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Die Legitimierung der karolingischen Usurpation des fränkischen Thrones

Title: Die Legitimierung der karolingischen Usurpation des fränkischen Thrones

Term Paper , 2008 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Stephan-Pierre Mentsches (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem Wechsel der Königsherrschaft von den Merowingern auf die Karolinger. Das Schlüsselereignis stellt hier das Jahr des Herrschaftswechsels von 751 dar, in welchem Pippin der Jüngere König der Franken wurde und den letzten Merowinger, Childerich III. ins Exil schickte.
Wie der Titel der Arbeit bereits erkennen läßt, handelte es sich hierbei nicht um einen normalen Vorgang, sondern den Karolingern wird eine Thronusurpation unterstellt, eine nicht rechtmäßige Besitznahme des Königstitels. Daraus ergab sich für diese damals das Problem, den bisher von den Merowingern regierten Franken eine Legitimation für ihr Handeln geben zu müssen. Welche Aspekte hierbei eine Rolle spielten, wird zu untersuchen sein. Dabei muß zunächst geklärt werden, worauf sich der Herrschaftsanspruch der Merowinger bezieht; erst danach wird man weitersehen können, inwiefern die Karolinger neue Legitimationsgründe vorlegten, die die alten außer Kraft setzen oder ersetzen konnten. Dabei wird der „Staatsstreich Grimoalds“ eine Rolle spielen, durch den die Vorfahren der Karolinger, die Pippiniden, schon einmal den Griff nach der Macht gewagt hatten, dann jedoch gescheitert waren; es wird zu untersuchen sein, ob hier auch mangelnde Legitimation eine Rolle spielte und ob dies auch der Grund war, warum die Karolinger erst neunzig Jahre später einen weiteren Versuch unternahmen, wobei sie die Macht de facto schon längst inne hatten. Zum Abschluß wird die Arbeit einen kurzen Ausblick darüber geben, wie sich das fränkische, hier genauer das ostfränkische, Königtum weiterentwickelte und welche Legitimitätsgrundlagen es künftig hatte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Königtum der Merowinger

2.1 Aufstieg

2.2 Legitimation & Nachfolge

3. Ein früherer Usurpationsversuch der Karolinger

3.1 Der Staatsstreich Grimoalds

3.2 Das Scheitern und die Folgen

4. Der erneute Griff nach der Macht

4.1 Legitimation der karolingischen Königsherrschaft

4.1.1 Die Salbung

4.1.2 Die künstliche Verwandtschaft mit dem Papst

4.1.3 Der Konsens mit den fränkischen Großen

4.2 Bedeutung für die Zukunft des Reiches

4.2.1 Festsetzung des Wahlkönigtums

4.2.2 Die Rolle des Papstes

5 Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Herrschaftswechsel von den Merowingern zu den Karolingern im Jahr 751 und analysiert, mit welchen spezifischen Legitimationsstrategien die Karolinger die ihnen unterstellte Thronusurpation rechtfertigten und sich als neue Königsherrschaft etablierten.

  • Die historische Rolle und der Legitimationsverlust der Merowinger
  • Die Analyse früherer Usurpationsversuche, insbesondere durch Grimoald
  • Die neuen Legitimationskriterien: Sakrale Salbung, künstliche Verwandtschaft und Konsens der Großen
  • Die langfristigen Auswirkungen des Wechsels auf die Struktur des fränkischen Königtums

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Die Salbung

Zunächst einmal ist die Salbung Pippins zu nennen. Dieses Legitimitätsmerkmal eines Königs tritt hier bei den Franken erstmals auf und gibt gleich Anlaß zu weiteren Kontroversen. So wurde nach fränkischen Quellen Pippin zweimal gesalbt: zum einen durch den Erzbischof Bonifatius 751 und ein weiteres Mal durch Papst Stephan II. 754. Dabei ist definitiv nur letztere bezeugt.32 Dabei erscheint eine zweimalige Salbung wahrscheinlich, wenn man sich des Ursprunges der Königssalbung bewußt wird. So heißt es in der Bibel:

„1Der Herr sagte zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Bethlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. […] 12Isai schickte also jemanden hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. 13Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.“33

Und an anderer Stelle:

