Das Brokerage-Geschäft im Wandel. Die Konkurrenzfähigkeit des klassischen Broker-Geschäfts im Vergleich zum Onlinebroker-Geschäft


Hausarbeit, 2021

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen
2.1 Das Broker-Geschäft
2.2 Klassische Broker
2.3 Onlinebroker

3. Theorem der Broker-Generation Z
3.1 Broker-Generation Z
3.2 Einfluss auf das Broker-Geschäft

4. Analyse
4.1 Wandel vom klassischen Broker zum Onlinebroker
4.2 Bewertung vom Wandel
4.3 Handlungsempfehlung

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhänge
Anhang 1
Anhang 2

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Trader Generationen

Abbildung 2: MSCI World - Jan. 2007 bis Jan. 2021

Abbildung 3: Großes Potenzial für neue digitale Finanzangebote

Abkürzungsverzeichnis

bzw. beziehungsweise

DAX Deutscher Aktienindex

ETF Exchange Traded Fund (Börsengehandelte Indexfonds)

MSCI Morgan Stanley Capital International (Finanzdienstleister) / Der MSCI World ist ein ETF von diesem Finanzdienstleister

S&P 500 Standard & Poor’s 500 (Von Standard & Poor’s veröffentlichter Index)

usw. und so weiter

WGZ Westdeutsche Genossenschaftszentralbank

z.B. zum Beispiel

1 Einleitung

Bei der Betrachtung von Finanzanlagen wird die fehlende Risikobereitschaft der Allgemeinheit in Deutschland leicht sichtbar. So sind vor allem die Giro- und Sparkonten das bei weitem meistgenutzte Mittel zur Geldanlage. Hierbei liegt auf deutschen Girokonten ein durchschnittliches Guthaben von 4.300 Euro und das durchschnittliche Sparguthaben beträgt 29.400 Euro. In den Haushalten mit Personen von 65 bis 74 Jahren sind noch bei 27 % Bausparverträge zu finden. Aktien sind dahingegen ein kaum genutztes Mittel zur Geldanlage. So sind lediglich 10 % aller deutschen Haushalte im Jahr 2017 im direkten Besitz von Aktien, welche dann aber einen durchschnittlichen Wert von 39.000 Euro aufweisen.1

Ab dem Frühjahr 2020 hat sich ein verstärktes Interesse an Aktien in Deutschland breitgemacht. So haben zu diesem Zeitpunkt etwa 12 % der Bevölkerung in Aktien investiert, was entgegen den knapp 50 % in den USA trotzdem noch unterdurchschnittlich ist. Besonders auffällig für den positiven Trend sind die 500.000 neuen Wertpapierdepots, welche im ersten Halbjahr 2020 Umfragen zufolge eröffnet wurden. Ein Grund dafür stellt der technologische Fortschritt dar, durch den ein einfacher Zugang und Umgang mit dem Aktienmarkt ermöglicht wird. Über wenige Klicks kann auf einem Smartphone ein Depot eingerichtet, ETFs und Aktien betrachtet und eben diese dann auch gekauft oder verkauft werden. Zudem bietet ein Kurssturz, bedingt durch die Corona-Pandemie, branchenübergreifend für Privatanleger eine gute Einstiegsmöglichkeit. Ein weiterer Grund ist die Attraktivität von Aktien gegenüber z. B. Anleihen bei Betrachtung der Rendite und Risiken. Doch gerade dieser einfache und schnelle Zugriff auf den Aktienmarkt führt bei Unerfahrenheit oder zu eifrigem Handeln zu Fehlern und somit Kapitalverlusten.2

Auch wenn es günstige Einstiegschancen gibt, wirkt die Steigerung an Aktionären entgegen dem Klischee der deutschen Vorsicht. Da der Trend nicht nur in Deutschland vorzufinden ist, stellt sich im Folgenden die Frage, was begünstigende Faktoren für einen erhöhten Anstieg von Personen mit Interesse am Wertpapierhandel sind. Innovative Möglichkeiten, um im Internet bei sogenannten Onlinebrokern zu handeln ist hierbei ein nennenswerter Grund, welcher es Personen erleichtert, am Aktienmarkt aktiv zu werden. Die technologischen Möglichkeiten sprechen hierbei besonders junge Menschen an, was im Folgenden im Rahmen der weiteren Ausarbeitung zu dem Theorem über die Broker-Generation Z führt. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht in diesem Zusammenhang die Leitfrage, wie sich der Wandel vom Bankmarkt und im speziellem vom Brokerage-Geschäft, auf die Konkurrenzfähigkeit klassischer Broker ausübt und wie die Entwicklung mit Bezug auf die Broker-Generation Z zu bewerten ist.

