Fast 20 Jahre nach der Wende erscheint es selbstverständlich, dass ein Aufholprozess notwendigerweise langfristiger Art sein muss, um eine wirtschaftliche Angleichung des Ostens an den Westen zu erreichen. Doch sind mit einer wirtschaftlichen Konvergenz zugleich „gleichwertige Lebensverhältnisse“ gemäß Art. 72 Abs. 2 GG geschaffen? Anhand welcher Kriterien soll der Aufholprozess Ostdeutschlands bewertet werden und welche Faktoren beeinflussen diesen Prozess? Wann kann von „gleichwertigen Lebensverhältnissen“ gesprochen werden?
Inhaltsverzeichnis
1. GLEICHWERTIGE LEBENSVERHÄLTNISSE – EINE ILLUSION?
2. KONVERGENZ-MODELL FÜR ZWEI REGIONEN
2.1. UNTERNEHMEN
2.2. STAAT
2.3. PRIVATE HAUSHALTE
2.4. KONVERGENZMESSUNG
2.5. KONVERGENZPOLITIK
2.6. STEADY-STATE ANALYSE
2.7. INTERREGIONALE TRANSFERS
2.8. MODELLKALIBRIERUNG
2.9. MODELLERWEITERUNG: LOHNENTWICKLUNG UND ARBEITSLOSIGKEIT
3. KONVERGENZBEEINFLUSSENDE FAKTOREN
3.1. WIRTSCHAFTSSEKTOREN
3.2. BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG
3.3. ÖFFENTLICHE HAUSHALTE
4. FORDERUNGEN DES SACHVERSTÄNDIGENRATES
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht theoretisch und empirisch die wirtschaftliche Konvergenz zwischen Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Parameter den Aufholprozess beeinflussen und ob die angestrebten „gleichwertigen Lebensverhältnisse“ tatsächlich erreicht wurden.
- Analyse der Konvergenz durch endogene Wachstumsmodelle (2R-Modell)
- Einfluss von Infrastrukturinvestitionen und Kapitalakkumulation
- Bedeutung der Lohnentwicklung und Arbeitslosigkeit für das Wachstum
- Demografische Auswirkungen wie Abwanderung und Fachkräftemangel
- Bewertung der staatlichen Ausgleichspolitik und Forderungen des Sachverständigenrates
Auszug aus dem Buch
2.1. Unternehmen
Die Betriebe agieren auf einem atomistischen, perfekten Markt mit identischer Produktionsfunktion vom Cobb-Douglas-Typ: y_i = A_i * k_i^α * l_i^(1-α) 0 < α < 1 i = W, E (1)
Die Output-Erzeugung erfolgt unter Einsatz der Faktoren Kapital (K) und Arbeit (L), die konstante Skalenerträge aufweisen, in Verbindung mit dem zum Teil durch staatliche Produktion beeinflussten Parameter (A_i), wobei das darin enthaltene technische Wissen (A) exogen gegeben ist. Der Output kann für privaten Konsum (C) und private Investitionen (I), aber auch für öffentliche Ausgaben verwendet werden, wobei letzteres eine Erweiterung gegenüber dem ursprünglichen Ramsey-Modell darstellt. Das Preisniveau ist auf 1 normalisiert. Es ergibt sich die Kapitalstockakkumulationsgleichung k_i = I_i - δ * k_i δ > 0 (2)
Die Firmen kontrollieren den Input an Arbeit (L_i) ebenso wie die Investitionen (I_i). Unter Berücksichtigung des Unternehmenssteuersatzes (τ < 1) beabsichtigen sie eine Maximierung des Unternehmenswertes (V_i(0)), der gleich dem Barwert aller künftigen cash flows ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. GLEICHWERTIGE LEBENSVERHÄLTNISSE – EINE ILLUSION?: Einleitung in die Problematik der Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West seit der Wiedervereinigung vor dem Hintergrund des Grundgesetzes.
2. KONVERGENZ-MODELL FÜR ZWEI REGIONEN: Darstellung des theoretischen 2R-Wachstumsmodells sowie dessen Erweiterungen zur Analyse von Konvergenz, Kapital, Arbeit und Lohnstrukturen.
3. KONVERGENZBEEINFLUSSENDE FAKTOREN: Empirische Untersuchung der zwei Phasen der Angleichung (Wachstum vs. Stagnation) unter Berücksichtigung von Wirtschaftssektoren, Bevölkerungsdemografie und Haushaltspolitik.
4. FORDERUNGEN DES SACHVERSTÄNDIGENRATES: Zusammenfassung der ökonomischen Einschätzungen und Handlungsempfehlungen des Sachverständigenrates zur weiteren Konvergenzpolitik.
5. FAZIT: Kritische Würdigung der Modellergebnisse gegenüber der wirtschaftlichen Realität und Einordnung des Begriffs der „gleichwertigen Lebensverhältnisse“.
Schlüsselwörter
Konvergenz, Strukturwandel, Ostdeutschland, 2R-Modell, Infrastrukturinvestitionen, Lohnstückkosten, Arbeitslosigkeit, demografischer Wandel, Humankapital, Sachverständigenrat, Solidarpakt, Wettbewerbsföderalismus, Produktivität, Wirtschaftswachstum, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den wirtschaftlichen Konvergenzprozess zwischen Ost- und Westdeutschland nach 1990 und prüft, ob die politischen Ziele zur Angleichung der Lebensverhältnisse ökonomisch erreichbar sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Kerngebiete umfassen das theoretische Wachstumsmodell (2R-Modell), die Analyse der Wirtschaftssektoren, den demografischen Wandel sowie die fiskalpolitischen Rahmenbedingungen der neuen Bundesländer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Klärung, welche Parameter den Konvergenzprozess steuern und inwieweit die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung den Erwartungen entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein endogenes Zwei-Regionen-Wachstumsmodell (Ramsey-Modell-basiert) verwendet, das durch eine Modellerweiterung für Lohnentwicklung und Arbeitslosigkeit ergänzt wird.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Modellierung, die empirische Entwicklung der Sektoren (insb. Bau und Industrie), die Auswirkungen der Abwanderung auf das Humankapital sowie die finanzielle Lage der öffentlichen Haushalte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Konvergenz, Strukturwandel, Lohnstückkosten, Humankapital und Wettbewerbsföderalismus.
Welche Rolle spielen die Infrastrukturinvestitionen im Modell?
Die Infrastrukturinvestitionen pro Kopf stellen im 2R-Modell die einzige steuerbare Größe dar, durch welche die Politik Konvergenz beschleunigen kann.
Warum ist das Ergebnis für das "Baugewerbe" so signifikant für die Arbeit?
Der Autor zeigt, dass der Bauboom in der ersten Phase als „Konvergenzmotor“ wirkte, dessen Ausbleiben in der zweiten Phase maßgeblich zur Stagnation des Aufholprozesses beitrug.
- Quote paper
- Achim Biesenbach (Author), 2007, Konvergenz und Strukturwandel in Ostdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111526