Hypnose in der präklinischen Notfallmedizin. Erörterung an einem Fallbeispiel


Lizentiatsarbeit, 2019

23 Seiten, Note: 5,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fallbeispiel

3. Fragestellung, Methodik, Motivation und Abgrenzung
3.1. Fragestellung und Methodik
3.2. Motivation und Abgrenzung

4. Theoretische Analyse
4.1. Ausgangslage: Hypnose in der Medizin
4.1.1. Grundlegende Begriffe: Hypnose, Trance, Induktion, Rapport, Utilisation
4.1.2. Zusammenfassung
4.1.3. Anwendungsgebiete und Kontraindikationen
4.2. Hypnose in der Notfallmedizin
4.2.1. Stand der Dinge
4.2.2. Kurzer Blick in die Geschichte: das Kansas-Experiment von Wright
4.3. Besonderheiten der Notfall-Hypnose
4.3.1. Problemtrance
4.3.2. Negativsuggestionen
4.3.3. Zusammenfassung
4.4. Notfall-Hypnose: Einsatzmöglichkeiten und Grenzen

5. Zusammenfassung, Diskussion und Transfer
5.1. Zusammenfassung und Konkretisierung der Erkenntnisse am Fallbeispiel
5.2. Diskussion der Ergebnisse und Transfer in meinen Alltag in der Notfallmedizin

6. Literatur

Abstract

Die Hypnose ist als Methode mit vielfältigen Indikationen in der klinischen Medizin und Psychotherapie heute wissenschaftlich anerkannt. In der Notfallmedizin allerdings ist sie weitestgehend unbekannt. Das ist bedauerlich, denn die Kenntnis hypnotheoretischer Grundlagen und Wirkprinzipien aufseiten der Rettungskräfte könnte ihnen die Arbeit erleichtern und den Patienten sowie dem Gesundheitswesen zugutekommen: Sie kann beispielsweise die präklinische Überlebensrate steigern sowie die Hospitalisierungsdauer verkürzen. Sie kann, kurz gesagt, Leben retten.

Basierend auf einer konkreten Erfahrung im Einsatz, erforscht diese Fallstudie die wesentlichen Begriffe, Grundannahmen und Wirkprinzipien der medizinisch-therapeutischen Hypnose und untersucht das so gewonnene theoretische Wissen im Hinblick auf seine Übertragbarkeit, Nützlichkeit und Relevanz für die Notfallmedizin. Im Endeffekt werden dabei nicht nur die präklinischen Anwendungsmöglichkeiten der Hypnose deutlich, sondern darüber hinaus auch die Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität des medizinischen Alltags und des rettungsdienstlichen Einsatzes.

1. Einleitung

Bei meinen Recherchen zu dieser Arbeit stiess ich auf folgenden Dialog zum Thema ,Hypnose in der Kommunikation mit Patienten‘:

Der Psychologe sagt zum Mediziner: „Ihr müsst den Patienten erreichen, einen Zugang zu ihm bekommen, ihn beruhigen.“ Darauf erwidert der Mediziner: „Schon passiert! Wir haben einen Zugang, einen intravenösen nämlich, und beruhigt ist er auch, Narkose!“ (Hansen, 2010, S. 51).

Intravenöser Zugang, medikamentöse Therapie: Diese Art des Zugangs zum Patienten ist übliches Vorgehen in der Medizin und im Rettungsdienst. Gleichzeitig kommen in den letzten Jahren alternative Ansätze auf: Es scheint vielversprechend zu sein, den Zugang zum Patienten auch über andere Wege zu suchen. Ein aussichtsreicher Zugang ist offenbar die therapeutische Kommunikation und konkret der „Therapieansatz Sprache“ (Held & Kemmler-Kell, 2016, S. 37): Der Weg über die Hypnose.

Ich machte mit ihr das erste Mal Bekanntschaft bei einem Einsatz im Jahr 2016: Der nach dem Rettungswagen eintreffende Notarzt setzte Hypnose sehr einfach und effektiv ein. Dieser für mich neue Ansatz beeindruckte mich sehr. Aufgrund dieser Erfahrung und dann im Weiteren motiviert durch kurze Berichte in Magazinen wie ,Rettungsdienst‘ (Held & Kemmler-Kell, 2016) und ,Rettungs- Magazin‘ (Held, 2018) entschied ich mich, ,Hypnose in der präklinischen Notfallmedizin‘ zum Thema meiner Fallstudie zu machen. Es ist, stellte ich im Zuge der Arbeit fest, ein Thema, mit dem zu beschäftigen sich aus rettungsdienstlicher Sicht mehrfach lohnt: Es ist ein wirksames, sicheres sowie niederschwellig anwendbares Instrument. Schon einfachste und unauffälligste Formen von Hypnose können sehr effektiv sein. Gleichzeitig ist dieses Instrument in der Notfallmedizin noch relativ unbekannt und wird in seiner Relevanz, beispielsweise für die psychische Stabilisierung, Beruhigung und Schmerzlinderung (Analgesie), noch weithin unterschätzt. Nicht zuletzt geht der Begriff der Hypnose oftmals mit Missverständnissen und Vorurteilen einher.