„1Danach fragte David den Herrn: Soll ich in eine der Städte Judas hinaufziehen? Der Herr antwortete ihm: Zieh hinauf! David fragte: Wohin soll ich ziehen? Er antwortete: nach Hebron. 2David zog also nach Hebron mit seinen beiden Frauen, Ahinoam aus Jesreel und Abigaijl, der (früheren) Frau Nabals aus Karmel. […] 4Dann kamen die Männer Judas (nach Hebron) und salbten David dort zum König und über das Haus Juda.“34

Der biblische Usurpator David wurde also zweimal gesalbt. Es wäre demnach höchst verwunderlich gewesen, hätte Pippin einen Gottesbezug seines Königtums hergestellt, ohne dabei auf das bekannteste Beispiel, David und Saul, hinzuweisen.35 Es kann demnach angenommen werden, daß sowohl 751, als auch 754 eine Salbung Pippins stattgefunden hat, welche ihr Vorbild im Alten Testament hatte und durch die päpstliche Autorität umgesetzt wurden.36

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in den historischen Herrschaftswechsel von 751 ein und stellt die zentrale Fragestellung nach der Legitimation der karolingischen Thronübernahme.

2 Das Königtum der Merowinger: Dieses Kapitel erläutert den Aufstieg der Merowinger und deren Herrschaftsgrundlagen sowie die Bedeutung mythischer Bezüge für ihren Status.

3. Ein früherer Usurpationsversuch der Karolinger: Es wird der gescheiterte Staatsstreich Grimoalds untersucht, der bereits 90 Jahre vor der tatsächlichen Übernahme stattfand.

4. Der erneute Griff nach der Macht: Der Hauptteil analysiert die Instrumente der Machtlegitimation, insbesondere die Sakralisierung des Königtums durch Salbung und die enge Anbindung an den Papst.

5 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Karolinger erfolgreich neue, kirchlich geprägte Legitimationskriterien mit traditionellen fränkischen Erwartungen verbanden.

Schlüsselwörter

Karolinger, Merowinger, Thronusurpation, Pippin der Jüngere, Königssalbung, Papsttum, Legitimation, Compaternitas, Konsens der Großen, fränkisches Königtum, Staatsstreich, Herrschaftsanspruch, Mittelalter, Dynastiewechsel, Wahlkönigtum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Übergang der Herrschaftsgewalt von der Dynastie der Merowinger auf die Karolinger im Jahr 751 und die daraus resultierenden Legitimationsprobleme.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die Rolle des Papsttums, die Bedeutung der Salbung als sakrales Herrschaftsmerkmal und die Einbindung der fränkischen Großen in den Prozess der Königserhebung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu ergründen, wie Pippin der Jüngere den Mangel an traditioneller Abstammungslegitimation durch neue, religiöse und politische Instrumente ausgleichen konnte, um seine Herrschaft zu rechtfertigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-kritischen Quellenanalyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Chroniken (wie der Fortsetzung des Fredegar) sowie einschlägiger Forschungsliteratur.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Im Hauptteil werden spezifische Legitimationsmittel wie die Königssalbung, die "künstliche Verwandtschaft" (Compaternitas) zum Papst und der Konsens mit den fränkischen Adligen detailliert untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Inhalt?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Thronusurpation, Königsheil, Pippiniden, sakrale Legitimation und das fränkische Wahlkönigtum.

Inwiefern unterschied sich Pippins Vorgehen von dem seines Vorfahren Grimoald?

Während Grimoald durch einen gewaltsamen Staatsstreich scheiterte, sicherte sich Pippin durch die Einbindung der päpstlichen Autorität und die formelle Zustimmung der fränkischen Großen eine breitere und stabilere Legitimitätsbasis.

Welche langfristige Bedeutung wird dem Ereignis von 751 zugeschrieben?

Der Wechsel von 751 legte den Grundstein für eine neue Art des Königtums, das eng an die Kirche gebunden war, und führte langfristig zur Ausbildung des Kaisertums und dezentralen Machtstrukturen.

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Details

Title
Die Legitimierung der karolingischen Usurpation des fränkischen Thrones
College
University of Cologne  (Historisches Seminar)
Grade
2,0
Author
Stephan-Pierre Mentsches (Author)
Publication Year
2008
Pages
19
Catalog Number
V111954
ISBN (eBook)
9783640104147
ISBN (Book)
9783640101979
Language
German
Tags
Legitimierung Usurpation Thrones
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephan-Pierre Mentsches (Author), 2008, Die Legitimierung der karolingischen Usurpation des fränkischen Thrones, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111954
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