Die Arbeit beinhaltet eine statistische Zweiterhebung von Protokollen, die anhand von Informationen/ Aussagen der betroffenen Frauen zu Gründen für ihren Entschluß zu einem Schwangerschaftsabbruch ausgefüllt worden sind. Die Arbeit beschäftigt sich aber auch zeitkritisch mit sozialen Vernetzungen und der problematischen Situation des Beraters/in, nicht frei von konfesszionellen Bindungen Entscheidungen zu treffen sowie mit den Vor- und Nachteilen subjektiver Gesprächsführungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Rechtliche und gesellschaftliche Aspekte der Schwangerschaftskonfliktberatung
1.1 Das Schwangerschaftskonfliktgesetz
1.1.1 Historische und gesetzliche Betrachtung
1.1.2 Die Familienpolitik der DDR
1.1.3 Zur Entwicklung nach der Vereinigung Deutschlands
1.2 Schwangerschaftskonfliktberatung
1.2.1 Allgemeine theoretische Grundlagen von Beratung
1.2.2 Wesen von Beratung – Definition, Funktion und Ziele
1.2.3 Beratungskonzepte
1.2.4 Beratung als nichtdirektive Intervention
1.2.5 Die Beratungsregelung im Schwangerschaftskonflikt
1.2.6 Die Sonderstellung der Schwangerschaftskonfliktberatung
1.2.7 Chancen der Beratung
1.2.8 Verhütungsverhalten als Problem der Schwangerschaftskonfliktberatung
2. Stand der wissenschaftlichen Untersuchungen
2.1 Die Studie von B. Wimmer- Puchinger
2.1.1 Zentrale Fragestellungen der Wimmer-Puchinger Untersuchung
2.1.2 Zu den Ergebnissen der Wimmer-Puchinger Untersuchung
2.1.3 Ergebnisse zum Verhütungsverhalten
2.1.4 Schlussfolgerungen
3. Überblick über veröffentlichte Statistiken
3.1 Die statistische Entwicklung der Schwangerschaftsabbrüche im Zeitraum von 1996-1999
3.1.1 Die bundesweite Abbruchstatistik
3.1.2 Schwangerschaftsabbrüche in der Bundesrepublik nach Altersgruppen
3.1.3 Schwangerschaftsabbrüche in Beziehung zu der Zahl der insgesamt bestehenden Schwangerschaften
3.1.4 Schwangerschaftsabbrüche nach der Anzahl bereits vorhandener Kinder
3.1.5 Auswertung der bundesweiten Abbruchstatistik und Schlussfolgerungen
3.2 Angaben aus dem Gesundheitsbericht der Stadt Leipzig Stand 1998
3.2.1 Angegebene Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch aus dem Gesundheitsbericht Leipzig
4. Überblick über die unveröffentlichte Statistik der ausgewählten Beratungsstelle
4.1 Alter der Klientinnen
4.2 Anzahl der bereits vorhandenen Kinder
4.2.1 Statistische Informationen aus dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland ( Klientinnen mit Kindern ) 1997
4.3. Soziale Lage/Erwerbssituation der Klientinnen
4.4 Gründe der Klientinnen, einen Abbruch in Erwägung zu ziehen
4.5 Angaben zum Verhütungsverhalten der Klientinnen in der Beratung
5. Empirische Untersuchung
5.1 Beschreibung der Vorgehensweise und Zielstellung der Analyse
5.2 Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung
5.3 Methodik
5.3.1 Zur Auswahl der Erhebungsmerkmale
5.3.2 Untersuchungsstichprobe
5.3.3 Methodenkritische Bemerkungen
5.4 Ergebnisse und Schlussfolgerungen
5.4.1 Gründe in Abhängigkeit vom Alter
5.4.2 Gründe in Abhängigkeit von den bereits vorhandenen Kindern
5.4.3 Gründe in Abhängigkeit von der sozialen Lage
5.4.4 Verhütungsverhalten in Abhängigkeit vom Alter
5.5 Zusammenfassende Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die Beweggründe von Frauen für einen in Erwägung gezogenen Schwangerschaftsabbruch im Zeitraum 1996 bis 1999. Das primäre Ziel ist es, diese Gründe differenziert in Abhängigkeit von sozioökonomischen und biografischen Faktoren wie Alter, Anzahl vorhandener Kinder und sozialer Lage zu untersuchen, um tiefergehende Zusammenhänge als in standardisierten Jahresberichten aufzudecken.
