Zu Klären, ob die Sektenfurcht eine entscheidende Rolle in der Entwicklung hin zur Restauration gespielt hat, soll das Ziel dieser Arbeit sein. Zunächst soll der Charakter und die Qualität der Sektenfurcht insbesondere am Beispiel der Quäker dargestellt werden, um den Begriff angemessen zu operationalisieren. Um Angesichts der Menge potentiellen Quellenmaterials eine möglichst breite Darstellung zu erreichen, soll hierbei auf die Ergebnisse einschlägiger historischer Forschung zurückgegriffen werden. Dann soll die These vom ent-scheidenden, also andere Motivationen in den Hintergrund drängenden Einfluss der Sekten-furcht beispielhaft am Handeln und den Motivationen von George Monck im Jahre 1659 ü-berprüft werden. Der Schwerpunkt soll hier auf der Interpretation von Quellenmaterial liegen. Die Sektenfurcht soll nicht als Determinante des Handelns angesehen werden, sondern viel-mehr als Hintergrund und Rahmenbedingung politischen Handelns. Den Rückschluss auf die tatsächlichen Einstellungen und Haltungen Moncks lassen die Quellen, hauptsächlich Korres-pondenzen, nicht im eigentlichen Sinne zu. Mann kann sie aber als Ergebnis, Reaktion und kommunizierende Interaktion mit dem weiteren gesellschaftlichen Umfeld lesen, durch die dem eigenen Handeln nicht zuletzt in der Darstellung nach außen ein Sinn verliehen werden sollte. Dies wiederum erlaubt zumindest Rückschlüsse auf die Bedeutung der Sektenfurcht für das politische Agieren von Monck, vielleicht aber auch eingeschränkte Hinweise auf seine persönliche Haltung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Sektenfurcht am Beispiel der Quäkerbewegung
1.1 Geschichte, Lehre und Handeln der frühen Quäker 1652-1660
1.2 Die Wahrnehmung des „Quaker-Threat“
2 General Moncks Eingriff in die Englische Politik
2.1 Moncks Handeln
2.2 Moncks Motivationen in Korrespondenz und Kommunikation
2.2.1 Mocks Korrespondenz mit der Stadt London
2.2.2 Mocks Korrespondenzen mit Vertretern der Kirche
2.2.3 Moncks Brief an den Sprecher des Rumpfparlaments
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der weitverbreiteten Angst vor radikalen religiösen Sekten, insbesondere der Quäkerbewegung, auf den politischen Prozess der Restauration der Monarchie in England im Jahr 1660. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit diese Sektenfurcht als eine der entscheidenden Ursachen für die Restauration fungierte, indem sie als Rahmenbedingung für das politische Handeln einflussreicher Akteure wie General George Monck diente.
- Rolle der Quäkerbewegung als radikale Sekte in England 1652-1660
- Phänomen der Sektenfurcht („Quaker-Threat“) in der englischen Bevölkerung
- Politisches Handeln von General George Monck im Jahr 1659
- Interpretation von Korrespondenzen zur Motivation Moncks
- Verhältnis zwischen Sektensorge und dem Wunsch nach politischer Stabilität
Auszug aus dem Buch
Die Wahrnehmung des „Quaker-Threat“
1659 nahm die Feindschaft gegenüber den Quäkern zu, die sich, gespeist aus Angst, durch offenen Hass auszeichnete. Verbreitet war das Gefühl einer Bedrohung durch die Quäker, der so genannte „Quaker Threat“. In „gentry“, Adel und Klerus gab es, speziell was die Quäker betraf, in der gesamten zweiten Hälfte der 1650er Jahre eine Bedrohungswahrnehmung aus im Folgenden zu klärenden Gründen. Die Situation 1659 hatte aber insofern eine neue Qualität, dass die Regimewechsel von Protektorat zur Herrschaft des Rumpfparlamentes bis hin zu Militärherrschaft binnen kürzester Zeit die neue Offenheit und Unsicherheit der Situation jedermann vor Augen führten. Zusammen mit der zunehmenden Agitation seitens der radikalen Kräfte und dem radikalen Image sowohl des Rumpfparlamentes als auch der Armee ergab dies das Bild einer ernsteren Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung als je zuvor.
