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Der Propagandafilm im Dritten Reich am Beispiel von 'Jud Süß'

Title: Der Propagandafilm im Dritten Reich am Beispiel von 'Jud Süß'

Term Paper , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Carina Weinmann (Author)

Communications - Media History
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Summary Excerpt Details

Als wichtigster Bestandteil zur Erreichung der politischen Ziele war die Propaganda das „Lebenselixier
des NS-Staates“1. Hitler selbst schrieb in seinem fundamentalen Werk Mein
Kampf, es habe ihn „schon immer die Tätigkeit der Propaganda außerordentlich interessiert.“
2 Schon die Existenz einer eigens dafür zuständigen Institution, dem Reichsministeriums
für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP), verrät, welche Aufmerksamkeit die Nazis
dieser Thematik widmeten. Freilich hatte die Propaganda viele Gesichter: Reden wurden
gehalten, Flugblätter verteilt, Plakate entworfen und ausgehängt, Parolen verbreitet und vieles
mehr. In der vorliegenden Arbeit möchte ich nun darstellen, welche Rolle dem Medium
Film innerhalb der NS-Propaganda zukam. Da es in diesem begrenzten Rahmen jedoch leider
nicht möglich ist, die filmische Propaganda in ihrer Komplexität und Gesamtheit vollständig
und in allen denkbaren Facetten zu greifen, werde ich mich zur Veranschaulichung und
Verdeutlichung auf einen bestimmten Film beziehen: Jud Süß aus dem Jahre 1940. Wie die
Filmkritikerin Dorothea Hollstein anhand einer Studie zahlreicher Filme des Dritten Reichs
zeigt, erreichte die Filmproduktion des NS-Regimes in eben diesem Werk „ihren Höhepunkt.“
3 Der Internetauftritt des Deutschen Filminstituts (DIF) www.filmportal.de bestätigt
ihre Einordnung. Der Film wird hier „den infamsten Propagandawerken der Nationalsozialisten“
zugerechnet, „in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Massenmord an den europäischen
Juden“4 stehend. Tatsächlich fand die Urraufführung im September 1940 zu einem
Zeitpunkt statt, in der entscheidende politische Veränderungen im Gange waren. Der Befehl
zur Errichtung der Warschauer Ghettos erfolgte in diesem Jahr, Hitler entwarf den Plan zur
Verschiffung der Juden nach Madagaskar und die ersten Deportationen von Juden gen Osten
fanden statt.5
Selbstverständlich konnten die damaligen politischen Entscheidungsträger solche Taten
nicht begehen, ohne sich in der Sicherheit eines hinter ihnen stehenden Volkes zu wähnen.
Ob die Bevölkerung tatsächlich im Wissen und Einverständnis mit den Entscheidungen und
Taten der Politik gewesen ist, das lässt sich schwerlich nachvollziehen. Darum wird es jedoch
an dieser Stelle nicht gehen. Vielmehr möchte ich zeigen, wie das Potential des Films
genutzt wurde und so zumindest alles daran gesetzt wurde, die Deutschen im Sinne der nationalsozialistischen
Überzeugungen zu beeinflussen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Symbiose aus Propaganda und Film

2.1 Begriffsbestimmung

2.2 Entscheidende Maßnahmen zur Kontrolle über den Film

3. Der Film Jud Süß: Inhalt und Produktion

3.1 Handlung und Dramaturgie

3.2 Darstellung der Juden

3.3 Die Produktion unter der Kontrolle Goebbels’

4. Zur Rezeption von Jud Süß in der Bevölkerung

5. Einordnung in die Filmgeschichte

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Films als Instrument der nationalsozialistischen Propaganda am Beispiel des 1940 erschienenen Werkes "Jud Süß". Dabei wird analysiert, mit welchen filmischen und dramaturgischen Mitteln das NS-Regime versuchte, das Publikum im Sinne ihrer Ideologie zu beeinflussen, und inwiefern diese propagandistischen Bestrebungen in der Bevölkerung auf die beabsichtigte Resonanz stießen.

  • Die begriffliche und funktionale Verbindung von Propaganda und Film im NS-Staat.
  • Die staatlichen Kontrollmechanismen über die Filmproduktion unter Joseph Goebbels.
  • Die dramaturgische Konstruktion und antisemitische Zielsetzung des Films "Jud Süß".
  • Die zeitgenössische Rezeption des Films und dessen Einordnung in die Mediengeschichte.

