Darstellung von Liebe in Friedrich Schillers "Don Karlos"


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schwere Kontrollierbarkeit von Gefühlen
2.1 Kontrast zwischen Emotionen und Verstand
2.2 Glaubwürdigkeit der Figurenrede

3. Implizit dargestellte Verknüpfung zwischen Liebe und Freiheit
3.1 Zwiespalt durch Liebe
3.2 Freiheit der Gefühle
3.3 Liebe als Belastung

4. Schluss und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

Bibliographie

1. Einleitung

Liebe ist eine der stärksten Emotionen der Menschen. Liebe bedeutet Macht und Verletzlichkeit. Sie ist das Gefühl, welches auf der einen Seite für so viel Glück sorgt, auf der anderen Seite aber auch noch mehr Schmerz und Leid bringen kann. Schon seit jeher beschäftigen sich Dichter, Schriftsteller und Philosophen mit dem Thema Liebe und verarbeiten diese in ihren Werken. Seit dem 18. Jahrhundert jedoch bekam die Liebe innerhalb der ästhetischen Semantik eine Schlüsselposition.1 Auch Friedrich Schiller beschäftigt sich mit diesem Thema, unter anderem in seinem Drama „Don Karlos“. Wie wird Liebe in Friedrich Schillers Don Karlos dargestellt? Die Forschung konzentrierte sich bei diesem Drama von Schiller hauptsächlich auf Freiheit, Psychologie, sowie Moral und Politik.2 Über die Darstellung der Liebe lässt sich allerdings nicht viel finden.

Der Text bietet verschiedene Formen der Liebe in breiter Darstellung an.

Damit die These belegt werden kann, werde ich im ersten Abschnitt meiner Arbeit nach Kontrasten oder Widersprüchlichkeiten in den Aussagen der Figuren fragen und ob diese glaubwürdig sind (Kap.2). Im zweiten Teil frage ich, ob spezielle Figuren die Liebe in dem Werk verkörpern und wie diese dargestellt werden. Des Weiteren vergleiche ich die einzelnen Schauplätze, an welchem die Liebe explizit und implizit miteinander verglichen wird und schaue, wie sich dies auf den Handlungsvorgang auswirkt. Als Grundlage des Textes dient die letzte Ausgabe des Werkes aus dem Jahr 1805.3

2. Schwere Kontrollierbarkeit von Gefühlen

Die Liebe ist ein Motiv, welches sich durch das gesamte Drama zieht. Der Text stellt Liebe mit Hilfe der Aussagen von den einzelnen Figuren als ein starkes Gefühl dar, welches sich nur schwer kontrollieren lässt. Die einzelnen Textstellen, in welchen sie explizit zum Ausdruck kommt, finden sich gleichmäßig über den Text verteilt wieder. Ebenso zeigt dieser nicht nur eine Figur und ihre Auffassung über die Liebe, sondern alle Hauptfiguren werden mit dem Thema auf unterschiedliche Art und Weise miteinander verknüpft. Dies zeigt, dass der Autor das Thema der Liebe zu einem der zentralen Konflikte gemacht hat. Im Folgenden soll gezeigt werden, ob die Ansichten inhaltlich Widersprüche aufzeigen (2.1) und inwiefern die Äußerungen durch die Einbindung in die ästhetische Formgebung Glaubwürdigkeit darstellen (2.2).