„Alle Mediziner müssen lernen, mit allen Patienten anders umzugehen und sollten hypnotische Kommunikation kennen und anwenden“, fordert der Anästhesist Ernil Hansen (Hansen, 2010, S. 64). Bis eine solche Forderung realisiert ist, ist es sicherlich noch ein weiter Weg. Meine Fallstudie versteht sich als ein kleiner Beitrag dazu, indem sie aus Sicht des Rettungsdienstes die für den täglichen Einsatz relevanten einschlägige Kenntnisse zu hypnotischer Kommunikation versammelt: Hintergrundwissen, Begriffsklärungen und Anwendungsmöglichkeiten.

2. Fallbeispiel

Herbst 2016. Gegen 16 Uhr erhalten wir auf dem Rettungsstützpunkt einen Alarm mit der Meldung: ,Akute Atemnot‘.

Aufgeboten sind wir als Rettungswagen (RTW) sowie zusätzlich ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) vom weiter entfernten Spital. Der Einsatzort ist in einer ländlichen Gegend.

Wir treffen nach wenigen Minuten als erstes Fahrzeug ein. In einem Einfamilienhaus sitzt der männliche, 68 Jahre alte Patient in der Küche. Er berichtet uns von seit heute morgen sich stetig verschlechternder Atmung und von bekannter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Die initiale Untersuchung nach dem ABCDE-Schema (Überprüfung nach Prioritätenliste auf: Airway, Breathing, Circulation, Disability, Environment/Exposure) ergibt: Atemwege frei. Atemfrequenz erhöht, auskultatorisch beidseitig starkes exspiratorisches Giemen, Lippenzyanose, Sprechdyspnoe, Orthopnoe. Haut warm und trocken, Puls tachykard. Neurologisch keine Auffälligkeiten, Patient wirkt erschöpft und ängstlich. Keine Beinödeme oder Verletzungen.

Als Sofortmassnahme bekommt der Patient hochdosiert Sauerstoff über Maske und wird zur Atmung mit Lippenbremse angeleitet. Anschliessend wird ein intravenöser Zugang gelegt sowie die Vitalparameter erhoben.

Vitalwerte: Atemfrequenz 30/min, periphere Sauerstoffsättigung (SpO2) 69%. Herzfrequenz 120/min, Blutdruck 150/90mmHg, Blutzucker 160mg/dl, Temperatur 38,9°C, 12-Kanal-EKG ohne Auffälligkeiten.

Die Anamnese nach dem SAMPLER-Schema (Systematische Befragung nach: Symptome, Allergien, Medikamente, Patientengeschichte, Letzte Einnahmen, Ereignisse, Risikofaktoren) ergibt: Seit dem Aufstehen sich stetig verschlechternde Dyspnoe, keine Schmerzen, jetzt massive Atemnot. Allergien sind keine bekannt. Vorerkrankungen: COPD, Hypertonus. Dauermedikation: ASS100, Amlodipin, bei Bedarf Salbutamol- und Kortisonspray. Beide Sprays heute mehrfach genommen ohne Erfolg. Letzte Mahlzeit heute Morgen. Fühlt sich schon seit mehreren Tagen abgeschlagen. Risikofaktoren: Leichte Adipositas, früher Raucher.

Nachdem wir die Arbeitsdiagnose ,Infektexacerbierte COPD‘ gestellt haben, beginnen wir mit der medikamentösen Therapie nach unseren Algorithmen: Salbutamol 2,5 Milligramm, zusammen mit 500 Mikrogramm Atrovent inhalativ sowie 100 Milligramm Kortison intravenös. Dadurch stabilisiert sich der Zustand, wird aber noch nicht viel besser.

Nach Eintreffen des Notarztes bekommt der Patient zusätzlich 0,09 Milligramm Reproterol als Kurzinfusion intravenös.

