Die Internationale Kommission zum Schutz der EIbe (IKSE) bezeichnete den Fluss in einer 1999 erschienen Broschüre auf grund seiner botanischen und zoologischen Biodiversität als "erhaltenswertes Kleinod in Europa"l. Die beteiligten Vertragsstaaten Deutschland und Tschechien erklären in dieser Veröffentlichung ihren gemeinsamen Willen zum Erhalt, der Regeneration und der Verbesserung des gesamten Stromökosystems der EIbe mit seiner einmaligen Auenlandschaft. Ausgangspunkt der Bemühungen ist die Feststellung, dass Fluss und Auen Träger einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenpopulation sind, "deren Existenz von der weitgehenden Intaktheit der Strukturen sowie des Wasserhaushaltes und der Nutzungen dieses Flußökosystems abhängig ist. Die EIbe hatte als einer der wenigen europäischen Flüsse das große Glück, daß viele Abschnitte in ihrer Struktur und im Verbund noch weitgehend naturnah erhalten blieben. ,,2 Allerdings war die EIbe von ihrer Besiedlung an anthropogenen Nutzungen und Veränderungen ausgesetzt. Sie war Dreh- und Angelpunkt in vieler Menschen Leben als Nahrungsgrund, als Verkehrs- und Transportweg, als Wasch- und Bademöglichkeit und auch zur Erholung und Muße. Außerdem gewann sie an Nutzen für die sich ihr bedienenden industriellen Anlagen, aber auch für die Abfuhr von Exkrementen. Durch diese vielfache Verwendung haben sich der Fluss und seine Ufergebiete im Laufe der Jahrhunderte seit seiner Besiedlung stark verändert. Dämme gegen Hochwasser wurden gezogen, Hafen-, Verlade- und Treidelanlagen, Anlegestellen und Brücken gebaut, Fähr- und Schifffahrtsbetriebe eingeführt, Schiffsmühlen,
Fischerflächen und Badeanstalten eingerichtet. Die Industrie versorgte sich mit Elbwasser und entsorgte ihr Abwasser ebenso in die EIbe, wie die städtische Bevölkerung die Fäkalien. Bei der
vielfältigen Nutzung der EIbe musste es außerdem zwangsläufig zu Interessenüberschneidungen einerseits und negativen Auswirkungen für Fluss und Uferhabitate sowie Nutzer andererseits kommen, was zudem die Abhängigkeiten verdeutlicht, in welche sich die Menschen über die Jahrhunderte zum Fluss begeben haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Prolegomena
1.2 Aufgabenstellung
1.3 Gliederung
1.4 Definitionen Natur- und Umweltschutz
1.5 Quellenlage und Forschungsstand
1.5.1 Quellenlage
1.5.2 Forschungsstand
2 Ursprünge des Heimat- und Naturschutzes
2.1 Skizzen der Entwicklung Sachsens im 19. und frühen 20. Jahrhundert
2.2 Genese des Heimat- und Naturschutzes
3 Der Heimat- und Naturschutz in Sachsen
3.1 Die Entstehung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
3.1.1 Der Ausschuss zur Pflege heimatlicher Kunst und Bauweise
3.1.2 Transformation des „Ausschusses“ zum Landesverein Sächsischer Heimatschutz
3.1.3 Arbeitsbereiche des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
3.1.4 Entwicklung und Wirkung
3.2 Naturschutz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz
3.2.1 Naturschutzskizzen
3.2.2 Konzeptionen
3.2.3 Personen und Arbeitsfelder
3.2.4 Naturschutz und Ökonomie
3.3 Forderungen, Tätigkeiten und Ergebnisse der Naturschutzarbeit des Sächsischen Heimatschutzes
3.3.1 Schutz der landschaftlichen Natur
3.3.2 Schutz der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt
3.3.3 Schutz der geologischen Eigentümlichkeiten
3.3.4 Weitere Ergebnisse der Naturschutzarbeit des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
4 Die Elbe
4.1 Faktoren der Elbregulierung
4.1.1 Wirtschaftliche Voraussetzungen
4.1.2 Rechtliche Voraussetzungen
4.1.2.1 Die Elbstrom- Ufer- und Dammordnung von 1819
4.1.2.2 Die Elbschifffahrtsakte von 1821 und die Additionalakte von 1844
4.1.2.3 Das sächsische Wassergesetz vom 12.3.1909
4.1.2.4 Gesetz betreffend den Ausbau der deutschen Wasserstraßen und die Erhebung von Schifffahrtsabgaben vom 24.12.1911
4.2 Elbstromregulierung
5 Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz und die Elbe
5.1 Wasserbau
5.2 Schutzbemühungen im Elbtal
5.3 Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz und die Elbregulierung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und inwiefern der frühe sächsische Naturschutz als Teil der Heimatschutzbewegung Einfluss auf die Elbregulierung im Sinne des Schutzes von Fauna und Flora genommen hat. Dabei wird analysiert, inwieweit der Landesverein Sächsischer Heimatschutz (LSH) als Naturschutzinstanz auf die wasserbaulichen Maßnahmen einwirken konnte, diese streckenweise verhinderte oder auf naturverträgliche Ansätze hinwirkte.