2.1 Kontrast zwischen Emotionen und Verstand

Alle Ansichten lassen darauf schließen, dass Liebe ein unkontrollierbares Gefühl sein kann, welches nicht immer mit dem Verstand zu vereinbaren ist. Im ersten Akt, dritter Auftritt, führt Königin Elisabeth mit Prinzessin von Eboli und der Herzogin von Olivarez ein Gespräch über einen zukünftigen Bräutigam für die Prinzessin. Hierbei fällt auf, dass Herzogin und Königin unterschiedliche Auffassungen darüber haben, ob ein Mann würdig ist. Für Olivarez ist würdig mit Reichtum und Wohlstand gleichzusetzen, während die Königin hingegen damit sagen will, dass er lieben können muss. Dies bekräftigt sie mit der Aussage: „Doch/ wir wollen wissen, ob er lieben kann/ Und Liebe kann verdienen.“ (445ff.). Weiterhin sagt sie in einer Unterhaltung mit Marquis von Posa im vierten Akt, einundzwanzigster Auftritt: „Mein Herz, / Versprech` ich Ihnen, soll allein und ewig/ Der Richter meiner Liebe sein.“ (4374f.) Hierdurch wird deutlich, dass der Text die Königin als eine empfindsame Figur darstellt, welche versucht, Gefühl und Rationalität im Gleichgewicht zu halten und ihre moralischen Vorstellungen trotz der strengen Etikette am Hof zu Madrid durchzusetzen. Wie sie dies tut und auf welche Weisen der Text das zum Ausdruck bringt, wird in Kapitel 2 genauer behandelt. Damit gilt sie als die zentrale Figur im Don Karlos, wenn über das Thema Liebe geredet wird. Prinzessin Eboli hat eine ähnliche Vorstellung wie die Königin. Anhand der anschaulichen bildlichen Beschreibung im Zweiten Akt, achter Auftritt, in dem sie Karlos erzählt, dass sie mit einem Grafen verheiratet werden soll, welchen sie nicht liebt, wird ihre Auffassung deutlich zur Sprache gebracht. „Die Liebe ist der Liebe Preis. Sie ist/ Der unschätzbare Diamant, den ich/ Verschenken, oder, ewig ungenossen/ Verscharren muß“ (1774o1777). Der Text zeigt anhand dieser Stelle, dass für Prinzessin Eboli Liebe ein Geschenk ist, welches nicht nur von einer Person kommen kann. Beide müssen fähig sein, den jeweils anderen zu lieben, denn Liebe im Austausch gegen Geld oder Reichtum hat auch für sie, genau wie für die Königin, nichts mit wahrer Liebe zu tun. Da sie aber herausfindet, dass Karlos ihre Liebe nicht erwidert, sondern bereits in eine andere Frau verliebt ist, kommt zu ihrer zu Beginn „reinen“ Liebe Eifersucht hinzu. Diese Eifersucht führt bei ihr zu Racheplänen, da sie zusammen mit Domingo und Herzog Alba vermutet, dass Königin Elisabeth, die ehemalige Verlobte des Prinzen und nun Frau von König Philipp, weiterhin eine Liebesbeziehung mit Karlos hat.

Der Text verwendet neben den bereits beispielhaft genannten Textstellen über die Ansichten der erotischen Liebe auch den Begriff der Liebe im Zusammenhang mit Freundschaft. Im ersten Akt, zweiter Auftritt, treffen Karlos und der Marquis von Posa aufeinander. Beide sind als Kinder zusammen aufgewachsen. Karlos fühlt sich am königlichen Hof nicht wohl, da jeder die anderen beobachtet, seine Rückschlüsse aus dem Gesehenen zieht, aber niemals direkt mit der Person darüber spricht. Dies liegt an den strengen Gesetzen und dem Protokoll, welches am spanischen Hof herrscht und einzuhalten gilt. Der Text zeigt anhand der Redeanteile von Karlos und dem Nebentext, dass sich der Prinz sehr freut, seinen Freund, in dem er einen Bruder sieht, wiederzusehen.4 Der Marquis ist gerührt von dieser Freude. Dies lässt sich dem Nebentext entnehmen. Karlos sagt über den Grund, dass er begann, den Marquis zu lieben: „Weil mich der Mut verließ, dir gleich zu sein.“ (214). An dieser Stelle zeigt der Text, dass Karlos sich seinen Freund schon als Kind zum Vorbild nahm und so sein wollte wie er. Dies gelang ihm jedoch nicht, da er als Thronfolger andere Verpflichtungen hatte. Als ihm die Erkenntnis kam, dass er nicht so sein kann wie Posa, entschloss sich Karlos, ihn grenzenlos zu lieben.

