Seit dem Ende der Siebzigerjahre hat sich der Schulalltag und die mit ihm verbundenen Unterrichtsformen und -methoden stark verändert. Die prozess- und handlungsorientierten Gestaltungsweisen z.B. in Form von offenem Unterricht, Frei- oder Projektarbeit erfordern zwingend auch neue und andere Formen der Leistungsmessung und -bewertung. Lehrkräfte können nicht komplexere Lernarrangements mit größer werdendem Anteil an Selbststeuerung einsetzen, die sich deutlich von der Sozialform des Frontalunterrichts unterscheiden, und im Bereich der Leistungsbeurteilung so tun, als habe sich nichts Wesentliches geändert.
In Bezug auf diese Neustrukturierung der Bewertungsmethodik wird in der vorliegenden Forschungsarbeit zum Abschluss des ersten Staatsexamens der Bewertungs- bzw. Rückmeldebogen als Methode alternativer Leistungsbewertung im Sportunterricht vorgestellt und analysiert. Dabei bildet ein Unterrichtsversuch im Lernbereich des Bodenturnens in der vierten Klasse in einer Grundschule in Sachsen den exemplarischen Ausgangspunkt. Ziel dieses Werks ist die Überprüfung der genutzten Bewertungsmethode nach einer hinreichenden Gerechtigkeit gegenüber den Schüler*innen, sowie deren Zufriedenheit über die damit einhergehende Benotung ihrer Leistungen und dem Streben nach einem kompetenzorientierten, prozessbezogenen, offenen Unterricht unter Berücksichtigung der Anforderungen des Lehrplans Sachsen.
Im Zusammenhang mit der Durchführung des Unterrichtsbeispiels wird die Methode und ihr Einsatz im Sportunterricht anhand verschiedener Kriterien bewertet, welche sich aus dem Anspruch einer veränderten Lern- und Lehrkultur ergeben. Im Fokus dieser Arbeit steht dabei ein Schüler*inneninterview, welches mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet wurde.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Leistungsbewertung im Sportunterricht
1.1 Was ist Leistung?
1.2 Was bedeutet faire Leistungsbewertung?
1.3 Aktuelle Situation
1.4 Besonderheiten der Leistungsbewertung im Sportunterricht
1.5 Anforderungen der Leistungsbewertung im Sportunterricht
1.5.1 Anforderungen des Lehrplans Sachsen
1.5.2 Anforderungen der Dimensionen für Leistungsbewertung
1.5.3 Anforderungen der Kompetenzorientierung
1.5.4 Anforderungen der zunehmenden Heterogenität
2. Alternative Leistungsbewertung in der Grundschule
2.1 Vom erweiterten Lernbegriff zum pädagogischen Leistungsverständnis
2.2 Bedeutung alternativer Leistungsbewertung
2.2.1 Auswirkungen einer neuen Lernkultur
2.2.2 Formen und Methoden
2.2.3 Qualitätskriterien
2.3 Bewertungsbögen als Methode alternativer Leistungsbeurteilung
2.3.1 Mögliche Bedeutung für die neue Lernkultur
2.3.2 Nutzen für Lehrende und Lernende
2.3.3 Spezielle Chancen für den Sportunterricht
2.3.4 Hinweise für die praktische Arbeit mit Bewertungsbögen im Unterricht
3. Turnen im Sportunterricht der Grundschule
3.1 Aufgaben und Ziele des Sportunterrichts an der Grundschule
3.2 Ziele und Inhalte des Lernbereiches Turnerische Übungen
3.3 Herausforderungen beim Turnen im Sportunterricht der Grundschule
4. Methoden
4.1 Fragestellung der vorliegenden Arbeit
4.2 Methodischer Zugang und Erhebungsinstrument
4.2.1 Qualitative Forschung
4.2.2 Prinzipien qualitativer Forschung
4.2.3 Entscheidung für das Schüler*inneninterview als Erhebungsmethode
4.2.4 Inhaltlicher Ablauf des Schüler*inneninterviews
4.3 Vorstellung der Unterrichtsstunden
4.3.1 Bedingungsanalyse
4.3.2 Didaktische Analyse des Gesamtkonzepts der Unterrichtsstunden nach Klafki
4.3.3 Methodische Analyse des Gesamtkonzepts der Unterrichtsstunden
4.3.4 Überblick über die Lernziele und Kompetenzen des Unterrichtskonzeptes
4.3.5 Vorstellung des genutzten Bewertungsbogens
4.4 Auswertungsmethode
4.4.1 Transkription
4.4.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
4.4.3 Gütekriterien
4.5 Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
4.5.1 Unterstützung durch die Software MAXQDA Analytics Pro 2020
4.5.2 Analyse des Ausgangsmaterials
4.5.3 Fragestellung der Inhaltsanalyse
4.5.4 Ablaufmodell der Inhaltsanalyse
5. Ergebnisdarstellung
6. Diskussion der Ergebnisse
7. Methodenkritik
7.1 Kritik an der Durchführung des Projekts
7.2 Kritik am Erhebungsinstrument
7.3 Kritik an der Auswertungsmethode
Zielsetzung & Themen
Diese Forschungsarbeit untersucht die Anwendung und Wirksamkeit von Bewertungs- bzw. Rückmeldebögen als alternative Methode der Leistungsbewertung im Sportunterricht der Grundschule, insbesondere im Lernbereich Bodenturnen. Dabei steht die Forschungsfrage im Fokus, inwieweit diese Methode zu einer als fair empfundenen Benotung beiträgt und die Schüler*innen in ihrem Lernprozess unterstützt.
