Beobachtet man Kinder und Erwachsene bei freudigen oder traurigen Anlässen, fällt auf, dass Kinder stärker ihre Emotionen zeigen als Erwachsene. Kinder stampfen mit dem Fuß auf, wenn sie sich ärgern oder zeigen ihre Freude, indem sie begeistert in die Hände klatschen.
Wenn Erwachsene emotional reagieren, geschieht dies innerlich. Zum Beispiel fluchen sie nicht laut, sondern innerlich, sie lachen nicht ausgelassen, sondern lächeln in sich hinein. Wieso kommt es zu so einer Internalisierung? Ist diese in allen Situationen gleich, oder macht es einen Unterschied, ob man in einer Alleinsituation oder einer interpersonellen Situation ist? Der Aufsatz von Manfred Holodynski „The Miniaturization of Expression in the Development of Emotional Self- Regulation“ befasst sich mit dem Thema, wie sich der
Gesichtsausdruck in Allein- und interpersonellen Situation über die Alterspanne von 6 bis 8 Jahren entwickelt. Dies wurde untersucht, indem man die Emotionen Freude und Enttäuschung bei Kindern forciert und ihre Emotionen auf einer Skala eingeordnet hat. Maria von Salisch geht in ihrem Aufsatz speziell auf das Thema ein, wie Kinder mit Ärger umgehen. Beide Aufsätze beschäftigen sich mit dem Ausdruck von Gefühlen und wie sich dieser entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
“The Miniaturization of Expression in the Development of Emotional Self- Regulation” von Manfred Holodynski
Das Internalisierungsmodell
Vorangegangene Studien
Holodynskis Hypothesen
Die Studie
1. Erzwungene Unterscheidung zwischen Ausdruck und Gefühl (Basic Level)
2. Fähigkeit zur Perspektivenübernahme bei voraussagbaren Emotionen (Basic Level)
3. Ungezwungene Unterscheidung zwischen Ausdruck und Gefühl (Advanced Level)
4. Fähigkeit zur Perspektivenübernahme hinsichtlich der Kontrolle des Ausdrucks (Advanced Level)
Ergebnisse
„Seine Gefühle handhaben lernen. Über den Umgang mit Ärger“ von Maria von Salisch
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der emotionalen Selbstregulation und des Gesichtsausdrucks bei Kindern im Grundschulalter. Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder lernen, ihre Emotionen zunehmend zu kontrollieren und ihren Ausdruck an soziale Kontexte anzupassen, sowie welche Strategien sie zur Bewältigung von Ärger entwickeln.
- Die Internalisierung von Emotionsausdrücken in Allein- versus interpersonellen Situationen.
- Die Fähigkeit von Kindern, zwischen dem tatsächlichen Gefühl und dem gezeigten Ausdruck zu unterscheiden.
- Strategien der Ärgerregulierung und deren Einfluss auf die soziale Akzeptanz.
- Die Bedeutung von Selbstwertgefühl und Prosozialität bei der Konfliktlösung.
- Einflussfaktoren der Peer-Akzeptanz auf die Kontrolle des Gesichtsausdrucks.
Auszug aus dem Buch
Das Internalisierungsmodell
Holodynski erklärt zunächst sein Internalisierungsmodell, welches den Verkleinerungseffekt in Alleinsituationen als ein Produkt von einer Internalisierung des emotionalen Ausdrucks ansieht, anders gesagt, wegen der Verinnerlichung von Emotionen in Alleinsituationen, zeigt man weniger Emotionsausdruck. Der Ausdruck, der in interpersonellen Situationen als Appell dient, wird in Alleinsituationen überflüssig, da keine anderen Personen im Raum sind, an die der Appell gerichtet sein kann.