Eine weitere Form der Liebe, welche durch den Text dem Leser explizit aufgezeigt wird, ist die Vaterlandsliebe. Im ersten Akt, fünfter Auftritt, spricht Karlos zum ersten Mal in dem Werk mit seiner neuen Mutter und ehemaligen Verlobten, Königin Elisabeth. Diese Szene hat eine tragende Rolle, wenn man sich mit dem Thema Liebe beschäftigt, da es hier im Mittelpunkt steht. In Kapitel 3.3 wird gezeigt, wie der Text die gegenseitige Liebe beider implizit veranschaulicht. Karlos liebt Elisabeth immer noch und möchte erfahren, ob sie dasselbe auch für ihn empfindet. Diese trifft diesbezüglich jedoch keine genaue Aussage, sondern sagt zu Karlos folgendes: „Die Liebe ist ihr großes Amt. Bis jetzt/ Verirrte sie zur Mutter.“ (788f.). Daran lässt sich erkennen, dass sie in Karlos einen Übermittler der Liebe für das spanische Volk sieht. Im weiteren Gespräch der beiden lässt sich erkennen, dass Elisabeth in Karlos einen Überbringer der Liebe sieht, welcher sich mit Eifer auf seine politischen Handlungen konzentrieren soll (vgl. 789o795).

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Ansichten ein klares Bild ergeben. Der Text gibt den handelnden Figuren zwar unterschiedliche Auffassungen von Liebe und es werden ebenso verschiedene Formen dieser betrachtet.

2.2 Glaubwürdigkeit der Figurenrede

In diesem Kapitel soll untersucht werden, ob der Text die Aussagen, welche im vorangegangenen Kapitel dargestellt wurden, in ihrer Glaubwürdigkeit unterstützt oder ob Kontraste zu erkennen sind. Die Aussagen über die Liebe werden durch den Text durch den Schauplatz, den Nebentext und die Emotionalität der Figuren getätigt. Der Text lässt Königin Elisabeth die Aussage, dass Liebe verdient werden kann (vgl. 447), in Aranjuez tätigen. Diese einfache ländliche Gegend lässt sich mit Ungezwungenheit und Natürlichkeit verbinden. Es herrscht dort keine strenge Etikette wie am spanischen Königshof. Daraus würde ich schließen, dass die Gespräche freier sind und die Figuren eher ihre Gefühle verbal ausdrücken können als am Hof.

Weiterhin spricht die Königin mit Prinzessin Eboli und der Herzogin und betonte im vorangegangenen Textabschnitt, dass sie die Natur liebe und ungern zurück in die Stadt möchte (vgl. 389f.). Als das Gespräch auf die mögliche Hochzeit von der Prinzessin kommt, sagt sie außerdem, dass sie niemanden zu einer Hochzeit überreden will, ohne zu wissen, dass es sich um einen Bund der Liebe handelt und der Mann auch liebt (vgl. 445-448). An dieser Stelle vermute ich, dass der Text zeigen will, dass die Hochzeit zwischen dem König und Elisabeth aus politischen Gründen und nicht aus Liebe geschlossen wurde. Sie selber ist nicht glücklich damit, hat sich ihrem Schicksal jedoch gebeugt und erträgt es gelassen, möchte allerdings die Prinzessin davor warnen. Nachdem Eboli von Aufopferung spricht (vgl. 451), fordert sie sie auf, wieder aufzustehen und sagt, dass sie keine weitere Erklärung benötige (vgl. 452).

An einer weiteren Stelle verspricht sie Marquis von Posa: „Mein Herz, / Versprech` ich Ihnen, soll allein und ewig/ Der Richter meiner Liebe sein“ (4374f.). Der Text lässt es sie nicht nur sagen, sondern versprechen. Somit wurde ihre Aussage noch mehr verstärkt. Das Gespräch der beiden findet in einem Zimmer der Königin statt. Dies ist eines ihrer Räume, in denen sie Einfluss darauf hat, wer sie betreten darf. Hier hat sie Privatsphäre und wird von niemandem beobachtet. Der Marquis erzählt ihr von der Gefangennahme des Prinzen und bittet die Königin, Karlos zu erinnern, dass die Befreiung von Flandern seine Aufgabe ist. Der Nebentext zeigt zu Beginn der Szene, dass sie erschrocken ist über den Anblick des Marquis. Diese Erschrockenheit spiegelt sich auch in ihren Worten wider: „Sei machen/ Mich zittern, Marquis- alle ihre Züge/ Wie eines Sterbenden entstellt“ (4206ff.). Weiterhin ist auffällig, dass der Text die Redeanteile im starken Kontrast zueinander stellt. Während die Königin in kurzen Passagen immer wieder neue Fragen über die Gefangennahme des Prinzen stellt und den Plan des Marquis erfahren will, antwortet dieser in langen Abschnitten und bittet sie schließlich um das Versprechen. An diesen beiden Textstellen lässt sich erkennen, dass die Aussagen der Königin mit ihrem Handeln übereinstimmen und diese somit glaubwürdig machen.