- Neustrukturierung der Bewertungsmethodik im Sportunterricht
- Förderung der Kompetenzorientierung und Prozessorientierung
- Umgang mit Heterogenität in der Lerngruppe
- Partizipation und Selbststeuerung der Schüler*innen
- Qualitative Inhaltsanalyse zur Auswertung der Schüler*inneninterviews
Auszug aus dem Buch
1. Leistungsbewertung im Sportunterricht
Es kann ohne Zweifel gesagt werden, dass die Leistungsbeurteilung und -bewertung eine der bedeutungstragendsten Aufgaben im Berufsfeld einer jeden Lehrkraft darstellt. Gleichzeitig bildet sie damit wohl eine der größten Herausforderungen im schulischen Alltag. Das Abwägen zwischen Motivation, möglicher Unzufriedenheit und Gerechtigkeit ist ein Balanceakt, welcher das Lehr-Lern-Klima in einer Klassengemeinschaft und somit den ganzen Unterrichtsverlauf in einem Fach wesentlich beeinflussen kann. Nicht nur für die Schüler*innen bedeutet eine schlechte Note Frust, auch für die Lehrer*innen eröffnen sich mit einer schlechten Bewertung mitunter Zweifel am eigenen Können und Handeln.
Eine Beurteilung von den Fähigkeiten der Kinder anhand einer Einordnung in justierte Tabellenwerte, welche sich aus einem durchschnittlichen Leistungsbild möglicherweise veralteten Erhebungsverfahren ergeben, wird sowohl dem Anspruch einer Neuorientierung der Bewertungsmethodik als auch der veränderten Ambitionen des Lehrberufes nicht mehr gerecht. Dieser definiert sich nicht zuletzt aus einer veränderten Leistungserwartung, der zunehmenden Orientierung an den Kompetenzen der Schüler*innen und der Heterogenität einer Lerngruppe. Der Sportunterricht nimmt in diesem Prozess der Veränderung der Bewertungskultur in der Schule einen besonderen Stellenwert ein, er „gehört zu jenen schulischen Lern- und Erfahrungsbereichen, die in den zurückliegenden Jahrzehnten eine besondere Entwicklung erfahren haben.“ (KMK, 1999, S. 1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Leistungsbewertung im Sportunterricht: Dieses Kapitel erläutert die Herausforderungen und Notwendigkeit einer Neuorientierung der Bewertungsmethodik im Fach Sport unter Berücksichtigung von Kompetenzorientierung und Heterogenität.
2. Alternative Leistungsbewertung in der Grundschule: Es werden der erweiterte Lernbegriff sowie Methoden wie Bewertungsbögen als Mittel zur Förderung einer neuen, prozessorientierten Lernkultur vorgestellt.
3. Turnen im Sportunterricht der Grundschule: Dieses Kapitel verortet den Lernbereich Turnen im Sportunterricht und diskutiert sowohl seine pädagogischen Potenziale als auch die spezifischen Herausforderungen bei der Umsetzung.
4. Methoden: Hier wird der methodische Zugang der Arbeit dargelegt, insbesondere das qualitative Forschungsdesign mittels leitfadengestützter Schüler*inneninterviews und deren Auswertung durch die Inhaltsanalyse nach Mayring.
5. Ergebnisdarstellung: Es erfolgt die Präsentation der durch die Inhaltsanalyse gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der Bewertung der neuen Methode durch die Schüler*innen.
6. Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der theoretischen Grundlagen kritisch reflektiert und in den Kontext aktueller pädagogischer Diskurse eingeordnet.
7. Methodenkritik: Dieses Kapitel bietet eine selbstkritische Reflexion des gewählten Forschungsdesigns, der Durchführung der Interviews und der angewandten Auswertungsmethode.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Sportunterricht, Grundschule, Bewertungsbogen, Alternative Bewertungsmethoden, Prozessorientierung, Kompetenzorientierung, Heterogenität, Qualitatives Interview, Inhaltsanalyse, Rückmeldebogen, Bodenturnen, Schulentwicklung, Partizipation, Fairness.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Leistungsbewertung im Sportunterricht der Grundschule gerechter und schülerorientierter gestaltet werden kann, wobei der Fokus auf dem Einsatz von Bewertungsbögen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik an traditioneller Zensurengebung, die Implementierung alternativer Bewertungsverfahren sowie die Förderung von Partizipation und Transparenz im Unterrichtsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen eines gemeinsam erstellten Bewertungsbogens auf die Zufriedenheit der Schüler*innen sowie auf deren Gefühl von Fairness und Motivation zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt ein qualitatives Forschungsdesign, bestehend aus leitfadengestützten Interviews mit Schüler*innen, die anschließend mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum erweiterten Lernbegriff, eine methodische Auseinandersetzung mit dem Turnen in der Grundschule sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung des durchgeführten Unterrichtsversuchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungsbewertung, Alternative Bewertungsmethoden, Prozessorientierung, Kompetenzorientierung und Qualitative Inhaltsanalyse.
Welchen Stellenwert nimmt der Aspekt "Fairness" in der Untersuchung ein?
Fairness wird als zentrale Tugend und Qualitätskriterium betrachtet. Die Untersuchung prüft, ob eine transparente, gemeinsam erarbeitete Bewertungsgrundlage dazu führt, dass Kinder die Notengebung als gerecht und motivierend empfinden.
Wie bewerten die Kinder den Einsatz des Bewertungsbogens?
Die Kinder bewerten den Einsatz positiv, da er für Transparenz sorgt und ihnen Sicherheit gibt. Dennoch äußern sie, dass sie einen dauerhaften Einsatz in jedem Fach als langweilig empfinden könnten und bevorzugen eine Abwechslung.
- Citar trabajo
- Nelly Fleischer (Autor), Lisa Frammelsberger (Autor), 2021, Ist das fair? Formen der alternativen Leistungsbeurteilung in der Grundschule am Beispiel des Bodenturnens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118599