In der vorliegenden Arbeit soll die Sprachphilosophie Augustinus näher betrachtet werden. Um die Ausführungen thematisch einzugrenzen soll das von ihm erkannte Problem des Lehrens und Lernens näher untersucht werden. Als Grundlage der Analyse dient der Dialog De magistro, wobei aber auch andere Texte zur Erhellung und näheren Erläuterung der Erkenntnisse herangezogen werden. Dazu zählen vor allem: De dialectica, De doctrina Christiana und Confessiones.
Damit seine Sprach- und Zeichentheorie verständlich dargestellt und richtig eingeordnet werden kann, soll zuerst kurz etwas über Augustinus Leben und dessen philosophischen Hintergrund erarbeitet werden. Danach wird sein Verhältnis zur Sprachphilosophie im Allgemeinen beschrieben, um dann auf die Einflüsse einzugehen, die seine Auffassungen maßgeblich geprägt haben. Ein weiterer Schritt soll dann eine überblicksartige Vorstellung der relevanten Schriften sein. Dadurch wird es möglich, eine erkennbare Entwicklung seiner Annahmen und Standpunkte bezüglich des Themas Sprache kurz zu skizzieren und sein großes persönliches Interesse daran aufzuzeigen. Deutlich hervorgehoben werden soll vor allem Augustinus besondere Sprachauffassung und das Verhältnis von Sprache und Wahrheit, dass diese kennzeichnet. Die von ihm vorgestellte Zeichentheorie soll dann in einem Hauptteil genauer betrachtet und untersucht werden, um dann die Fragen klären zu können, was durch Zeichen über Zeichen gelernt werden kann und was durch Zeichen über Dinge gelernt werden kann? Dazu stellt sich das Problem ob und wie überhaupt durch Zeichen gelehrt oder gelernt werden kann? Oder ist eine Lehre ohne Zeichen möglich?
Mit einer Zusammenfassung und einer kurzen Stellungnahme sollen abschließend noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammengetragen und kritisch analysiert werden, um die Auffassung Augustinus aus heutiger Sicht würdigen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leben Augustinus und dessen philosophischer Hintergrund
3. Sprachphilosophie und Augustinus
4. Grundlagen und Einflüsse auf Augustinus Sprachauffassung
5. Die Schriften
5.1 De dialectica
5.2 De magistro
5.3 De doctrina Christiana
5.4 Confessiones
5.5 De trinitate
5.6 In Johannis evangelium tractatus
6. Zeichenanalyse (De magistro)
7. Sprache und Lehren bei Augustinus
8. Sprache in De dialectica und De doctrina Christiana
9. Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachphilosophie des Augustinus, wobei der Fokus insbesondere auf dem Problem des Lehrens und Lernens durch Sprache liegt. Ziel ist es, durch die Analyse zentraler Schriften wie dem Dialog "De magistro" herauszuarbeiten, inwieweit Zeichen und Sprache für die Wahrheitserkenntnis konstitutiv oder vielmehr unzulänglich sind.
- Die Untersuchung der Sprachauffassung und des Verhältnisses von Sprache und Wahrheit bei Augustinus.
- Die kritische Analyse der Funktion von Zeichen (Signa) im Erkenntnisprozess.
- Die Hinterfragung der Lehrbarkeit von Inhalten durch sprachliche Vermittlung.
- Die Einordnung augustinischer Sprachphilosophie im Kontext antiker Einflüsse und seiner persönlichen geistigen Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
Zeichenanalyse (De magistro)
Wie schon kurz angedeutet, stellt sich für Augustinus die Frage nach der Leistung der Sprache für die Erkenntnis der Wahrheit. Dies kann aber nur sinnvoll geschehen, wenn klar ist, was unter Sprache verstanden wird.
In dem einleitenden Satz des Dialoges De magistro formuliert Augustinus sein Verständnis von Sprache, das aus heutiger Sicht als besonders gelten kann. AUG. „Was, meinst du, wollen wir bewirken, wenn wir sprechen?“
Im Verlauf des Dialoges zeigt sich, dass diese Frage richtungsweisend für ihn und die darin gemachten Untersuchungen ist. Zum einen wird als Gegenstand der Sprache das Reden bestimmt und zum anderen wird diese als etwas vorausgesetzt, das von seinem Zweck her zu definieren ist.
