Ich möchte in meiner Hausarbeit zwei Texte behandeln, die sich ,wie sich herausstellte, recht gut ergänzen.
Der eine Text vermittelt ein Bild der religiösen, hinduistischen Praxis. Er stellt die rituelle Ausformung der Göttinnenverehrung vor und bietet einige Deutungsmöglichkeiten an. Es handelt sich um den Text „The Navaratri Festival in Madurai“ von C.J. Fuller und Penny Logan(1). Sie analysieren das zeremonielle Fest indem sie die einzelnen rituellen Handlungen auf ihre symbolischen Bedeutungen hin untersuchen. Sie versuchen die symbolischen Handlungen aus dem indischen Kontext heraus zu verstehen und vergleichen sie mit gewisser indischer Alltagssymbolik, sowie mit ähnlichen symbolischen Motiven in anderen Mythologien und Ritualen.
Der 2. Text, den ich hier bearbeite, soll Licht auf die historische Entwicklung einer Göttin in der indischen Kultur und Religion werfen; nämlich die Arbeit David Kinsley’s über Kali: „The Sward and the Flute“. Durch diesen Text wird sehr schön deutlich was für Faktoren zusammen wirken, wenn eine Göttin ihre Stellung innerhalb des hinduistischen Götterpantheons wechselt und wie dieser Stellenwechsel wiederum einher geht mit einer gewissen Änderung in der gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Göttin. Dieser Text vermittelt also die geschichtlichen Entwicklungen und Veränderungen die einer Göttin in der hinduistischen Kultur widerfahren können.
Indem die Texte auf der einen Seite die praktische Verehrung einer Göttin und auf der anderen Seite die geschichtliche Entwicklung einer anderen Göttin beleuchten, vermitteln sie, wie ich meine, ein rundes Bild über Göttinnen im hinduistischen Kulturraum.
Inhaltsverzeichnis
Verbreitung des Navaratri Festes und mythologischer Hintergrund
Die Tempelzeremonie
Das Navaratri Zeremoniell in den Wohnhäusern von Madurai
Kühlende Rituale und das Fehlen einer Prozession
Der rote und der weiße Sari
Das Haare- Waschen-Ritual
Die Kolu’s und das häusliche Navaratri Festival
Das Navaratri Fest und Ofer
Kali und Minaksi
Die Geschichte Kali’s
Kali’s Verbindung mit Shiva
Kali im Tantrismus
Kali’s Verehrung in Bengalen
Kali - Übersicht
Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die symbolische und rituelle Bedeutung zweier hinduistischer Göttinnen, Minaksi und Kali, sowie deren geschichtliche Entwicklung und gesellschaftliche Akzeptanz im hinduistischen Kulturraum.
- Analyse des Navaratri-Festes als rituelles Handlungsgefüge
- Symbolik von Farben und rituellen Objekten im Hinduismus
- Transformation einer Gottheit zwischen "großer" und "kleiner" Tradition
- Die Rolle der Verbindung mit Shiva für die religiöse Aufwertung von Göttinnen
Auszug aus dem Buch
Die Tempelzeremonie
Auch wenn das Navaratri Fest in vielen Tempeln, speziell in denen, die Shiva oder den Göttinnen geweiht sind, zelebriert wird, befaßt sich dieser Artikel vorwiegend mit der Zeremonie im Minaksi Tempel, dem größten in Madurai, der der Göttin Minaksi und ihrem Mann Sundaresvara (Shiva) geweiht ist. Das Fest zieht Zehntausende von Anhängern an.
Nach Meinung der Tempelverwalter/Angestellten gibt es 6 große jährliche Tempelfeste zu denen das Navaratri gehört. Sie alle haben gewisse Charakterzüge gemeinsam, die sie von den kleinen Festen unterscheiden. Was jedoch das Navaratri Festival wiederum von allen anderen unterscheidet ist, daß keine Prozession veranstaltet wird. Erst am Tag nach dem eigentlichen Ende des Festes, also am 10. Tag, findet eine kleine statt.
Der Minaksi Tempel besteht aus 2 sich berührenden Tempeln, einen für Minaksi und einen für ihren Mann Sundaresvara. Die Zeremonien finden in Minaksi’s Heiligtum statt, im direkten Umfeld ihres Hauptbildnisses. Dieses ist, im Gegensatz zu einem weiteren Steinbildnis, dem Festivalbildnis, unbeweglich.
Zusammenfassung der Kapitel
Verbreitung des Navaratri Festes und mythologischer Hintergrund: Einführung in das Fest des Navaratri und Darstellung des zentralen Mythos vom Kampf der Göttin gegen den Dämon Mahisasura.