Als weitere Massnahmen bleiben jetzt nur noch eine nicht-invasive Beatmung (NIV) oder die Narkose mit endotrachealer Intubation. Die NIV-Beatmung würde sich wahrscheinlich schwierig gestalten, da der Patient sehr aufgeregt und ängstlich ist und eine Narkose ist bekanntermassen mit diversen Risiken verbunden.

Der Notarzt fragt dann das Team, ob wir einverstanden sind, wenn er vor weiteren Massnahmen eine Hypnosetechnik versucht. Und er fragt den Patienten, ob er eine spezielle Atemtechnik‘ mit ihm versuchen könne. Sowohl das Team als auch der Patient sind einverstanden. Der Notarzt fordert nun den Patienten auf, einen in sein Blickfeld gehaltenen Kugelschreiber mit den Augen zu fixieren, und leitet ihn gleichzeitig zum konzentrierten, tiefen Ein- und Ausatmen an. Nach einigen Minuten soll der Patient sich mit allen Sinnen einen Spaziergang am Strand vorstellen. Zudem gibt der Notarzt dem Patienten fortlaufend positive Suggestionen wie ,Sie fühlen, wie die frische, kühle Luft ganz tief in ihre Lungen strömt‘.

Bereits nach kurzer Zeit verbessert sich der Zustand des Patienten, er wirkt deutlich ruhiger und weniger erschöpft, die Vitalwerte normalisieren sich: SpO2 steigt, Herzfrequenz und Blutdruck sinken. Der Notarzt lässt den Patienten nun ohne weitere Anleitung ,Spazierengehen' und kann sich in Ruhe dem Schreiben des Protokolls widmen.

Kurz vor dem Erreichen des Spitals wird der Patient aus der Hypnose ausgeleitet und ihm werden einige wenige posthypnotische Suggestionen gegeben wie ,Im Krankenaus werden Sie sich weiterhin so ruhig und entspannt fühlen wie jetzt und jeglicher Stress wird an Ihnen abprallen‘.

Im Ergebnis kann also auf invasivere Massnahmen wie Beatmung oder Intubation verzichtet werden. Ermöglicht wurde das offenbar durch den Einsatz eines so einfachen Mittels wie der Fixierung des Blicks auf den Kugelschreiber in Verbindung mit der atemtechnischen Anleitung sowie positiven Worten. Dieses für mich völlig neue Vorgehen beeindruckte mich sehr.

3. Fragestellung, Methodik, Motivation und Abgrenzung

3.1. Fragestellung und Methodik

Die Fragestellung dieser Arbeit ist zweigleisig: Sie bezieht sich a) auf theoretische Kenntnisse zum Themenkomplex ,Hypnose‘, und sie blickt b) auf den konkreten Notarzteinsatz. Die Fragestellungen lauten entsprechend:

a) Welches Hintergrundwissen brauche ich für die Arbeit mit Hypnose in der Präklinik?
b) Welche Einsatzmöglichkeiten für Hypnose gibt es in der Notfallmedizin?

Die Methodik dieser Arbeit ist die theoretische Analyse, gestützt auf Literaturrecherche, gefolgt von der Diskussion und Konkretisierung der Ergebnisse und Erkenntnisse am Fallbeispiel.

Einleitend wird es um grundlegende Definitionen gehen: Was heisst ,Hypnose‘? Es werden Begriffe wie ,Induktion‘, ,Trance‘, ,Rapport‘ und ,Utilisation‘ erklärt. Und es wird eine überblicksartige Bestandsaufnahme zum aktuellen Stellenwert der Hypnose in der Medizin und zu den dort heute als gesichert geltenden Indikationen und Kontraindikationen vorgenommen.

Dann wird sich der Fokus auf Hypnose in der präklinischen Notfallmedizin verengen. Dieses Gebiet ist in der Literatur noch vergleichsweise wenig erschlossen. Zunächst werde ich es grob einordnen, sowohl historisch als auch mit Blick auf aktuelle Gegebenheiten. Es wird ein kurzer Blick zurückgeworfen, in das vorige Jahrhundert, auf ein berühmt gewordenes Experiment, das bis heute als Beleg für die Effizienz und Einfachheit hypnotischer Kommunikation im Rettungsdienst angeführt wird: das sogenannte ,Kansas- Experiment‘. Und es erfolgt eine kurze Bestandsaufnahme der Gegenwart: Wie verbreitet ist der Einsatz von Hypnose in der Notfallmedizin heute?

Der Einsatz von Hypnose in der Präklinik unterscheidet sich in einigen Punkten vom therapeutischen Einsatz in der Medizin generell. Diese Unterschiede und Besonderheiten stelle ich dar. Mit der Erläuterung von Einsatzmöglichkeiten der Hypnose werde ich dann den Schritt von der Theorie zur beruflichen Praxis machen.

