Am 26. September 2002 kündigte die Deutsche Börse AG die Abschaffung des Börsensegments „Neuer Markt“ an. Gleichzeitig wurde eine komplett neue Segmentierung verkündet. Die drei bisherigen Segmente Amtlicher und Geregelter Mark, sowie der Neue Markt sollen durch zwei neue Segmente ersetzt werden: Den Prime Standard mit hohen Zulassungsvoraussetzungen und den General Standard mit den gesetzlichen Mindestanforderungen. Der Freiverkehr unterhalb dieser Segmente bleibt bestehen. Zugleich wird auch eine neue Indexfamilie an den Start gehen. Die Börse verspricht sich durch diese Änderung eine Stärkung des Vertrauens der Investoren, weil dadurch eine höhere Transparenz im Börsenmarkt entsteht. Durch Skandale und Betrügereien von Firmen wie EM.TV oder Comroad bekam der Neue Markt einen so schlechten Ruf, dass viele institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen oder Fondsgesellschaften dort gar nicht mehr investiert haben. Der Blue Chip Index Nemax 50 fiel von 9665,81 Zähler am 10. März 2000 auf 325,45 Punkte am 24. September 2002.1 Dies ist ein Verlust von über 96,6 Prozent innerhalb von zweieinhalb Jahren.
Im 2. Kapitel dieser Arbeit wird zuerst die Rolle der DBAG beschrieben. Dazu werden im folgendem Kapitel die bisherigen Börsensegmente mit ihren Zulassungsvoraussetzungen erklärt. Das 4. Kapitel widmet sich den Ursachen und Problemen die letztendlich die Deutsche Börse zum Handeln veranlasst haben. Kapitel 5 stellt die neuen Lösungsansätze einzeln vor. In Kapitel 6 werden die Auswirkungen der Reform beschrieben. Außerdem werden die Lösungsansätze bewertet und Alternativen vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE DEUTSCHE BÖRSE AG
3. DIE ALTEN MARKTSEGMENTE DER DEUTSCHEN BÖRSE
3.1. Der Amtliche Markt
3.2. Der Geregelte Markt
3.3. Neuer Markt
3.4. Freiverkehr
4. PROBLEME / URSACHEN FÜR DIE REFORM
4.1. Der Absturz des Neuen Marktes
4.2. Vertrauensverlust der Anleger
4.3. Weitere externe Faktoren
5. DIE NEUEN LÖSUNGSANSÄTZE
5.1. Der Prime Standard
5.2. Der General Standard
5.3. Die neue Indexwelt
6. ANALYSE
6.1. Die Auswirkungen der Reform
6.2. Kritikpunkte
6.3. Alternative Lösungsansätze
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und die Ausgestaltung der Neusegmentierung des Aktienmarktes durch die Deutsche Börse AG im Jahr 2002. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob die Abschaffung des Neuen Marktes und die Einführung neuer Standards wie Prime und General Standard geeignet sind, das durch Skandale und Kursverluste schwer beschädigte Vertrauen der Investoren nachhaltig wiederherzustellen.
- Historische Analyse der alten Marktsegmente
- Ursachenforschung für den Zusammenbruch des Neuen Marktes
- Detaillierte Vorstellung der neuen Marktstandards (Prime und General Standard)
- Reform der Indexsystematik
- Kritische Bewertung der Auswirkungen und Effektivität der neuen Regelungen
Auszug aus dem Buch
4.1. Eine Chronik vom Absturz des Neuen Marktes
Der Neue Markt war zur Zeit seines größten Erfolges nach der amerikanischen Nasdaq die zweitbedeutendste Plattform für den Börsengang von Wachstumsunternehmen auf der ganzen Welt. Am 10. März 2000, also am dritten Geburtstag des Neuen Marktes, erreichte der Nemax All Share Index, der alle Aktien des Neuen Marktes erfasst, sein Allzeithoch von 8546,19 Punkten. Der Nemax 50 Index, der die größten 50 Unternehmen des Neuen Marktes beinhaltet, erreichte ebenfalls ein Allzeithoch von insgesamt 9665,81 Punkten. Zu diesem Zeitpunkt waren im Nemax All Share 229 Firmen vertreten, deren Marktkapitalisierung ca. 234,25 Milliarden Euro betrug.
