Die Annexionen von 1866 und die preußischen Liberalen


Seminararbeit, 2002

14 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Situation 1866

3. Preußen und Deutschland - Die Annexionen als Schritt in Richtung Einheit

4. Einheit contra Freiheit

5. Bilanz

Quellen

Literatur

1. Einleitung

Die Schleswig-Holstein-Frage hatte die deutschen Liberalen bereits seit 1849 bewegt. Und als Dänemark das Herzogtum Schleswig, das mit ihm bis dato nur in Personalunion verbunden war, 1864 in sein Staatsgebiet eingliedern wollte, kochten die Emotionen bei den nationalen und liberalen Kräften in Deutschland abermals hoch. Man forderte die Unabhängigkeit Schleswig-Holsteins unter der Herrschaft des Herzogs von Sonderburg-Augustenburg.[1] Dies nutzte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck aus und ließ seine Truppen vorrücken, wenn auch nicht um das Haus Augustenburg zu unterstützen sondern um das preußische Staatsgebiet zu erweitern. Preußische und österreichische Truppen kämpften nun gemeinsam gegen Dänemark. Mit Erfolg - die Herzogtümer Schleswig und Holstein wurden von der dänischen Herrschaft befreit. Preußen und Österreich einigten sich in der Gasteiner Konvention von 1865 zunächst darauf, die beiden Herzogtümer ihrer gemeinsamen Souveränität zu unterstellen, wobei Österreich für die Verwaltung Holsteins zuständig sein sollte und Preußen für Schleswig. Doch mittelfristig wollte sich Bismarck mit diesem Provisorium nicht zufrieden geben. Sein Ziel war die vollständige Annexion von Schleswig und Holstein durch Preußen. Nachdem er erfolglos versucht hatte, dies auf diplomatischem Wege zu erreichen, kam es 1866 zu einem Krieg mit Österreich, bei dem Preußen schließlich den Sieg davon trug. Schleswig und Holstein wurden in Preußen eingegliedert. Und nicht nur das. Auch das Königreich Hannover wurde annektiert, ebenso Kurhessen und Nassau und die freie Stadt Frankfurt. Alle diese Staaten hatten im „Deutschen Krieg“ auf Seiten Österreichs gestanden.

Führende Liberale, speziell des nationalen Flügels der Fortschrittspartei, begrüßten diese Annexionen auch als ein Schritt hin zur nationalen Einigung. Doch andere Politiker dieser Partei, vor allem ihres linken Flügels, waren anderer Meinung.

Diese Arbeit will diese unterschiedlichen Positionen und ihre Gründe darstellen und sich damit beschäftigen, wie die Annexionen die Aufspaltung der Fortschrittspartei in eine linksliberale Partei und eine rechtsliberale, namens Nationalliberale Partei, möglicherweise förderten und beschleunigten.

2. Die Situation 1866

Am 7. Juni 1866 drang die preußische Armee in Holstein ein. Die dort stationierten österreichischen Truppen zogen sich daraufhin kampflos in das Königreich Hannover zurück. Österreich beantragte vier Tage später im Bundestag, die Bundestruppen gegen Preußen zu mobilisieren. Der Antrag fand am 14. Juni mit neun zu fünf Stimmen seine Zustimmung. Preußische Ultimaten an die Staaten Hannover, Sachsen und Kurhessen wurden von diesen abgelehnt. Am 15. Juni begannen die preußischen Truppen vorzurücken. Hannover, Sachsen und Hessen hatten der hochgerüsteten preußischen Armee nur wenig Widerstand entgegenzusetzen. Sie wurden am 17., 18. und 19. Juni nacheinander besetzt. In Preußen kam nun der Wunsch auf, diese Staaten offiziell in das Preußische Staatsgebiet einzugliedern. Kaiser Napoleon III von Frankreich ließ über seinen Botschafter in Berlin erkennen, dass er gegen eine Ausdehnung Preußens bis zur Mainlinie nichts unternehmen würde. Lediglich eine Annexion Sachsens lehnte er kategorisch ab. Nachdem die österreichische Armee in der Schlacht von Königgrätz geschlagen worden war, kam es am 25. Juni zum Präliminarfrieden von Nikolsburg zwischen beiden deutschen Großmächten, der einen Monat später, am 26. August im Friedensvertrag von Prag endgültig festgemacht wurde.[2] Dabei übertrug Österreich seine Rechte auf Schleswig und Holstein an Preußen. Außerdem versprach in Artikel V des Vertrages „seine Majestät der Kaiser von Österreich, die von Seiner Majestät dem König von Preußen in Norddeutschland herzustellenden neuen Einrichtungen, einschließlich der Territorial-Veränderungen anzuerkennen.“[3] „Diese Bedingungen enthielten Alles, dessen wir bedurften, freie Bewegung in Deutschland“, erinnerte sich Bismarck später.[4] Damit stand auch einer endgültigen Annexion Hannovers, Kurhessens, Nassaus und Frankfurts durch Preußen nichts mehr im Wege. Am 20. September 1866 wurde sie offiziell vollzogen.