Abschliessend wird es darum gehen, meine Ergebnisse zusammenfassend am Fallbeispiel zu verdeutlichen. Methodisch zielt diese Schlussüberlegung auf die Verknüpfung der gewonnenen Kenntnisse mit meinen konkreten Erfahrungen und so auf den Transfer in den Berufsalltag.

3.2. Motivation und Abgrenzung

Es geht mir um die Begriffe, Konzepte und grundsätzlichen Anwendungsmöglichkeiten, nicht um einzelne Hypnosetechniken. Die konkreten Techniken werden in den entsprechenden Kursen und Fortbildungen erworben; ich möchte wichtiges Hintergrundwissen untersuchen und so darstellen, dass sich für den Einsatzdienst ein Nutzen ergibt. Meiner Wahrnehmung nach wird der Themenkomplex ,Hypnose‘ sowie ,hypnotische Kommunikation‘ in seiner Relevanz für mein Berufsfeld unterschätzt. Er ist noch relativ unbekannt und wenig verbreitet. Mein Anliegen und meine Motivation sind entsprechend: zum Thema informieren, seine Relevanz aufzuzeigen und eventuell weitergehendes Interesse zu wecken, das dann möglicherweise zu praktischen Schritten führt, wie beispielsweise dem Besuch eines Fortbildungskurses.

4. Theoretische Analyse

4.1. Ausgangslage: Hypnose in der Medizin

Die Hypnose hat in der Medizin in den letzten Jahrzehnten eine ,Erfolgskarriere‘ gemacht. „1978 hätte niemand es für möglich gehalten, dass Hypnose in der Psychotherapie Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wieder einen seriösen Platz einnehmen könnte. In diesen 40 Jahren ist aber ein respektabler therapeutischer und wissenschaftlicher Fundus entstanden“ (Peter & Revenstorf, 2018, S. 9).

Kossak (2013, S. 25) fasst es so zusammen: „Während vor mehr als zwei Jahrzehnten noch sehr heisse Debatten über die ,Richtigkeit, Gültigkeit, Modernheit etc.‘ der Hypnosemethoden geführt wurden, haben sich die Methoden inzwischen etabliert.“ Die Hypnose erfährt in den letzten Jahren zunehmend wissenschaftliche und therapeutische Anerkennung. Heute gilt sie klinisch als „effiziente Methode zur Beeinflussung körperlicher und psychischer Prozesse“ (Revenstorf, 2006, S. 38).

Ein institutioneller Meilenstein auf diesem Weg war 1978 in Deutschland die Gründung der ,Milton- Erickson-Gesellschaft für klinische Hypnose‘; ähnliche Verbandsgründungen folgten in den 1980er- Jahren in Österreich und der Schweiz. Ein weiterer formaler Meilenstein war die Anerkennung durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie im Jahr 2006. Sie stützte sich auf die ,Expertise zur Beurteilung der wissenschaftlichen Evidenz des Psychotherapieverfahrens Hypnotherapie entsprechend den Kriterien des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie‘ (Revenstorf, 2006), eine Metastudie über circa 440 Studien über Hypnose. Der Popularisierung und dem Erstarken der professionellen Hypnose in Medizin und Psychotherapie trägt weiter eine wachsende Anzahl an Veröffentlichungen Rechnung. Als Standardwerke gelten dabei beispielsweise: Grindler und Bandler (1984), Svoboda (1984), Bongartz und Bongartz (1998), Erickson und Rossi (2001), Revenstorf und Peter (2001), Revenstorf (2006), Kossak (2013) sowie Peter und Revenstorf (2018). Als wichtig gilt auch eine Übersicht über Metaanalysen von Häuser, Hagl, Schmierer und Hansen (2016) im deutschen Ärzteblatt über /Wirksamkeit, Sicherheit und Anwendungsmöglichkeiten medizinischer Hypnose‘.

4.1.1. Grundlegende Begriffe: Hypnose, Trance, Induktion, Rapport, Utilisation

Mit dem Begriff Hypnose gehen viele Missverständnisse und Vorurteile einher. Manch einer versteht darunter ganz allgemein das, was man als Show- oder Bühnenhypnose kennt aus Film, Fernsehen oder von Zaubershows: Situationen, in denen Menschen dazu gebracht werden, etwas gegen ihren Willen zu tun oder sich lächerlich zu machen. Klinische Hypnose, die heute in Medizin und Psychotherapie zunehmend verbreitet ist, hat damit nichts zu tun und distanziert sich auch vehement davon.