2 Theoretischer Rahmen

Um das Theorem der Broker-Generation Z und den Wandel vom klassischen Broker zum Onlinebroker verständlich aufarbeiten zu können, gilt es im Vorhinein zu bestimmen, was unter einem Broker, Brokerage, sowie dem Broker-Geschäft zu verstehen ist. Ebenso von Relevanz im Rahmen der weiteren Ausführung ist das Bestimmen eines definitorischen Ansatzes von einem klassischen Broker, wie auch von einem Onlinebroker.

2.1 Das Broker-Geschäft

Der Begriff Broker ist überwiegend im Zusammenhang mit Dienstleistern vorzufinden, welche Unterstützung im Bereich der Geldanlage anbieten. Zu verstehen ist unter dem Begriff Broker zunächst lediglich ein Makler als Dienstleister für Abwicklungen an der Börse. Hierbei werben diese unter anderem mit zu besparenden Fonds und ETFs, als auch damit den Wertpapierhandel für Kunden abzuwickeln. Es können also von Kunden Aufträge gestellt werden, bei denen Kapital z. B. in eine Aktie investiert werden soll und der Broker würde diesen Handel für den Kunden durchführen und das Wertpapier verwalten. Ein Wertpapier ist eine Urkunde, welche einem Inhaber das private Vermögensrecht ausüben lässt. Diese lagen den Investoren traditionell in Papierform vor, sind heute aber nur in Konten zur Verbuchung, sogenannten Depots, vorzufinden, was keine eigene Verwahrung in etwa einem Schließfach mehr ermöglicht. Wertpapiere können Aktien, Anleihen, Fondsanteile usw. sein. Der Prozess dieser Wertpapierbeschaffung und -verwaltung, als auch gegebenenfalls die Beratung von Kunden, werden klassisch mit Maklergebühren honoriert. Die Ausführung von diesem Aufgabenspektrum, als auch die dadurch eintretenden Einnahmen der Broker, werden unter dem Begriff Brokerage zusammengefasst. Es sollte dabei noch eine Abgrenzung zum Broker-Geschäft vorgenommen werden, da hierunter nur die Auftragsannahme und -ausführung der Börsenangelegenheiten von privaten und institutionellen Investoren zu verstehen ist.3

Um als Investor handeln zu können, bedarf es im Vorhinein ein Depot, welches bei jedem Bankinstitut eröffnet werden kann. Online-Banken, bzw. allgemein die Onlinedienste von jeglichen Bankinstituten, vereinfachen die Depotführung durch die Überwachung und Ausführung von Tätigkeiten unabhängig von Ort und Zeit. Hierbei kann die Depoteröffnung, -führung, wie auch Käufe und Verkäufe von Wertpapieren mit Gebühren verbunden sein. Wofür Gebühren anfallen, als auch die Höhe dieser, weichen je nach Geschäftsmodell ab, weshalb als Anleger eine vorherige Recherche zu Depot-Konditionen fundamental ist. Transaktionen können je nach Bankinstitut online, per Telefon, über eine App oder auch klassisch per Fax abgewickelt werden. Der Depotwechsel zu einem anderen Institut gestaltet sich in den meisten Fällen einfach, falls im Nachhinein Unzufriedenheiten auftreten oder Opportunitäten durch einen Wechsel genutzt werden möchten. Bei dem Wunsch zum z. B. Kauf einer Aktie sollte der Investor, falls möglich, einen geeigneten Handelsplatz, also eine Börse oder einen Direkthändler, aussuchen. Beim Börsenhandel wird Kauf und Verkauf von Menschen oder Online-Systemen koordiniert, während beim Direkthandel Fondsanteile und Aktien im Bestand sind und der Preis von Handelshäusern oder einer Bank bestimmt wird. Die relevanten Faktoren bei der Auswahl vom Handelsplatz sind die Handelszeiten und Transaktionskosten. Hier sind auch wesentliche Unterschiede von einem klassischen Broker im Gegensatz zu einem Onlinebroker zu erkennen.4