- Rechtlicher und gesellschaftlicher Rahmen der Schwangerschaftskonfliktberatung
- Vergleich der statistischen Abbruchdaten zwischen alten und neuen Bundesländern
- Empirische Analyse einer Leipziger Beratungsstelle (1129 Protokolle)
- Einfluss der Lebensphase und familiären Situation auf die Entscheidungsfindung
- Analyse des Verhütungsverhaltens als Problem der Schwangerschaftskonfliktberatung
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Die Familienpolitik der DDR
Den ostdeutschen Frauen stand es seit dem Jahr 1972 zu, selbstständig und frei über den Verlauf ihrer Schwangerschaft zu entscheiden. Dies wurde begründet im Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft vom 9. März 1972, indem folgendes dokumentiert ist, dass die Frau selbst über die Schwangerschaft und deren Austragung entscheiden kann, denn die Gleichberechtigung der Frau in Ausbildung und Beruf, Ehe und Familie würde dies erfordern.
Seit Anfang der siebziger Jahre intensivierte die DDR ihre Familienpolitik. Das SED-Regime unterstützte junge Familien in vielfacher Hinsicht. In der DDR gehörte die Erwerbstätigkeit, insbesondere die Vollzeitarbeit, zum allgemeinen Lebenskonzept der Frauen und somit zur Normalität. Staatliche Initiativen stellten anders als die Bundesrepublik eine notwendige Infrastruktur bereit, um ein Nebeneinander von Beruf und Familie zu ermöglichen. Bereits Ende der siebziger Jahre gab es ein dichtes Netz von Kinderkrippen und Ganztageskindergärten - eine Errungenschaft, die sich in den neuen Bundesländern bis heute erhalten hat. Familienforscher schätzen den vom Staat getragenen Anteil der Kinderkosten auf 85 Prozent. Die Familienpolitik war jedoch nicht ideologiefrei. Konkretes Staatsinteresse steckte hinter dem Leitbild der berufstätigen Mutter, denn die Frauen wurden in der Produktion gebraucht und gleichzeitig konnte man auf stabile Geburtenraten nicht verzichten.
Im Vergleich zu Westdeutschland, wo die berufstätige Mutter, die ihr Kind nach wenigen Monaten in die Krippe gab, als suspekt galt, standen die Frauen in Ostdeutschland unter starkem öffentlichen Druck, sich nicht auf ein Hausfrauendasein zurückzuziehen.
Ab der Wiedervereinigung veränderte sich das Familienverhalten der Ostdeutschen dramatisch. Die weniger familienfreundlichen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik, Angst vor der Zukunft und ökonomische Unsicherheit senkten die Geburtenrate in nur drei Jahren um mehr als die Hälfte. 1989 wurden in der DDR und Ost-Berlin 198922 Kinder geboren, 1992 waren es nur noch 88320. Das diese Veränderungen auch einen Einfluss auf das Schwangerschaftsabbruchverhalten der ostdeutschen Frauen hatten und haben, steht außer Zweifel.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Schwangerschaftskonfliktberatung als Unterstützung bei komplexen individuellen Entscheidungsprozessen und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Beweggründe für einen Abbruch auf Basis existierender Protokolle detailliert zu analysieren.
1. Rechtliche und gesellschaftliche Aspekte der Schwangerschaftskonfliktberatung: Dieses Kapitel skizziert die rechtliche Lage, den Wandel der Familienpolitik in der DDR und BRD sowie die theoretischen Grundlagen und methodischen Ansätze der Beratungskontexte.
