Diese Arbeit beschäftigt sich anhand des Postfunktionalismus damit, welche Hintergründe die Forderungen des Vereinigten Königreichs an die EU und die Verhandlungsführung der britischen Regierung in dieser Sache hatten. Dabei werden als unabhängige Variablen insbesondere parteipolitische Faktoren, Politisierung der relevanten Themen, öffentlicher Diskurs, politische Einstellungen und Wahlverhalten der Bevölkerung im VK sowie die Verhandlungsbedingungen auf EU-Ebene beleuchtet. Nach einer Einführung in die postfunktionalistische Perspektive wird der gewählte Fall dargestellt, wobei bereits an einigen geeigneten Stellen auf Hintergründe eingegangen wird. Anschließend werden die Hintergründe vertieft und der Fall aus der theoretischen Perspektive analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Perspektive
3. Camerons Reform-Forderungen und die Neuverhandlung der Bedingungen der britischen EU-Mitgliedschaft
3.1 Camerons Referendums-Versprechen und Reform-Forderungen
3.2 Die neue Vereinbarung für das Vereinigte Königreich in der EU
4. Hintergründe der Reform-Forderungen aus postfunktionalistischer Perspektive
4.1 Ausgangssituation: EU-Skeptizismus im Vereinigten Königreich
4.2 Nationale Parteipolitik
4.3 Identitätsfaktoren, Einwanderung, Medien
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der postfunktionalistischen Integrationstheorie die Hintergründe der britischen Reformforderungen an die EU im Vorfeld des Brexit-Referendums 2016 sowie die Verhandlungsführung der Regierung unter David Cameron. Dabei soll analysiert werden, wie parteipolitische Faktoren, die Politisierung von EU-Themen sowie soziokulturelle Identitätsaspekte den britischen Kurs beeinflussten und warum der erreichte Kompromiss letztlich das Ziel des Verbleibs in der EU verfehlte.
- Analyse der EU-Reformforderungen aus postfunktionalistischer Perspektive
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen nationaler Parteipolitik und EU-Skepsis
- Bedeutung von Identitätsfaktoren, Migration und Medien für den Diskurs im Vereinigten Königreich
- Bewertung der Verhandlungsdynamik zwischen der britischen Regierung und den EU-Partnern
- Rolle der Politisierung als Hemmnis für eine weitere Vertiefung der europäischen Integration
Auszug aus dem Buch
4.1 Ausgangssituation: EU-Skeptizismus im Vereinigten Königreich
Seit seinem Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1973 hat die Mitgliedschaft in ihr und ihren Nachfolgerorganisationen die Wähler und Parteien des VK gespalten (Startin 2015). Die britische Wählerschaft hat laut „Eurobarometer“-Befragungen die Zugehörigkeit ihres Landes zur EU und ihren Vorgängerformen mit Beginn seines Beitritts beständig besonders negativ im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten bewertet (Evans et al. 2018; Dennison und Geddes 2018). Diese verbreitete Skepsis gegenüber der EU spiegelt sich auch in der Sonderstellung, die das VK in dieser innehatte, wider: U. a. hat es sich als einziger Mitgliedsstaat weder dem Euro noch dem Schengen-Abkommen angeschlossen; schließlich mündete die Sonderrolle im Austritt des Landes.
Die Literatur hat verschiedene Wurzeln des EU-Skeptizismus im VK ausgemacht: Zum einen habe die geografische Lage, getrennt vom europäischen Festland, die Mentalität geprägt, zum anderen die Vergangenheit als weltweit agierende Kolonialmacht. Ferner habe die enge Verbindung mit Commonwealth-Staaten und den USA den Horizont für internationale Zusammenarbeit beeinflusst (Daddow 2013; Wellings und Baxendale 2015).