2.2 Klassische Broker

Der klassische Broker ist der Berater eines Bankinstituts, welcher seine Dienste im Wertpapierhandel anbietet. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter einem Broker auch das Bankinstitut mit seinem Brokerage-Geschäft als Ganzes verstanden und nicht nur einzelne Berater. In Vergleichsanalysen werden das Brokerage-Geschäft der Banken dabei dann meist auf Kosten und angebotene Dienste geprüft und auch Onlinebrokern gegenübergestellt. Klassisch bieten Banken das Angebot an, dass Investoren mit Beratern von Banken in einem persönlichen Kontakt stehen und einen festen Ansprechpartner haben. Dabei gehört zum Aufgabenspektrum des Beraters die Aufklärungsarbeit für Neuinvestoren über den Wertpapierhandel und dem Angebot an möglichem Service, der vom Dienstleister bereitgestellt wird. Mit einer Depoteröffnung steht der Broker mit Analysen über den Markt und Wertpapieren dem Investor beiseite, um eine dem Investor angepasste Strategie für ein angemessenes Depot zu erstellen. Wesentlich ist dabei die Bestimmung, ob der Kunde eine Risikoaversion aufweist und somit der Fokus auf der Sicherheit liegen sollte, ihn eine Risikoaffinität auszeichnet, wonach hohes Risiko für hohe Gewinne oder auch Verluste eingegangen werden kann oder er risikoneutral ist.5

Die teilweise zeitaufwendigen Arbeiten im Rahmen des Dienstleistungsportfolios bringen folglich Kosten mit sich, welche direkt im Rahmen der Beratung, durch die Depoteröffnung, die Depotverwaltung oder auch bei Kauf und Verkauf von Wertpapieren anfallen können. Hierbei können diese Kosten einmalig sein, wie Orderkosten bei einem Wertpapierkauf oder es können jährliche Kosten auftreten, wofür Fondsanlagen ein Beispiel sind. Die Kosten können dabei auch prozentual auftreten, was anfallende Kosten besonders bei Fonds unübersichtlich gestalten kann.6

2.3 Onlinebroker

Gerade der Faktor Kosten bewegt Trader sich vermehrt mit dem Angebot von Onlinebrokern auseinanderzusetzen. So werden der Service und die Beratung eingeschränkt angeboten und dadurch Spesen eingespart. Daten und Ordermöglichkeiten können online im Browser oder per App betrachtet und ausgeführt werden. Es gibt dabei Onlinebroker mit ausschließlichem Onlinedienst, aber auch Banken passen sich hier an und bieten ihre Dienste vermehrt online an. Auch wenn der Faktor Kosten den Kunden, die sich selbst über dem Markt informieren, entgegenkommend ist, müssen diese online dafür von einem eingeschränkten Angebot ausgehen. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum klassischen Brokerage ist zudem die Depoteröffnung und -führung, sowie das vereinfachte Handeln. So muss der Investor standardmäßig online zunächst eine Registrierung mit einem Benutzernamen und einem Passwort durchführen und hat dann eingeloggt in der Trading-Software den Zugriff auf Depotdaten, Analysen, Kursverläufe und die Möglichkeit vereinfacht Sparpläne, als auch Käufe und Verkäufe über wenige Klicks auszuführen. Wichtig ist es hierbei auf Steuerdaten zu achten, sich über Risiken beim Onlinehandel zu informieren, wie auch die Gebühren der Depotführung oder von z. B. einem Kauf oder Verkauf rauszusuchen, da meistens kein Berater dazu die nötigen Informationen weitergibt, sondern von einer Selbstrecherche ausgegangen wird. Notwendige Einblicke in die Kostenstruktur können hier Preis- und Leistungsverzeichnisse geben.7

