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Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung - Ist die Einheit von Handels- und Steuerbilanz noch zeitgemäß?

Title: Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung - Ist die Einheit von Handels- und Steuerbilanz noch zeitgemäß?

Seminar Paper , 2002 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christoph Maaß (Author)

Business economics - Accounting and Taxes
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Die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz gehört seit mehr als 125 Jahren zu den zentralen Eckpfeilern des deutschen Bilanzrechts. Die Kritik an dieser Maßgeblichkeit ist jedoch über die Jahre nie ganz verstummt und wird gegenwärtig, angesichts der zunehmenden Kapitalmarktorientierung der handelsrechtlichen Rechnungslegung, immer lauter.

Eine verstärkte Kapitalmarktorientierung der Rechnungslegung erfordert, dass nicht primär eine Ausrichtung auf die Ermittlung eines ausschütt- und besteuerbaren Gewinns, sondern an einer fairen Information des Kapitalmarktes im Vordergrund steht. Dieser Ausrichtung werden heute insbesondere neben den International Accounting Standards (IAS) auch die US-amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) gerecht. Dagegen stehen beim deutschen HGB-Abschluss Gewinnausschüttung und Steuerbemessung im Vordergrund. Seine Informationsfunktion bleibt weitgehend auf den Anhang beschränkt.

Nach den Vorstellungen der Europäischen Kommission sollen deshalb ab 2005 die IAS-Normen von börsennotierten Muttergesellschaften im Konzernabschluss verpflichtend angewandt werden. Für nicht börsennotierte Konzernunternehmen und auf der Ebene des Einzelabschlusses wird den nationalen Gesetzgebern ein Wahlrecht eingeräumt. Sie können die internationalen Vorschriften verpflichtend vorschreiben oder den bilanzierenden Unternehmen ein Wahlrecht einräumen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob an dem deutschen Konzept der Maßgeblichkeit bei einer zunehmenden Kapitalmarktorientierung des Einzelabschlusses weiterhin festgehalten werden kann. Ein Vordringen der internationalen Rechnungslegung in den deutschen Einzelabschluss wäre nämlich aufgrund der Maßgeblichkeit mit weit reichenden Konsequenzen für das Steuerrecht verbunden, da eine Orientierung an den IAS-Normen geradezu einen Paradigmenwechsel in der handelsrechtlichen Rechnungslegung bedeuten würde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Das Maßgeblichkeitsprinzip

2.1. Zur Entwicklung des Maßgeblichkeitsprinzips in Deutschland

2.2. Wirkungsweise des Maßgeblichkeitsprinzips

2.3. Maßgeblichkeitsprinzip als deutsches Spezifikum

3. Auswirkungen einer Internationalisierung der Rechnungslegung auf das Maßgeblichkeitsprinzip

3.1. Stand der Internationalisierung

3.2. Positionierung des Maßgeblichkeitsprinzips bei Internationalisierung der Rechnungslegung

3.2.1. Beibehaltung des Maßgeblichkeitsprinzips

3.2.2. Modifikation des Maßgeblichkeitsprinzips

3.2.3. Aufgabe des Maßgeblichkeitsprinzips

3.3. Mögliche Reformstrategie bei Aufgabe des Maßgeblichkeitsprinzips

4. Thesenförmige Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Zukunftsfähigkeit des deutschen Maßgeblichkeitsprinzips, welches die Handelsbilanz als Grundlage für die Steuerbilanz definiert, unter dem Einfluss einer zunehmenden Kapitalmarktorientierung der Rechnungslegung. Dabei wird analysiert, ob eine Abkehr von der Einheitsbilanz zugunsten einer Trennung von Informations- und Steuerzwecken unausweichlich ist.

  • Historische Entwicklung und Wirkungsweise der Maßgeblichkeit
  • Herausforderungen durch Internationalisierung und IAS-Standards
  • Verfassungsrechtliche Aspekte bei der Aufgabe des Maßgeblichkeitsprinzips
  • Strategien zur Reform: Modifikation versus Aufspaltung des Rechnungslegungsrechts

Auszug aus dem Buch

3.2. Positionierung des Maßgeblichkeitsprinzips bei Internationalisierung der Rechnungslegung

3.2.1. Beibehaltung des Maßgeblichkeitsprinzips

Angenommen, die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz bleibe erhalten und die IAS-Normen finden Eingang in den Einzelabschluss, so hätte dies zwangsläufig steuerliche Folgen, da nach IAS Gewinne tendenziell früher ausgewiesen werden als nach den derzeitig geltenden GoB. Zumindest kurzfristig muß deshalb von einer Verbreiterung der Bemessungsgrundlage und damit einer ansteigenden Steuerbelastung der Unternehmen ausgegangen werden. Dadurch ist bei einigen Unternehmen ein substanzgefährdender Mittelabfluss in Form von Steuerzahlungen zu befürchten. Langfristig müssen sich die Unterschiede im Gewinnausweis aufgrund der Zweischneidigkeit der Bilanz jedoch wieder ausgleichen. Eine Umstellung auf internationale Rechnungslegungsgrundsätze kann somit zunächst einen Umstellungs-Ergebniseffekt mit typischerweise höherem Gewinn zur Folge haben. In den Folgejahren kommen bei unveränderter Fortführung des Geschäftsbetriebs und im wesentlichen beibehaltener Vermögens- und Ertragslage ins Gewicht fallende Abweichungen nicht mehr in Betracht.