Hypnose

Grundsätzlich ist Hypnose ein unscharfer Begriff, denn darunter sind zwei verschiedene Aspekte zu verstehen (Häuser et al., 2016): der Bewusstseinszustand, in dem ein hypnotisierter Mensch ist, sowie das Verfahren, mittels dessen er dort hingekommen ist. Genauere Begriffe für das jeweils Gemeinte sind: Trance und Induktion. Der generelle Ablauf einer klinischen Hypnose ist, schematisch betrachtet, wie folgt (Häuser et al., 2016): Am Anfang steht meist ein Gespräch zur Überprüfung von Indikation und Zielstellung der Hypnose. Dann beginnt die Induktion, also die Einleitung der Trance. Die Induktion wird vertieft. Es werden Suggestionen gegeben. Schliesslich wird wieder aus der Trance herausgeführt, oftmals in Verbindung mit dem Geben posthypnotischer Suggestionen. Eine klinische Hypnose dauert in der Regel etwa zwischen 20 und 50 Minuten.

Trance

Den Zustand, in dem ein hypnotisierter Mensch ist, bezeichnet man als ,hypnotische Trance‘ oder schlicht ,Trance'. Es ist ein veränderter psychischer Zustand: Er unterscheidet sich vom Wachbewusstsein, vom Schlaf, vom Traum und von Entspannung. Als bezeichnend gelten Phänomene der Fokussierung und Dissoziation: Veränderungen beispielsweise in der Wahrnehmung von Aussenreizen, des Zeiterlebens, des eigenen Körpers und der Realität. Die Effizienz der hypnotischen Trance ist im Zusammenhang damit zu sehen, was Revenstorf (2006, S. 33) beispielsweise als erhöhte „psycho-physiologische Flexibilität“ bezeichnet. Trance ist kein Zustand, der ausschliesslich bei Hypnose vorkommt. Es gibt im Alltag viele verschiedene Situationen, in denen Menschen in einer Art von ,Alltagstrance‘ sind. Man kennt sie beispielsweise von Momenten, in denen man völlig fixiert ist auf konzentriertes Arbeiten, das Lesen eines Buches, das Schauen eines packenden Filmes oder Ähnlichem. Auch bei monotonen, rhythmischen Abläufen wie etwa dem Joggen oder bei stark automatisierten Routinetätigkeiten wie dem Autofahren auf einer graden Autobahn kann sich eine Alltagstrance einstellen. Es ist ein Bewusstseinszustand, der als „natürliche Trance“ (Hansen, 2010, 53) verstanden wird und den man als Geistesabwesenheit bei gleichzeitiger Wachheit‘ beschreiben kann. Er kommt in unterschiedlichsten Ausprägungen und normalerweise mehr oder weniger unbemerkt im Alltag vor. Hypnotische Trance wird demgegenüber bewusst und absichtlich eingeleitet, mit den Mitteln der Fokussierung und Aufmerksamkeitsfixierung. Diese Einleitung bezeichnet man als Induktion.

Induktion

Das Verfahren, mittels dessen die Trance erreicht wird, bezeichnet man als Induktion, als Auslösung oder Einleitung der Trance. Hier kommen unterschiedlichste Techniken zum Einsatz, wobei es in erster Linie um die Fixierung der Aufmerksamkeit geht. Bekannt ist dabei vor allem die Methode, den Patienten auf einen bestimmten Punkt - eine Kerze, einen Finger, einen Kugelschreiber oder ein Pendel - schauen zu lassen. Heute weiss man, dass es auch effektiv ist, die Aufmerksamkeit des Patienten nach innen zu richten statt nach aussen. Der Fixierungspunkt der Aufmerksamkeit des Patienten kann dann auch „dessen eigener Körper und sein inneres Erleben“ sein (Erickson & Rossi, 2001, S. 17).

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Hypnose in der präklinischen Notfallmedizin. Erörterung an einem Fallbeispiel
Note
5,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V1118639
ISBN (eBook)
9783346491572
ISBN (Buch)
9783346491589
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rettung, Rettungsdienst, Ambulanz, Therapie, Notfall, Medizin, Präklinik, Behandlung, Fallstudie, Hypnotherapie, Hypnose, Narkose, Analgesie, Schmerz, alternativ
Arbeit zitieren
Maximilian Faust (Autor:in), 2019, Hypnose in der präklinischen Notfallmedizin. Erörterung an einem Fallbeispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118639

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