3 Theorem der Broker-Generation Z

3.1 Broker-Generation Z

Wichtig ist Beschaffung von Informationen über die Kostenstrukturen besonders für junge Trader, weil diese oft noch keine Vorerfahrungen bei allgemeinen Geschäftsabwicklungen besitzen und besonders keine im Bereich Spar- und Geldanlage. Viele nehmen die Hilfe der Eltern im jungen Alter in Anspruch und sparen nach deren Empfehlung das Geld auf einem Sparbuch oder richten sich einen Bausparvertrag ein. So haben 18-Jährige bis 24-Jährige mit der Volljährigkeit etwa 48 % des Geldes auf einem Sparbuch angelegt und 26 % sind im Rahmen eines Bausparvertrages angelegt.8 Doch ist besonders in den letzten Jahren eine starke Entwicklung eben dieser Zielgruppe hin zur Geldanlage mit Aktien aufgetreten. Während im Jahr 2018 nur 19 % in Aktien investierten, sind es 2019 schon 39 %. Im Folgenden werden diese jungen Trader als Broker-Generation Z aufgeführt und deren Zusammenhang zum Wertpapierhandel verdeutlicht, woraufhin der Einfluss dieser Gruppe auf das Broker-Geschäft erläutert werden kann.9

Die Generation Z kann von anderen Generationen durch das kulturelle Denken, anderen Verhaltensweisen und der Auslebung abweichender soziale Normen abgegrenzt werden. Älteren Generationen fällt es durch fehlendes Verständnis für das Weltbild dieser Generation, wie auch durch stereotypes, schwierig, die Personen der jungen Generation und deren Handlungsweisen nachzuvollziehen. Die junge Generation ist durch die digitale Umwelt und jeglichem technologischen Fortschritt geprägt und genießt die Möglichkeit auf mehr Bildungsmöglichkeiten für eine größere Menge an Menschen. Die jungen Generationen entwickeln sich auf Grundlage der von älteren Generationen geschaffenen Umwelt und auch wenn diese oft von älteren Generationen als faul und unhöflich bezeichnet werden, hängt diese Entwicklung mit der gegebenen Umwelt und der Erziehung zusammen. Die Generation der Baby Boomer, zwischen 1946 und 1964 geboren, wuchs in der Nachkriegszeit auf und war inmitten einer wirtschaftlichen Depression, weswegen diese besonders den Erfolg aus harter Arbeit zu schätzen lernten, wohingegen die Generation X, zwischen 1965 und 1980 geboren, in einer Umgebung mit ersten maßgeblichen technologischen Schritten Richtung der Moderne mit den ersten Computern aufwuchs und deswegen ein anderes Bild über harte Arbeiten entwickelten. Die Generation X schätzte es, dass Mann und Frau arbeiten und gelten insgesamt als skeptisch und pragmatisch. Es wurde aufgrund vom Vorbild der Generation der Baby Boomer das harte Arbeiten zunehmend verurteilt und daher mehr versucht eine Balance zwischen Arbeit und Familie zu schaffen. Es steht im Vordergrund, eine unterstützende Rolle als Elternteil zu sein und öfter bei Problemen für einen da zu sein. Diese Generation ist größtenteils die Elternschaft der Generation Z und hat damit den größten Einfluss auf diese. Zwischen 1980 und den 1990ern ist die Generation Y, oder auch Millennials genannt, zur Welt gekommen, welche als sehr selbstbewusst und auf sich selbst bedacht charakterisiert werden.10 Als Folge von dem Einfluss vorheriger Generationen und der Entwicklung der Umwelt, ist die Generation Z anderen gegenüber sehr direkt und ehrlich, auch wenn die Kommunikation oftmals nur noch über Social-Media-Plattformen stattfindet. Es wird ein großer Wert darauf gelegt, Dinge selber anzugehen, wobei die Technik auch hierfür das Fundament durch viele Anleitungen und Lehrvideos im Internet legt. Vor allem der Gründergeist, die Toleranz und der Wille, früh schon eigenständig Geld zu verdienen, zeichnet diese Jugend aus. Weitere prägende Charakteristika der Generation Z sind die Ungeduld und das schnelle Ausprobieren neuer gegebener Möglichkeiten, gerade im Zusammenhang mit der Technik. Diese Eigenschaften bilden den Ursprung vom steigenden Interesse am Wertpapierhandel dar, weil hier, vereinfacht durch unter anderem neue Onlinebroker, die Möglichkeit gegeben wird auch kleines Kapital gewinnbringend kurz-, mittel- und langfristig anzulegen.11 Doch den Wertpapierhandel mit seinen Höhen und Tiefen sowie die Möglichkeit diesen zu nutzen, gibt es schon sehr lange. Der erste Börsencrash soll sich 1637 bereits zugezogen haben, wobei der Auslöser auf Tulpenzwiebeln beruhen soll. Die Generation der Baby Boomer, als hier aufgeführter Einfluss auf die Generation Z, haben ebenfalls an der Börse Wertpapiere kaufen und verkaufen können, aber auch wenn das Prinzip in sich gleich war, gab es gravierende Unterschiede in der Praxis. So war für den Vermögensberater oder Börsenmakler eine an der Telefonleitung angebrachte Schreibmaschine essenziell, der Fernschreiber. Darüber konnten die Aufträge weitergeleitet werden. Zum Erwerben einer Aktie wurden in den 70er Jahren Aufträge schriftlich ausgefüllt und per Post an die WGZ übermittelt. Bei Bestätigung des Auftrages ging dieser dann wieder per Post zurück, wodurch der Prozessablauf mehrere Tage Wartezeit mit sich brachte (Vgl. Abbildung 1). Oftmals musste Personal über das Telefon Börsenkurse abfragen, um einen aktuellen Stand haben zu können. Trotz aller Nachteile ist auch von Relevanz, dass kurzfristige Entscheidungen und Spekulationen damals keinen Sinn hatten, weil sich entsprechend der langsamen Abwicklung auch die Kurse nur über einen längeren Zeitraum hinweg leicht veränderten. Privatpersonen hatten unter anderem deshalb zur damaligen Zeit kein großes Interesse an dem Aktienmarkt, Geld konnte auch anders sinnvoll investiert werden.

