Das Siedlungsgebiet Lahn war in römischer Zeit Limes – Grenzgebiet (ca. 1. – 3. Jh.) und hatte besonders durch diese Tatsache eine Sonderstellung gerade in der Gegend um Giessen. Dieser Effekt wurde dadurch verstärkt, dass eine bedeutende Handelsstrasse von dem heutigen Frankfurt am Main Heddernheim über Butzbach nach Giessen führte (Marienstraße), wo sie sich in eine Nord- und eine Ostroute aufteilte. Diese ging wahrscheinlich bis in das heutige Gebiet Sachsens im Osten und bis nach Niedersachsen im Norden weiter. Durch Ausgrabungen im heutigen Giessener Stadtgebiet wurden Friedhöfe freigelegt, die in diese Zeit datiert wurden (Sandberg). Es handelt sich hierbei um eine germanische Dorfsiedlung und um die dazugehörigen Grabfelder des 1. bis 3. Jahrhunderts nach Christus. Die dort gemachten Funde deuten auf eine Siedlung hin, die, so scheint es, eine Ausnahme ist. Die Germanen siedelten selten, zumindest so weit wir wissen, so nahe am Limes. Anhand der Grabbeigaben versucht man diese Germanen den Chatten zuzurechnen. Allerdings werden die meisten Funde dieser Zeit den Chatten zugeschrieben, ohne dass wir genau wissen können ob diese Germanen Chatten waren oder was wir uns genau unter den Chatten vorzustellen haben. Sehr wahrscheinlich bestand dort ein Foederatenverhältnis zwischen den Römern und den dort siedelnden Germanen, wie es auch im Bereich des südlichen Limes, aber auch zeitweise im Bereich um Mainz bezeugt wird. Diese Interpretation kam durch die genaue Betrachtung und Einschätzung des archäologischen Fundgutes zustande.
Inhaltsverzeichnis
2. Allgemeiner Überblick über das Siedlungsgebiet Lahn
3. Überblick über das Siedlungsgebiet Lahn anhand von drei Beispielen:
3.1 Der Dünsberg:
3.2. Der Schiffenberg:
3.3. Die Stadt Pohlheim:
4. Fazit
5. Zeitlinie des Siedlungsgebietes Lahn:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Siedlungskontinuität im Raum Lahn/Giessen vom Ende der römischen Limesgrenze bis ins frühe Mittelalter und hinterfragt, inwieweit archäologische Funde und schriftliche Zeugnisse eine durchgehende Besiedlung oder Neubesiedlung in diesem Grenzraum belegen können.
- Analyse der Siedlungsgeschichte im Giessener Becken
- Untersuchung von Schlüsselstandorten (Dünsberg, Schiffenberg, Pohlheim)
- Rolle von Handelswegen und Grenzbefestigungen
- Einfluss der Missionierung und fränkischen Herrschaft
- Kritische Bewertung der Quellenlage zur Siedlungskontinuität
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Dünsberg:
„Nun liegt auf dem Dünsberg ein spätkeltisches Oppidum, einer jener großen stadtartigen Anlagen der keltischen Welt, die Hauptorte von Stämmen oder Stammesteilen waren und in denen sich Verwaltung, Handel, Münzprägung, Gewerbe wie auch Kult und Religion konzentrierten.“9. Damit scheint klar zu sein, was der Dünsberg in seiner Entstehungs- und Frühphase war und wie groß seine Bedeutung vor Christi Geburt war.
Später scheint dieser eine germanische Höhensiedlung der frührömischen und spätrömischen Kaiserzeit gewesen zu sein. Wie er von keltischem in den germanischen Besitz kam, ob durch eine friedliche Durchdringung germanischer Bevölkerungsgruppen, also Vermischung von ansässigen Kelten und neu siedelnden Germanen oder durch eine kriegerische Auseinandersetzung an die Germanen verloren wurde ist unklar.
Die ersten Siedlungen gehören in die jungsteinzeitliche Michelsberger Kultur und in die späte Urnenfelderkultur (nach 1000 v. Chr.). Es gab seit der Frühlatenezeit (nach 400 v. Chr.) eine starke Befestigung der keltischen Siedlung auf dem Dünsberg.