Kinder lernen im Laufe der Zeit, allein mit ihren Emotionen umzugehen, ihre Gefühle in passende Aktionen umzuwandeln und ihre Emotionen selbst zu regulieren. Der Gesichtsausdruck als erkennbares Zeichen einer Emotion verliert seine Hauptfunktion, den Appell an andere Leute, und wird somit überflüssig. Während bei Säuglingen die Ausdruckszeichen als Signale des Gefühls gedeutet werden und die Bezugsperson daraufhin entsprechend des Appells handelt, können Erwachsene Bewältigungshandlungen selbständig ausführen. Ausdruckszeichen sind somit Kommunikationsmittel, die es ermöglichen, anderen Personen seine Gefühle zu offenbaren.
Ab dem 6. Lebensjahr vollzieht sich eine Internalisierung des Ausdrucks, Gefühle werden nicht mehr offen gezeigt. Man kann sagen, dass die offene Gefühlswelt zur privaten Gefühlswelt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der emotionalen Entwicklung ein und stellt die beiden zentralen wissenschaftlichen Aufsätze von Holodynski und von Salisch vor.
“The Miniaturization of Expression in the Development of Emotional Self- Regulation” von Manfred Holodynski: Dieses Kapitel erläutert das Internalisierungsmodell und beschreibt eine Studie, die untersucht, wie sich der Gesichtsausdruck bei Kindern zwischen 6 und 8 Jahren in verschiedenen Kontexten verändert.
„Seine Gefühle handhaben lernen. Über den Umgang mit Ärger“ von Maria von Salisch: Der Autor untersucht verschiedene Strategien der Ärgerregulierung bei Kindern und Jugendlichen und beleuchtet den Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und aggressivem Verhalten.
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse beider Aufsätze zusammen und betont die zunehmende Fähigkeit zur Selbstregulation sowie den Einfluss sozialer Kontexte auf den Ausdruck von Emotionen.
Schlüsselwörter
Emotionsregulation, Gesichtsausdruck, Internalisierung, Alleinsituation, interpersonelle Situation, Grundschulalter, Ärgerregulierung, Sozialverhalten, Selbstwertgefühl, Ausdruckskontrolle, Peer-Akzeptanz, Kindesentwicklung, Selbstbeherrschung, Konfliktlösung, Appellfunktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der emotionalen Regulation bei Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren, insbesondere damit, wie sie ihren Gesichtsausdruck steuern und mit Gefühlen wie Freude, Enttäuschung oder Ärger umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Internalisierung von Emotionen, der Unterschied zwischen Allein- und interpersonellen Situationen sowie Strategien der Ärgerbewältigung im Kindesalter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verkleinerung des Emotionsausdrucks sowie die Entwicklung effektiver Selbstregulationsstrategien bei Kindern gegenüberzustellen und zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in den zitierten Studien verwendet?
Es werden experimentelle Beobachtungen mit Videoanalyse sowie strukturierte Interviews und Fragebögen (wie der KÄRST-Fragebogen) eingesetzt, um die Intensität von Gefühlen und die Ausdrucksfähigkeit der Kinder zu messen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Holodynskis Internalisierungsmodell und die Untersuchung von Maria von Salisch zur Ärgerregulation, wobei beide auf empirischen Studien basieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Emotionsregulation, Gesichtsausdruck, soziale Kommunikation, Ärgerbewältigung und Internalisierung geprägt.
Warum zeigen achtjährige Kinder in Alleinsituationen weniger Emotionsausdruck als sechsjährige?
Dies liegt daran, dass achtjährige Kinder bereits den Prozess der Internalisierung vollzogen haben und verstehen, dass der Gesichtsausdruck in Alleinsituationen keine kommunikative Appellfunktion mehr erfüllt.
Welche Rolle spielt das Selbstwertgefühl bei der Ärgerregulierung?
Ein höheres Selbstwertgefühl korreliert positiv mit einer konstruktiven Problemlösung bei Konflikten, während ein geringes Selbstwertgefühl oft zu aggressivem Verhalten als Schutzreaktion führt.
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- Katharina Göring (Author), 2005, Emotionale Entwicklung über die Lebensspanne - Die Entwicklung des Gesichtsausdrucks und wie Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/110863