Die bildliche Darstellung der Ansicht über die Liebe lässt der Text Prinzessin Eboli in einem Kabinett machen. Auch hier geschieht dies in einem privaten Raum, wo lediglich ihr Gesprächspartner, Karlos, anwesend ist.

Zuvor schickte Eboli einen Pagen zu Karlos, um ihn einen Brief zu geben und sich mit ihr zu treffen, da sie in ihn verliebt ist (vgl. Zweiter Akt/ Vierter Auftritt). Karlos dachte, dass der Brief von der Königin stammt und freute sich im höchsten Maße darüber. Für ihn war es ein Zeichen der Liebe ihrerseits. Der Nebentext verdeutlicht sein Erschrecken. Als die Prinzessin erkennt, dass Karlos nicht sie für die Absenderin des Briefes gehalten hat, war sie zunächst überrascht, versucht dies aber zu überspielen. Auffallend ist jedoch, dass sobald das Thema Liebe explizit ausgesprochen wird, die Aussage von Prinzessin Eboli, dass Karlos ohne Hoffnung liebt, mit dem Nebentext, dass sie dies in Munterkeit sagt, im starken Kontrast zueinander steht (vgl.1606-1609). Sie versucht, ihre wahren Gefühle zu verbergen und erwartet zuerst die Reaktion von Karlos. Während die Königin im gesamten Drama durch den Text als ausgeglichene Persönlichkeit dargestellt wird, ist bei Prinzessin Eboli das Gegenteil der Fall. Sie lässt sich von ihren Gefühlen leiten und schmiedet, nach dem sie in diesem Auftritt erfährt, dass Karlos eine andere liebt und es sich dabei wahrscheinlich um Königin Elisabeth handelt, Rachepläne, welche sie am Ende des Stückes jedoch bereut (vgl. 1946f.). Verknüpft man ihre Bitte in Akt eins, Auftritt drei, dass die Königin sie vor der Hochzeit mit Graf von Silva schonen soll, und ihre Aussage, dass Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, so lässt sich erkennen, dass sie ihre Worte ernst gemeint hat.

Ebenso unterstützt der Text Karlos Vorstellungen von freundschaftlicher Liebe. Hier, als auch in dem anschließend beschriebenen Textausschnitt, findet das Gespräch in Aranjuez statt. In der zweiten Szene des ersten Aktes trifft Karlos auf seinen Freund aus Kindestagen, den Marquis von Posa. Nebentext für die Textpassagen des Karlos gibt es nicht. Dies lässt vermuten, dass die Figurenrede selbstredend ist. Bereits im ersten Auftritt des ersten Aktes wurde deutlich, dass sich Karlos zu Beginn des Dramas von seinen Gefühlen leiten lässt. Schon als Kind nahm er sich den Marquis zum Vorbild und empfand tiefe freundschaftliche Gefühle für ihn (vgl. 213f.). Im gesamten Auftritt spricht er ehrlich zu ihm. Er öffnet sich dem Marquis. Daran lässt sich erkennen, dass ihm diese Freundschaft am Hof, wo nur Intrigen und Misstrauen herrscht, sehr wichtig ist.5 Somit lässt sich sagen, dass seine Ansicht der Liebe glaubwürdig ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass immer, wenn der Text Liebe explizit darstellt, die Äußerungen mit der Einbindung in die ästhetische Form glaubwürdig wirken. Daraus lässt sich schließen, dass der Text die Figuren zwar nicht allzu oft konkret über ihre Meinungen zur Liebe sprechen lässt, jedoch wenn es thematisiert wird, ist es auch ernst gemeint. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass das explizite Sprechen darüber entweder in privaten Räumlichkeiten, oder in Naturräumen stattfindet. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit der Aussagen noch mal verstärkt.

