Grundsätzliches Ziel der Arbeit ist es, die Eigenkapitalkosten für ausgewählte Unternehmen anhand verschiedener Modelle zu berechnen und vergleichend gegenüberzustellen.
Dabei wird der aktuelle Stand der Diskussion um das CAPM und APT-konforme Mehrfaktormodelle dargestellt und gezeigt, ob die Modellwahl Auswirkungen auf die Höhe der Eigenkapitalkosten hat.
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert und ebenso logisch, wie chronologisch aufgebaut. Im ersten Teil (Kap. 2) wird die Entstehung und Theorie der Kapitalmarktmodelle dargestellt. Beginnend mit dem CAPM soll so ein erster Überblick über die im weiteren Verlauf der Arbeit betrachteten Modelle gegeben werden. Neben dem CAPM steht das Fama-French-Modell als spezielle APT im Mittelpunkt der Betrachtung.
Der zweite Teil der Arbeit (Kap. 3) gibt einen chronologischen Überblick über die zum Teil hitzig geführte Debatte der dargestellten Kapitalmarktmodelle. Es handelt sich dabei in erster Linie um empirische Studien, die sich mit dem Erklärungsgehalt des CAPMs zur Beschreibung der erwarteten Rendite von Wertpapieren beschäftigen. Diese Studien sind größtenteils einschlägigen Fachzeitschriften, wie z.B. Journal of Finance, Journal of Portfolio Management und Journal of Fianancial Economics, entnommen. Sie zeigen, wie sich aus den Schwächen des CAPMs andere Kapitalmarktmodelle entwickelten, unter anderem das Fama-French-Modell. Die empirischen Ergebnisse werden dabei für den amerikanischen und deutschen Markt gesondert betrachtet.
Im dritten Teil der Arbeit (Kap. 4) werden mit Hilfe des CAPMs und des Fama-French-Modells die Eigenkapitalkosten für ausgewählte Unternehmen empirisch bestimmt. Hierzu wird zu Beginn des Kapitels die Datenbasis und die Berechnungsmethodik zur Schätzung der Modellparameter erläutert. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Eigenkapitalkostenberechnungen präsentiert und interpretiert. Abschließend erfolgt eine Empfehlung des Autors zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten.
In Kapitel 5 erfolgt ein Resümee der Arbeit und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ökonomische Motivation und Problemstellung
1.2. Ziele und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen der betrachteten Kapitalmarktmodelle
2.1. Das Capital Asset Pricing Model von Sharpe/Lintner und Black
2.2. Die Arbitrage Pricing Theory von Ross
2.3. Spezielle Mehrfaktormodelle
2.3.1. Das Drei-Faktor-Modell nach Fama und French
2.3.2. Weitere Mehrfaktormodelle
3. Empirische Studien über den Erklärungsgehalt der Kapitalmarktmodelle
3.1. Methodik zur empirischen Überprüfung des CAPMs
3.2. Studien für den amerikanischen Markt
3.2.1. Die Studie von Black, Jensen und Scholes (BJS)
3.2.2. Die Studie von Fama und MacBeth (FM)
3.2.3. Die Kritik nach Roll
3.2.4. Bewertungsanomalien das CAPMs
3.2.5. Die Kritik am CAPM nach Fama und French
3.2.6. Die CAPM Debatte nach 1992
3.3. Studien für den deutschen Markt
3.4. Zusammenfassung
4. Bestimmung von Eigenkapitalkosten ausgewählter Unternehmen des amerikanischen Marktes
4.1. Datenbasis
4.1.1. Auswahl der Unternehmen
4.1.2. Datenquelle: Thomson Datastream
4.1.3. Renditezeitreihen
4.1.4. Risikoloser Zins
4.1.5. Faktorprämien
4.2. Berechnungsmethodik
4.2.1. Schätzung des Betafaktors des CAPMs
4.2.2. Schätzung der Faktorsensitivitäten des Fama-French-Modells
4.2.3. Bestimmung der Eigenkapitalkosten
4.3. Ergebnisse der Vergleichsunternehmen
4.3.1. Einfluss des Betafaktors auf die Höhe der Eigenkapitalkosten
4.3.2. Einfluss der Marktkapitalisierung auf die Höhe der Eigenkapitalkosten
4.3.3. Einfluss des Buch-Marktwert-Verhältnisses auf die Höhe der Eigenkapitalkosten
4.4. Ergebnisse aller getesteten Unternehmen
4.5. Zusammenfassung und Empfehlungen zur Bestimmung von Eigenkapitalkosten
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion um das Capital Asset Pricing Model (CAPM) sowie APT-konforme Mehrfaktormodelle darzustellen. Dabei wird analysiert, ob die Wahl eines spezifischen Modells zur Berechnung von Eigenkapitalkosten signifikante Auswirkungen auf deren Höhe hat, wozu eine empirische Untersuchung anhand ausgewählter Unternehmen durchgeführt wird.
- Vergleich zwischen klassischem CAPM und dem Drei-Faktor-Modell nach Fama und French.
- Empirische Analyse von Bewertungsanomalien wie dem Size-Effekt und der Value-Growth-Anomalie.
- Kritische Würdigung der Aussagekraft von Betafaktoren im Kontext aktueller Marktforschung.
