Im dieser Hausarbeit geht es um die Fragestellung, inwieweit der Vorwurf gegen Marcus Aurelius Severus Antonius, bekannt als Caracalla, seinen Bruder Publius Septimius Geta, genannt Geta, ermordet zu haben, der Wahrheit entsprechen kann. Hierbei ist zu beachten, dass die Psyche einer historischen Figur durch die folgenden heranzuziehenden Quellen nicht in ihrer Gesamtheit darstellbar ist. Vielmehr hat diese Hausarbeit zum Zweck, mittels Quellen der Historia Augusta, des Cassius Dios und des Herodians, Charakterzuschreibungen herauszufiltern, die zur Beantwortung der Forschungsfrage von relevanter Bedeutung sind.
Die Geschwister waren Söhne des römischen Kaisers Lucius Septimius Severus Pertinax, bekannt als Septimius Severus und seiner Frau Julia Domna. Caracalla wurde am 4. April 186 oder 188 in Lugdunum geboren. Über sein Geburtsjahr besteht keine Kongruenz. Zu dieser Zeit trug er den Namen Lucius Septimius Bassianus, welchen er jedoch mit der Erhebung zum Caesar im Jahre 196 ablegte und schließlich im Jahre 198 den des Marcus Aurelius zugewiesen bekam. Geta wurde am 27. Mai 189 unter dem Namen Publius Septimius Geta zur Welt gebracht. Er wurde Ende des Jahres 209 durch seinen Vater zum Augustus erhoben.
Caracalla und Geta wurden nach dem Tod ihres Vaters am 4. Februar 211 simultan kaiserlicher Nachfolger. Jedoch hatte Geta, laut der im weiteren Verlauf genannten antiken Quellentexte, während der Herrschaft rapide den Tod, durch seinen Bruder Caracalla verursacht, gefunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenbetrachtung Cassius Dios, Herodians und der Historia Augusta im Hinblick auf Getas Ermordung
3. Die Relation zwischen Caracalla und Geta
3.1 Antipathische Entwicklung der Relation
3.2 Mögliche Ursachen für die Feindseligkeit im Hinblick auf den historischen Kontext
4. Charakterzuschreibungen Caracallas und Getas
5. Tod ihres Vaters: Verhältnisverschlechterung beider Geschwister
6. Der Herrschaftskampf in Rom
7. Getas Ermordung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Fragestellung, ob der Vorwurf, Kaiser Caracalla habe seinen Bruder Geta ermordet, den Tatsachen entspricht. Dabei steht die kritische Analyse der antiken Quellen (Cassius Dio, Herodian und Historia Augusta) im Zentrum, um die Konstruktion von Charakterbildern und die Multiperspektivität der Berichterstattung zu hinterfragen.
- Kritische Quellenanalyse zur Ermordung Getas
- Die Beziehung zwischen Caracalla und Geta im Kindes- und Erwachsenenalter
- Einfluss des historischen Kontextes und politischer Machtinteressen
- Untersuchung der Charakterzuschreibungen in der antiken Historiographie
Auszug aus dem Buch
7. Getas Ermordung
Dio beschreibt die Situation Getas Ermordung folgendermaßen:
„Da nun eine Menge Soldaten und Wettkämpfer den Geta in der Öffentlichkeit wie zu Hause, dazu Tag und Nacht bewachten, überredete Antoninus seine Mutter, beide Brüder ohne Begleitung in ihr Wohngemach zu entbieten, als wollte sie ihre Kinder versöhnen. So ging Geta darauf ein und betrat mit Antoninus den Raum. Als aber drinnen waren, stürmten einige Centurionen, die zuvor schon Antoninus entsprechend unterwiesen worden waren, geschlossen herein und machten Geta nieder. Bei ihrem Anblick hatte sich Geta zu seiner Mutter geflüchtet, sich ihr um den Hals geworfen, an ihren Busen und ihre Brüste geschmiegt und schrie nun dort jammernd: „Mutter, Mutter, du hast mich geboren, so hilf mir doch, man mordet mich!“ Sie aber mußte, in solch schmählicher Weise getäuscht, zuschauen, wie ihr Sohn in ihrem Schoß auf ruchloseste Art hingemordet wurde [...] .“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Ermordung Getas und die methodische Herangehensweise an die antiken Quellen.
