligtum stehen 3 weitere Göttinnen (Durga, Laksmi und Sarasvati), die am 7. Tag mit denselben Fäden versehen werden. Durga und Lakshmi werden am selben Tag mit Sandelpaste bestrichen und an den restlichen Tagen werden Lampen vor ihnen geschwenkt. Die Fäden, die nun auch diese Göttinnen erhalten haben, sollen die Verbundenheit mit der Großen Göttin, die den Dämon töten wird, symbolisieren. Diese 3 Göttinnen erhalten jedoch keine weiteren Dienste, und die Praxis des Gottesdienstes läßt für die Autoren keinen Zweifel zu, daß hier Minaksi die große Göttin ist, denn alle Zeremonien drehen sich vorwiegend um sie und in der achten Nacht wird sie der großen Shakti zugewiesen.

In den ersten 7 Tagen erhält sie während ihrer Huldigung ein spezielles Messer und am 8. Abend Shiva’s Dreizack und eine neue Dekoration. Nun erscheint sie im roten Sari, mit 8 Armen und den beiden Waffen mit denen sie den Büffeldämon töten wird. In dieser Dekoration wird sie ihn besiegen.

Am 9. Tag des Festes, nach dem Sieg über den Dämon bekommt sie ihre letzte Dekoration, einen weißen Sari, mit dem sie vor Shiva 2-armig kniet und ihn verehrt. Am Abend des 9. Tages wird sie zurück in den Tempel gebracht. Für diese Nacht wird der Tempel für alle geschlossen, bis zum nächsten Morgen.

Die wechselnden Dekorationen Minaksi’s sind ein hervorstechendes und bedeutendes Merkmal des Navaratri Festes. Sie stellen in gewisser Weise ihr Leben dar. Erst wird sie als die 4-armige Rajarajesvari dargestellt. An dem 8. Tag an dem sie den Dämon mit Shiva’s Dreizack aufspießt und enthauptet trägt sie einen roten Sari und hat 8 Arme. In der neunten Nacht, nach dem Tod des Dämons, wird gezeigt, wie sie Shiva verehrt; in einem weißen Sari kniet sie 2-armig vor einem Lingam (dem Symbol Shiva’s).

Die Dekoration als Rajarajesvari soll einen bestimmten Zustand Minaksi’s darstellen. Das Rajarajesvari mit Minaksi identisch ist, wird auch dadurch deutlich, daß sie genauso wie Minaksi die weibliche Begleitung einer Form Shiva’s ist. Außerdem ist Rajarajesvari einer der 108 Namen der Großen Göttin und wird bei der Rezitation Ihrer 108 Namen während des Navaratri-Festes erwähnt.

Fuller und Logan sind der Meinung, daß die Darstellung Minaksi’s als die 4-armige Rajarajesvari in den ersten 7 Tagen darauf hinweisen soll, daß Minaksi sich nicht mehr in ihrem normalen Zustand, der 2-armigen und friedlichen Frau Sundaresvara’s (Shiva), befindet, sondern dabei ist sich für die Schlacht mit dem Büffeldämons vorzubereiten. Als Schlächter am 8. Tag hat sie 2 Waffen, einen roten Sari und 8 Arme. In ihrer 4-armigen Darstellung befindet sie sich also in einem Zwischenzustand.

Die rituelle Darreichung eines einfachen Messers an den ersten 7 Tagen und eines Dreizacks am 8. Tag deutet auch diese Wandlung an.

Mehrere Arme symbolisieren, wie die beiden Autoren erfuhren, einerseits die Unabhängigkeit der Persönlichkeit und andererseits die verschiedenen Kräfte der Gottheit. Viele Arme deuten wiederum auf die zerstörerische Anwendung von Energien. Der zerstörerische Aspekt einer Gottheit wird so zum Ausdruck gebracht.

Am folgenden Tag, dem 10., der eigentlich nicht mehr zu den Festtagen zählt, entfernt der Priester die Fäden von den Handgelenken der Bildnisse sowie von seinem. Das „Haare-Waschen-Ritual“ wird durchgeführt und am Nachmittag folgt eine kleine Prozession innerhalb des Tempelgeländes. Danach werden die Bildnisse alle wieder an ihren Platz gebracht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die rituelle Huldigung Minaksis und Kali in ihrer geschichtlichen Entwicklung und Verbreitung
Hochschule
Freie Universität Berlin
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V109218
ISBN (eBook)
9783640073993
ISBN (Buch)
9783640875160
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Huldigung, Minaksis, Kali, Entwicklung, Verbreitung
Arbeit zitieren
Simon Knopf (Autor), 2001, Die rituelle Huldigung Minaksis und Kali in ihrer geschichtlichen Entwicklung und Verbreitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109218

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