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Extremismus der Mitte. Politische Rechte und Extremismus im reichen Westeuropa

Title: Extremismus der Mitte. Politische Rechte und Extremismus im reichen Westeuropa

Essay , 2000 , 10 Pages

Autor:in: Dr. phil. Walter Grode (Author)

Politics - Political systems in general and in comparison
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Nicht zufällig fällt der Durchbruch des radikalen Rechtspopulismus zusammen mit einer Periode tiefgreifenden sozio-kulturellen Wandels in den meisten westlichen Gesellschaften. Standen am Anfang der achtziger Jahre noch Forderungen nach einer grundlegenden Wende in der Umweltpolitik, einer Neudefinition der Arbeit, der Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd, sozialer und gesetzlicher Besserstellung von sozialen Randgruppen, sowie realer Gleichstellung von Frauen in Beruf und Gesellschaft im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung, so stiegen seit dem Ende der achtziger Jahre Fragen nach den Folgen ungebremster Einwanderung, des >überzüchteten< Wohlfahrtsstaats und damit verbunden der >Anspruchsmentalität< zu Themen auf. Sie sind Ausdruck einer neuen politischen Kultur des Ressentiments, die sich im Zuge weltweiter technologischer Veränderungen grenzüber-schreitend ausbreitet. Die Folgen des gegenwärtigen sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Wandels werden vom unteren Drittel der Gesellschaft und von Teilen der (vermeintlichen) >alten Mitte< als Verschlechterung der Lebenschancen erfahren: Stagnierende Einkommen, eine Ausweitung der Kluft zwischen arm und reich, der drohende soziale Abstieg, sowie das Gefühl ungeschützt tiefgreifenden Entwicklungen ausgesetzt zu sein, gegenüber denen sich sogar nationalstaatliche Ordnungspolitik als ohnmächtig erweist. Andererseits bringt die globale Informationsgesellschaft eine neue Schicht von dynamischen Unternehmern und Selbstunternehmern hervor, eine >neue Mitte<, deren Initiativgeist und Ei-genverantwortungsbereitschaft traditionellen korporatistischen Entscheidungs- und Verteilungsmechanismen grundlegend zuwiderlaufen. Von ihnen werden die globalen Veränderungen durchaus als Chance begriffen, verkrustete Strukturen aufzuweichen und individueller Leistung breiteren Raum zu bieten. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Gesellschaftlicher Wandel

Neue Politik in der globalisierten Informationsgesellschaft

Rechtspopulistische Programmatik

Wohlstandschauvinismus

Weimarer Erfahrungen

Demokratischer Totalitarismus

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufstieg des radikalen Rechtspopulismus in Westeuropa als Ausdruck einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Transformation, die durch den Wohlstandschauvinismus als gemeinsames Merkmal der neuen und alten Mittelschichten geprägt ist. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der ideologischen Anfälligkeit dieser Mittelschichten für rechtspopulistische Strömungen im Kontext der Globalisierung.

  • Analyse des sozio-kulturellen Wandels und dessen Auswirkungen auf die politische Kultur.
  • Untersuchung der rechtspopulistischen Programmatik und deren neoliberale Tendenzen.
  • Vergleichende Betrachtung mit historischen Erfahrungen der Weimarer Republik.
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des "demokratischen Totalitarismus".

Auszug aus dem Buch

Wohlstandschauvinismus

Wenn es den radikalen Rechtspopulisten gelingt, zwischen zwei im Grunde gegensätzlichen Positionen zu vermitteln, sich einerseits als Vertreter eines überfälligen (permanenten) Modernisierungskurses und anderseits als Anwalt der (vermeintlichen) Modernisierungsverlierer zu präsentieren- so scheint es, als seien hier - wieder einmal - besonders geschickte Verführer am Werk. Doch zu jedem Verführer gehören auch stets diejenigen, die sich verführen lassen wollen!

Deshalb sind die Bossi, Haider und Blocher, oder wie sie in Zukunft auch heißen mögen, lediglich die Personifizierung und Nutznießer des Problems. Das eigentliche Problem sind wir selbst! Es ist unser aller Wohlstandschauvinismus. Der nämlich ist die eigentliche Klammer, die Modernisierer und Modernisierungsverlierer, >neue< und (vermeintlich) >alte< Mitte zusammenhält.