Die Entstehung und die Übernahme des Dünsberges durch verschiedene Stämme als wichtiger Sitz für Wirtschaft, Verwaltung aber auch Verteidigung machen mehrere Bauphasen der Wehranlagen deutlich, aus denen ein kompliziertes System der Verteidigungswälle herrührt, dass bis heute, obwohl es einige Ausgrabungen gab, noch nicht genau entschlüsselt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Allgemeiner Überblick über das Siedlungsgebiet Lahn: Der Abschnitt skizziert die Bedeutung des Lahnraums als römisches Grenzgebiet und beleuchtet frühe germanische Siedlungsspuren sowie Handelsbeziehungen.
3. Überblick über das Siedlungsgebiet Lahn anhand von drei Beispielen:: Anhand der Fallbeispiele Dünsberg, Schiffenberg und Pohlheim werden archäologische Indizien für die Siedlungsentwicklung und Kontinuität dargelegt.
3.1 Der Dünsberg:: Dieses Kapitel analysiert die Nutzung des Dünsbergs als keltisches Oppidum und spätere germanische Höhensiedlung.
3.2. Der Schiffenberg:: Die Untersuchung fokussiert sich auf die schwierige Deutung römischer Funde in diesem Bereich und die spätere urkundliche Erwähnung.
3.3. Die Stadt Pohlheim:: Hier wird die Siedlungsgeschichte im Kontext des Limes und späterer urkundlicher Nennungen untersucht, wobei besonders der Ortsname „Alt-Pohlheim“ als Indiz dient.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Indizienlage zusammen und kommt zu dem Schluss, dass für eine Siedlungskontinuität zwar Anzeichen vorliegen, diese aber archäologisch schwer beweisbar sind.
5. Zeitlinie des Siedlungsgebietes Lahn:: Diese tabellarische Übersicht stellt die historischen Ereignisse vom Limesbau bis zur mittelalterlichen Ersterwähnung chronologisch dar.
Schlüsselwörter
Siedlungskontinuität, Lahn, Limes, Dünsberg, Schiffenberg, Pohlheim, Giessen, Archäologie, Frühmittelalter, Germanen, Chatten, Frankenreich, Christianisierung, Lorscher Reichsurbar, Siedlungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Siedlungsgeschichte und der Frage nach einer möglichen Siedlungskontinuität im Raum Lahn/Giessen vom Ende der römischen Zeit bis ins frühe Mittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen der römische Limes als Grenzraum, die Übergangsphase zu den Germanen/Franken sowie die Siedlungsentwicklung an den Standorten Dünsberg, Schiffenberg und Pohlheim.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die spärliche Quellenlage zu sichten und zu bewerten, ob die archäologischen Indizien für eine kontinuierliche Besiedlung des Giessener Beckens ausreichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die vorhandene archäologische Grabungsbefunde mit schriftlichen Quellen wie dem Lorscher Güterverzeichnis und Fachliteratur vergleicht.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in einen allgemeinen historischen Überblick über das Siedlungsgebiet und eine detaillierte Betrachtung von drei ausgewählten Orten als Fallbeispiele.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Typische Schlagworte sind Siedlungskontinuität, Lahngebiet, Limes, Frühmittelalter, Archäologie und fränkische Expansion.
Welche Rolle spielt der Dünsberg in der Siedlungsgeschichte der Region?
Der Dünsberg diente als spätkeltisches Oppidum und später als Befestigungsanlage, was ihn zu einem zentralen Indiz für die wechselvolle Nutzung des Raums vor und nach der römischen Herrschaft macht.
Warum wird die Bestimmung der Siedlungskontinuität im Falle Pohlheims als rätselhaft bezeichnet?
Der Ort „Alt-Pohlheim“ existiert heute nicht mehr, was eine archäologische Untersuchung erschwert, obwohl der Name und Funde von Scherben auf eine längere Siedlungstradition hindeuten könnten.
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- M.A. Magister Artium Sebastian Popovic (Author), 2004, Die Kontinuität im Siedlungsgebiet Lahn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111668