Struktur und Entwicklung der Berufe von Gemeinderatsmitgliedern


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2000

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Struktur und Entwicklung der Berufe von Gemeinderatsmitgliedern

Eine empirische Untersuchung im Zeitraum 1946 bis 1999

Von Udo Rosowski

Summery der

Diplom-Arbeit im Fach Statistik;

Eingereicht bei der

Fachhochschule Dortmund

Schon das Paulskirchenparlament von 1848

wurde als Beamten- und Juristenparlament[i] kritisiert. Solche Vorurteile gegenüber Parlamenten oder kommunalen Vertretungen wiederholen sich bis heute regelmäßig.

Diese Vorwürfe, die implizit eine repräsentative Abbildung der Bevölkerung in den Parlamenten oder kommunalen Vetretungen erwarten, waren jedoch meistens nicht statistisch belegt und spiegelten, wenn ihnen überhaupt konkrete Daten zugrunde lagen, immer nur die Zusammensetzung eines einzelnen Rates oder Parlaments wieder.

Die in diesem Aufsatz behandelte Untersuchung stellt eine erstmals durchgeführte empirische Breitenstudie in Form einer Längsschnittunter-suchung zum Zeitpunkt der jeweiligen Kommunalwahlen von 1946 bis 1999 vor.

Grundlage der Studie waren die Wahlergebnisse der Städte Düsseldorf, Gelsenkirchen, Viersen und Willich, der Gemeinde Brüggen und des Kreises Viersen.

Am Anfang der Untersuchung hätte die Klassifi-zierung des Erhebungsmerkmals Berufe stehen sollen. Bereits erste Materialien über Berufe und Berufsbezeichnungen[ii] sowie Einsichten in Kandidatenverzeichnisse machten deutlich, dass eine Klassifizierung erst nach der erfolgten Vollerhebung und Kenntnis der tatsächlichen Berufsangaben möglich sein wird. So kennt allein die Bundesstatistik[iii] 1.689 Berufsklassen. Auch eine rechtliche Bewertung[iv] des Begriffs ‘Beruf’ lieferte keine Indizien für eine sinnvolle Gruppierung. Der Berufsbegriff ist quasi dem Einfallsreichtum des Benutzers anheim gegeben.

Dies belegte auch die spätere Auswertung der Archivdaten. Berufsangaben wie Pächter, Innungs-Obermeister oder Betriebsrat waren keine Seltenheit. Aber auch tatsächliche Berufs- oder Tätigkeitsangaben waren ungeheuer vielfältig. Schließlich erfolgte die Klassifizierung analog zur Wirtschafts- bzw. Arbeits- und Sozialstatistik[v] im Wesentlichen nach der Stellung im Beruf, ergänzt durch Zusatzmerkmale wie Rentner, Hausfrauen und Arbeitslos.

Jeweils eine Klasse bildeten schliesslich: Beamte, unterteilt in Verwaltungsbeamte, Richter, Lehrer(auch als Angestellte) usw., Angestellte im öff. Dienst, Pfarrer bzw. Mitarbeiter im kirchlichem Dienst, Angestellte in gewerkschaftlichen, sozialen od. sonst. Organisationen, Angestellte in der Wirtschaft, Selbständige/Handwerker, Freiberufler, Arbeiter, Hausfrauen, Rentner und Ratsmitglieder ohne Beruf.

Ausserordentlich aufwendig gestaltete sich die eigentliche Datenerhebung. Nur zwei Gemeinden hatten eigene Zusammenstellungen ihrer Ratsmitglieder, in einem Fall (Brüggen) sogar chronologisch nach den Wahlterminen.

In allen anderen Fällen mussten die Daten in den Archiven aus den Amtsblättern erhoben werden. Da hieraus nach den Archivvorschriften nicht kopiert werden konnte, mussten sämtliche Daten vor Ort manuell mittels Lap-Top in eine Excel-Tabelle übertragen werden.

Dies war doppelt aufwendig, da in den Bekanntmachungen der Wahlergebnisse keine Berufsangaben mehr veröffentlicht werden. Diese finden sich nur in den vorhergehenden Bekanntmachungen der Kandidatenlisten. Somit musste in einem ersten Schritt zunächst der/die gewählte Kandidat/in festgestellt und diesem in einem zweiten Schritt aus den vorher veröffentlichten Kandidatenlisten der dort angegebene Beruf zugeordnet werden.

Danach erst konnten die Berufe, getrennt nach Parteizugehörigkeit, den Berufsklassen zugeordnet werden.

[...]


[i] Eyck, Frank: Es waren vor allem Beamte und Juristen, In: Frankfurter Rundschau, 29.Jg. Nr. 89/1973

[ii] Bundesanstalt für Arbeit, Berufe aktuell, Ausgabe 1998/99

[iii] Bundesanstalt für Arbeit, Klassifizierung der Berufe, Systematisches und alphabetisches Verzeichnis der Berufsbenennungen, 1988

[iv] z.B. Alfert/Kühlkamp/Stegemann, Staats- und Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland, Verlag Joh. Burlage, 1983

[v] Bundesministerium für Arbeits- und Sozialordnung, Statistische Taschenbücher bzw. Bundesministerium für Wirtschaft, Wirtschaft in Zahlen

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Struktur und Entwicklung der Berufe von Gemeinderatsmitgliedern
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V110274
ISBN (eBook)
9783640084494
ISBN (Buch)
9783640301201
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenfassung der ersten wissenschaftlichen Untersuchung über die Zusammensetzung von Gemeinderäten nach dem Merkmal 'Berufe'. Mit dieser Arbeit sollte das Vorurteil der 'Beamtenparlament' untersucht werden. Die Untersuchung brachte regionale Unterschiede und zum Teil überraschende Ergebnisse zu Tage.
Schlagworte
Berufsstrukturen in Parlamenten, Zeitreihe, Beamtenparlament, Berufe von Parlamentariern, Berufe von Ratsmitgliedern, Gemeindevertretung, Hausfrauen, Rentner, Freie Berufe, Juristen, Akademiker, Arbeiter, Arbeitnehmer
Arbeit zitieren
Dipl.-Betriebswirt(FH), Dipl.-Verwaltungswirt Udo Rosowski (Autor), 2000, Struktur und Entwicklung der Berufe von Gemeinderatsmitgliedern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110274

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