Abbildung 1: Trader Generationen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. in Anlehnung an (Dortmunder Volksbank eingetragene Genossenschaft, 2020)

3.2 Einfluss auf das Broker-Geschäft

Interesse am Aktienmarkt zahlt sich aber auch besonders in Hinblick auf die Wirtschaft aus, da Veränderungen auf den Kapitalmärkten einen Indikator für wirtschaftliche Entwicklungen darstellen können. Ein Beispiel für die Signifikanz der Kapitalmärkte ist die empirische Rechnungswesenforschung, wo die Verarbeitung von Informationen in den Bilanzen mit den Aktienmärkten abgeglichen wird. Zudem beziehen sich Medien oft auf die Entwicklung auf den Kapitalmärkten, weil Veränderungen in Politik, Wirtschaft, Forschung und der Gesellschaft sich dort als neue Trends und Entwicklungen absehen lassen. Damit dienen Aktienmärkte als Argumentationsgrundlage zu aktuellen Vorkommnissen und geben eine Basis, um Prognosen für kommende Entwicklungen abgeben zu können. Eben dieser teilweise blinde Verlass darauf, dass der Kapitalmarkt durch viele Anbieter und Nachfrager nach den aktuellen Geschehnissen und zukünftigen Erwartungen einer Mehrzahl von Personen handelt, kann zu voreiligen (falschen) Schlüssen führen, welche gerade durch eine Verbreitung von Medien in der heutigen digitalen Welt ein unkontrollierbares Ausmaß annehmen kann. Ursachen für einen Kapitalmarkt mit wenig Aussage über die Wirklichkeit können staatliche Eingriffe, das Handeln aufgrund falscher weitverbreiteter Informationen oder irrationales Handeln in Anbetracht aktueller Umstände sein. Ein Beispiel für letzteres bilden viele junge Trader, welche nach dem Crash auf dem Aktienmarkt im Rahmen der Corona-Krise begonnen haben zu investieren.12