Vielfach wird eine Beibehaltung der Maßgeblichkeit beim Vordringen der IAS-Normen in den deutschen Einzelabschluss jedoch schon deshalb als kritisch angesehen, weil gegenwärtig in der sogenannten Gleichstellungsthese die zentrale Verbindung von Handels- und Steuerrecht gesehen wird. Die Gleichstellungsthese geht davon aus, dass der dominierende Zweck der Handelsbilanz in der Zahlungsbemessung zu sehen ist. IAS-Normen sind aber primär gerade nicht an der Zahlungsbemessung sondern an den Informationsinteressen der Kapitalanleger ausgerichtet. Die Folge wäre somit eine zunehmende Entfernung des Einzelabschlusses vom Leitbild der Einheitsbilanz. Dem Maßgeblichkeitsprinzip wäre durch die entfallende Identität der Bilanzzwecke die solide dogmatische Verankerung entzogen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problemstellung: Das Kapitel erläutert die historische Bedeutung der Maßgeblichkeit und diskutiert die durch die zunehmende Kapitalmarktorientierung entstehenden Konflikte mit dem deutschen Bilanzrecht.

2. Das Maßgeblichkeitsprinzip: Hier werden die historische Entstehung, die Wirkungsweise sowie der Charakter des Prinzips als deutsches Spezifikum im Kontext der Steuergesetzgebung beleuchtet.

3. Auswirkungen einer Internationalisierung der Rechnungslegung auf das Maßgeblichkeitsprinzip: Dieses Kapitel analysiert den internationalen Trend zu IAS-Standards und die daraus resultierenden Positionierungsmöglichkeiten für das Maßgeblichkeitsprinzip in Deutschland.

4. Thesenförmige Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer prägnanten Darstellung der zentralen Erkenntnisse und Bewertung der Reformnotwendigkeit ab.

Schlüsselwörter

Maßgeblichkeitsprinzip, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Rechnungslegung, Kapitalmarktorientierung, IAS, Internationalisierung, Einheitsbilanz, Gewinnermittlung, Bilanzsteuerrecht, Gläubigerschutz, Informationsfunktion, Steuerneutralität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt das Spannungsfeld zwischen der traditionellen deutschen Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz und dem zunehmenden Druck, sich an internationalen Rechnungslegungsstandards zu orientieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte des deutschen Bilanzrechts, die Auswirkungen internationaler Rechnungslegungsnormen auf die Unternehmensbesteuerung sowie verfassungsrechtliche Bedenken bei der Standardsetzung durch private Institutionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob das Konzept der Einheitsbilanz unter den Bedingungen einer zunehmenden Kapitalmarktorientierung im Einzelabschluss weiterhin zeitgemäß und haltbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis der geltenden Rechtslage, betriebswirtschaftlicher Grundsätze und der Auswertung der relevanten Fachliteratur sowie Gesetzgebung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Stand der Internationalisierung, die Konsequenzen einer Beibehaltung, Modifikation oder Aufgabe des Maßgeblichkeitsprinzips sowie mögliche Reformstrategien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Maßgeblichkeitsprinzip, Kapitalmarktorientierung, Einheitsbilanz, Internationalisierung und Steuerbilanzrecht.

Welche Bedenken bestehen gegen die Beibehaltung der Maßgeblichkeit bei Einführung von IAS?

Es wird angeführt, dass private Standardsetzer der IAS indirekt steuerliche Regeln bestimmen würden, was deutschen rechtsstaatlichen Anforderungen an die Gesetzgebung durch den Staat widerspricht.

Welche Lösung schlägt Herzig zur Reform des Rechnungslegungsrechts vor?

Herzig schlägt eine Dreiteilung des Rechnungslegungsrechts nach den Funktionen Information, Kapitalerhaltung und Besteuerung vor, um den unterschiedlichen Anforderungen besser gerecht zu werden.

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Details

Title
Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung - Ist die Einheit von Handels- und Steuerbilanz noch zeitgemäß?
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Lehrstuhl für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung)
Course
Seminar Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung
Grade
1,0
Author
Christoph Maaß (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V11179
ISBN (eBook)
9783638174077
Language
German
Tags
Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung Einheit Handels- Steuerbilanz Seminar Rechnungslegung Wirtschaftsprüfung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Maaß (Author), 2002, Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung - Ist die Einheit von Handels- und Steuerbilanz noch zeitgemäß?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11179
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