Dieser Bericht untersucht die ersten Präsentationsprüfungen im Abitur (im Folgenden: PP),
die im Juni 2005 stattfanden. 1 Den Auftrag dazu erhielt die Arbeitsgruppe zur Weiterent- der gymnasialen Oberstufe durch das Ministerium im Juli 2005. 2
Der Bericht stützt sich erstens auf Vorarbeiten der Arbeitsgruppe, die seit dem Schuljahr
2003/04 die Einführung dieser neuen Prüfungsform mit mehreren regionalen und zentralen Tagungen für Fachbereichs- und Studienleiter begleitete. Diese Veranstaltungen im Vor- feld der ersten Präsentationsprüfungen verfolgten neben dem Ziel der Rechtssicherheit durch Information über die Vorgaben der neuen VOGO/BG die Absicht, die Adressaten
für didaktisch-methodische Innovationen des neuen Prüfungsformats zu sensibilisieren, indem an grundkursbezogenen Unterrichts- und Prüfungskonzepten gearbeitet wurde. Zur Unterstützung der Schulen richtete die Arbeitsgruppe auf dem Bildungsserver Hessen eine eigene Plattform zum „5. Prüfungsfach“ ein. Hier wurden ab 2003 Beispielthemen und - über ein Internet-Forum - rechtliche Klärungen und organisatorische Hilfen zu einzelnen Aspekten der Präsentationsprüfung bereitgestellt. Dieser interaktiven Komponente verdankt die Arbeitsgruppe zahlreiche Kontakte und Anregungen. 3
Inhaltsverzeichnis
1. Der Evaluierungsprozess
1.1. Vorbemerkung
1.2 Ziele der Evaluation
1.3 Methoden der Evaluation
1.4 Der Fragebogen zur Evaluation der Präsentationsprüfungen im Schuljahr 2004/05
2. Wie beurteilen Lehrkräfte und Schüler die neue Prüfungsform?
3. Wie haben sich die Schulen vorbereitet?
Kompetenzerwartungen der Präsentationsprüfung
Vorbereitung im Unterricht
Vereinbarungen in den Schulen
Wege zu einem Methodencurriculum
Unterstützung durch Staatliche Schulämter
4. Themen und Aufgabenstellungen
Urteile über Aufgabenstellungen
Fachübergreifende Aufgabenstellungen
Beispiele aus den Fachbereichen
5. Die Präsentationsprüfung zwischen Erwartungshorizont und Beurteilung
6. Organisation der Prüfung
7. Statistische Ergebnisse
8. Arbeitsbelastung der Lehrkräfte
9. Ausblick: Anregungen der Arbeitsgruppe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit evaluiert die ersten Erfahrungen mit Präsentationsprüfungen im hessischen Abitur 2005. Ziel ist es, die Akzeptanz der neuen Prüfungsform bei Lehrkräften und Schülern zu erfassen, die organisatorische Umsetzung an den Schulen zu analysieren sowie Entwicklungspotenziale für zukünftige Prüfungsdurchgänge aufzuzeigen.
- Analyse des Wahlverhaltens und der Ergebnisse der Präsentationsprüfung.
- Untersuchung der schulinternen Vorbereitungsprozesse und Methodencurricula.
- Evaluierung der Aufgabenstellungspraxis und deren didaktische Qualität.
- Bewertung der Prüfungsbelastung für Lehrkräfte und Schüler.
- Identifikation von Bedarfen für Fortbildung und organisatorische Anpassungen.
Auszug aus dem Buch
Kompetenzerwartungen der Präsentationsprüfung
Welche Kompetenzen erwartet die PP von den Prüflingen – und damit von dem ihr vorausgehenden Unterricht, der sie über längere Zeit aufzubauen vermag? Sie sollen eine wie auch immer geartete Problemstellung aus dem unterrichtlichen Kontext eines oder mehrerer Fächer klären, d.h. die Fragestellung des Themas operationalisieren, recherchieren oder andere fachspezifische Methoden zur Problemlösung einsetzen, gefundenes Material auf seine Zuverlässigkeit und Brauchbarkeit einschätzen können und vieles mehr, um am Ende präsentable Ergebnisse zu erbringen.
Die vom Prüfer vorgegebene Problemstellung greift auf unterrichtliche Grundlagen zurück, verknüpft dabei jedoch Inhalte zweier Kurse oder Fächer. Hierzu ist eine geeignete mediale Unterstützung auszuwählen, die Erkenntniswert hat und nicht lediglich illustrativen Zwecken dient. Danach wird ein Vortragstext zu erstellen und auf den Zeitrahmen von 15 Minuten zuzuschneiden sein. Die Gedanken sind so zu strukturieren, dass ein „roter Faden“ sich erkennen lässt.