Die Antwort von Adeodatus, dass Lehren und Lernen Zweck des Redens sind, ist, ausgehend von diesen Überlegungen, nachvollziehbar. Betrachtet man nämlich die Art und Weise, wie Augustinus seinen Sohn auf die ihm gestellten Fragen antworten lässt, wird deutlich, dass Adeodatus eine geläufige Lehrmeinung wiedergibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, Augustinus' Sprachphilosophie anhand seiner Schriften zu untersuchen und dabei das Problem des Lehrens und Lernens zu fokussieren.
2. Das Leben Augustinus und dessen philosophischer Hintergrund: Dieses Kapitel skizziert die Biografie Augustinus, seine Einflüsse durch Manichäismus, Cicero und Platon sowie die Hinwendung zum Christentum.
3. Sprachphilosophie und Augustinus: Hier wird der Stellenwert Augustinus in der philosophischen Tradition beleuchtet und darauf hingewiesen, dass er in modernen Diskursen oft wenig beachtet oder missverstanden wird.
4. Grundlagen und Einflüsse auf Augustinus Sprachauffassung: Das Kapitel behandelt die intellektuelle Herkunft des Autors und den prägenden Einfluss der Stoa auf seine sprachtheoretischen Überlegungen.
5. Die Schriften: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die für die Arbeit relevanten Werke wie "De dialectica", "De magistro" oder "Confessiones".
6. Zeichenanalyse (De magistro): Hier steht die Untersuchung der Zeichen im Zentrum, wobei der Dialog "De magistro" zeigt, wie Sprache als Instrument zur Wahrheitsfindung kritisch geprüft wird.
7. Sprache und Lehren bei Augustinus: Dieses Kapitel analysiert das Verhältnis von Sprache und Wahrheit und erläutert Augustinus' Erkenntnis, dass Sprache zwar notwendig, aber nicht hinreichend für die Wahrheit ist.
8. Sprache in De dialectica und De doctrina Christiana: Der Vergleich dieser Schriften verdeutlicht die unterschiedliche Bewertung der Leistungsfähigkeit von Sprache in den verschiedenen Schaffensphasen Augustinus.
9. Resümee: Die Zusammenfassung führt die zentralen Erkenntnisse über die Unzuverlässigkeit sprachlicher Zeichen und den Vorrang der inneren Wahrheit zusammen.
Schlüsselwörter
Augustinus, Sprachphilosophie, De magistro, Zeichentheorie, Erkenntnistheorie, Lehren, Lernen, Zeichen, Wort, Wahrheit, Sprache, Semantik, Adeodatus, Stoa, Erkenntnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sprachphilosophie des Augustinus und untersucht, wie er das Verhältnis von Sprache, Lernen und Wahrheitserkenntnis bewertet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Funktion von Zeichen, die Leistungsfähigkeit von Wörtern und die Frage, ob man durch sprachliche Vermittlung tatsächlich Wissen erwerben kann.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, warum Augustinus die Sprache als Mittel zur Belehrung hinterfragt und welche Rolle der "innere Lehrer" im Gegensatz zum gesprochenen Wort spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Analyse der primären Schriften Augustinus, insbesondere des Dialogs "De magistro", und setzt diese in den Kontext der philosophiegeschichtlichen Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Zeichenanalyse, der Unterscheidung verschiedener Zeichentypen sowie der Kritik an der Lehrbarkeit von Inhalten durch Sprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sprachphilosophie, Zeichentheorie, Erkenntnis, Wahrheit, Lehren, Lernen und die Reflexivität von Zeichen.
Inwiefern spielt der Dialog mit Adeodatus eine Rolle?
Adeodatus dient als Gesprächspartner, an dem Augustinus die gängigen Lehrmeinungen vorführt, um sie anschließend kritisch zu hinterfragen und seine eigene Position zur Erkenntnis zu entwickeln.
Was bedeutet die "Lehre ohne Zeichen"?
Dieser Titel verweist auf Augustinus' Erkenntnis, dass die letztendliche Wahrheit nicht über äußere, sprachliche Zeichen vermittelt werden kann, sondern durch eine innere Einsicht oder den "inneren Lehrer" geschieht.
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- M.A. Katja Seidel (Autor), 2007, Lehre ohne Zeichen? Augustinus Sprachphilosophie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111107