Darüber hinaus nahm die Furcht einen hysterischen Zug an, man fürchtete, die Sekten könnten in unmittelbarer Zukunft Gewalt anwenden, Massaker verüben, oder hätten gar bereits Morde begangen. Auch herrschte die Ansicht, die Sekten könnten sich angesichts ihrer in weiten Teilen übereinstimmenden religionspolitischen Ziele vereinigen und einen Aufstand wagen. Dementsprechend sahen sich die Quäker noch mehr als zuvor den Attacken wütender Mobs ausgesetzt. Gerade aber in dieser Hysterie muss die Restauration der Monarchie als einzige Rettung vor sozialer und religiöser Anarchie erscheinen sein. Denn: „What became important was not what was happening, but what people thought was happening”.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Ausgangslage der Jahre 1642–1660 ein und stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung der Sektenfurcht für die Restauration der Monarchie.
1 Sektenfurcht am Beispiel der Quäkerbewegung: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung und Lehre der Quäker sowie ihre Wahrnehmung als bedrohliche „Quaker-Threat“ in der Gesellschaft.
2 General Moncks Eingriff in die Englische Politik: Dieser Teil analysiert das Handeln von General Monck und untersucht anhand seiner Korrespondenz, welche Rolle die Sektenthematik bei seiner Motivation spielte.
Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Sektenfurcht zwar ein wichtiges Motiv war, jedoch keine alleinige oder primäre Ursache für die Restauration darstellte, da auch das Streben nach politischer Stabilität entscheidend war.
Schlüsselwörter
Restauration, England, Quäker, Sektenfurcht, General George Monck, 1660, Religionsfreiheit, Politische Stabilität, Rumpfparlament, Puritanische Revolution, Gesellschaftliche Ordnung, Korrespondenz, Radikalismus, Monarchie, Commonwealth.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, ob die Angst vor religiösen Sekten – namentlich den Quäkern – ein zentraler Auslöser für die Wiedereinsetzung der englischen Monarchie (Restauration) im Jahr 1660 war.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziale und religiöse Dynamik der Quäkerbewegung, die allgemeine Bedrohungswahrnehmung in England Ende der 1650er Jahre sowie das politische Agieren von General George Monck.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die verbreitete Sektenfurcht tatsächlich eine entscheidende, andere Motivationen überlagernde Ursache für die Restauration unter Karl II. darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor stützt sich auf eine Fallstudie und eine quellenkritische Analyse, wobei insbesondere Korrespondenzen von General Monck interpretiert werden, um dessen politische Beweggründe zu ergründen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Quäkerbewegung und deren Außenwirkung sowie eine Untersuchung von Moncks Eingreifen in die Politik mittels Analyse seiner Briefe an Londoner Institutionen, Kirchenvertreter und das Rumpfparlament.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Restauration, Sektenfurcht, Quäker, Stabilität, politische Kommunikation und der historische Kontext des englischen Interregnums.
Wie bewertet der Autor die Bedeutung der Sektenfurcht für General Monck?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Sektenfurcht für Monck persönlich durchaus bedeutend war, er jedoch primär aus einem pragmatischen Bestreben nach staatlicher Stabilität und gegen eine Militärherrschaft handelte.
Warum war die "Angst" der Zeitgenossen laut dem Autor so bedeutsam?
Der Autor betont mit dem Zitat „What became important was not what was happening, but what people thought was happening“, dass die subjektive Wahrnehmung einer drohenden Anarchie wichtiger war als die reale politische Gefahr durch die Sekten.
- Quote paper
- Christoph Sprich (Author), 2007, Sektenfurcht als Ursache der Restauration in England? Eine Fallstudie: General George Monck, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111647