Ziel ist der rhetorisch geschickte Vortrag vor dem Fachausschuss der Prüfung, also einem Expertengremium – anders als bei Schülerreferaten im Unterricht, die sich hauptsächlich an ein „Laienpublikum“ richten oder bei besonderen Lernleistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Evaluierungsprozess: Dieses Kapitel beschreibt den Auftrag und die methodische Vorgehensweise bei der Evaluation der Präsentationsprüfungen, inklusive der Nutzung von Umfragen und Tagungsresultaten.
2. Wie beurteilen Lehrkräfte und Schüler die neue Prüfungsform?: Hier werden die generellen Urteile der Beteiligten dargestellt, wobei sowohl positive Aspekte wie Eigenverantwortung als auch kritische Stimmen zur Arbeitsbelastung beleuchtet werden.
3. Wie haben sich die Schulen vorbereitet?: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Strategien der Schulen zur Vorbereitung, einschließlich der Einführung von Methodencurricula und schulinternen Absprachen.
4. Themen und Aufgabenstellungen: Es wird untersucht, wie Lehrkräfte Aufgabenstellungen formulieren, welche Kriterien dabei helfen und welche Herausforderungen die fachübergreifende Gestaltung mit sich bringt.
5. Die Präsentationsprüfung zwischen Erwartungshorizont und Beurteilung: Dieser Abschnitt behandelt die Kriterien für eine faire Bewertung und die Schwierigkeiten bei der Erstellung von Erwartungshorizonten für offene Prüfungsformate.
6. Organisation der Prüfung: Hier werden logistische Aspekte wie der Zeitplan, die Rolle des Protokollanten und technische Voraussetzungen während der Prüfung beleuchtet.
7. Statistische Ergebnisse: Dieses Kapitel liefert eine erste quantitative Auswertung zum Anteil der Präsentationsprüfungen im Vergleich zu anderen Prüfungsformen.
8. Arbeitsbelastung der Lehrkräfte: Es wird die zusätzliche Arbeitslast durch die neue Prüfungsform detailliert dargelegt und Vorschläge zur Entlastung werden diskutiert.
9. Ausblick: Anregungen der Arbeitsgruppe: Abschließend werden konkrete Empfehlungen für Lehrkräfte, Schulen und Schulämter gegeben, um die Präsentationsprüfung weiterzuentwickeln.
Schlüsselwörter
Präsentationsprüfung, Abitur 2005, Evaluation, Schulentwicklung, Methodencurriculum, Aufgabenstellung, Erwartungshorizont, Kompetenzerwartung, Kolloquium, Prüfungsdidaktik, Lehrkraftbelastung, Hessen, Schulforschung, Prüfungsorganisation, Lernkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit ist eine systematische Evaluation der ersten landesweiten Präsentationsprüfungen im Abitur 2005 in Hessen, basierend auf einer Befragung zahlreicher Gymnasien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Akzeptanz durch die Beteiligten, der Vorbereitung an den Schulen, der Qualität der Aufgabenstellungen sowie der organisatorischen und bewertungsrelevanten Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, den Erfolg der Einführung dieser neuen Prüfungsform zu beurteilen und Empfehlungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung der schulischen Prüfungskultur zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Studie, die auf qualitativen Interviews, Dokumentenanalysen und einer umfangreichen quantitativen Online-Befragung von schulischen Funktionsträgern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur schulischen Vorbereitung, zur didaktischen Gestaltung der Aufgaben, zur Bewertungspraxis sowie zur Arbeitsbelastung der Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Kernbegriffen zählen Präsentationsprüfung, Schulentwicklung, Prüfungsdidaktik und Kompetenzorientierung.
Warum wird die Aufgabenstellung im Fach Mathematik kritisch gesehen?
Lehrkräfte berichten von Schwierigkeiten, sinnvolle und nicht nur oberflächliche fachübergreifende Aufgaben zu finden, die gleichzeitig den hohen Anforderungen der Analysis gerecht werden.
Welche Probleme entstehen durch die "doppelte Prüfung"?
Einige Prüflinge und Lehrkräfte empfinden die Kombination aus Präsentation und anschließendem Kolloquium als eine zu hohe zeitliche und psychische Belastung im Vergleich zu herkömmlichen mündlichen Prüfungen.
Welche Rolle spielen Methodencurricula bei der Vorbereitung?
Methodencurricula werden als entscheidend angesehen, um über die Jahrgangsstufen hinweg systematisch Kompetenzen im Bereich Präsentation und eigenständiges Arbeiten zu fördern, statt dies kurz vor dem Abitur nachholen zu müssen.
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- Thomas v. Machui (Author), Christian Koch (Author), 2006, Evaluation der Präsentationsprüfungen im Abitur 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110218