- Historische Entwicklung des sächsischen Heimat- und Naturschutzes
- Konstitution und Arbeitsweise des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
- Methoden und Auswirkungen der technischen Elbregulierung
- Wechselwirkungen zwischen wasserbaulichen Anforderungen und Naturschutzinteressen
- Rolle von Gesetzgebung und staatlicher Verwaltung
Auszug aus dem Buch
1.2 Aufgabenstellung
Wie erwähnt, befand sich die Elbe vor mehr als 100 Jahren, zur Zeit der Hochindustrialisierung, ebenfalls im Ausbauzustand, damals hauptsächlich zum Zweck der Schiffbarmachung. Etwa zur selben Zeit entwickelte sich in Sachsen eine modernitätskritische Bewegung, welche sich gegen die scheinbar willkürliche Ausbreitung rational-wirtschaftlicher Interessen, gegen die Auflösung vertrauter Lebensweisen und die Veränderung und industrielle Überformung der Landschaft wandte. Ein wesentlicher Eckpfeiler der Kritik dieser bürgerlich-intellektuellen Strömung war die Ästhetik und Bodenständigkeit der Dinge, ob in der Volkskunst, dem Bauwesen oder dem Natur- und Landschaftsschutz; diese Felder stellten im weitesten Sinne den hauptsächlichen Wirkungskern der hier gekennzeichneten Heimatschutzbewegung dar.
Motiviert durch die oben geschilderten Bemühungen um den Schutz der Elbe durch Naturschutzverbände heutigentags und angesichts der gleichzeitigen Prozesse der Flussregulierung und der Entstehung des Heimat- und Naturschutzes im Kaiserreich, soll es die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, zu eruieren, ob und wie der frühe sächsische Naturschutz als Teil des Heimatschutzes Einfluss auf die Elbkorrektion im Sinne des Schutzes der Fauna und Flora des Elblaufes und der Flussauen genommen hat.
Unter Flussregulierung im Sinne der Schiffbarmachung ist, wie dargestellt wurde, die Herstellung einer bestenfalls ganzjährig existenten Fahrrinne zu verstehen. Dazu werden Hindernisse aus dem Fluss und vom Ufer geräumt sowie die Ufer befestigt, zur Vertiefung des Fahrwassers werden Spiegelbreiten durch Parallelwerke und/ oder Buhnen eingeengt und/ oder Grund- und Sohlschwellen eingebaut. Derlei Arbeiten bilden das gesamte Regelungssystem einer Korrektion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse sowie die zentrale Fragestellung zur Rolle des frühen Naturschutzes bei der Elbregulierung dar.
2 Ursprünge des Heimat- und Naturschutzes: Skizziert die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der sächsischen Industrialisierung und die Entstehung der Heimatschutzbewegung.
3 Der Heimat- und Naturschutz in Sachsen: Analysiert die Gründung, Struktur und Arbeitsweise des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.
4 Die Elbe: Erläutert die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen der Elbstromregulierung bis zum frühen 20. Jahrhundert.
5 Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz und die Elbe: Untersucht die konkrete Auseinandersetzung des LSH mit dem Wasserbau und der Flussregulierung.
Schlüsselwörter
Heimatschutz, Naturschutz, Elbregulierung, Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Wasserbau, Flusskorrektion, Industriegeschichte, Kaiserreich, Sächsische Schweiz, Fauna, Flora, Umweltgeschichte, Wassergesetz, Landschaftsschutz, Denkmalpflege
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des frühen sächsischen Naturschutzes und insbesondere des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz bei der Gestaltung und Regulierung der Elbe zwischen 1871 und 1914.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Industrialisierung Sachsens, die Entstehung des organisierten Naturschutzes, die wasserbauliche Regulierung der Elbe sowie die Verknüpfung von ästhetischen und ökonomischen Interessen im Kaiserreich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu eruieren, ob und inwieweit der frühe Naturschutz erfolgreich Einfluss auf die technischen Korrektionsmaßnahmen an der Elbe im Sinne des Arten- und Landschaftsschutzes nehmen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Primärquellen, Archivmaterialien sowie zeitgenössischen Publikationen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen sächsischen Entwicklung, die detaillierte Analyse der Strukturen des Heimatschutzvereins sowie die technische und rechtliche Betrachtung der Elbregulierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Heimatschutz, Naturschutz, Elbregulierung, industrielle Überformung, Denkmalpflege und wasserbauliche Korrektion charakterisiert.
Welche Rolle spielte der Landesverein Sächsischer Heimatschutz im politischen Gefüge?
Der LSH war eng mit staatlichen Stellen verknüpft, da viele seiner Mitglieder im Staatsdienst standen, was ihm einerseits Einfluss ermöglichte, andererseits seine Unabhängigkeit begrenzte.
Warum blieb die Elbregulierung weitgehend frei von Einflüssen des LSH?
Die Arbeit legt dar, dass die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Elbe als Transportweg und die fortgeschrittene technische Planung einer effektiven Intervention durch Naturschützer meist entgegenstanden.
- Quote paper
- Johannes Keil (Author), 2007, Die Elbstromregulierung und die Anfänge der sächsischen Natur- und Heimatschutzbewegung 1871-1914, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111918