Längst gibt es in Europa einen >Extremismus der Wohlanständigen<, dem nichts ferner liegt als die Einsicht, daß unsere persönliche Zufriedenheit und der Erhalt unserer Träume, wie die Zukunft unserer Kinder und Enkel nicht durch die Ausweitung, sondern nur durch die bewußte Beschränkung der eigenen Wünsche, also durch >das Prinzip des Genug<, gesichert werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

Gesellschaftlicher Wandel: Das Kapitel beleuchtet, wie sozio-ökonomische Veränderungen und der Wandel der politischen Kultur den Boden für rechtspopulistische Tendenzen in westlichen Gesellschaften bereitet haben.

Neue Politik in der globalisierten Informationsgesellschaft: Hier wird untersucht, wie Parteien durch die Kommunikation zwischen Modernisierungskurs und den Ängsten der Modernisierungsverlierer politisch profitieren.

Rechtspopulistische Programmatik: Dieser Abschnitt analysiert die Kernpunkte der Parteien, insbesondere deren Frontstellung gegen das politische Establishment und ihre neoliberale Ausrichtung.

Wohlstandschauvinismus: Das Kapitel identifiziert den Wohlstandschauvinismus als das verbindende Element, das gesellschaftliche Gruppen über klassische Trennlinien hinweg für rechtspopulistische Rhetorik empfänglich macht.

Weimarer Erfahrungen: Es wird der Bogen zur historischen Analyse der Anfälligkeit des Mittelstandes für extremistische Parolen geschlagen, unter Bezugnahme auf Soziologen wie Seymor M. Lipset und Theodor Geiger.

Demokratischer Totalitarismus: Das abschließende Kapitel diskutiert die Gefahr einer schleichenden Aushöhlung demokratischer Standards zugunsten einer autoritären, auf technischer Effizienz basierenden Staatsführung.

Schlüsselwörter

Rechtspopulismus, Wohlstandschauvinismus, Modernisierung, Globalisierung, Neoliberalismus, Weimarer Republik, Gesellschaftlicher Wandel, Politische Kultur, Mitte, Extremismus, Demokratischer Totalitarismus, Europäische Integration, Wirtschaftspolitik, Sozialer Wandel, Politische Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa als ein strukturelles Symptom gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen der sozio-kulturelle Wandel, die neoliberale Programmatik rechtspopulistischer Parteien und die historische Analogie zur Instabilität der Weimarer Republik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Rechtspopulismus nicht als Randerscheinung, sondern als tiefgreifende Veränderung zu verstehen, die im "Wohlstandschauvinismus" der Mittelschichten verankert ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine essayistische, soziologische Analyse, die aktuelle politische Entwicklungen mit historischen Theorien zur Mittelstandsbewegung verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die spezifische Programmatik der Parteien und eine kritische Reflexion über die Zukunft der europäischen Demokratie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Rechtspopulismus, Wohlstandschauvinismus, Globalisierung, neoliberale Politik und der Begriff des demokratischen Totalitarismus.

Wie unterscheidet sich der aktuelle Rechtspopulismus von früheren Bewegungen?

Die Arbeit argumentiert, dass der moderne Rechtspopulismus durch die direkte, medialisierte Kommunikation und die Verbindung von Modernisierungsverlierern mit einer neuen, global orientierten Leistungselite gekennzeichnet ist.

Was versteht der Autor unter dem "Extremismus der Wohlanständigen"?

Damit beschreibt er eine Haltung der saturierten Mittelschicht, die ihren eigenen Wohlstand rücksichtslos gegenüber Fremden und vermeintlichen sozialen Absteigern verteidigen will.

Welche Rolle spielen bekannte Politiker wie Haider oder Blocher?

Der Autor sieht in diesen Akteuren keine originären Ursachen, sondern lediglich Personifizierungen und Nutznießer einer bereits existierenden gesellschaftlichen Stimmung.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Demokratie?

Der Autor warnt vor einem "demokratischen Totalitarismus", bei dem demokratische Fassaden erhalten bleiben, während autoritäre Handlungsmöglichkeiten zur Sicherung von Partikularinteressen ausgebaut werden.

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Details

Title
Extremismus der Mitte. Politische Rechte und Extremismus im reichen Westeuropa
Author
Dr. phil. Walter Grode (Author)
Publication Year
2000
Pages
10
Catalog Number
V109445
ISBN (eBook)
9783640076260
ISBN (Book)
9783656246565
Language
German
Tags
Extremismus Mitte Politische Rechte Extremismus Westeuropa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil. Walter Grode (Author), 2000, Extremismus der Mitte. Politische Rechte und Extremismus im reichen Westeuropa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109445
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