In vorliegender Arbeit wird der Begriff „EU-Skeptizismus“ anstelle der sonst oft genutzten Begriffe „Euroskeptizismus“ oder „Europaskeptizismus“ zur Beschreibung kritischer, misstrauischer und eher ablehnender Haltungen gegenüber der EU verwendet, da es dabei um die Politik der EU oder in Bezug auf die EU und nicht um den Euro oder Europa als Kontinent geht und die anderen Bezeichnungen daher meines Erachtens irreführend / undifferenziert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zäsur des Brexit-Referendums ein, skizziert Camerons Forderungen an die EU und legt das Ziel fest, diese aus postfunktionalistischer Sicht zu analysieren.
2. Theoretische Perspektive: Das Kapitel erläutert den Postfunktionalismus als Erklärungsansatz für die EU-Skepsis, indem es die Spannungen zwischen institutioneller Integration und nationaler Identität sowie Parteipolitik thematisiert.
3. Camerons Reform-Forderungen und die Neuverhandlung der Bedingungen der britischen EU-Mitgliedschaft: Hier werden die konkreten Forderungen der britischen Regierung sowie der Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen um eine „neue Regelung“ für das Vereinigte Königreich detailliert dargelegt.
4. Hintergründe der Reform-Forderungen aus postfunktionalistischer Perspektive: Dieses Kapitel analysiert die tieferliegenden Ursachen der britischen Haltung, insbesondere den historischen EU-Skeptizismus, parteiinterne Zwänge und die Rolle von Einwanderung und Medien.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die britischen Forderungen maßgeblich durch innenpolitische Dynamiken und Identitätskonflikte getrieben waren, die in der EU-Integration keine ausreichende Berücksichtigung fanden.
Schlüsselwörter
Brexit, Postfunktionalismus, David Cameron, EU-Skeptizismus, Europäische Integration, Vereinigte Königreich, Reformforderungen, Nationale Identität, Einwanderung, Parteipolitik, Souveränität, Referendum, Freizügigkeit, Politisierung, EU-Neuverhandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Motive hinter den Reformforderungen der britischen Regierung unter David Cameron an die EU im Zeitraum 2015/2016 und untersucht, warum diese Maßnahmen den Austritt Großbritanniens aus der EU nicht verhindern konnten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die europäische Integrationspolitik, der britische EU-Skeptizismus, nationale Souveränitätsansprüche sowie die politischen Auswirkungen von Migration und wirtschaftspolitischen Steuerungsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, das britische Verhalten gegenüber der EU unter Anwendung des Postfunktionalismus zu erklären, wobei insbesondere parteipolitische Faktoren und öffentliche Diskurse als treibende Kräfte identifiziert werden.
Welche wissenschaftliche Theorie wird als methodischer Rahmen verwendet?
Die Untersuchung basiert auf der postfunktionalistischen Theorie der europäischen Integration, die davon ausgeht, dass tiefgreifende Integration negative Rückkopplungen auf nationaler Ebene hervorruft.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der konkreten Forderungen an die EU und eine tiefgehende Analyse der Hintergründe, wie etwa der parteiinternen Spannungen bei den Konservativen und dem Einfluss von Boulevardmedien auf die öffentliche Meinung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wesentliche Begriffe sind Postfunktionalismus, Brexit, nationale Identität, Politisierung, EU-Reform, Souveränität und Referendum.
Warum konnte David Cameron trotz der Neuverhandlungen das Ziel des EU-Verbleibs nicht sichern?
Die Arbeit argumentiert, dass der erreichte Kompromiss für die EU-Kritiker in Großbritannien primär symbolischen Charakter hatte und die tieferliegenden Identitäts- und Souveränitätsbedenken nicht ausräumen konnte.
Welche Rolle spielt die Einwanderungsthematik in der Argumentation des Autors?
Die Einwanderung wird als hoch salientes Thema identifiziert, das durch die Verknüpfung mit der Freizügigkeit und der befürchteten Überlastung der öffentlichen Infrastruktur zu einem der stärksten Treiber des EU-kritischen Diskurses wurde.
- Arbeit zitieren
- Tom Ebers (Autor:in), 2021, David Camerons Reform-Forderungen an die EU im Vorfeld des "Brexit"-Volksentscheids, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1118858