- Praktische Bestimmung von Eigenkapitalkosten für US-amerikanische Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Capital Asset Pricing Model von Sharpe/Lintner und Black
Das Capital Asset Pricing Model (CAPM) wurde unabhängig von Sharpe (1964), Lintner (1965) und Mossin (1966) entwickelt. Eine Modifikation des Sharpe-Lintner Modells wurde von Black (1972) vorgestellt. Das CAPM ist bis heute das meistverwendete Modell zur Bestimmung von Kapitalkosten und unter Praktikern wie unter Akademikern gleichermaßen beliebt. Ein Grund dafür ist sicherlich die einfache und intuitive Handhabung des Modells. In einem ersten Schritt wird hier die Kapitalmarktlinie des CAPMs abgeleitet, die zeigt, welche Rendite-Risiko Kombinationen effiziente Portfolios aufweisen. Im zweiten Schritt erfolgt die Herleitung der Wertpapiermarktlinie, die Auskunft über den Rendite-Risiko Zusammenhang einer riskanten Anlage gibt.
Die Grundlage des Modells bildet die Portfolio Selection Theory von Markowitz (1952/1959). Diese geht von einem vollkommenen Kapitalmarkt und einem risikoaversen Anleger aus, der seine Portfoliowahl ausschließlich auf Grundlage des Erwartungswertes (µ) und der Varianz (σ²) der Einjahresrendite seines Investments trifft. Als Ergebnis hält der Investor je nach Risikoeinstellung ein µ-σ-effizientes Portfolio, welches a) die Varianz der Portfoliorendite bei gegebenem Erwartungswert minimiert und b) den Erwartungswert bei gegebener Varianz maximiert. Graphisch liegen diese Portfolios auf der Effizienzlinie riskanter Anlagen oberhalb des Minimum-Varianz-Portfolios (Abb. 1).
Im Sharpe-Lintner-CAPM (SL-CAPM) werden der Portfoliotheorie zwei weitere Annahmen hinzugefügt. Zum einen wird davon ausgegangen, dass alle Anleger homogene Erwartungen besitzen. Dies setzt einen informationseffizienten Kapitalmarkt voraus und führt dazu, dass alle Investoren die gleiche Effizienzlinie und damit die gleichen effizienten Portfolios ermitteln. Die zweite Annahme besteht aus der Einführung eines einheitlichen, risikolosen Zinssatzes (rf), zu dem es Investoren ermöglicht wird, Geld anzulegen bzw. aufzunehmen. Diese zusätzlichen Annahmen determinieren das optimale Portfolio riskanter Anlagen auf der Effizienzlinie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Relevanz der Kapitalkostenbestimmung für Manager und Investoren und definiert die Ziele sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen der betrachteten Kapitalmarktmodelle: Hier werden das CAPM und alternative Ansätze wie die Arbitrage Pricing Theory sowie das Drei-Faktor-Modell von Fama und French theoretisch hergeleitet.
3. Empirische Studien über den Erklärungsgehalt der Kapitalmarktmodelle: Das Kapitel bietet einen chronologischen Überblick über die wissenschaftliche Debatte zu den Schwächen des CAPM und den daraus resultierenden empirischen Erkenntnissen für den amerikanischen und deutschen Markt.
4. Bestimmung von Eigenkapitalkosten ausgewählter Unternehmen des amerikanischen Marktes: In diesem praktischen Teil werden die Eigenkapitalkosten von 16 US-Unternehmen unter Anwendung von CAPM und Fama-French-Modell empirisch bestimmt und verglichen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit der untersuchten Modelle für die zukünftige Praxis.
Schlüsselwörter
Kapitalmarktmodelle, CAPM, Arbitrage Pricing Theory, Fama-French-Modell, Eigenkapitalkosten, Betafaktor, Marktkapitalisierung, Size-Effekt, Value-Growth-Anomalie, Portfoliotheorie, empirische Finanzmarktforschung, Risikoprämie, Buch-Marktwert-Verhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Eignung verschiedener Kapitalmarktmodelle zur präzisen Bestimmung der Eigenkapitalkosten von Unternehmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit umfasst die theoretischen Grundlagen des CAPM und der APT, empirische Analysen zur Validität dieser Modelle sowie eine praktische Anwendung zur Kostenbestimmung an Unternehmensbeispielen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob moderne Mehrfaktormodelle wie das von Fama und French die erwartete Rendite besser erklären können als das klassische CAPM und ob die Modellwahl die Eigenkapitalkosten maßgeblich beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Literaturanalyse sowie eine quantitative empirische Untersuchung durch, bei der Eigenkapitalkosten mittels Zeitreihen- und Querschnittsregressionen für 16 Unternehmen berechnet werden.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Fokus liegt auf dem Vergleich der Erklärungskraft zwischen dem klassischen Betafaktor und den zusätzlichen Risikofaktoren des Drei-Faktor-Modells, insbesondere dem Size-Effekt und der Value-Prämie.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Konzepte sind das Capital Asset Pricing Model (CAPM), das Fama-French-Modell, Eigenkapitalkostenberechnung und empirische Kapitalmarkt-Anomalien.
Warum wird das Drei-Faktor-Modell als dem CAPM überlegen eingestuft?
Obwohl das Modell komplexer ist, zeigen die empirischen Ergebnisse in dieser Arbeit, dass es die zeitliche Streuung von Renditen oft präziser abbildet und systematische Anomalien, die das CAPM ignoriert, besser erfassen kann.
Gibt es eine klare Empfehlung für die praktische Anwendung?
Der Autor empfiehlt für Unternehmen mit hohem Buch-Marktwert-Verhältnis eine Korrektur der CAPM-Werte oder den Einsatz des Drei-Faktor-Modells, weist aber auf die Schwierigkeit fehlender langfristiger Daten in manchen Märkten hin.
- Quote paper
- Oliver Stiepel (Author), 2008, Faktormodelle und Kapitalkosten (Factor Models and the Cost of Capital), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111663