3. Implizit dargestellte Verknüpfung zwischen Liebe und Freiheit

Wird die implizite Darstellung betrachtet, lässt sich erkennen, dass der Text viel mehr Stellen aufweist, als dies bei der expliziten Darstellung der Fall ist. Aber auch hier sind die einzelnen Stellen gleichmäßig über den Text verteilt. Auch werden die zwei zentralen Themen des Dramas, Liebe und Freiheit, implizit miteinander verknüpft. Im nun Folgenden soll gezeigt werden, wie die Figurendarstellung (3.1), die Schauplatzdarstellung (3.2) und die Handlungsdarstellung (3.3) das Thema Liebe formensprachlich veranschaulichen.

3.1 Zwiespalt durch Liebe

Eine interessante Feststellung ist, dass nur wenige Figuren explizit über Liebe reden (2.1), allerdings alle zentralen Figuren durch den Text mit diesem Thema implizit verknüpft werden. Weiterhin weiß der Leser so gut wie nichts über die Kleidung der handelnden Figuren. Beim Leser würde über die optische Vorstellung ein Bild im Kopf entstehen, welches wie bei dem Kennenlernen einer Person subjektiv beeinflusst. Aus diesem Grund vermute ich, verzichtet der Text auf diese Details und konzentriert sich im Wesentlichen auf die verbale und nonverbale Kommunikation zwischen den Figuren.

Jede der handelnden Figuren, welche durch den Text implizit mit Liebe in Verbindung gebracht wird, hat einen inneren Zwiespalt. In diesem Kapitel soll dieser Zwiespalt beziehungsweise Konflikt anhand der Figurenrede und ihren Eigenschaften erläutert werden.

Königin Elisabeth wird durch den Text als die wichtigste Figur bei dem Thema Liebe dargestellt. Immer, wenn über dieses Thema geredet wird, verwendet sie Befehle, so zum Beispiel im ersten Akt, fünfter Auftritt zu Karlos, als er von ihr wissen will, ob sie ihn immer noch liebt, oder ebenfalls im ersten Akt, dritter Auftritt, als sie ihre Tochter sehen möchte: „Vergessen Sie es ja nicht, / Mich zu erinnern wenn sie kommt.“ (467f.). Dies steht miteinander im Kontrast.

Ebenso zu erkennen ist, dass bei Elisabeth, Karlos und Eboli große Redeanteile zu finden sind, wenn sie ihre Gefühle anschaulich darstellen. Auch der Marquis von Posa verwendet diese Bildlichkeit.

Der König hingegen steht im Kontrast zu den anderen bereits genannten Figuren. Der Text lässt ihn nur selten, und wenn, dann auch nur in kurzen Passagen über seine Gefühle sprechen. Dadurch wird durch den Text erzeugt, dass der Leser den König zunächst als gefühllose Figur wahrnimmt, welche nur auf Politik fokussiert ist. Dies stimmt jedoch nicht. König Philipp hat einen inneren Konflikt zwischen dem Regieren des spanischen Volkes auf der einen Seite und der strengen Etikette am Hof, sowie sehnt er sich auf der anderen Seite nach einem Vertrauten, welcher sich für ihn als Person und nicht als Staatsmann interessiert. Ein Beispiel hierfür ist das Gespräch zwischen ihm und Karlos, in welchem er feststellt, dass er allein ist (vgl. 1111).

[...]


1 Greis, Jutta: Drama Liebe. Zur Entstehungsgeschichte der modernen Liebe im Drama des 18. Jahrhunderts. Stuttgart: Metzler 1991. S.3.

2 Stich, Fritz: Schiller. Sein Leben und sein Werk. Leipzig: 1912

3 Schiller, Friedrich: Don Karlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht. Letzte Ausgabe 1805. In: Friedrich Schiller. Don Karlos. Hrsg. von Gerhard Kluge. Bd.35: Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 2009. S. 773o987. Alle Versangaben im Text beziehen sich auf diese Ausgabe.

4 Koopmann, Helmut: Don Karlos. In: Interpretationen Schillers Dramen. Hrsg. von Walter Hinderer. Stuttgart: Reclam 1992. S.189.

5 Engelmann, Christiana/ Kaiser, Claudia: Möglichst Schiller. Ein Lesetagebuch. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2004. S.48.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Darstellung von Liebe in Friedrich Schillers "Don Karlos"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V1113016
ISBN (eBook)
9783346485335
ISBN (Buch)
9783346485342
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, liebe, friedrich, schillers, karlos
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Darstellung von Liebe in Friedrich Schillers "Don Karlos", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1113016

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