3. Preußen und Deutschland - Die Annexionen als Schritt in Richtung Einheit

Bereits zum Ende des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 keimte, angesichts der Erfolge, bei vielen in Preußen die Hoffnung auf eine preußische Annexion Schleswigs und Holsteins auf. So auch bei vielen Liberalen. Die nationalliberalen Preußischen Jahrbücher etwa schrieben, „die Annexion Schleswig-Holsteins wäre ein nationaleres Ziel, als ein weiterer Kleinstaat“.[5] Die militärischen Erfolge scheinen bereits zu diesem Zeitpunkt den innenpolitischen Streit der Fortschrittspartei mit Bismarck etwas überdeckt zu haben, etwa wenn Karl Twesten am 23. August 1864 schreibt, „wenn die Kammern wieder zusammenkommen, meine ich auch, dass wir den auswärtigen Erfolg – nicht bloß die Befreiung der Herzogtümer, auch die Position Preußens durch den Krieg auf eigene Faust, ohne Rücksicht auf Englands Geschrei und Drohen – unbedingt anerkennen müssen, nicht an Kleinigkeiten oder Nebensachen nörgeln dürfen.“[6] Ein Eintreten für eine Herrschaft der Augustenburger wurde seltener. Sogar Waldeck, ein Politiker des linken Flügels der Fortschrittspartei hielt die Politik Bismarck bezüglich Schleswig-Holsteins nun für alternativlos.[7] Zum deutschen Nationalismus vieler liberaler Politiker in Preußen gesellte sich ein preußischer Patriotismus, in der Überzeugung, dass nur ein starkes Preußen in der Lage wäre, den Partikularismus zu beenden und die deutsche Einigung herbeizuführen, was auch aus einem Schreiben Karl Twestens deutlich wird: Als am 1. Oktober 1865 ein gesamtdeutscher Abgeordnetentag veranstaltet werden sollte, um über die Schleswig-Holsteinfrage zu beraten, lehnte Twesten eine Einladung zu diesem ab, da er befürchtete, dass es am Ende durch die Mehrheit der süddeutschen Abgeordneten zu einer Verurteilung der preußischen Politik hinsichtlich der beiden Herzogtümer kommen würde: „Ich hielt es im Frühjahr letzten Jahres für geboten, nicht mehr an dem 36er Ausschuss teilzunehmen, als er das übrige Deutschland gegen Preußen aufrief,“ schrieb er in einem offenen Brief, der in der National-Zeitung veröffentlicht wurde, und fuhr fort: „Ähnlich liegt die Sache jetzt. Wir ziehen jede Alternative einer Niederlage des preußischen Staates vor. Wir tun das nicht bloß in preußischem, sondern in deutschem Interesse, weil wir durch den Verlauf der neusten Ereignisse nur in der Überzeugung bestärkt sind, dass es keine Macht gibt, die für Deutschland etwas leisten und wirken kann als Preußen.“ Außerhalb Preußens sah man dies nicht unbedingt so. Der sächsische Liberale Wilhelm Schaffrath meinte als Reaktion auf den Twestenschen Brief, keiner wolle ein Deutschland ohne Preußen aber auch keiner wolle ein Aufgehen Deutschlands in Preußen sondern ein Aufgehen aller Einzelstaaten, einschließlich Preußens, in Deutschland.

[...]


[1] Vgl. Hagen Schulze. Der Weg zum Nationalstaat München 1985. S. 116

[2] Vgl. Otto Pflanze. Bismarck – Der Reichsgründer. Band 1. München 1997. S.308 ff.

[3] Ernst Huber. Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte. Stuttgart/Berlin 1966. S. 218 f.

[4] Gerhard Ritter. Erinnerung und Gedanke – Bismarck die gesammelten Werke. Band 15. Berlin 1932. S.276

[5] Preußische Jahrbücher 13. Berlin 1864. S.666,

[6] Heyderhoff /Wentzke. Deutscher Liberalismus im Zeitalter Bismarcks. Eine politische Briefsammlung Bd. 1. Osnabrück 1970. 177

[7] Vgl. Hagen Schulze. Der Weg zum Nationalstaat München 1985. S. 117

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Annexionen von 1866 und die preußischen Liberalen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V109219
ISBN (eBook)
9783640074006
ISBN (Buch)
9783640861583
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Annexionen, Liberalen, Fortschrittspartei, Nationalliberale Partei, Preußen, 1866, Twesten
Arbeit zitieren
Till Förster (Autor), 2002, Die Annexionen von 1866 und die preußischen Liberalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109219

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