Die Irrationalität beim Handeln junger Menschen kann hierbei auf das Finanzwissen zurückgeführt werden. So ergab eine Befragung, dass beinahe jede fünfte junge Person in Deutschland das eigene Finanzwissen mit mangelhaft oder schlechter benoten würde. Im Durchschnitt würde sich 3,3 als Schulnote über das Finanzwissen bei jugendlichen in Deutschland ergeben, was kaum eine Steigerung zu der Schulnote 3,4 aus der Studie im Jahr 2016 ist. Im Rahmen dieser Studie wurden 1.600 Deutsche im Alter zwischen 16 und 25 Jahren bezüglich ihrer Finanzbildung befragt. Besonders kritisch ist zu betrachten, dass 40 % als Schulnote 5 oder 6 bei einem Fach Finanzbildung erwarten würden. Der Mangel an Wissen über den Finanzsektor wurde anhand von zentralen Begriffen wie Rendite, Inflation, Liquidität, Aktie, Sparplan, Tagesgeld, Zinsen und DAX geprüft. Bei der Fragestellung, ob die befragten Personen die Begriffe einer anderen Person erklären könnten, stach besonders positiv der Begriff Zinsen hervor, den rund 87 % an Personen einer weiteren Person erklären könnten, gefolgt von den Begriffen Aktie (76 %) und Inflation (65 %). Besonders negativ vielen die Kenntnisse zu Liquidität (48 %), DAX (47 %) und Rendite (44 %) auf. Auffällig ist ebenfalls, dass die 22-jährigen bis 25-jährigen Befragten nicht die Begriffe Liquidität (53 %) und Rendite (etwa 50 %) erklären können, was auf einen Mangel an Wissen über das Finanzwesen zurückzuführen ist. Diese Begriffe sind auch im Privatleben fundamental im Umgang mit Vermögenswerten. Ein bedeutender Grund für die Wissenslücke über das Finanzwesen ist die fehlende Bearbeitung vom Thema in der Schule, weil nur etwa 19 % sich privat mit dem Thema beschäftigen.13 Im Rahmen einer weiteren Studie wurde der Einfluss von Medien auf das Kaufverhalten von Investoren analysiert, wobei Handelsdaten von einem kleinen und großen Discount Broker, einem großen Broker mit vollem Serviceangebot und von der Plexus Group betrachtet wurden. Unter einem Discount Broker wird ein Broker mit einem eingeschränkten Serviceangebot verstanden, also mit kaum bis keine Beratung über das Themengebiet Finanzen und den Wertpapierhandel, sowie mit kaum bis keine Analysen. Diese Daten gestalten sich insofern interessant, als dass junge Menschen einen stärken Bezug zu Social Media und Internetdaten haben und darüber viele Informationen aufnehmen, wie z. B. über Finanzblogs, Videos oder Artikel und Berichten von Handelsblättern, welche im Internet veröffentlicht werden. Somit wird hier ein besonderer Einfluss auf deren Kaufverhalten geschaffen. Die Plexus Group ist ein Beratungsunternehmen, welches für institutionelle Kunden den Handel von professionellen Managern betrachtet.14 Es ist dabei festzuhalten, dass bei einer Betrachtung unterschiedlicher alternativen Aufmerksamkeitserregende Qualitäten eher bei einer Entscheidungsfindung in Betracht gezogen werden. Heißt beim Finden von Wertpapieren ist eine Übersicht aller Möglichkeiten unmöglich, weshalb im Vordergrund eben diese stehen, welche kürzlich Aufmerksamkeit erregten. Professionelle Wertpapierhändler lassen sich weniger zu einem Kauf aufgrund von hoher Aufmerksamkeit bewegen, sondern handeln nach meist festgelegten Kriterien, wie etwa nur einem festgelegten Sektor mit einem computergestützten Algorithmus, um nicht bei der Suche durch zu viele Wertpapiere gute Möglichkeiten zu verpassen. Individuelle Investoren zeigen jedoch insgesamt präferierte Käufe von Wertpapieren mit Aufmerksamkeit auf, was bei institutionellen Investoren nicht der Fall ist.15 Im Zusammenhang mit dem Anstieg von jungen Tradern am Markt fällt oft der Begriff Millennial-Trader oder Robinhood-Trader. Robinhood stellt hierbei einen modernen Onlinebroker mit provisionsfreiem investieren dar, wo vor allem junge Menschen das Handeln starten. Dort wurden im ersten Quartal 2020 etwa 3 Millionen neue Accounts geöffnet und gerade nach dem Corona-Lockdown sahen viele die optimale Möglichkeit zum Einsteigen in den Handel, sodass die Gesamtpositionen bei Robinhood rasant stiegen. So stiegen diese von September 2019 mit etwa 13 Millionen auf etwa 14,5 Millionen im Januar 2020 und daraufhin auf etwa 32 Millionen im Mai 2020, nachdem im März der Lockdown ausgerufen wurde und der Markt crashte.16 Insgesamt konnte auf dem Aktienmarkt in dieser Zeit eine V-Kurve beobachtet werden, was bedeutet, dass die Kurse in einem kurzen Zeitraum stark gefallen sind, sich aber schnell wieder erholt haben. Rund um die Weltfinanzkrise ab August 2007 konnte eine U-Kurve beobachtet werden, wobei die Kurse auch relativ stark in einem kurzen Zeitraum gefallen sind, aber einen längeren Zeitraum zur Erholung in Anspruch nahmen. Der MSCI World zeigt hierbei das Ausmaß der Entwicklungen infolge der beiden Krisen genauer auf (Vgl. Abbildung 2). Der MSCI World Index beinhaltet 1585 mittelgroße und große Unternehmen, gemessen an der Marktkapitalisierung, aus 23 verschiedenen entwickelten Märkten. Hierbei werden etwa 85 % von dem Streubesitz der Marktkapitalisierung in jedem dieser Industrieländer durch den Index abgedeckt. Der Index deckt des Weiteren verschiedenste Sektoren ab, wie zum Beispiel mit 22,07 % Informationstechnologien, mit 12,95 % den medizinischen Sektor und mit 12,77 % den Finanzsektor. Eine Länderdifferenzierung liegt jedoch nur bedingt vor, weil Unternehmen aus den USA mit 66,08 % den größten Anteil im Index abdecken.17 Es kann hier in Anbetracht der Daten über eine Parallele zwischen der V-Förmigen Entwicklung auf dem Aktienmarkt und den vielen neuen, meist jungen, Tradern spekuliert werden, aufgrund der starken Abweichung der Entwicklung auf dem Aktienmarkt nach der Weltfinanzkrise und infolge der Corona-Pandemie. Besonders deutlich wird die Marktmacht dieser jungen Trader und die Möglichkeiten mithilfe schnellen Handelns per App hohe Gewinne zu erreichen, bei Betrachtung des Anstiegs von Aktien wie GameStop, 1700 % Wertanstieg der Aktie in einem Monat, Blackberry (280 %) und AMC (840 %). Hierbei haben sich viele junge Trader über die Website Reddit im dortigen Forum WallStreetBets zusammengeschlossen (7,9 Millionen Mitglieder, 01.02.2021) und zusammen in Aktien investiert, wo große Hedgefonds auf sinkende Kurse gesetzt haben. Das Resultat sind Milliarden US-Dollar Verluste von diesen Hedgefonds und hohe Gewinne für die jungen Trader.18