Auszug aus dem Buch

3.1 Handlung und Dramaturgie

„Die im Film geschilderten Ereignisse beruhen auf geschichtlichen Tatsachen“25, mit der Einblendung dieses Satzes beginnt der Film Jud Süß. Die versicherte Wahrheitstreue jedoch ist schlicht und einfach gelogen.26 Zwar diente dem Film als Grundlage die Lebensgeschichte des Juden Joseph Süß Oppenheimer aus dem 17. Jahrhundert, der am Hofe des Herzogs Karl Alexander als Geheimer Finanzrat tätig war, jedoch erfolgte „zum Zwecke der Verdeutlichung des rassischen Problems“27 eine fast komplette Veränderung der historischen Vorlage.28 Wie Dorothea Hollstein es ausdrückt, „entwarfen [die Drehbuchschreiber] aus Historie, überliefertem Klatsch und eigener Phantasie ein antisemitisches Pamphlet.“29 Die reale Geschichte wurde mit Hilfe filmischer und dramaturgischer Mittel publikumswirksam inszeniert und dabei aktuell wichtige politische Fragen betont. Gerechtfertigt und legitimiert wurden die Umdeutungen mit der angeblichen Fähigkeit der Filmschaffenden, die Geschichte exakter und wahrheitsgetreuer deuten zu können als es der Bevölkerung möglich sei.30 Die Beteiligten entwarfen das Drehbuch also nach ihren Vorstellungen. Die Rahmenhandlung des in der Gunst des Herzogs stehenden Oppenheimers behielten sie zwar bei. So dreht sich auch der Film um die Machenschaften des Juden an Karl Alexanders Hof, wie er sich des Herzogs Vertrauen erkämpft und schließlich die Aufhebung der Judenbannes erreicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Medium Film als zentrales Instrument der NS-Propaganda vor und begründet die Wahl des Films "Jud Süß" als Fallbeispiel zur Untersuchung dieser Thematik.

2. Die Symbiose aus Propaganda und Film: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Propaganda und erläutert die staatlichen Institutionen und Gesetze, mit denen das NS-Regime die Filmwirtschaft und -produktion unter seine Kontrolle brachte.

3. Der Film Jud Süß: Inhalt und Produktion: Das Kapitel analysiert die propagandistische Dramaturgie des Films, die antisemitische Darstellung der Charaktere sowie die gezielte Einflussnahme von Joseph Goebbels auf die Produktionsbedingungen.

4. Zur Rezeption von Jud Süß in der Bevölkerung: Hier wird untersucht, wie die Bevölkerung den Film wahrnahm und inwieweit die propagandistischen Wirkungsziele durch die zeitgenössische Rezeption erreicht werden konnten.

5. Einordnung in die Filmgeschichte: Der Abschnitt bettet den Propagandafilm in den historischen Kontext der Medienentwicklung ein und thematisiert den Umgang mit diesen Werken nach dem Zweiten Weltkrieg.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert kritisch über das tatsächliche Wirkungspotenzial von Propagandafilmen im Kontext der nationalsozialistischen Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Propaganda, Jud Süß, Joseph Goebbels, Filmpropaganda, Antisemitismus, NS-Spielfilm, Mediengeschichte, Rezeption, Volksaufklärung, Filmpolitik, Rassenschande, NS-Staat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirkungsweise von Propagandafilmen im Dritten Reich, wobei der Spielfilm "Jud Süß" (1940) als zentrales Fallbeispiel dient.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die staatliche Kontrolle über die Filmwirtschaft, die filmischen Methoden zur Vermittlung antisemitischer Ideologie und die Rezeptionsgeschichte von Propagandafilmen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Wesen des Propagandafilms im Nationalsozialismus zu greifen und zu hinterfragen, inwiefern die manipulative Darstellung im Film tatsächlich die Einstellungen der Bevölkerung beeinflussen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Filmprotokollen, zeitgenössischen Lageberichten und relevanter fachwissenschaftlicher Literatur zur NS-Filmgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen von Propaganda, eine detaillierte Filmanalyse von "Jud Süß", die Untersuchung der Produktion unter Goebbels sowie die Auswertung der historischen Rezeptionsdokumente.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie NS-Propaganda, antisemitisches Zerrbild, filmische Manipulation, staatliche Zensur und Rezeptionsforschung charakterisiert.

Warum wurde ausgerechnet "Jud Süß" als Beispiel gewählt?

Der Film gilt als eines der infamsten Propagandawerke des NS-Regimes und markiert laut Forschung einen Höhepunkt der antisemitischen Filmproduktion im Dritten Reich.

Welche Rolle spielte Joseph Goebbels bei der Entstehung des Films?

Goebbels nahm direkten Einfluss auf die Produktion, indem er persönlich Regisseur und Hauptdarsteller auswählte und die inhaltliche Gestaltung des Films eng an der NS-Ideologie ausrichtete.

Wird die Wirkung des Films heute kritisch bewertet?

Ja, die Autorin reflektiert kritisch, dass ein Film allein kaum ein antisemitisches Weltbild erschaffen konnte, sondern vielmehr an bereits existierende, antisemitische Einstellungen der Gesellschaft anknüpfte und diese verstärkte.

Welchen Status hat der Film "Jud Süß" in der heutigen Filmgeschichte?

Der Film unterliegt in Deutschland bis heute einer Einschränkung und darf nur unter "Vorbehalt", das heißt in einem pädagogisch begleiteten Kontext mit anschließender Diskussion, vorgeführt werden.

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Details

Title
Der Propagandafilm im Dritten Reich am Beispiel von 'Jud Süß'
College
University of Mannheim  (Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Course
Einführung in die Mediengeschichte
Grade
1,0
Author
Carina Weinmann (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V111896
ISBN (eBook)
9783640101481
Language
German
Tags
Propagandafilm Dritten Reich Beispiel Einführung Mediengeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carina Weinmann (Author), 2008, Der Propagandafilm im Dritten Reich am Beispiel von 'Jud Süß', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111896
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