2. Quellenbetrachtung Cassius Dios, Herodians und der Historia Augusta im Hinblick auf Getas Ermordung: Einordnung der drei Primärquellen hinsichtlich ihrer Verlässlichkeit und ihrer unterschiedlichen Darstellungsformen.
3. Die Relation zwischen Caracalla und Geta: Untersuchung der frühkindlichen Entwicklung der Feindseligkeit zwischen den Brüdern.
3.1 Antipathische Entwicklung der Relation: Analyse der antagonistischen Verhaltensweisen und der Darstellung dieser Dynamik in den Quellen.
3.2 Mögliche Ursachen für die Feindseligkeit im Hinblick auf den historischen Kontext: Beleuchtung politischer Faktoren, wie den Einfluss des Plautianus und den Machtkampf zwischen den Geschwistern.
4. Charakterzuschreibungen Caracallas und Getas: Analyse der einseitigen Charakterisierungen in den Quellen, die Caracalla oft als grausam und instabil darstellen.
5. Tod ihres Vaters: Verhältnisverschlechterung beider Geschwister: Beschreibung der Zuspitzung der Rivalität nach dem Tod des Vaters Septimius Severus.
6. Der Herrschaftskampf in Rom: Darstellung der gescheiterten Versuche einer Reichsteilung und der wachsenden Spannungen zwischen den Brüdern.
7. Getas Ermordung: Rekonstruktion des Tathergangs basierend auf den Berichten der antiken Historiographen.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Quellenlage und des Wahrheitsgehalts der Überlieferung über den Brudermord.
Schlüsselwörter
Caracalla, Geta, Septimius Severus, römische Geschichte, Kaiserreich, Brudermord, Cassius Dio, Herodian, Historia Augusta, Quellenkritik, Machtkampf, Römische Kaiser, Historische Konstruktion, Multiperspektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Vorwurf, dass der römische Kaiser Caracalla seinen Bruder Geta ermordet habe, und prüft diesen anhand antiker Quellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Dynamik der geschwisterlichen Rivalität, die Quellenkritik antiker Geschichtsschreibung und die politische Situation im Römischen Reich Anfang des 3. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwieweit die antiken Berichte über den Brudermord der historischen Wahrheit entsprechen oder als Konstruktionen der Quellen zu werten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse sowie ein Vergleich der antiken Primärliteratur (Dio, Herodian, Historia Augusta) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Kindheit der Brüder, die Rolle ihrer Eltern, die Darstellung ihrer Charaktere durch die Historiker und den eskalierenden Konflikt bis zum Mord.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Caracalla, Geta, Quellenkritik, Brudermord, antike Historiographie und Machtkampf.
Wie bewertet der Autor die Zuverlässigkeit von Herodian im Vergleich zu Cassius Dio?
Der Autor stellt fest, dass Cassius Dio als Zeitgenosse politisch näher am Geschehen war, während Herodian mitunter vorgeworfen wird, belletristische und konstruierte Elemente in seine Erzählungen einzubauen.
Welche Bedeutung hatte die Mutter Julia Domna in dem Konflikt?
Julia Domna fungierte als Vermittlerin, die versuchte, ihre Söhne zu versöhnen, jedoch letztlich hilflos Zeugin der Ermordung ihres Sohnes Geta wurde.
Was bedeutet der Begriff „Säuberungswelle“ im Kontext dieser Arbeit?
Der Begriff beschreibt die durch Caracalla veranlassten Tötungen tausender Anhänger Getas nach dessen Ermordung, um die eigene Macht zu festigen.
Warum wird im Fazit betont, dass „Wahrheit“ schwer zu fassen ist?
Der Autor betont, dass historische Ereignisse in den Quellen immer durch die subjektive Perspektive und die soziale Position der Autoren konstruiert sind, weshalb eine objektive, allgemeingültige Wahrheit kaum rekonstruierbar bleibt.
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- Anonym (Author), 2018, Die Ermordung Publius Septimius Getas. Quellenbetrachtung Cassius Dios, Herodians und der Historia Augusta, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118798