[...]


1 Vgl. (Deutsche Bundesbank, 2017), S. 36 f.

2 Vgl. (Steffen, 2020)

3 Vgl. (Gerke, 2002), S. 169 f.

4 Vgl. (Pilz, 2015), S. 170 ff.

5 Vgl. (Michalky, et al., 2008), S. 53

6 Vgl. (Stiftung Warentest, 2016), S. 59

7 Vgl. (Michalky, et al., 2008), S. 53 f.

8 Vgl. (Comdirect, Consorsbank, ING-DiBa, 2020), S. 12

9 Ebenda, S. 21

10 Vgl. (Grace, et al., 2016), S. 1 ff.

11 Vgl. (Dangmei, et al., 2016), S. 2 f.

12 Vgl. (Zimmermann, 2020)

13 Vgl. (Comdirect, 2019)

14 Vgl. (Barber, et al., 2006), S. 9

15 Ebenda, S. 23 ff.

16 Vgl. (Fitzgerald, 2020)

17 Vgl. (MSCI Inc., 2020)

18 Vgl. (Lorenz, et al., 2021)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Brokerage-Geschäft im Wandel. Die Konkurrenzfähigkeit des klassischen Broker-Geschäfts im Vergleich zum Onlinebroker-Geschäft
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1113044
ISBN (eBook)
9783346479785
ISBN (Buch)
9783346479792
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde im 5. Semester (General Management, B. Sc.) für den Schwerpunkt Banking and Finance angefertigt und diskutiert das vermehrte Hervorgehen und das Nutzen von Onlinebrokern. Im Rahmen der Hausarbeit wird eine "Broker-Generation Z" als prägendes Indiz für diesen Wandel aufgeführt und weiter erklärt.
Schlagworte
Brokerage, Onlinebroker, Broker-Geschäft, Klassische Broker, Broker-Generation Z, Banking and Finance
Arbeit zitieren
Fynn Bady (Autor:in), 2021, Das Brokerage-Geschäft im Wandel. Die Konkurrenzfähigkeit des klassischen Broker-Geschäfts im Vergleich zum Onlinebroker-Geschäft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1113044

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Brokerage-Geschäft im Wandel. Die Konkurrenzfähigkeit des klassischen Broker-Geschäfts im Vergleich zum Onlinebroker-Geschäft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden