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Pietismus und Naturwissenschaften

Title: Pietismus und Naturwissenschaften

Term Paper , 2005 , 35 Pages , Grade: 1

Autor:in: Marcus Heydecke (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Summary Excerpt Details

Naturwissenschaften und Theologie haben sich in ihren Anschauungen der Welt und ihren Methoden in den letzten 300 Jahren auseinanderentwickelt. Sie haben sich weitgehend von einander abgegrenzt. Wenn ich nach dem pietistischen Verhältnis zu den Naturwissenschaften frage, begebe ich mich an die Anfänge dieser Entwicklung. Die Geschichte der Naturwissenschaften beinhaltet die Entwicklung naturwissenschaftlicher Theorien und deren praktische Umsetzung in der Technik. Mit Blick auf den Pietismus stelle ich zwei
Fragen: Wie haben pietistisch geprägte Persönlichkeiten die naturwissenschaftliche Entwicklung geprägt? Und andersherum: Wurden die Erkenntnisse der Naturwissenschaften innerhalb der pietistischen Gemeinschaften aufgenommen? Wenn ja: Warum?
Die Gestaltung des gelebten Pietismus geschah durch einzelne pietistische Persönlichkeiten. Die Geschichte des Pietismus ist daher schwer von der Geschichte der Pietisten zu trennen. Auch in
dieser Arbeit stehen einzelne Persönlichkeiten exemplarisch für einzelne Phänomene. Ich verwende den engeren Pietismusbegriff, wie er von Johannes Wallmann in der Diskussion um den Pietismusbegriff vertreten wird.1
Die Arbeit ist in drei Hauptteile gegliedert. Nach Annäherung an die Denkweisen der Zeit durch die Bestimmung zentraler Begriffe untersuche ich anhand von sieben Aspekten die Beziehung von Naturwissenschaften und Pietismus. Dabei betrachte ich sowohl den Diskurs naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und deren Weitervermittlung durch Pietisten, als auch deren Anwendung. Anschließend analysiere ich den bei den Untersuchungen der Beispiele immer wiederkehrenden Gedanken der Nützlichkeit anhand der These von Robert K. Merton. Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt aufgrund der guten Quellenlage im Hallischen Pietismus.

[...]
_____
1 Vgl. WALLMANN: Der Pietismus, 21-27; WALLMANN: Pietismus, HWP; WALLMANN: Pietismus, RGG; WALLMANN: Was ist Pietismus?; BRECHT: Zur Konzeption der Geschichte des Pietismus; WALLMANN: Eine alternative Geschichte des Pietismus; LEHMANN: Engerer, weiterer und erweiterter Pietismusbegriff; WALLMANN: Pietismus - ein Epochenbegriff oder ein typologischer Begriff?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Vorbemerkungen

II. Begriffsbestimmungen

1. Der Begriff der Natur in der frühen Neuzeit

2. Der Begriff der Technik in der frühen Neuzeit

3. Der Begriff der Technologie

4. Die Emanzipation der Naturwissenschaften

5. Konzeption und Triebkraft der Innovationen in der frühen Neuzeit

6. Die Physikotheologie

III. Naturwissenschaften und Technik im Pietismus

1. Aspekt: Methoden des Informationstransfers

2. Aspekt: Die Arbeits- und Berufspädagogik August Hermann Franckes

3. Aspekt: Die Kunst- und Naturalienkammer in den Franckeschen Stiftungen

4. Aspekt: Die Apotheke in den Franckeschen Stiftungen

5. Aspekt: Das psychodynamische Medizinkonzept Georg Ernst Stahls

6. Aspekt: Der Techniker-Theologe Philipp Matthäus Hahn

7. Aspekt: Der pietistische Berufsethos nach August Hermann Francke

IV. Der Gedanke der Nützlichkeit und die pietistische Techniknutzung

1. Die Prämisse der Zweckmäßigkeit

2. Die Anwendung der Thesen Webers in der These Mertons

3. Probleme der Merton-These

V. Schlussbemerkungen

VI. Literatur

1. Quellen

2. zitierte Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Verhältnis pietistisch geprägter Persönlichkeiten zu den Naturwissenschaften und der Technik im 18. Jahrhundert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie pietistische Akteure naturwissenschaftliche Erkenntnisse aufnahmen und integrierten und inwieweit ihre religiöse Weltanschauung technische Innovationen und wissenschaftliche Praktiken prägte oder filterte.

  • Die Rolle einzelner pietistischer Persönlichkeiten als Brückenbauer zwischen Theologie und Naturwissenschaft.
  • Die Institutionalisierung von Wissenschaft und Technik in den Franckeschen Stiftungen in Halle.
  • Der utilitaristische Gedanke der Nützlichkeit im pietistischen Kontext im Vergleich zur Aufklärung.
  • Eine kritische Auseinandersetzung mit der Merton-These bezüglich der Verbindung von Pietismus und naturwissenschaftlich-technischem Fortschritt.

Auszug aus dem Buch

3. Aspekt: Die Kunst- und Naturalienkammer in den Franckeschen Stiftungen

Die im Dachgeschoss des Haupthauses der Franckeschen Stiftungen untergebrachte Kunst- und Naturalienkammer wurde neben der Anatomiestube und dem botanischen Garten für den Unterricht am Paedagogium regium genutzt. Ob die Schaustücke in der Praxis von Beginn an nur am Paedagogium regium oder auch an den anderen Schulen genutzt wurden, ist fraglich. Mitte des 18. Jahrhunderts ist die allgemeine Nutzung jedenfalls selbstverständlich.

Die Einrichtung der Kunst- und Naturalienkammer hatte vier Zwecke zu erfüllen. Der Hauptzweck war die Unterstützungen eines modernen Unterrichts. Gerade der Besuch der Kunst- und Naturalienkammer war als Bestandteil des Lehrplans ganz besonders dafür geeignet, Kindern durch Anschauungsunterricht Anregungen zur Naturbeobachtung und Naturforschung zu geben. Die Kinder waren dadurch gegenüber den Schülern anderer schulischer Einrichtungen im Vorteil. Viele Modelle wurden in den Stiftungen während der Rekreationsübungen selbst gefertigt. Zahlreiche Schaustücke sandten die Missionare aus aller Welt über das gut ausgebaute Kommunikationsnetz nach Halle. Auch auf diesem Wege fanden Erkenntnisse aus aller Welt in die Glauchaschen Schulstuben und konnten dort - im eigentlichen Wortsinne - begriffen werden. So wurden zwei drahtgeflochtene Weltsystem-Modelle zu Unterrichtszwecken von Francke bei Christoph Semler angekauft, die durch eine Kurbel in Bewegung versetzt werden konnten. Im Unterricht wurden bis weit in das 18. Jahrhundert hinein beide Systeme nach den Theorien von Kopernikus und Tycho Brahe nebeneinander gelehrt. Nur ein Modell ist erhalten geblieben. Das heute in der Mitte der Kunst- und Naturalienkammer befindliche Schaustück ist das Modell mit der Erde im Mittelpunkt.

Die breit angelegte Bildung sollte als solide Grundlage für eine solide Lebensgestaltung dienen. Gleichzeitig war auch der Unterhaltungscharakter der Sammlungen wichtig - ein auch heute noch modernes pädagogisches Motiv.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Vorbemerkungen: Einführung in die Thematik der wissenschaftlichen Entwicklung und die Fragestellung nach dem pietistischen Verhältnis zu Naturwissenschaften und Technik.

II. Begriffsbestimmungen: Definition der zentralen Termini Natur, Technik und Technologie im Kontext der frühen Neuzeit sowie eine Einordnung der Physikotheologie.

III. Naturwissenschaften und Technik im Pietismus: Detaillierte Untersuchung von sieben Aspekten des pietistischen Umgangs mit Wissen, Pädagogik, Medizin und Technik, insbesondere am Beispiel der Franckeschen Stiftungen.

IV. Der Gedanke der Nützlichkeit und die pietistische Techniknutzung: Analyse des Utilitarismus im Pietismus und eine kritische Auseinandersetzung mit den soziologischen Thesen von Max Weber und Robert K. Merton.

V. Schlussbemerkungen: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die historische Relevanz sowie die heutige Bedeutung des Dialogs zwischen Theologie und Naturwissenschaft.

VI. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und der zitierten Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Pietismus, Naturwissenschaften, Technik, August Hermann Francke, Franckesche Stiftungen, Physikotheologie, Nützlichkeit, Aufklärung, Philipp Matthäus Hahn, Georg Ernst Stahl, Mechanik, Erziehung, Medizin, Industrialisierung, Merton-These.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Pietismus und Naturwissenschaften/Technik im 18. Jahrhundert und analysiert, wie pietistische Persönlichkeiten wissenschaftliche Erkenntnisse in ihren Alltag und ihre Bildungsarbeit integriert haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Felder sind die Bildungsarbeit in den Franckeschen Stiftungen, das Medizinkonzept Georg Ernst Stahls, die Arbeit des Techniker-Theologen Philipp Matthäus Hahn sowie die Rolle des Nützlichkeitsgedankens im Pietismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, wie pietistisch geprägte Persönlichkeiten die naturwissenschaftliche Entwicklung mitgestalteten und ob bzw. warum wissenschaftliche Erkenntnisse innerhalb pietistischer Gemeinschaften aufgenommen wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine historische Analyse anhand von sieben ausgewählten Aspekten durch und vergleicht diese mit soziologischen Thesen (insbesondere der Merton-These) zur Beziehung zwischen Protestantismus und Wissenschaft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung konkreter Anwendungsbereiche (Pädagogik, Apotheke, Medizin, Werkstätten) und eine kritische Analyse des Nützlichkeitsgedankens unter Einbeziehung der Thesen von Max Weber und Robert K. Merton.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Pietismus, Naturwissenschaften, Technik, August Hermann Francke, Nützlichkeit, Physikotheologie, Philipp Matthäus Hahn und Georg Ernst Stahl.

Wie unterscheidet sich die Nutzung von Technik durch die Pietisten von der Aufklärung?

Während für den Pietismus Technik eine sekundäre Rolle zur Unterstützung von Mission und Arbeit diente, sah die Aufklärung in ihr ein Mittel zur Befreiung des Menschen von Not und zur Förderung von Tugend und Vernunft.

Welche Rolle spielt die Kunst- und Naturalienkammer in den Franckeschen Stiftungen?

Sie diente primär der Unterstützung eines modernen Unterrichts durch Anschauung, fungierte aber auch als Werkzeug der Öffentlichkeitsarbeit und zur Repräsentation der pietistischen Weltsicht.

Excerpt out of 35 pages  - scroll top

Details

Title
Pietismus und Naturwissenschaften
College
Martin Luther University
Course
Hauptseminar Kirchengeschichte 'Pietismus und Aufklärung'
Grade
1
Author
Marcus Heydecke (Author)
Publication Year
2005
Pages
35
Catalog Number
V110099
ISBN (eBook)
9783640082766
ISBN (Book)
9783640969395
Language
German
Tags
Pietismus Naturwissenschaften Hauptseminar Kirchengeschichte Aufklärung“
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Heydecke (Author), 2005, Pietismus und Naturwissenschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110099
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