Nur einen Tag später ging es im Laufe der Zeit - trotz zwischenzeitlichen Erholungen - stetig bergab mit dem Neuen Markt. Im Juli 2000 gab es die ersten Gerüchte über die Zahlungsunfähigkeit einiger Unternehmen. Dies wurde zwar von den Vorständen dementiert, aber es stellte sich später als die Wahrheit heraus. Am 15. September beantragte die erste Nemax Firma (Gigabell) tatsächlich Insolvenz und wurde am 23. Februar 2001 wegen Verstoßes gegen das Regelwerk ausgeschlossen. Ende 2000 betrug die Marktkapitalisierung der inzwischen 339 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen nur noch 120,992 Milliarden Euro.
Ein neues Regelwerk wurde am 1. März 2001 eingeführt. Die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder mussten jetzt Käufe und Verkäufe von Aktien des eigenen Unternehmens anzeigen. Trotzdem ging die Talfahrt weiter, da auch immer mehr institutionelle Anleger sich zurückzogen. Am 3. April fiel der Nemax 50 unter 1.300 Punkte und am 30. August rutschte der Index das erste Mal unter 1.000 Zähler, also unter seinen Startwert vom 1. Juli 1999. Aufgrund der Terroranschläge vom 11. September, sank der Index bis zum 21. September sogar nochmals auf 662 Punkte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Ankündigung zur Neusegmentierung und der Zielsetzung der Arbeit zur Wiederherstellung von Anlegervertrauen.
2. DIE DEUTSCHE BÖRSE AG: Kurze Vorstellung des Unternehmens, seiner Tochterfirmen und der zentralen Rolle der Börse bei der Vermittlung von Kapital.
3. DIE ALTEN MARKTSEGMENTE DER DEUTSCHEN BÖRSE: Erläuterung der Struktur der bisherigen vier Segmente mit Fokus auf Zulassungsvoraussetzungen und Pflichten.
4. PROBLEME / URSACHEN FÜR DIE REFORM: Analyse der massiven Kursverluste, Skandale und des Vertrauensverlustes, die den Handlungsdruck auf die Börse erhöhten.
5. DIE NEUEN LÖSUNGSANSÄTZE: Detaillierte Beschreibung des Prime Standards, des General Standards und der neu strukturierten Indexfamilie.
6. ANALYSE: Kritische Bewertung der Reform, Auswirkungen auf Fonds sowie Kritik an der Informationspolitik und den gewählten Abgrenzungskriterien.
Schlüsselwörter
Deutsche Börse AG, Neuer Markt, Neusegmentierung, Prime Standard, General Standard, Anlegervertrauen, Nemax 50, Transparenz, Börsengesetz, Indexfamilie, Kassamarkt, Aktienmarkt, Bilanzskandale, Corporate Governance, Kapitalanlage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die grundlegende Umgestaltung des deutschen Aktienmarktes durch die Deutsche Börse AG im Jahr 2002 und die damit verbundene Ablösung des Neuen Marktes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse der historischen Marktsegmente, die Ursachen für das Scheitern des Neuen Marktes und die Spezifikationen der neu eingeführten Segmente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, ob durch die neue Segmentierung und erhöhte Transparenzanforderungen das Vertrauen der Investoren wiederhergestellt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analysierende Vorgehensweise auf Basis von Sekundärliteratur, Fachzeitschriften und offiziellen Quellen der Börse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme der alten Segmente, die Analyse der Absturzursachen sowie die detaillierte Vorstellung und kritische Würdigung der neuen Standards.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Neusegmentierung, Prime Standard, General Standard, Transparenz, Vertrauensverlust und Deutscher Aktienmarkt.
Welche Rolle spielt die Corporate Governance in der Kritik?
Der Autor führt an, dass eine verpflichtende Anwendung des Corporate Governance Kodex ein sinnvollerer Schritt gewesen wäre, um Missstände in der Unternehmensführung zu verhindern.
Warum gab es Unmut bei einigen Unternehmen gegenüber der neuen Einteilung?
Unternehmen wie Porsche kritisierten die Anforderungen des Prime Standards, während andere Unternehmen fürchteten, durch eine branchenbasierte Index-Zuteilung mit dem schlechten Ruf des ehemaligen Neuen Marktes in Verbindung gebracht zu werden.
- Quote paper
- Andreas Wittler (Author), 2002, Die neue Segmentierung der Deutschen Börse AG, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11042