2. Stand der wissenschaftlichen Untersuchungen: Hier werden bestehende empirische Studien, insbesondere die Untersuchung von Wimmer-Puchinger, vorgestellt, um ein theoretisches Fundament für die eigene Analyse zu bilden.
3. Überblick über veröffentlichte Statistiken: Es werden bundesweite Statistiken von 1996 bis 1999 sowie kommunale Daten aus dem Gesundheitsbericht der Stadt Leipzig herangezogen, um globale Trends zu identifizieren.
4. Überblick über die unveröffentlichte Statistik der ausgewählten Beratungsstelle: Dieses Kapitel präsentiert die konkreten Daten der untersuchten Beratungsstelle, aufgeschlüsselt nach Alter, Kinderzahl, sozialer Lage und den angegebenen Gründen für einen Abbruch.
5. Empirische Untersuchung: Im Hauptteil werden die Protokolle der 1129 Klientinnen differenziert ausgewertet, die Hypothesen überprüft und die Schlussfolgerungen hinsichtlich des Einflusses verschiedener Lebensabschnitte auf das Abbruch- und Verhütungsverhalten diskutiert.
Schlüsselwörter
Schwangerschaftskonfliktberatung, Schwangerschaftsabbruch, Familienpolitik, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Verhütungsverhalten, Abbruchstatistik, Lebensplanung, Frauenrolle, Sozioökonomische Faktoren, Beratungskonzepte, Nichtdirektive Intervention, Motivationsstruktur, Empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Beweggründe von Frauen für einen in Erwägung gezogenen Schwangerschaftsabbruch im Zeitraum von 1996 bis 1999 anhand von Protokollen einer Leipziger Beratungsstelle.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Neben dem rechtlichen Rahmen der Schwangerschaftskonfliktberatung und dem Einfluss der Familienpolitik werden vor allem statistische Entwicklungen der Abbruchzahlen sowie die persönlichen Lebensumstände der Klientinnen (Alter, soziale Lage, Kinderzahl) thematisiert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gründe für einen in Erwägung gezogenen Schwangerschaftsabbruch differenzierter zu untersuchen, als es in prozentualen Hochrechnungen üblich ist, und insbesondere zu zeigen, wie Alter, soziale Lage und die Anzahl bereits vorhandener Kinder die Motivationslage beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herangehensweise, bei der Daten aus 1129 Protokollen einer nicht konfessionell gebundenen Beratungsstelle in Leipzig ausgewertet werden, ergänzt durch einen Vergleich mit bundesweiten statistischen Trends.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Standes der Forschung, die Analyse bundesweiter und regionaler Statistiken sowie die empirische Auswertung der eigenen Stichprobe hinsichtlich der Gründe für einen Abbruch und des Verhütungsverhaltens.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Schwangerschaftskonfliktberatung, die unterschiedliche Familienpolitik von DDR und BRD, das Verhütungsverhalten und die sozioökonomische Situation der betroffenen Frauen.
Welche Rolle spielte die Familienpolitik der ehemaligen DDR für die Ergebnisse der Arbeit?
Die Arbeit zeigt, dass die sozialistische Familienpolitik der DDR langfristige Werte und Normen zum Kinderwunsch prägte, die auch Jahre nach der Wiedervereinigung noch als Erklärungsmodell für Unterschiede im Abbruchverhalten zwischen alten und neuen Bundesländern dienen.
Wie beeinflusst der personelle Wechsel in der Beratungsstelle die Datenanalyse?
Die Autorin weist darauf hin, dass ein Beraterwechsel im Jahr 1998 und die damit verbundene Veränderung der Gesprächsführung und Beratungsmethodik zu einem Anstieg ehrlicherer Angaben zum Verhütungsverhalten in den darauffolgenden Protokollen geführt haben könnte.
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- Katja Rieger (Author), 2001, Schwangerschaftskonfliktberatung - Eine Problemanalyse im Zeitraum von 1996-1999, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1111