Die Tempelzeremonie: Beschreibung der rituellen Abläufe und Besonderheiten im Minaksi-Tempel, insbesondere im Hinblick auf das Festivalbildnis und die Handgelenksbänder.
Das Navaratri Zeremoniell in den Wohnhäusern von Madurai: Untersuchung der häuslichen Feierlichkeiten und der Bedeutung von Kolu-Stufenaufbauten für die familiäre Ordnung.
Kühlende Rituale und das Fehlen einer Prozession: Analyse der kühlenden Symbolik zur Bewältigung der bei rituellen Kämpfen entstehenden metaphysischen Hitze.
Der rote und der weiße Sari: Deutung der wechselnden Farben der Sari-Gewänder als Symbole für unterschiedliche Lebenszustände und kriegerische Aspekte der Göttin.
Das Haare- Waschen-Ritual: Interpretation des rituellen Waschens als Reinigung von der durch das Töten entstandenen Schuld und als Austrittsritus aus der heiligen Sphäre.
Die Kolu’s und das häusliche Navaratri Festival: Vergleich der häuslichen Praxis mit dem Tempelgeschehen und die Bedeutung der Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern.
Das Navaratri Fest und Ofer: Untersuchung der symbolischen Opfer-Logik innerhalb des Festes, bei dem der Dämon als Opfer selbst verstanden wird.
Kali und Minaksi: Einleitung zur Göttin Kali und ihrer gemeinsamen mythologischen Grundlage mit Minaksi im Devimahatmya.
Die Geschichte Kali’s: Historischer Abriss der Entwicklung Kali’s von einer peripheren Stammesgottheit zu einer bedeutenden hinduistischen Göttin.
Kali’s Verbindung mit Shiva: Analyse der mythologischen und rituellen Verknüpfung von Kali mit Shiva als wesentlicher Faktor ihrer Etablierung.
Kali im Tantrismus: Erläuterung der Bedeutung Kali’s für den Tantrismus, wo sie als Repräsentantin des Überwindens von Dualitäten verehrt wird.
Kali’s Verehrung in Bengalen: Darstellung des Einflusses der Heiligen Ramprasad Sen und Ramakrishna auf die Popularisierung Kali’s.
Kali - Übersicht: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung Kali’s von der randständigen zur großen, verehrten Göttin.
Schlußbemerkung: Reflektion über die Wechselwirkungen zwischen mythologischer Stellung und gesellschaftlicher Anerkennung von Gottheiten.
Schlüsselwörter
Hinduismus, Navaratri, Göttin, Minaksi, Kali, Mahisasura, Ritual, Opfermythos, Tantrismus, Shiva, Südindien, Bengalen, Tradition, Symbolik, Geschlechterkonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die rituellen Praktiken und die mythologische Entwicklung der beiden hinduistischen Göttinnen Minaksi und Kali, um deren Wandel und gesellschaftliche Integration zu verstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Tempel- und häuslichen Riten während des Navaratri-Festes, der symbolischen Bedeutung von Farben wie Rot und Weiß sowie dem Aufstieg Kali's von einer Randfigur zur verehrten Hauptgöttin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Mythen und gesellschaftliche Anerkennung miteinander interagieren und wie durch Rituale und mythologische Umdeutungen eine Gottheit innerhalb des Götterpantheons aufsteigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine religionswissenschaftliche und anthropologische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur (wie C.J. Fuller, Penny Logan und David Kinsley) sowie der Interpretation von Mythen und rituellen Handlungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Navaratri-Festes im Tempel und in den Häusern, die Symbolik der Sari-Farben, das Haare-Waschen-Ritual sowie eine detaillierte historische und ideengeschichtliche Betrachtung der Göttin Kali.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben den Namen der Göttinnen auch die Konzepte von "großer" und "kleiner" Tradition, der Opfermythos, tantrische Praktiken und die Rolle der Identifikation mit männlichen Gottheiten.
Warum spielt die Verbindung zu Shiva eine so große Rolle für die Göttinnen?
Die Verbindung zu Shiva dient im hinduistischen Kontext häufig als Legitimationsgrundlage, die es einer Göttin ermöglicht, von der orthodoxen "großen" Tradition als ebenbürtig oder komplementär anerkannt zu werden.
Welche Rolle spielt die Farbe Weiß im Kontext des 9. Tages beim Navaratri-Fest?
Die weiße Kleidung Minaksis symbolisiert am 9. Tag den Übergang in einen Zustand der Reinheit, Askese und brahmanischen Demut, was im Gegensatz zum kriegerischen, "roten" Zustand der vorangegangenen Tage steht.
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- Simon Knopf (Author), 2001, Die rituelle Huldigung Minaksis und Kali in ihrer geschichtlichen Entwicklung und Verbreitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109218